Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1903)
- Date
- 1903-05-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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!Vf "»»■pytel-fw*»• f" m % f Seite 202. Jii<l isch© Rundschau. No. 21. dass jener generellen Zustimmungserklärung eine entschiedene und kräftige Ahwahr unserer Gruppe gegen die von Herrn Trietsch v^rgeschlagenen Aendcrungen des Baseler Programms vorausgegnngen war. Die Versammlung vom 12. Mai nahm zunächst ein gediegenes, klar instruierendes Referat des Herrn Dr. Fulda über die Jüdische Kolonisationsgcscllslchaft ent* gegen, das; nur eine obiektive Darstellung ohne Schlussfolgcrungen enthielt. In der lebhaft einsetzeuden Diskussion zeigte es ,sich, dass die Mitglieder, welche für die damalige Zn* stimmungsresolntion gestimmt hatten, grösstenteils nach Kr* scheinen des vollständigen Projektes nnd auch nach den statt* gefundenen Verhandlungen in Breslau wenig Sympathie mehr für das Projekt übrig haben, während eine Reihe von unsere!׳ Oesinnungsgenossen, die jenem Trictschischen Vorträge nicht angewohnt hatten, sich der neuen Gesellschaft vollständig ab* leimend gegenüber verhielten. Als Ergebnis der interessanten und inhaltreichen Debatten wurde fcstgcstcllt, dass die Ortsgruppe in der neu zu gründenden Jüdischen OrientkolonisationsgeseUschaft einen dankenswerten Versuch begriisst bat, das Oppcnhcimcrsche geniale Projekt einer Sicdelungsgcnosscn* schalt in die Praxis zu übersetzen und der jüdischen Orient- Kolonisation nutzbar zu machen, und dieselbe empfohlen hat. bei voller Krkenntnis dessen, dass durch diese an sich wertvolle Kleinarbeit in keiner Weise das eigentliche zionistische Ziel, die Schaffung einer öiicntliclwechtlich gesicherten Heimstatte für das jüdische Volk in Palästina aucli nur einen Augen* blick in den Hintergrund gerückt werden darf. Fiir die damals empfohlene Unterstützung der Gesellschaft war die selbstverständliche Voraussetzung, dass ihre Leitung nicht mit dem Zionismus feindlichen Elementen zusammenarbeitet und, dass die Propaganda für die KolonisationsgeseUschait nicht mit einer die Disziplin der zionistischen Partei gefährdenden Tendenz gegen die Arbeiter der Parteileitung verbunden wird. Ks wurde beschlossen, diese Feststellung in der ״Jüdischen Rundschau“, in der unsere Resolution veröffentlicht war, zu publizieren. Die in jener Resolution erklärte Bereitschaft, für die neue Gesellschaft zu agitieren, hat durch die heute zur Besprcchnng des Projektes augesetzte Versammlung und den gc* haltcnen Vortrag ihre Erledigung gefunden; die Ortsgruppe sieht als solche von jeder weiteren Arbeit für die Orientkolonisationsgescllschait ab. An die gründliche Erörterung dieserwichtigsten Punkte der Tagesordnung schloss sich ein kurzes Referat des Herrn Julius Simon über die Gründung eines Share-Clubs, der unter Leitung des Herrn J. Wcrtheim konstituiert wurde. Herr Wertheim fordert weiter zur Beteiligung an einem Jüdischen Turnverein auf. Dr. Moses teilt mit. dass siel! ein Hilfskomitee für Kischiuew in hiesiger Stadt ge• bildet ha♦., dem er angehöre, so dass eine eigene Tätigkeit der Gruppe in dieser Angelegenheit nicht nötig mehr erscheint. Darmstadt. Akademischer Verein ״Makkabaca“, Darmstadt. In der am 4. Mai stattgehabten General- .Versammlung wurden folgende Herren in den Ausschuss gewählt: 1. Vorsitzender: ehern. A. E. Gordon; 2. Vorsitzender: elcctr. F. Weinreb; Schriftführer: chem. A. Bo• g 0 m o 1 n y; Kassierer: elcctr. E. G1 ü c k m a u n; Buchvvart: math. S. AI c x a n d r o w ׳ In Bieshelu!, einer ansehnlichen Gemeinde unseres Distrikts, traten der kürzlich gegründeten Gruppe bald nach dem ersten Vortrag c'a. 40 Mitglieder bei. Nicht minder war der Erfolg in Ingweiler, einer Stadt mit ca. 100 jüdischen Familien, wo Dr. Dannenberg vor 14 Tagen über ״Das Wesen und Bedcutung des Zionismus" sprach. Die gut besuchte Versanunlung •spendete dem Redner begeisterten Beifall, der am schönsten seinen Ausdruck fand in der Beitrittserklärung von 46 Anwesenden, darunter sich auch Bankier Meyer befand, einer der angesehensten elsässisclien Juden und Mitglied des Konsistoriums für Unter-Elsass. Am Sonntag, dem 10. d. Mts. fanden zwei Versammlungen statt. Für den in Zabern angekündigten Abend hatte unser Gg. Herr Dr. mcd. Braunberger aus Hagenau einen Vortrag über ״Allianz, Ica und der Zionismus“ übernommen. Durch tiefes Verständnis und klare Auseinandersetzung des Wesens der Allianz und der Ica sowie deren Verhältnis zum Zionismus verstand cs der Redner, die hier zu Lande viel verbreiteten Missverständnisse zu heben. Nach dem Vortrag, der über eine Stunde dauerte, eröffnete der Leiter der Versammlung, Apo• theker Mamlock aus Strassburg, die Diskussion, an der siet! hauptsächlich Rabbiner Dr. Starfpolski beteiligte; dieser nimmt einen streng orthodoxen Standpunkt ein. steht dem Zionismus durchaus sympathisch gegenüber und arbeitet tätig fiir dessen Verbreitung unter seinen Gcmcindemitgliedcrn, denen er auf diese‘Weise ein wärmeres Interesse für das Judentum beizubringen hofft. Nur einige geringfügige Bedenken religiöser Natur sind es noch, die ihn bindern, siel! voll und ganz als Zionisten zu bezeichnen. Diese Bedenken brachte Dr. Star;- pnlski in der Versammlung mit beredten Worten vor, sie wurden jedoch von Apotheker Mautlock in entsprechender Weise zurftekgewieseii. — Am selben Abend unternahm unser Distriktsbureau den ersten Vorstoss nach der lothringischen Hauptstadt. Die Aus• sichten waren keineswegs günstig. Die in Metz vielfach herrschende Assimilation und Gleichgiltigkeit gegen alles Jüdische, die völlige Unkenntnis der Bestrebungen des Zionismus, der bis jetzt dort keinen einzigen Vertreter gefunden bat. Hessen einen erfolgreichen Sieg nach dem ersten Kampfe kaum erwarten. Umsomehr dürfen wir uns freuen, dass cs uns bereits am ersten Abende gelungen ist, in dieser altberühmten Gemeinde festen Kuss zu fassen und eine :Saa! auszustreuen, die uns für die Zukunft die besten Früchte verheisst. - Von dem Distriktsbureau waren Emil B i c k h a r d t, Dr. Karl Dannenberg und Priv.-Doz. Dr. F r i c d 1 ä n d e r aus Strassburg sowie Rechtsanwalt Levy aus Hagenau hingekommen. Der letztere eröffnete die Versammlung, welche den Saat bis auf den letzten Platz gefüllt hatte, mit einer kurzen Ansprache über die Bedeutung des Abends und erteilte das Wort Herrn Dr. Dannenberg, der in ausführlichem Vortrag, öfters vom Beifall der Zuhörer unterbrochen, mit der ihm eigenen Wärme und Begeisterung die Ziele und Zwecke des Zionismus auseinandersetzte. Auch am Schlüsse lohnte reicher Beifall die Darlegungen des Redners. In der Diskussion sprachen die Herren Dr. mcd. Meier und Rechtsanwalt Neu. die in durchaus vornehmer und würdiger Weise dem Zionismus entgegentraten, doch nicht als Antizionisten, sondern als Nochnichtzionistcn. Sic gaben zu, dass eine Judennot existiere und dass ihr der Zionismus abliclfen wolle; allein sie äusserten noch verschiedene Bedenken betreffs der Ausführbarkeit, sowie der Einzigkeit des zionistischen Hilfswerkes. Dr. Dannenberg sowie Dr. Friedlünder traten in ausführlichen Erwiderungen den vorgebrachten Einwanden entgegen und widerlegten dieselben Punkt fiir Punkt. Nach Schluss der Diskussion brachte einer der Zuhörer ein dreifaches Hurra auf die ersten 'Apostel des Zionismus in Metz aus. welches von der Versammlung lebhaft aufgenommen wurde. Dreizehn Herren, darunter sehr angesehene Mitglieder der Gemeinde, traten sofort einem dort zu gründenden Verein bei. Wir dürfen die zuversichtliche Hoffnung aussprechen, dass diese Zahl sich bei einem zweiten Vortrag verdreifachen wird und dass cs uns gelingen wird, auch die hohe Intelligenz und die rednerische Begabung der beiden diesmaligen Gegner dem Wolile unserer Sache dienstbar zu machen. Zionistische Agitation In Elsass-Lotltrlngen. Mit grossem Eifer betreibt das Strassburger Distrlktsburau seit Beginn des letzten Winters seine agitatorische Tätigkeit im Reichslaude. East allwöchentlich fanden in den Provinzialstüdteit Agitations- Versammlungen statt, welche dank der meisterhaften und agitatorisch wirksamen Vortragsart unseres Gg. Dr. Dannenborg, der stets das Hauptreferat übernommen hatte, durchweg vom besten Erfolg gekrönt waren. Dr. Dannenberg wurde vielfach durch unseren eifrigen (lg. Dr. Friedländer unterstützt, dessen reiches Wissen auf allen Gebieten jüdischer Be-