Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1903)
- Date
- 1903-05-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 20. •ISicli^oHe מ imdRclmu. Seite 187.;schluchzten. Wir gingen näher und ich ,horte die eine im Jargon beten: ״Wenn ihr seid grosse Propheten, sollt ihr beten, dass der schreckliche üolus werd* genommen von de arme arme polnische Lait.“ Fs war ein solcher Kummer, eine solche Verzweiflung in den Worten, dass wir ganz erschüttert waren. Nicht eine einzelne Stimme war es. die hier klagte, nein, das Fleml eines ganzen Volkes klang aus diesem Jammern heraus- Fs war wie gestern abend, als wir an Rahels Grabe standen und die bokharischen Pilger, die sich zur Heimfahrt rüsteten, klagen horten: Laut lesen sic die Tafel über dem Grabe: ״Line Stimme wird gehört und ein bitterliches Weinen. Rahel klagt über ihre Kinder, sie weint lind will sich nicht trösten lassen.“ Las war echt. Und dies und der Besuch der Kolonien mit ihrem lebendigen Hofiert hilft über die traurige Gegenwart hinfort. (Fortsetzung folgt.) Sie wird sich bewegen. Von Pr. Llias (Mülhausen). Der Artikel der .,Jüdischen Rundschau“ vom 21־. April LAG. der die bisherige Tätigkeit riet Alliance bespricht, stellt verschiedene Behauptungen auf, die ich nicht unwidersprochen lassen kann. Fr meint, dass die Alliance weder in der Theorie noch in der Praxis, ihr Ziel, jüdisch zu sein, beiseite gesetzt hake; dass die Leitung in Paris mehr und mehr von ihren Fehlern zuriickgekoiimicn sei; dass die Alliance den Platz wieder entnehmen wolle, den sie früher als Fiihreriu in jüdischen Dingen ejngcuommcn habe, und dergleichen mehr. Fs wäre zu wünschen, dass diese Behauptungen den Tatfachen entsprechen. Dann würde die Alliance das werden, was sic sein sollte: eine Beschützerin und Retterin unseres notleidenden Volkes; dann würde sie auch die Versprechungen ehrlosen, die ihre Gründer gegeben, und die sie als das zu •erstrebende Ziel in ihren Statuten bezeichnet hat. Die Alliance kamt jedoch unter den jetzigen Umständen eine Fiihrorln der Juden nicht sein. Solange sie die Bahnen nicht verlässt, die sie jetzt wandelt, wird ihr das jüdische Volk die Gefolgschaft verweigern. Und keine Zeichen deuten?1:, dass sic itir Begriff ist, eine System- oder Programmäi'derturg vorzuuehtnerr. Auf dem Gebiet des Unterrichts, auf den sie dtnr grössten Teil ihrer Tätigkeit konzentriert, ist eine nennenswerte Acnderung in der nächsten Zeit gar nicht denkbar. Solange die Ailiancelehrer französische Leltrcrdiplotuc haben müssen, polauge sie in erster Linie sieh die Materien ancigncn müssen, die vom französischen F.lcmcntarlchrcr gefordert werden, die französische Sprache, Geschichte und Geographie Frankreichs, solange haben sic nicht die Zelt das zu studieren, was sie als jüdische Lehrer wissen' müssen, und solange werden sie nicht im stände sein, Schüler heranzuziehen, die für jüdische Hoffnungen sieh begeistern und für eine jüdische Zukunft arbeiten werden. Und dass die jetzige Alliauccleituug auch nicht daran denkt, ans ihnen Lehrern jüdische Lehrer zu machengeht aus der Tatsache hervor, dass sie keinen Versuch macht, ihre Lehrerbilüuiigsaiistalt. d?e mir ein Anhängsel einer französischen Präparamienschule ist, unabhängig zu machen. Wohl unterhält die Alliance in Koustantinopcl eine Schule, in der deutsch, und in Bulgarien Schulen, in denen in der Landessprache unterrichtet wird. Sic ist eben gezwungen worden, in einzelnen Fällen Zugeständnisse zu machen. Dafür spricht ein vor wenigen Tagen im Monde illustrd erschienener Artikel, der augenscheinlich den Zweck verfolgt, tu Frankreich für eine Generalversammlung Stimmung zu machen. Derselbe bringt ,den Nachweis, dass die Alliance- Schulet» im Orient dem französischen Kinfluss und der franzosischen Sprache enorme Dienste leisten. Achnliclic Prklärungen ' gaben in den letzten Jahren verschiedene Personen ab, die dem Pariser Vorstand der Alliance sehr nahe stehen. Ucbcr ihr Wirken veröffentlicht eben die Alliance zweierlei Berichte: Offizielle, die für die tiichtfranzöaschcn Mitglieder bestimmt sind und die dieselben beschwichtigen und beruhigen sollen und offiziöse, die das französische jüdische und nicht-. jüdische Publikum?ufklären• Die letzteren sind diejenigen, die die volle Wahrheit bringen. Die Alliance könnte eine grosse Kulturarbeit lewsten, wenn ein anderer Geist in sic einzieht. Wenn jedoch Männer sie leisten, für die die Assimilation: ein Glaubensartikel ist, die trotz aller Gegenbeweise von diesem Glauben sich nicht bekehren lassen, genau so wie einer ihrer Führer trotz Rouchomowsky den Glauben an die Hchtheit der Krone des Saitapliaritcs nie au!geben wird, kann die *Alliance keine jüdische Kiilturarbcit leisten. Solange diejenige.!, deren Herz für das Judentum, lind mir für das Judentum schlägt, nur eine Minderheit im Zentralkomitee bilden, solange wird das jüdische Volk wenig Fi ende an der Alliance erleben. Heute sucht die Alliance das jüdische Nationaigefühl zu bekämpfen. Das beweist ihr Vorgehen gegen die jüdische Geineinde Philippop«;lis. das beweisen auch die Massregchi. die sie voriges Jahr traf, um das Findringen zionistischer Flaiicnte in die Leitung zu verhindern: das gibt sie übrigens auch imumwunden in ihren Jahresberichten zu. Dass die Alliance jetzt eine Generalversammlung abgchalten hat. beweist absolut nichts. Sie tat es nicht, um mit ihren Mitgliedern in Kontakt zu bleiben oder neue Anregungen zu erhalten; sie tat es, weil sie die Absicht hatte (und dafür habe ich aktemnässige Belege), durch eine Statutenänderung in Zukunft die Kontrole der Y’eremsmitgliedcr los zu werden. Dass es bei der Absicht blieb, dass das Attentat gegen das Wahlrecht der Mitglieder nicht ausgeiiihrt wurde, dafür kann die Pariser Leitung nichts: sie hatte das Möglichste getan. Fine Identität der Ziele des Zionismus und der Alliance existiert zweifellos; aber ebenso zweifellos existiert ein Gegensatz zwischen den Zielen des jetzigen AUianccvorstandes und i den unscriger.. Dieser Gegensatz muss v c r s c 11 w in- :den; er wird es, wenn wir die AUlancemitgiieder mit unseren Idealen und unsenn Fntimsiasintis für eine jüdische Zukunft iirprii^nicren. und sie die Geschicke ihrer Gesellschaft Männern anvcrtraueii, die gleich uns und mit uns ein neues Leben tinserm Volke vorberciten. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass jüdische nationale Flcmente in die Lokalkomitees und das Zentralkomitee einziehen. Wir müssen bei allen Angelegenbeiten der Alliance tinscrn F.influss geltend zu machen und zu vergrössern suchen. In einem Wort wir müssen die Alliance zionisieren. Dann wird sie sich bewegen. * ♦ * Wir wollten obigen Artikel unseres lieben und gerade in der Alliaiiceangdegjmliek so verdienten Gesinnungsgenossen nicht abdrucken. ohne der Alliance Gelegenheit zu bieten, sich fclbst zur Sache zu äiisscrn. Wir habe•! daher den Artikel vor der Drucklegung einem Mitglied»; des Zentralkomitees der Allianz vorgclcgt und von ihm folgende Antwort erhalten, die wir von imserm Standpunkte ״Audiatur et altera pars“ gleichzeitig mit Dr. Firns* Artikel zum Abdrucke bringen: ff 0 ff Die Zuschrift des Herrn Dr. Flias enthält einen persönliehen Angriff gegen ein Mitglied des Zentralkomitees. der nichts mit der Alliance zu tun hat• Ich hätte daher Abstand genommen, auf die Zuschrift etwas zu bemerken, wenn der Schluss nicht gewesen wäre? der für das Prinzip der Alliance warmes Interesse zeigt. Darauf allein kommt es an. Wir wollen uns gern der Kritik unterwerfen, vorausgesetzt, dass dies Prinzip der Alliance anerkannt wird. Was nun die geltend gemachter. Monita betrifft, so ist cs richtig, dass'von "einer Seite der Antrag gestellt war. die Generalversammlungc.» in Zukunft fortfallcn zu lassen. Indessen fand dieser Antrag keine Billigung, im Gegenteil, mit Ausnahme des Antrag־ stcllcrs waren sämtliche Anwesenden der Meinung, dass die •מץ»*ימ*ימיי