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Jüdische Rundschau · 1903-05-29 · Heft 22 (29.5.1903) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 22 (29.5.1903)
Date
1903-05-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 214. Jüdische Hundscliau No. 22. e) Entgegennahme und Beratung von Petitionen und An» trägen. § 10. Die Arbeiten eines Kongresses werden nach der vom III. Kongresse beschlossenen GcschäRsordnung durchgeführt. י § 11. An den Verhandlungen des Kongresses können nur die von den Sckekelzahlern gewählten Delegierten teilneluncn. § 12. Jeder:Schckelzahler hat das aktive Walilreclit zum Kongresse bei erreichtem 18. und das passive bei erreichtem 21־. Lebensjahre. Die Wahlen sind mindestens vier Wochen vor Beginn des Kongresses möglichst au einem und demselben Tage in der ganzen Welt vorzunehmen. Bei Verhinderung eines Gewählten ist bis zum Beginne des Kongresses eine Ersatzwahl zulässig. Die Vereine werden ermächtigt zur Vcrmeidung von Unzutraglichkciten gleich beim Wahlakte für den Fall der Verhinderung der Delegierten Ersatzmänner mitzu• wählen, welche gleichzeitig anzumcldcn sind. § 13. Die Wahlgruppen sind Hundertschaften. Die Einteilung der Wahlgruppen wird von der Landesorganisation vor* genommen durch Zuweisung einer Delegicrtenanzahl, welche der Schckelzahleranzah! entspricht, so weit cfs sich uni Vereine handelt oder durch Zusammenlegung solcher Schckelzahler* gnippen, deren Zahl hundert nicht erreicht. § M. Die Wahl der Delegierten für den Zionistenkongress ist eine direkte und geheime. Die sonstigen Wahlmodalitätcn bleiben den Landesorganisationen überlassen. Diese haben jedoch mindestens drei Monate vor dem Kongresse die Be* stätigung des Wahlmodus vom engeren A.-K. cinzuholen. Die Verständigung über die vorgenommenen Wahlen kann nur durch die Landesorganisation erfolgen. Die Landesorganisation ist verpflichtet, den Gewählten eine Legitimation über die er* folgte Wahl auszustellen. § 15. Jeder Delegierte verfügt im Kongresse nur über eine Stimme. § 16. Die Deiegiertcnmaudatc sind nicht übertragbar. § 17. Jedes I.andeskoniitce führt eine eigene Liste seiner Schckelzahler, die cs, ebenso wie die Namen der gewählten Delegierten, dem A.-K. wenigstens vier Wochen vor federn Kongresse mitzuteilcn hat. Das Sekretariat des Kongressbureaus muss spätestens am 23. Juli im Besitze aller Wahlprotokolle sein. Daraus ergibt sieb, dass die Scltekelgcldcr bis spütestens den 15. Juni an die Distriktbureaus abgeiiefert sein müssen, damit die Einteilung der Hundertschaften und die Wahlen selbst rechtzeitig erfolgen können. Distriktsbureau Berlin. Diejenigen Ortsgruppen und Vertrauensmänner, welche die Scliekclgclder und Landesbeitrüge noch nicht abgeliefert haben, werden hiermit dringend ersucht, dies bis zum 6. Juni zu tun, damit die Schekelzahlcr noch bei der Einteilung der Wahlbezirke berücksichtigt werden können. Berlin. Am Donnerstag, dem II. Juni, abends 9 Uhr, findet im kleinen Saal bei D r ä s e I, N e u c F r i e d r i c hstrasse 351, die Generalversammlung der Berliner Zionistischen Vereinigung statt. Die Mitglieder werden dringend gebeten, recht zahlreicli zu erscheinen. Es liegen bereits zwei wichtige Anträge auf Abänderung der Statuten vor. Stimmberechtigt ist nur, wer für das laufende Viertcljalir seinen Beitrag entrichtet hat. Rückständige Beiträge sind daher bis zum 10. Juni an den Kassenwart Herrn J. H. Wagner, Freuziauer Allee 9, zu senden. Berlin. Am Dienstag, dem 10. d. Mts., hielt in der Freie•;! Verbindung ״Hnsmonaca“ vor einem grösseren Auditorium Oberlehrer Dr. Scliorr einen Vortrag über ״Flävius Josephus, ein Charakterbild“. Der Herr Rciercnt gab erst einer kurzen Ucberbliek über den äusseren Lebensgang dies viel ge• schmähten jüdischen Historikers, der uns seines krassen Egois* iiiiis wegen als Mensch allerdings nicht sympathisch sein kann. Sodann ging er zu einer eingehenden Besprechung seiner (des Joseplitis) wichtigsten Werke über, des ״Jüdischen Krieges", der ״Jüdischen Archäologie*' und der Schrift ״Contra Apiouem“ und zeigte, dass als Geschichtschreiber Josephus durchaus mein Würdigung verdient, als ihm allgemein zu teil wird: denn wenn er cs sieb zur Auigabc gemacht und in allen seinen Werken darauf hin gearbeitet hat, den Gegensatz zwischen Orient und Okzident, zwischen jüdischer und römischer Weltanschauung zu mildern, so glaubte er, dadurch seinem Volke einen Dienst zu erweisen. — Reicher Beifall folgte dem fesselnden und formvollendeten Vortrag. — ״Bei dieser Gelegenheit sei nochmals darauf aufmerksam gemacht, dass die Freie Verbindung Hasmouea an jedem Diens* tag — mit Ausnahme dieser Pfingstwochc — ln ihrem Lokale (Burgstrasse 12) einen Vortragsabend veranstaltet, an dem Gäste herzlich willkommen sind.“ Berlin. Der h c b r ä i s c h -1 i t e r a r I sc h e Verein ״Safah-Beruhrah“ begann seine Tätigkeit im neuen Semester mit einer zahlreich besuchten Versammlung am Mittwoch, dem 20. Mai, im Restaurant Linicnstr. 155. Tore *) und eine Brücke, welche die obere Stadt mit dem Tempel verband." Sollen nicht ״Tore" und חניות״“ identisch mit einander sein? Von dem grossen Bcth*din in Westen des Tempels wetss auch schon Sit'rc Numeri § 116 (zitiert von B. p. 21) zu berichten. Nach alldem scheint mir die von B. bc* stritten״: Identität als wohl erwiesen zu betrachten. — Iin einzelnen habe ich folgendes zu bemerken: P. 3: ״Denn diese nehmen die . . . mit Jos. übereinstimmenden . . . Nachrichten der Evangelien zu! Grundlage, was zweifellos richtig ist.“ Ist zu allgemein gehalten. Mir scheint, dass gelegentlichen No* tizen zumindest soviel objektive Wahrheit zuzuerkennen sei, wie geflissentlicher Geschichtsschreibung. Der Talmud ist zunächst Gesetzbuch; die schriftliche Lehre zu erklären, sie auszulegcn, Fragen, die in das Praktische cingrcifen, zu lösen, das religiöse Lehen zu regeln, ist ihm Hauptsache. Geschichte zu machen, war seine Sache nicht. Selten, dass er auf eine Tatsache, gcwlsscrmasscn im Vorbeigehen, hinweist. Wozu soll er nun die Tatsachen entstellt überliefert haben? Jos. dagegen war Geschichtsschreiber von Beruf, der auf den Desfall *) Die La. schwanken zwischen der Ein- und Mehrzahl, entsprechend den Variationen betreffs der חניות in der talmudischcn L i * t c r a t u r (S. die vorhergehende Anm.). seiner Leser rechnete. Ob er volle Objektivität sich zu be* wahren wusste, ob er keine eigenen Kombinationen in die Gesclichnisse hineingetragen hat — wer vermag es mit Bestimmtheit zu verneinen? Den Talmud Jos. gegenüber so mir nichts dir nichts zu verwerfen ist ungerechtfertigt. S. IS (oben): ״Von einem Gebäude bei diesen Toren findet sich meines Wissens nirgends eine Spur." Nirgends? Ist diese nicht l>oi Jos. gegeben? Oder soll er ctw׳a diesbezüglich nicht massgebend gewesen sein? Wenn aber einmal zugegeben wird, dass das grosse Bctl!-diu aus der Quaderkammer ausgewandert Ist, so spricht mich schon die Ocrtlichkcit dafür, dass cs sich nur im Westen des Tcmpelbergcs niedergelassen haben konnte, indem der nötige Raum zu dessen Aufnahme nur noch auf dem Gienzpunkte zwischen der (Ober*) Stadt und dem Tertipclbergc gegeben war. Ob es ein Gebäude. ״Tore“ oder חניות waren, ist ganz irrelevant Etwas w׳ird cs wohl gegeben haben, da sie doch kaum unter freiem Himmel ihre Sitzungen ahgehaiten haben. Für den Westen spricht auch die zitierte Sifrestclie. Allerdings darf das: אחורי בית תבת nicht buchstäblich genommen werden. S. 30: ״In der Tat erzählt R. Jose b. Halaftha . . .“ Davon war bereits die Rede. Ibidem: ״Mittelbar gelangen wir ... zu dem Ergebnis, dass auf dem Tcmpelberge drei Kammern Behörden beherbergten:

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