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Jüdische Rundschau · 1903-05-29 · Heft 22 (29.5.1903) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 22 (29.5.1903)
Date
1903-05-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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V ״*!״*׳1 י״? ׳9* No. 22. Jüdische Rundschau• Seite 211. 1 währen wollen. Dass ein Kosakenhauptmann sich bestechen 1 lässt. Ist viel zu wenig wunderbar, um besonders hervorgel hoben zu 'werden; aber cs zeigt unzweideutig, dass es eine j Läge ist. v enn die Regierung angibt, die Truppen hätten zur { ־ Dämpfung des Aufruhrs nicht ausgereicht. In mehreren Zei- ( tungen findet sich die Meldung, die Zahl der Mordbrenner sei! niclit grösser gewesen als 200—300. Sic will uns unglaublich 1 erscheinen, denn wenn sie auf Wahrheit beruhte, wäre die: ein- \ zige Erklärung der Vorgänge, dass das Rauben und Morden : unter dem Schutze des Militärs stattgefunden habe, und dass ist mehr, als man selbst russischen! Militär in einem Juden- : krawall Zutrauen möchte. Aber unmöglich ist es nicht . . . Ith Vordergründe steht jetzt die Hilfsaktion, die von allen Seiten her sich bemüht, die erste Not der Unglücklichen zu lindern. Zunächst ist cs interessant, die eigentümliche Art der ״Hilfsaktion“ zu beleuchten, die von russischen Rcgicrungsorganen ausgclit. Wer einmal den schlimmen Verdacht gefasst hat, dem wir wiederholt Ausdruck gaben, — und in wem sollte dieser Verdacht angesichts der Tatsachen nicht aulsteigen der wird ohnehin mit tiefem Misstrauen jedem Schritte der Regierung folgen. Nun wird aus Washington gemeldet: Der Staatssekretär Hay der Vereinigten Staaten bat mit der russischen Regierung nichtformellc Mitteilungen angckimpit. Er teilte mit, dass amerikanisch-jüdische Gesellschatten zu den Unterstützungen für die Geplünderten beizu- . tirgen wünschten. Die russische Regierung antwortete offt- ' ziel!, dass kein Anlass zu Spenden vorhanden sei, da ein Notstand nicht bestehe; nichtsdestoweniger würde man milde Gaben dankbar annehmen. Was soll man nun hierbei mehr bewundern, die Unverschämtheit der Lüge oder die Herzlosigkeit? Eine andere Szene: Eine Deputation christlicher Handwerker beklagte sich bei dem Präsidenten des Handwerkeramtes, dass die jüdischen Unternehmer und Handwerker seit dem Aufruhr alle christlichen Arbeiter entlassen hätten (also auch das dürfen sic nicht einmal!). Der Präsident bcnachrichtigte den Gouverneur, und dieser, der für jüdische Dcputationen keine Zeit gehabt hatte, erschien sofort und versprach Abhilfe. Auch versprach er, sämtliche jüdischen Handwerker, die von aussen zugezogen wären, auszuweisen. Auch der blutige Hohn darf nicht fehlen: Unter dem Präsidium des Metropoliten, des Hauptes der Kischincwer Geistlichkeit, ist ein Hilfskomitee zu gunsten nicht .etwa der Juden, sondern der Familien der arretierten Raubmörder gegründet worden. Aehnlich heisst cs ln einem Erlass des Gouverneurs: Die Familien der Teilncfcmer an den Unruhen werden von den beiden Direktoren der Gefängniskomitecs unterstützt. — ' Lasst uns das Lied anstimmen: Liebet eure Feinde, segnet, die euch Huchen, tuet wohl denen, die euch hassen, bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen. Aber wozu wollen wir Bitterkeit auf Bitterkeit hänfen? Es hat auch hier nicht an Taten grossherziger Nächstenliebe gefehlt, und wir wollen ihrer gedenken, so oft wir des Bösen gedenken, das uns widerfahren ist Schon während der Strassenszenen waren eine Anzahl Studenten und Offiziere herbeigeeilt, um die Massen za bcschwichtigen, und unter den Verwundeten sind gegen 40 Christen, die für Juden geblutet haben. Das Andenken dieser Gerechten soll bei uns nicht verlöschen. — Bel den Samm-!ungen kamen die ersten und grössten. Summen von Christ-!!eher Seite, die Damen vom ״Roten Kreuz“ waren und sind noch heute unermüdlich tätig zur Linderung des Elends. Auch die Geister, die ein neues Russland zu bauen stieben lind an deren Namen sich das Höchste knüpft, was Menschenherzen bewegt, sind nicht fern geblieben: Maxim Gorki, der Mann aus dem Volke, der gewaltige Darsteller des Elends, hat sofort 500 Rubel gesandt, und Leo Tolstoi, der greise Verkünder eines wahrhaften Christentums, hat von seinen Glücksgutem einen reichen Anteil, 15 000 Rubel, gespendet. Die jüdischen Sammlungen gehen rüstig vorwärts. Von der Alliance sind ausser den 50 000 Mark, die sie sofort anwies, bis jetzt noch weit grössere Summen gesammelt worden. Der Hilfsvercin der deutschen Juden hat ebenfalls nach einer! ersten Sendung von 10000 Mark eine gesonderte Sammlung ן eingeleitet. In Nordamerika haben sich auf Anregung der 1 Zionisten Gesellschaften zur Unterstützung unserer Brüder ge- | bildet. Die Sammlungen der deutschen Zionisten, die sich auf mehrere tausend Mark belaufen, sind in unserm Blatte und in der ״Welt“ quittiert. j in aller Stille aber geht indes die mächtigste Hilfsaktion : mit grossen Schritten weiter, das ist: de r Zion Ismu s. I * * *! Vor.mir liegen die beiden Briefe, in denen Tolstoi und Gorki ihre Anschauungen über die Judenkrawalle und ihre Ur-! heber zum Ausdruck bringen. Wer eine Bestätigung — wenn I cs ihrer noch bedarf — dafür haben will, dass diese führenden j Geister der russischen Entwickelung ein warmes Herz für unsere Brüder haben, der lese diese Briefe, diese Dokument: des grossen Syncdrions; H. Die Behörde in der Quaderkammer des Tempels; III. Der Vorsitzende des grossen Betli-din in Jcrus. und IV. Die Stellung des Hohenpriesters im Tempel und Im Volke; die zusammen folgenden IX Kap. behandeln: Nicht- Identität dieser Behörde (in der Quaderkammer) mit dem Synedrion; das grosse Bcth-din; die Befugnisse des Beth-din in der Quadcrk.; Gainllcl I.. der Vorsitzende des Bcth-din: Simon, Sohn Gamlicls I.; Hillci, der Vorsitzende; Schemaja und Abtaljon; die politische Stellung des Hohenpriesters; der Hohepriester im Synedrion. Hierzu Einleitung und Register. Wie man sicht, hat der V. nichts, was hier in Frage . kommt oder auch nur mit unserem Thema in» Zusammenhänge steht, .ausser Acht gelassen. Kein Punkt, der seiner Aufmerksamkeit entgangen wäre. Sind aber auch seine Ausführungen * überzeugend? Hat cs wirklich neben dem 71glicderigen Bcth- ■ din in der Quadcrkanimer (richtig: Halle) auch ein grosses [ Synedrion in der (Ober־) Stadt gegeben? ' . ן Da die richtige Beantwortung dieser Frage unstreitig mit ן der Bestimmung der genauen Lage der aufs Engste | verknüpft ist. so wollen wir uns zunächst über diesen Punkt I Gewissheit verschaffen. ״Die ßo-jXf, sagt Schürer (a. a. O.) Jag nach Jos. (a. a. O.) in der Nähe des sog. Xystos und zwar von diesem östlich dem Tcmpelbergc zu. Da nach Bell. II. .16,3 vom Xystos unmittelbar eine Brücke nach dem Tempelberge hinüberführte, so ist die ßvAf, wahrscheinlich auf dem Tempelberge selbst an dessen westlicher Grenze zu suchen. Jedenfalls lag sic ausserhalb der Oberstadt“. Dagegen wendet Büchlcr ein: ״Man beachte zunächst, dass der Xystos... in der Oberstadt (?1 lag und vom iTempclbergeJ dureji eine Brücke getrennt war; und da soll die Kammer (richtig: das Rathausl auf dem Tcmpelbergc als am Xystos gelegen, bezeichnet worden sein!“ (S. 16). Allein wer hat es gesagt, dass der Xystos in der Oberstadt gelegen hat? Hat cs Schürer auch nur mit einer Silbe angedeutet? Konnte er es auch? Ucbcr dessen Lage lässt ja Jos. keinen Zweifel übrig. Bell. II. 16,3 sagt er: ״Agrippa berief das Volk nach dem durch eine Brücke mit dem Tempel verbundenen Xystos . . . und hielt vor dem Palaste der Asmonäer, welcher ü b e r dem Xystos an der Grenze der O b e r stadt lag, folgende Rede ...“ Somit lag der Xystos zwischen dcmTempelberge und dem Asmonäcrpataste.Soistauch dessen Lage bei: Williams, Krafft, Fcrgusson, Thrupp, Lewin. Sepp, Menke, Warrcn. Furrcr und Schlick angegeben. (Vgl. Dr.C. Zimnicrniaiui, Restaurirtc Stadtpläne des alten Jerusalem. Tafel IV. Basel 1876). Diese Stelle bei Jos. zitiert Schürer. Wie kann er sich nun den Xystos in der Oberstadt gedacht

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