Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1903)
- Date
- 1903-05-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 204 No. 21 »Fiidisohe Hu&dscliau. Karlsruhe. Unsere Ortsgruppe veranstaltet Sonnabend, ccm 23. d. M. eme grosse Prona'gandaversammlung. in der Herr Dr. Klee-Berlin sprechen wird. London. 17. Mai. Im Stadthause des Stadtteiles Shoreditch fand ״estern abend unter Vorsitz von Sir Francis Mont e fiore eine grosse Versammlung von zionistischen Juden dc.s Ostendes von London statt, die mit grösster Entrüstung gegen die Metzeleien In Kischincw protestierten. Israel Zangwill ergriff auch das Wort mtd sagte, mitten in das Zanken und Nörgeln über die Judenfragc sei wie eine Bombe die schreckliehe Nachricht von der Schlachterei in Kischinew hercingc• schlagen, um zu zeigen, dass die Judenfragc noch genau so stunde, wie im Mittelalter. Die Blätter hätten schon viel bc• richtet, aber selbst die Zeitungen auserbalb Russlands hätten noch nicht die unnennbaren Schctisslichketten gemeldet, die ihm, Zangwill. an Ort und Stelle berichtet seien, dass Leinewand in jüdisches Blut getaucht sei, um rote Fahnen daraus zu machen, und dass die Grausamkeiten Jack des Aufschlitzcrs an jüdischen Frauen begangen seien. Solange die grosse Masse der jüdischen Arbeiter in Russland lebe, lebten sie irn Mittelalter. Eine Resolution, die den Zionismus als einzige Lösung empfahl, wurde zum Sclilussc angenommen. Die Zionistische Ortsgruppe In Dresden sah sich veranlasst, anlässlich der traurigen Vorgänge in Kischinew am Donnerstag, dem 14. Mai er., eine ausserordentliche Versammlung ernzuberufen. welche von ca. 5(1 Mitgliedern besucht war. Das Referat ״Die Judcnkrawailc in Kischinew“ hatte Herr Ing. D. L ö w e 11 h e r g freundlichst übernommen. Redner schilderte in bewegten zu Herzen ״ebenden Worten das schreckliche U11glück, von dem unsere Brüder in Kischinew betroffen wurden und leitete gleichzeitig eine Sammlung ein. die nahezu 200 Mk. ergab. - Ausserdem hat die hiesige Ortsgruppe im Einverständnis mit dem Gemeindevorstand Aufrufe an alle hiesigen Ocmcindcmitglieder versandt und eine Sanmielstelle hei den! Bankhaus (lehr. Arnhold eröffnet. 0 *7 r*י ס c<.- Cr £r-;ויו¬ » * 7* 4 % 7* Rundschau. .« י-׳ <•»— ־ *.־ י.׳ V '•׳ V *»׳ יי י.׳ V י*׳יי V יי יי יי׳ 1' W V V' יו' *1׳ י, נ••־: 1<-־5 1<-* נ• ־״ VA V *,V, י iW Lad *4 «44 % Aus Müncltcn berichtet die ״Allgemeine Zeitung“: ״Die in Fachkreisen bekannte hebräische Bibliothek des Herrn Dr. Eugen Mcrzbaclier ist um den Preis von 35 OCX) Mark in den Besitz der Frankfurter Stadtbibliothek übergegangen. Dieser Verkauf bedeutet einen Verlust für die hebräischen Studien in München, da der hervorragende Besitz an hebräischen Manu- Skripten der Hof- und Staatsbibliothek durch die reiche Sammlang von Drucken der Merzbacherschen Bibliothek ergänzt wurde. Die Frankfurter Stadtbibliothek, die schon vorher, dank der Opfcrwiitigkcit einiger, selbstverständlich jüdischer Bürger grosse hebräische Bibliotheken erworben hat. steht nunmehr darin in allererster Reihe. Wahrscheinlich standen auch jetzt wieder private Mittel zur Verfügung. Für die jüdische Nationalbibliothek ist noch kein Geld aus Frankfurt gekommen. Die Entführung ins Kloster. Im Frühjahr vorigen Jahres rief das Verschwinden eines Judenmädchens, Rosalie Frostig, aus dem galizischen Städtchen Rozanka Aufsehen hervor, zumal man erfuhr, dass die genannte in einem Krakauer Nonnen- Kloster getauft wurde. Schliesslich wurde ermittelt, dass das Mädchen am 12 Mai v. J. gegen Mitternacht mittelst eines ausserhalb des Ortes bereitgestandenen Wagen nach Lemberg gefahren war. dass der 23 jährige Miillcrssohn Joseph Fcucrle den Wagen zur Vertilgung gestellt, das Mädchen begleitet und stell in Lemberg als Gatte, das Mädchen als seine Gattin gcmeldet habe. Er brachte sie zuerst zu seinen Verwandten und dann ins Krakauer Kloster, wo sie unter dem Namen Angela getauft wurde. Auf Grund dieses Tatbestandes erhob die Leinberger Staatsanwaltschaft gegen Feuerle die Anklage wegen Entführung. Der Angeklagte gab an. er habe nicht gewusst, dass das Mädchen ohne Einwilligung abrcisc und ihren Glauben wechseln wolle: erst während der Fahrt habe ihm das Mädchen erzählt, dass es zum Ucbcrtritt zum Christentum fest entschlossen sei und dass die Eltern dies nie erlauben werden; nur um ihr den Glaubenswcchsel zu ermöglichen, habe er sie begleitet und die Kosten der Fahrten, des Unterhaltes usw. für sic bestritten. Das Lcmbcrger Landesgericht fand Fcucrle blos •der Falschmeldung schuldig und verurteilte ihn hierfür zu drei Tagen Arrest, sprach ihn aher von der Entführung frei, da er ursprünglich nicht wusste, dass die Abreise gegen den Willen der Eltern erfolge, das nachträglich Geschehene aber nicht in betracht kommen kann, weil die 19 jährige Rosalie Frostig zum Glauhcnswcehscl ״esetzlich berechtigt war, er ihr also zur Ausübung eines Rechtes und nicht zu etwas Ungesetzlichem Beihilfe leistete. Gegen das Urteil brachte die Staatsanwalt- Schaft die Nichtigkeitsbeschwerde ein. die jüngst vor dem Kassationshofe unter Vorsitz des Hofrates Kassovic vom Hofrat R. v. Girtler vertreten wurde. R. v. Girtlcr bezeichnet«, den Freispruch als aufliegendcn Rcchtsirrtum, denn wenn auch vielleicht der Angeklagte bei der Bestellung des Wagens noch nicht Kenntnis gehabt haben sollte, dass es sich um eine mitternächtliche Flucht der Tochter gegen den Willen der Eltern handle, 50 habe er dies |a, seinem eignen Oeständnis nach, w'ährend der Fahrt erfahren und dennoch dazu beigetragen, dass die Tochter dem Machtbereich der Eltern entzogen werde — hierin liege aber das Verbrechen der Entführung. Um die Forschungen der Eitern zu vereiteln, habe er gemeinsam mit dem Mädchen ein Zimmer gemietet und sich als Gatten gemeldet. Das freisprechend ג Urteil sei daher aufzuheben und in der Sache selbst sofort mit der Verurteilung vorzugelten. Entgegen den Ausführungen des Verteidigers Dr. Ritter von Arlowski gab der Kassationshof der Beschwerde Folge, hob den freisprechenden Teil des Urteils als rechtsirrtiimlich aut und erkannte. Feuerle sei auch der Entführung schuldig, und wurde zu einem Monat schweren Kerkers, verschärft durch zwei Fasttage, verurteilt. Die Begründung schloss sich vollkommen den Ausführungen der Gcucralprokuratur an. Wenn w ir die deutsche Kultur und deutsche Ehrlichkeit zu Beurteilen haben, müssen wir auch lesen, was deutsche nationale Blätter über die Judenverfolgungen in Kischinew schreiben. Das Wiener ״D e u t s c 11 e V o 1 k s b 1 a 11“ ein Blatt, dessen deutscher Sinn und Patriotismus nur noch durch seine christliche Gesinnung!ibertroffen wird, schreibt: v.Die jüdische Presse hatte in den letzten Tagen die Welt mit Wehklagen über das ״Blutbad von K i s c h i n e w" erfüllt. Viele hunderte Juden sollten erschlagen worden sein und iiber HN10 obdachlos herumirren, n a t ü r 1 i c 11 unschuldig w i e d i e L ä m m c r. Eine amtliche Darstellung der Vorgänge korrigiert nun cinigermasscn dieses ,.erschütternde“ Bild. Man erfährt da, dass die Ursachen der Ereignisse in Kischinew genau dieselben waren wie überall bei ähnlichen Anlässen: der durch den jüdischen Wucher erzeugte Druck auf die nichtjüdischc Bevölkerung und jüdische Brutalität, die ja auch bei den letzten galizischen Judenkrawallen die unmittelbare Ursache war. Ob die Behörden tunlichst rasch eingeschritten seien, lässt sich nicht so ohneweiters fcststcllcn. Festzuhalten ist aber, dass in dem vorliegenden Fall die Juden der angreifende Teil waren und dass die Judenschaft umsoweniger Ursache hat. sich über mangelnden behördlichen Schutz zu bekiagen, als die nihilistische Bewegung natürlich in der •russischen Juden- Schaft ihre eifrigsten Agitatoren besitzt.“ P.er Titel des Artikels, dem w ir diese Notizen entnehmen, nennt sich ״Das Märchen von Kischinew". Wir haben zu der Beurteilung zu dein Artikel kein Wort hinzuzuftigen. * St. Petersburg. II. Ma\ Die Zeitung ״Prawo" erhielt wegen schädlicher Haltung, die unter anderm in den über das Kischinew er Blutbad veröffentlichten Artikeln hervor trat, die erste Verwarnung. Dieselbe Massregel gelangte gegenüber dem jüdischen Blatt ״Woschod" w egen eines ״Die Woche" betitelteil Artikels zur Anwendung. — " ■*SS *53 *ÄS׳■*iS1*43'5*י?£■•*ig׳» k Nachrichten aus Palästina. |j *ÄS •«»iS •*Ä3*0־**Ä3 •*43 »*SS ^53 Gegenwärtiger Stand der Kolonie Moza Terrain Zahl der | B.turne Zahl der Zahl! 1 «1 1 r* יייו Name der Besitzer Bebaut Dunam unkultiviert Dunam Pruchtbäume der; : iJ Wein• ü Stöcke N 5? Brüder Steinberg 80! 500 500;25000 20; \ Minde Cohn 29 i — | 28 40 3000 90i 1 Vater u. Sohn Havin 25 46 ־ i 2t) 20 3000 Dr. Nogowny 50 50 1 150 — 3000 - : - LHschütz 20 . 20 6 — 3000 50 - ־J. Jellln 20 — — — - J5 -- L. Makley 25; 15 200!00 6000 - - Brozc 60 1 - __!5000 13 - Cohen . — i! — - i ~ J — Katz 40 1 10; 300 100 8000 15 1 1. Seidmann n. Heran Müller ׳ i 1! i Olstal 1 insgesamt 1 nam Jnam 3 205 66000 760 1*120 ״ insgesamt ״<.ku1r!t5Hckt. ־ .! Ausserdem sind weitere 80 Dunam noch unkultiviert.