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Jüdische Rundschau · 1903-05-22 · Heft 21 (22.5.1903) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 21 (22.5.1903)
Date
1903-05-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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;1 , I i"1S""T#״#1׳»־W1»<w*fc*s׳ No. 21. JUdisclie JEtundscliEtu. Seite 201 Aus der Bewegung. Distriktsbureau Berlin. Ende dieser Woche versenden wir eine ״Sondernummer“ der ״Jüdischen Rundschau“ in grosser Auflage zum Zwecke der Agitation in Berlin. Die Nummer enthält u. a. eine Reihe von Artikeln und Berichten über K i s c h i n e w, sowie je einen Artikel von N o r d a u und Dr. Theodor Zlocisti über den Zionismus. Ein Feuilleton gibt ein farbenprächtiges, lebendiges Gesamtbild von Palästina. Einzelnummer 10 Pfennig, für Ortsgruppen und Vereine die Hälfte. Bestellungen dieser ausser dem Abonnement befindlichen Propagandanummer sind an die Expedition der ,Jüdischen Rundschau“ zu richten. ■ Berlin. Am 13. Mai hielt die Jüdisch-nationale ץ r a u e 11 ־ V e r e i 11 i g u 11 g ihre diesjährige 0 c 11 e r a 1 v c rs a m m 11111 r ab. Nach dem Bericht des Vorstandes und dem Kassenbericht, wurde dem Oesamtvorstand Decharge erteilt und nach einer kurzen, aber inhaltreichen Ansprache des I. Vorsitzenden wurde zur Neuwahl Resclirittcii. Der Vorstand setz» sich jetzt folRendermasscH zusammen: 1. Vors. Erl. Lina Tau״ her, OcorRcukirchstr. 6'.'«, 2. Vors. Krau Regina Holländer, Schönhauser Allee 9/9a, t. Schriftf. Erl. Berta Majcrowitsch, 2. Schriitf. Er. Eily Orschfltzer, Tempüncrstr. S^9. Kass. Erau Henriette B c 11 r, Heinersdorferstr. 1. Rev. E'rl. Eanny Eromm. Strassburgerstr. 14. Beis. Erau B. Besser, Luitpoldstr. 22. Erau A. K1 e i 11, Waldemarstr. 29. Ert. A. Atifcld, Lindcnstr. 36. Eerner wurden die Herren Dr. Ed. Lcsczynsky und Assessor Dr. \V. Munk vom Vorstand d. B. Z. V. als Beiräte in den Vorstand kooptiert. Leipzig, den 16. Mai 1903. Am 6. Mai beging die hiesige Zionistische Ortsgruppe ihre Schekeltagsicicr im Rosenthalkasino vor einer von ca. 200 Personen besuchten Versammlung. Rabbiner Dr. Nobel, der die sog. Festrede bereitwilligst übernommen hatte, bemerkte einleitend, dass es nicht gut angängig sei, während der Scfiratage von einem Fest zu reden, aber insofern kann es als Fest gelten, um als ein Bau״ stein mehr im grossen Ocbäudc der Regeneration der Judcu angesehen zu werden. Der Redner führte aus, dass wir alle Ursache haben, uns während der für uns Juden tief traurigen Zeit den .Vergnügungen nicht hinzugeben. Denn in den Sefiratagen war cs, dass die Jünger vom grossen Rabbi Akiba starben, weil er sie nicht nur im Gesetz allein unterwies, seitdem sic auch für den grossen Ereiheitskampf eines Barkochba zu entflammen wusste, den Heldentod fürs jüdische Volk Und wenn ein Rabbi Akiba, der doch gewiss ״orthodox", vielleicht nicht ״so" orthodox wie der ״Israelit“ war, es für seine heilige Pilicht hielt, seine Schüler für das Befrelungswerk Barkochbas anzufeuern und dafür sogar ini hohen Alter seine edle erliabcnc Seele im fürchterlichen Märtyrertod aushauchen musste, so könnten hieraus unsere sogenannten modernen Orthodoxen manches lernen. Sie könnten lernen, was es heisst, wirklich Jude zu sein. Der Jude, der nur religiös sein möchte, im übrigen aber gleichsam ohne Halt in der Luft schwebt, d. 11. ohne im jüdischen Volkstum zu gründen, ist kein Volljudc. Und während der Sefirazeit war es ferner, dass die schreckliebsten Zeiten für die Juden, die Krcuzziigc, begannen, in denen ein Morden und Sengen stattfand und das unschuldige Blut von Tausenden und Abertausenden von Juden in ganz Deutschland, Frankreich und anderen Kulturstaaten vegossen wurde. Und weiter ist cs in der Sefira, wo das Schreckliche gc- Svhckcn. — dass am Ende des Pcssach in Kischincw unter unscren Brüdern ein Blutbad gleich dem des finstersten Mittelalters angerichtet wurde. Sollen wir uns hier, weil ausser der Schussliuie, sicher wähnen? Nein, glauben Sic nicht, dass man .die Juden nur in Kischincw geschlagen, sondern, dass man in ihnen alle Juden geschlagen hat. Redner forderte die Anwesenden auf, sich als Juden zu organisieren und sich gegenscit'g zu unterstützen. In Zeiten, wo von aussen allerhand Feinde auf das Judentum einstürmen, von Bibel und Babel bis zu den Kischincwer Exzessen und wo von innen der Abfall, die Indolenz gegen alles Jüdische, die Streitigkeiten der Parteien und Meinungen und die persönlichen Chikancn epidemisch herrschen, gibt es für die Juden nur ein Gebot und das ist Solidarität und der Wille. eine gesunde A e n d e r u 1» g h c r b c i z u f fl h r e n. Der Redner, der der zionistischen Institutionen, des Schekels, des NationaUonds und der Koloivalbaak gedachte und sic zur kräftigen Unterstützung empfahl, schloss unter donnerndem Beifall. Es wurden Schekel kassiert, und'man beschloss, für unsere Kisclüncwcr Brüder eine Sammlung cinzulciten. Als Beweis für den Hass und die geradezu elende Intoleranz von sog. liberal sein wollenden Juden diene folgender Fall: Ein als tüchtiger Kanzelrechter bekannter Zionist, wurde vom Vorstand eines Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur cingcladcn, einen Vortrag zu halten, welchem Verlangen er nachkam. Ob dieses unerhörten Unterfangens ergrimmte ein Herr Vorstand irgend einer jüdischen, pardon. israelitischen Gemeinde so sehr, dass er schnurstracks ins Komtoir lief und sich — vom Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur als Mitglied abmeldctc. Sapicnti sat. S. P. Lübeck, 15. Mai. Unsere Ortsgruppe hielt gestern im Restaurant Liebcl in ernst-feierlicher Stimmung ihren Schekeltag ab. Die Kischinewer Greucltaten warfen ihre Schatten auf die Gemüter, und die Geister der Erschlagenen und Gemarterten schwebten über der Versammlung, die von unseni Mitgliedern, •besonders von den jungen Damen, zahlreich besucht war. Herr J. Stichel hielt einen sehr beifällig auigenommeneu Vortrag über ״Das babylonische Exil“ und brachte diesen wichtigen Oeschichtsabsclmitt mit dem Schekeltag und den unglücklichen Vorfällen im iinsterii Russland in Zusammenhang. Von grossen Wirkung waren auch die durch Herrn Reier. Ja c ob s oh n und Alex Adler vorgetragenen Gedichte aus Rosenfeld's Lieder aus dem Ghetto und ein stimmungsvolles Gedicht von stud. für. Landau aus Kiel, das vom Vorsitzenden verlesen wurde. Wie ein schmetternder Tronipetcnschalf klingt jedes Wort seines Gedichtes, in welchem der junge, bcgeisterte Zionist unser Volk zu kräftigen Taten auffordert, mit dem Refrain: Die Zeit ist reif, die Ehre ruft, es ruft der Brüder Not!“ — Die an diesem Abend veranstaltete Sammlung für Kischincw ergab die Summe von 31.50 Mk. Eine junge Dame erzielte zum gleichen Zwecke durch Verkauf von sehr hübschen. scUistgemaltcn Lesezeichen 22,50 Mk., so dass zusammen 54 M. an die ..Rundschau“ 1'iir die Unglücklichen abgeffihrt werden konnten. Von derselben geschätzten Dame sind auch noch 10 Mk. als Lesezeichencrlös für den Nationalfond hei unserer Kasse eingegangen und auch der Absatz vor. zionistischen Karten ging gut von statten. Drei neue Mitglieder traten an diesem Abend der Ortsgruppe hei. M. Mannheim. (Zionistische Ortsgruppe).!11 einer sehr zahlreich besuchten und sehr belebt verlaufenen Gruppen- Sitzung, die unter Leitung des stetlvertr. Vorsitzenden Dr. Fulda am 12. Mai stattfand, beschäftigten wir uns wiederholt mit der neugegrfmdeten ״Jüdischen Orientkolonisationsgescllscliaft“. Am 2. April hatte uns Davis Triet,sch in einem Vortrage ,.über Emigration und Kolonisation“ die Grundzüge dieses Kolonisatinnsptancs entwickelt: im Anschlüsse an diesen Vortrag fand in Form einer Resolution eine Sympathiekundgebung für das neue Projekt statt. Dü*«- Resolution wurde in einem summarischen Berichte, dm das־ hiesige Distriktsbureau über die Vortragstournee des Herrn Gg. Trietsch 111 No. 17 dieser Zeitschrift veröffentlichte, mitgctcilt. In diesem knappem Bcrichte war allerdings unterlassen worden, darauf hinzuweisen,!- ״-י--- --- wna*•*1*׳; 4 4 \ t? I

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