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Jüdische Rundschau · 1903-05-22 · Heft 21 (22.5.1903) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 21 (22.5.1903)
Date
1903-05-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 21. j Jüdische Hundsuhaa. Seite 203. tätigung und dessen oratorisches Talent allseitige Anerkennung gefunden hat. — * ■ Strassburg l Eis. Am Sonntag, dem 3. Mai veranstaltete die hiesige Ortsgruppe zur Feier des Schckeltages einen Vortragsabend. zu welchem unser Og. Dr. mcd. Julius Moses aus Mannheim das Referat über ״Die jüdische Wohltätigkeit und der Zionismus" liebenswürdigst übernommen hatte. Redner setzte unter gespannter Aufmerksamkeit der zahlreich er- I schicnenen Zuhörer den Unterschied auseinander zwischen der j bisher geübten Art jüdischer Wohltätigkeit und dem planvollen j Arbeiten des Zionismus. Er zeichnete mit grosser Schärfe d:c! Tätigkeit und Erfolge vieler grosser Wohlttätigkeitsinstitute j u. a. der Allianz, der fea und des Vereins ״Esra". Dr. Moses i wies nach, dass alle diese Vereine im besten Falle imstande j seien, der augenblicklichen Notlage des jüdischen Volkes j Linderung zu verschaiien; dass sic aber gemäss ihrer Tendenz j nie imstande sein könnten, dauerndes zu schaiicn, also die! jüdische Frage endgiltig zu lösen. U. A. führte Redner als Bei- 1 spiel die Verhältnisse in Rumänien und die grauenvollen Er-! tignisse in Ubnow und in Kischinew an. Hier seien die Wohlj tötigkeitsvereinc vielleicht in der Lage, der gegenwärtigen furchtbaren Not etwas zu steuern, aber es läge keine Garantie vor. dass sich diese furchtbaren Katastrophen in einiger Zeit Trauertag gewordenen diesjährigen Schekeltag hn Saale des Palast-Restaurants. Ansprachen wurden gehalten: 1. über die Bedeutung des Schckeltages, 2. über die Katastrophe .in Kischinew und U h n o w. Königsberg I. Pr. Der Akademische Verein ״Herz I" beginnt nunmehr das fünfte Semester seines Bestehens.- Auf der Generalversammlung wurden phil. Friedmann zum Vorsitzendem mcd. dcat. Schere sehe wsky zum Schriftitihrcr und phil. Zinn zum Kassenwart. Die Tätigkeit für das laufende Semester soll sich nun derart gestalten, dass, wie bisher vier mal monatlich wissenschaftliche Versammlungen stattfinden, von denen zwei durch obligatorische Geschichtskursc, zwei durch andere wisscnschafnchc Vorträge jüdischen Inhalts ausgefiillt werden sollen. Die Leitung der Geschichtskursc hat Vbr. Fried mann übernommen. Ferner werdenzwei mal wöchentlich 11ebr.äische Sprachkurse obligatorisch abgehalten Werden, zu deren Leitung sich Vbr. Auerbach bereit erklärt hat. Ausserdem ist d e Errichtung einer Bib- I i o t h c k ins Auge gefasst worden. Am Sonnabend, dem 2. Mai. fand unsere Antrittskneipt statt, die von Gästen besucht war. Vors. Fricdmann cröffnete die Kneipe mit einem Hoch auf unsere Albertina. Nach Be* griissung der Gäste hielt er eine gehaltvolle Tcndeazrcde, die mit einem Salamander au! Dr. Theodor Herzi endete. Der Abend wurde mit einer gemütlichen Fideütas beschlossen. Noch vor der Antrittskncipe vermehrte sich unsere Aktivitas wieder um zwei Mitglieder. nicht wiederholen. ' Aus allen diesen Tatsachen habe der Zionismus eine logische Folgerung gezogen, er habe eingeschen. dass alle Art bisheriger Wohtätigkcit das jüdische Volk niemals aus seinem Golus erlösen könne.. Nur auf Grund des Baseler Prog r a ni m c s sei die Möglichkeit gegeben, eine endgiltige Besserung des Judenelendes herbeizuführen, nur auf dem Boden satter Väter werde das jüdische Volk zu einem glücklichen hcranwachscn können, da cs nur hier, weitst die öffentlich rechtliche Garantie gegeben ist, in der Lage sei. sich auf freien! Boden frei entwickeln zu können. — Der Vortrag, wurde mit grossem Beifall מ ui’genommen und unser Vorsitzender Ingenieur Pohl dankte dem Redner im Namen unserer Gruppe. Es schloss sich gemütliches Beisamnienscin an, in welchem Frau Musikdirigent Schlesinger. Fräulein Meyer und Herr Pohl durch Klavicrr und Gcsangsvorträge, ferner die Herren Zahnarzt Oppenheimer und stud. med. Meyer durch Rezitationen aus den Liedern des Ghetto anregende Genüsse bereiteten. Eine Anzahl neuer Mitglieder schloss sielt unsrer Gruppe an. Karlsbad. Der Einzelverein ״ Z i o n " in Karlsbad gibt hierdurch allen zionistischen Kurgästen bekannt, dass während der ganzen Saison jeden Mittwoch (abends) im Ver* cinslokale Hotel ״Terminus" Diskussions- und Vor• tragsabendc stattfinden, wozu zahlreicher Besuch erwünscht ist. Der Verein bittet ferner dringend diejenigen Gesinnungsgenossen, die in der Lage wären, hier einen Vortrag zu halten, an das genannte Vcreinslokal, Adresse, Thema und ungefähren Termin im voraus bekannt zu geben. Berlin. Am 14. d. M. cröffnete die Freie Verbindung Hasntonea das zweite Semester ihres Bestehens mit einem wohlgelungenen Antrittskommers. Nachdem der Erstcharv’icrte cand. ehern. Rosenherg die zahlreich erschienenen Gäste heerüsst sowie d׳c vielen telegraphisch cineelaufeiieii Syntnathickundeclnineen deutscher und österreichischer Korporationin verlesen hatte, setzte stud. phil. Hilf XX in kurzen, markfac.J Worten die Bestrebungen seiner Verbindung auseinander. Aus dem offiziellen Teil se׳en noch besonders hervor• gehoben die Worte des Ehrenmitgliedes. Herrn Dr. KI c c. der die Griisse des Vorstandes der Berliner Zionistischen Verelnigunc übermittelte und dir Aufgaben der Ihsmonaea inner• halb des Rahmens der Ocsamtoreanisat'on darlecte, $ow׳ic die Rede des Herrn cand. dient. Jakobsohn als des Vertreters der Vereine Jüdischer Studenten. Bei dieser Gelegenheit sei noch bemerkt, dass am Dienstag, d. 26. Mai Herr Dr. Max 0 ppe nhe im er im Lokale der Hastnonaea (Bttrgstr. 12) eilten Vortrag über ..Die deutsche Burschenschaft und die Juden“ halten wird, bei dem Gäste, herzlich willkommen sind. Am Donnerstag, dem 14. Mai beging die Breslauer ZfonJstische Vereinigung unter grosser Beteiligung den zu einem Mainz. Eine lebhafte Propagandatätigkeit entfaltete unsere Ortsgruppe *11 letzter Zeit in den kleineren Gemeinden der Um* gcgtnd. So fand am 26. April eine gutbesuchte Versammlung in Grossgcratt statt, in welcher Dr. Freundlich (7. 7a. Frankfurt a. M.) über ..die Lösung der Judenfrage“ referierte. Die klaren und eindringlichen Ausführungen des Redners fanden verständnisvolle Aufnahme und leKr-faten Beifall. Die Ver- Sammlung hatte eite Erhöhung der Mitgliederzahl der Abteilung Grossgerau unserer Ortsgruppe auf 4u zur Folge. - Eine weiterc Versammlung hielten wir am 3. Mat in Oppenheim a. Rh. ab. wo wir bei einem früheren Versuche starker Inditieretiz und unverständlicher Aniisemitcmurcht begegnet waren. Glänzte auch diesmal in krassem Gegensätze zu Grossgent: der grösste Teil der jüdischen Gemeindevertretung durch Ab- Wesenheit, so war doch die Versammlung zahlreich besucht und nahm einen günstigen Verlauf. — Dr. Schauer entwickelte in meisterhafter Form das zionistische Programm Seinen von reichem Beifall begleiteten Ausführungen liess Herr Siegm. Lazarus e'nett warmen Appell zum Beitritt folgen. Dr. Mainzer aus Pfeddersheim, der als Gegner gekommen war. erklärte sich durch die Versammlung als für unsere Sache gewonnen. Uebc« 36 Anmeldungen zu unserer Ortsgruppe waren das erfreuliche [Resultat der Versammlung. — Weitere Versammlungen in anderen grösseren Provinzg.emeinden werden wir diesen enmttigenden Vorstessen bald folgen lassen. L. L. Mainz. Der lange gehegte Wunsch,!ms•;reu vielbcwährten Herrn Dr. Klee-Berlin hier zu hören, ghtg uns letzten Samstag abend in Erfüllung. In einer grossen stark besuchten Versammlung rm Liedertafelsaalc sprach derselbe Uber das Thema: ״Ist der Zionismus ein Phantom?“ Die Wahl des Titels \\ßr veranlasst durch eine hier erschienene pamphletistisehe Broschüre, in der der Z'o.iismus als Phantom bezeichnet war. — Dr. Klee cröffnete seine Rede mit einem markigen ur.d erschütternde» Proteste gegen die an unseren Brüder» in Kisch!־ new verübten Greueltaten. Dieser Einleitung liess er eine in glänzender Diktion gehaltene geistvolle Widerlegung aller gegen den Zionismus vorgebrachten Einwendungen folgen. Redner teilte die Gegner in vier Arten ein. mit denen er einzeln in zwar scharfer aber nicht verletzender Form Abrechnung hielt. Als die .gefährlichsten bcz.eichnetc er mit Recht diejenigen Gegner. vl׳e wie der Verfasser der genannten Broschüre ihr oberflächliches Urteil dahin abgeben: Wäre das zionistische Ideal ausführbar, würde ich mich gerne zu ihm bekennen. Da cs mir aber ein Phantom scheint, bekämpfe ich den Zionismus aufs äusserstc." - Die dieser Art von Gegnerschaft zugrunde liegende Heuchelei wusste Dr. Klee vorzüglich zu geissein. — Die durch klare Logik sich auszeichnende formvollendeten Ausführunge» des Redners wurden öfters von spontanem Beifall unterbrochen, dar sich am Schlüsse zu einer aussergcwöhnlich ,starke!! Kundgebung steigerte. Eine Diskussion, zu der ein- ׳״ciaden wurde, gab cs nicht. Der Herr Pamphlctist hatte es mutig vorgezogen, zu Hause zu bicibeu. * - Eine Reihe von Neuanmddungen sind Zeugnis für die Wirkung d»*r überzeugungskräftigen Rede des Dr. KKe. dem auch at! dieser Stelle unser Dank gesagt sei. Eine am Schlüsse der Versammlung für die Kiseliinewer Opfer vorgenommene Sammlung brachte ca. 60 Alark ein. L. L.

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