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Jüdische Rundschau · 1903-05-22 · Heft 21 (22.5.1903) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 21 (22.5.1903)
Date
1903-05-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 200. Jüdische Rundschau. No.; 21. kommen. Alles kommt darauf an, dass man hier Bauern, keine Gutsbesitzer schafft, und so freuten wir uns über den vorzügliehen Eindruck, den Moza hinterlässt. Die Kolonie liegt hoch oben im Gebirge Juda bei Ai»1 Karin, im sogenannten ,.steinigen Land“. Aber da sind keine Steine mehr. Flcissigc Hände haben , den Boden gesäubert, viele tausende von Reben gepflanzt und Oliven gezüchtet. Und in der angeblichen Unfruchtbarkt,. ist ein blühender Garten entstanden. 13 Familien wohnen hier, die kurze Zeit Unterstützung vom Kölner Verein erhielten, den Boden selbst gekauft haben und jetzt völlig selbständig sind. Sie finden in Jerusalem ein Absatzgebiet für alle Erzeugnisse, sind sehr zufrieden und haben nur einen Wunsch: man möge ihnen gegen Zinsen ein paar tausend Franken zu Häuscrbautcn vorstrecken, denn jetzt müssen sic mehr als primitiv im schmutzigen arabischen Dorfe wohnen. Sie wollen jede Sicherheit gehen und es wäre eine schöne Aufgabe für den ״Esra*\ diesen Leuten, die überall einen vorzüglichen Ruf haben und als fleisslg, nüchtern und gut national geschildert werden, diese Hilfe zur endgültigen Sicherung ihrer Existenz zu gewähren. Mit Empfehlungskartcn des deutschen Konsuls fuhren wir am 23. April nach Abuschuschc auf das Gut des Armeniers Serapion Muräd, um die dortigen Ausgrabungen des Pale-stine Exploration Fund** in Augenschein zu nehmen. Der Leiter des Unternehmens. Mr. Macalister, übernahm selbst die Erklärung. In seinen Zelten ist ein wahrer Schatz י von Funden aus vorjüdischer Zeit aufgehäuft und droben auf dem Berge hat man vier übereinanderliegcndc Städte freigelegt, eine aus voramoritischer, eine zweite aus amoritischer Zeit, eine solche aus der Zeit Salomos, eine vierte aus der Zeit der Ma'kkabäcr. W ir verblieben stundenlang in! Zeltlager, obwohl der glühende Chamsin das Atmen fast unmöglich machte, und trafen in später Nacht über Ramie in Rischon ein. Uebcr die grossartigen Rothsehildschen Kellereien ist genug geschrieben worden. Für Zionisten ist es wesentlicher, den Gesamtzustand der judäischen Kolonisation festzu* stellen. Kafra, Rechöböt und WAdi-el-Charun sind heute selbständig. Der Baron kauft die Trauben und bezahlt dafür 20 und 40 Franken, je nachdem es sich um einfache oder gute WVmsorten handelt. Die Kolonisten von WAdi-el-Chautm bezahlen noch Schulden. Ekrön ist abhängig vom Komitee, das innerhalb der Ica und Mitgliedern derselben unter Vorsitz Edmund Rothschilds gebildet worden ist. und dem der Baron einen Fond von etwa 15 Millionen Franken zur Verfügung gestellt hat. Aus diesem Fond hat man jetzt Ekrön soweit saniert, dass von 31 Familien 16 mit Ablauf des Jahres selbständig werden. Die Ucbrigen sollen demnächst unabhängig gestellt werden, ln RisclnmfZiön und Pethach-Tikwäh gibt es abhängige und unabhängige Kolonisten. Wenn man von Unabhängigkeit der Bauern spricht, so ist dabei immer zu bedenken, dass diese insofern relativ ist. als der Baron fast allein Käufer der Trauben bleibt. Es ist leider nicht wie im deutschen Sarona gelungen, dem Wein einen ausreichenden Absatzmarkt zu sichern, und insbesondere die teueren Weiusortcn sind fast unverkäuflich. Der Verkauf der einfachen Weine bessert sich täglich, man sucht jetzt nach Absatzgebieten in Egypten und Indien. Die Verwaltung wird bald gezwungen sein, den Preis von 40 Franken für die teueren Weinsorten zu reduzieren und die unabhängigen Bauern stehen vor der Notwendigkeit, auf eigene Kosten die Weinberge wieder uir.zupflaiizcn, die man eben auf Wunsch der Verwaltung mit teueren Reben bepflanzt hat. Darüber herrscht natürlich grosse Unzufriedenheit, und es ist sehr zu wünschen, dass die Ica oder der Baron die.Bitte der Leute erfüllen und ihnen zu ihrem Unternehmen Beihilfen gewähren.. Die vorstehende*־ Klage scheint uns entschiedene Berechtigung zu haben. Im übrigen können wir nach dem bisher Gesehenen der gegenwärtigen Verwaltung nur Gutes nachsagen. Man hat die Kolonisten im Innern von jeder Bevormundung befreit und mit der Ver- Schleuderung der Gelder aufgeräumt, die niemand nutzte und die Bauern zum Luxus und zur Unselbständigkeit förmlich erzog. Man gibt heute nur da, wo es wirklich notwendig ist und überlässt im übrigen die Koloniecn sich selbst. Das erregt zuweilen den Anschein der Härte, ist aber nur nützlich. Leute, die stets nur von aussen künstlich gehalten waren, müssen gehen. Aber die wirklichen Arbeiter haben zu leben und lernen endlich einmal auf eigenen Füssen stehen. In den deutsehen Dörfern*), in Moza, in Katra hat mau die Bauern nie oder doch nur im wirklichen Notfälle unterstützt, und diese Dörfer sind ausgezeichnet. In RischCm gab man mit vollen Händen und es ist noch viel zu tun! Mit Sentimentalitäten kolonisiert mau nicht. Was die Schulen anbetrifft, so ist insofern ein erfreulicher Fortschritt zu verzeichnen, als das Hebräische fast ausschliessliche Unterrichtssprache geworden ist. Dagegen ist leider höchst unverständig das System, franzusiseli zu lehren und das Arabische vom Lehrplan atiszu־ scisliesscn. Mit den ganz überflüssigen französischen Sprachkenntnissen weckt man nur Praetcnsioucu, das Arabische braucht man täglich in der Umgangssprache mit dem Volk den Tagelöhnern 11. s. w. Ebenso vermissten wir in den Schulen, dass man auf die körperliche Ausbildung leider nicht das nötige Gewicht legt. Allerdings kann man hier auch den Kolonisten Vorwürfe nicht ersparen. Ein Teil ist unverständig genug, Spiele im Freien und älmliches als sehr überflüssig anzusclicn und die Lehrer, die vom besten Willen beseelt sind, müssen gegen die falschen Lehrpläne und die Eltern des Kindes zugleich ankämpfen. Die religiösen Vorschriften wirken ebenfalls hindernd ein. Während man in einigen Koloniecn die diesjährige Schmittah gar nicht hält, verwildern in anderen Gärten. Weinberge und Felder. Meist lässt man den Boden durch Araber bebauen. Aber wie schädlich wirkt doch dieses Jahr in pekuniärer Beziehung. Man sagte uns in Ekrün, dass ein dortiger Bauer durchschnittlich 1000 Franken im Jahre netto verdient. Davon gehen in diesem Jahre für Löhne ca. 60(! Franken verloren! Wenn so in Judäa noch viel zu bessern bleibt, so ist doch der Ocsamtcindruck ein erhebender. Mit welchen Schwierigkeiten hat man gekämpft. Matt denke, dass in RischCm heute für 6— SOO 000 Franken Trauben angekauft werden, dass matt 7bi Million Kilogramm verarbeitet und 5 Millionen Liter W'ein produziert. Die Dörfer sehen sehr hübsch aus, besonders WAdi-el-Chanin und Pethach-Tikwa. Wenn mau im Lande •Bäume stellt, kann matt sicher darauf rechnen, dass ein jüdisches Dorf in der Nähe ist. Ueherall Fortschritt, Sauberkeit, Ordnung •- und überall gute zionistische Beamte. Die Bauern sind durchweg Zionisten von grosser Begeisterung. Das sahen wir gelegentlich einer grossen Versammlung in RischCm und jeder bestätigt cs. ln Rischön hat mau für 12OCX) Franken Aktien gekauft, in Ekrön besitzt jede Familie eine Aktie, das arme W'Adi-el-ClianCm mit 16 Familien kaufte 40 Aktien. Fast jeder Zionist zahlt den Schekel und cs bleibt der Gesamteindruck: Den Leuten fällt es zum Teil noch schwer, sich in die Bauernrolle zu finden, aber sie haben redlichen Willen dazu. Und die heranreifende Generation wird alle billigen Wünsche erfülle::. Leider greift die cgyptische Augcukrankheil unter den Kindern sehr um sieb. *) Bezüglich der deutschen Dörfer ist unser Herr Referent lalsch unterrichtet. Sie haben im Gegenteil, trotz des Schutzes durch das Deutsche Reich, der den jüdischen Kolonien fehlt, namentlich in dem siebziger Jahren ganz ausserordentliche hohe Zuschüsse nötig gehabt. Die Red.

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