Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1903)
- Date
- 1903-05-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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י" >y jrntiiaym.+m* <m,/L*r*k jr»; - Seite 188. JlidLiselie Rundschau! Generalversammlungen ein wertvolles Mittel sind, um einen Kontakt zwischen den Mitgliedern und dem Zentralkomitee zu unterhalten. Die Stimmung der Anwesenden war so offenkundig, dass es über den Antrag gar nicht zur Abstimmung kam. ן Die Präge einer Angliedcrung des Lehrerseminars an die Schule in Konstantmopcl, beziehentlich einer Verstärkung des Studiums der türkischen Sprache ist sehr schwierig. Ich selbst bin zu einem festen Ergebnis nicht gelangt. So lange die Besoldungsvcrliältnisse der türkischen Beamtenschaft nicht geregelt sind, diese vielmehr um zu leben auf Erpressung nahezu angewiesen ist, läge eine grosse Gefahr darin, die türkischen Juden in grösserer Zahl der türkischen Beamtenschaft zuzufuhren, und das wäre ziemlich zweifellos die Folge einer wesentlichen Verstärkung des türkischen Unterrichts, beziehentlieh der Verlegung des Lehrerseminars nach Konstantinopel. Das Examen, welches die Schüler in Auteuil abzulegen haben, ist so elementar, dass daneben genug Raunt bleibt, die Zoglinge jüdisch zu erziehen. Im übrigen ist die Anstalt von Auteuil die einzige Schule der Alliance, welche als französische anerkannt ist. Sie hat cs im Gegenteil stets abgelehnt, ihre Schulen unter französisches Protektorat zu stellen, und ihre Schulen sind im Gegensatz z. B. zur Liimel-Schulc und anderen derartigen Instituten Bundesanstalten. Obgleich die Allianceschulen in dem Augenblick, in welchem sic unter französisches Protektorat gestellt. Steuerfreiheit etc. gemessen würden, hat mau vorgezogen, lieber die erheblichen Beträge für Steuern etc. zu leisten, um sie als Landesanstalten zu unterhalten. In keiner Weise ist der Verfasser der Zuschrift zu dem Vorwurf befugt, dass die Mitglieder der Alliance opportunistisch genug sind, um je nach Bedarf verschiedene Erklärungen ab/.ugeben. Der .Monde illustre steht die Alliance vollständig fremd gegenüber. In der Generalversammlung, welche für die breiteste Oeffentlichkeit bestimmt war. hat der Oberrabbiner Zadoc Kahn grade den universellen Charakter der Alliance sclnri betont. Der Aufsatz des Herrn Markus (Hannover) hat mich lebliafl befriedigt, weil cs ein hochwichtiges Thema bespricht, w elches ich bereits in No. 2-1 der ״Welt“ vom 13. Juni 1902 auzuregen mir gestattete. Die zionistische Bewegung muss dahin trachten, dass sie eine wirkliche, alle Juden umfassende Volksbewegung wird. Wenn wir selbst nicht in der Lage sind, dieses Ziel zu erreichen, so müssen wir cifrigst bestrebt sein,. der nächsten Generation all die geistigen Mittel, die moralische Macht zur Verfügung zu stellen, die sie befähigt, den Kampf siegreich zu führen. Wir selbst können uns nicht recht losmaeltcn von der Auiiassung, in weicher wir erzogen wurden. Wir stehen jetzt gerade im gegenteiligen Lager als das war, in dem unsere Eltern standen. Wir mussten aber, um zu unserer Erkenntnis zu gelangen, in uns selbst einen grossen Wall falscher Voraus- Setzungen umreissen, einen heftigen Kampf führen gegen die Lehren, in denen wir erzogen wurden, gegen die Gewohnheit, in welche wir uns cingclebt hatten. Wie vielen, in denen eine Dämmerung unbewusst aufstieg, dass sic sieh nicht auf dem richtigen logischen Wege befinden, fehlten die Kräfte, diesen Kampf im eigenen Herzen auszuicchtcn. Diese Leute gingen und gehen dem Zionismus und damit dein jüdischen Volke verloren. — Wenn man nun selbst cs so weit gebracht batte, mit sieh selbst ins Reine zu kommen, so war man im Augenblicke, da man sich gedrängt fühlte, die heilige Ucberzcugung zu verbreiten, nahezu ohnmächtig der Masse Menschen gegenüber, die cin0( falsche Erziehung vollständig in falsche Gleise geführt hatte. Wenn nicht, und ich betrachte dies als ein beschämendes Zeichen, das dem Judentum anhaftet, äussere Momente des Antisemitismus eingewirkt hätten, wäre ein ß0 erhebendes Schauspiel, das der ZioninmSy das Erwachen, Siehsclbstbcsinncn und Leben des jüdische!! Volkes bietet, noch wenig zu sehen gewesen. Es ist massig, mit den begangenen Fehlern der Vergangenheit zu rechten; wir können uns freuen, dass relativ rasch das jüdische Volk die Wahrheit des Zionismus erfasst, das* cs auf dem besten Wege ist glänzend gut zu machen, w׳as es in den 2000 Jahren Golas nicht vermocht oder gcw׳ollt hatte. Unsere Bewegung» soweit sie die westeuropäischen Juden umfasst, ist noch im Sammeln begriffeu. wir* müssen energisch und klar bewusst weiter ausbaueii, au dem Werk der Aufcr- Stellung des jüdischen Volkes. Es wäre ein grosser, nicht gut zu machender Fehler, wenn wir mitten in der Gcg^nwartsarbcit stehend, die Haupt• Sache, die Erziehung unserer Kinder, vergessen würden. Ein Baum kann nur dann mächtig werden und sich kräftig entfalten, wenn seine Wurzeln tieigehen und weit verzweig; sind. Die .Arbeit nun, die geleistet wird, um kräftige tiefgehende Wurzeln zu erzeugen, ist die beste, früchtetrageudste, die es gibt• Der Bau;:! mit gesunden, genügenden Wurzeln entwickelt sich dann sch!•:! kraft der Naturgesetze, von selbst. Wenn wir unsere Kinder zionistisch, das heisst gut jüdisch erziehen werden, dann braucht uns ob unserer Zukunft nicht bange zu werden. Was immer auch geschehen würde: das indische Volk würde dann wollen eine Erlösung finden um frei zu werden. Ein Volk, welches will, ist später mehr als jetzt eine unbesiegbare Macht. Es ist eine triviale Wahrlich, dass jeder Zionist, der cs unterlässt seine Kinder jüdisch zu erziehen, kein Zionist sein kann. Es ist nun klar, dass diese Erziehung konseuueut *mal nicht hall) sein darf. Es ist nichts damit getan, wenn ich mein Kind fürs Haas erziehe. Ich muss trachten, dass cs in der Welt, im Kampf ums Dasein seinen Mann stellt. Das kann ich nur erreichen, wenn ich es selbst als etwas ganzes zu erziehen mich bemühe. Der jüdische Vorname, den ich meinen Kindern gebe, ist die Etikette, die sie erhalten. Diese Etikette ist echt, deckt völlig den Inhalt. Juden, die nicht jüdische Namen haben, machen sich gcwlsscrmassen einer Falschmeldung schuldig. Selbst wenn sie gut, tadellos und tüchtig sind, werden sic bei jedem unbefangenen Menschen Misstrauen erregen, weil das Bestreben unter falscher Flagge Segeln zu wollen, bisher Zeichen eigener Minderwertigkeit sind. Wer wird tum so unklug sein wollen die eigene Minder- Wertigkeit zu dokumentieren? Bei den Juden tritt nebst der Uukluglrcit, die in diesem Tun steckt, noch die Lächerlichkeit dazu• Wird jemand den Versuch machen wollen Weisswei.1 als Rotwein zu bezeichnen? Der Jude hat nun ausgesprochen•: Rassenmerkmale, die in den meisten Fällen ein sofortiges Erkeimen ermöglichen. Taufe und Assimilation haben noch keilte ki imune Nase gerade gestreckt. Und cs braucht an dieser Stelle mm nicht erst hervorgehoben zu werden, dass die Aushi fiche des Antisemitismus auch die völlig assimilierten Juden nicht verschonen. Die fremde Flagge ist ein grosslücherigcr Schleier, der nichts verdeckt der nur karrikiert. Ich sage: selbst eine minderwertige Ware, die eine Ihr eigene nicht fremde Marke trägt, wird weniger augefeindet werden als die, die eine fremde Marke trägt. Die Juden haben nun gegenüber allen anderen Völkern nicht die geringste Ursache, sieh minderwertig zu fühlen. Wenn sie nur sich offen und ehrlich zum Judentmne hekennen, w*enn sie sich selbst achten, werden sie Achtung finden. Die Völker befinden sich den Assimilations-Juden gegenüber gcwisserma'ssen in einer Abwelirhcwcgung, so wie jedermann «!•wehrend sich benimmt, wenn man zu ihm als verlangender kommt. Der Jude bietet gewissermassen seine Individualität an als Ersatz für die Aufnahme, die er verlangt. Der Jude, dem mau kaufmännischen Sinn nachrühmt, be-