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Jüdische Rundschau · 1903-05-15 · Heft 20 (15.5.1903) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 20 (15.5.1903)
Date
1903-05-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1 / י¬ ■ Seite 186. «Jtidiselie R11n<lsol1f1.1*. No. .20■ *־ f*t~ .sucht, die vorgeblich in ilivn existente Annahme durch die Vorspiegelung einer Gefolgschaft in den Köpfen Leichtgläubiger ,wachzurnfen. Er weiss wohl, dass die zionistischc Organisation in keiner Weise gefährdet ist, sein Ziel geht nur dahin, durch Sophistereien Freunde unserer guten Sache zu übertölpeln, sie auf einen Gedanken hinzulenken, *der ihnen völlig fern lag, aus dem einfachen Grunde, vycil er jeder Begründung entbehrt. Und nachdem er anninmit, den Einzelnen durch seine Vcrdächtigung zum Nachdenken angeregt zu haben, ihn veranlasst zu haben, unbewusst Herrn X's Helfer zu werden, dessen persönliche Gehässigkeit gegen einzelne zionistische Füllrer zum Austrag zu bringen und Zwist in die Reihen der Zionisten zu tragen, um auf dieser Hintertreppe zu seinein letzten Ziele emporziiklettern: den Zionismus brechen zu sehen mit bestimmten seiner Führer, denen Herr X. persönlich nicht geneigt ist, da krönt er erst sein Werk durch ein echt jesuitisches Stückchen: Um ja nicht etwa den Gedanken in den von ihm Beeinflussten aufkommen zu lassen, dass die derart fixierte Anschauungsweise ihres Inspirators nicht ganz einwandsfreien Motiven entsprungen sei. da ״hält er es für seine Pflicht, ein Wort der Beschwichtigung zu sagen‘‘, da maskiert er sich mit der Larve des guten Juden, ja schmückt sicli fast mit den zionistischen Farben. Aber man fühlt schon im 101־ genden, sich seiner grossen Entdeckung direkt anschliessenden Satze reelipgreitbar seinen w a 11 r c n G c - dankengang, wenn er mit versteckter, doch leider etwas verfrühter Schadenfreude sagt: ״Der Zionismus ist ja mit Herrn Nordau nicht identisch“, d. 11. ihn abzusägen, das ist das, was ich erstrebe. — Nun, die Trauben, Herr Anonymus, werden Ihnen wohl noch sehr lange zu sauer sein. Wir wahren Zionisten, Herr Anonymus, wir wahren Juden, Herr Anonymüs, wir kennen Ihren Unterschied nicht zwischen wurzelständigen Juden und Juden von gestern, zwischen uns jüdischen Juden hat ihn die gewaltige Idee des Zionismus hinweggefegt. Wir alle sind Juden, weil wir uns als Juden fühlen, weil wir als Juden handeln. Und wenn sich unter der Menge noch Wölfe im Schafspelz finden, so sind Sie ein Typus derselbe:!, Sie, der Sie persönlichen Neides willen imstande sind, den schmählichen Versuch zu machen, Zwistigkeiten in die Reihen derer zu tragen, die sich bemühten, die Glieder des Körpers zu sammeln zu einem mächtigen Ganzen, das erst wieder neues Leben schaffen soll und wird. Bellen Sic ruhig weiter den Mond an. begeifern Sie die Repräsentanten der Juden von gestern, die beiden Männer, die mit einem Atemzuge mehr für das Judentum geschaffen, als Sie ihm schaden könnten, selbst wenn Ihnen die Möglichkeit wäre, die Gellässigkeit Ihres ersten Artikels in hundertzähliger Serie zu potenzieren. Hun dert Ihrer Juden von gestern für einen meiner Wur zelständigcn, aber noch nicht Zehn tausend Wurzelständiger Ihres Kalibers für einen einzigen meiner Juden von gestern, Ihre ganze Gefolgschaft noch nicht für einen Herz! und einen Nordau. Nach Ihrer Auffassung ist Nordau ja ״nicht mit dem Zionismus identisch“, — so identisch, Herr Anonymus, wie wiT Juden von gestern mit Nordau, mit Hcrzl! Er ist ״Gast bei uns“, unterfangen Sie sich zu sagen? Meinen Sie uns, dann ist er ein Gast, dessen Anwesenheit wir niemals hoch genug elnschätzeu können, meinen Sie sich und Ihre angcblichc, gleich Ihnen denkende Gefolgschaft, dann sind Sic noch nicht würdig, diesem Gaste — — die Füsse zu waschen. Dies in Ihr Stammbuch. Herr ״Dämpfer"! Lothar Stark, Kopenhagen. l ־ Palästinische Briefe. - 1• Von Dr. Adolf Frlcdcmann. ' II. ־ Jerusalem um Pessach ist jedenfalls auch für den Nichtjuden interessant genug. Die jtiden aller Herren Länder strömen hier zusammen und man sieht Perser und Bokharcn. deren Eraucn goldene Hauben tragen, Jemeniten mit gcschorenem Kopf und langen RingcHockeu: Marokkaner und Asehkenasim im bunten SammeUname!. die Pel/iniit/.c r»ui dem Haupt. Lin wundervolles Durcheinander von Trachten und ein seltenes Schauspiel von Charakterköpfen! Der schönste von allen ist der des ehrwürdigen Chacham Bnsehi Eliaschar. Dieser Greis mit dem niäehtigui weissca Bart, im Turban und arabischen Kaftan ist eine wahre Patriarcheimgtir. Leider schwindet viel vom Reiz des Neuen bei der!!allere Bekanntschaft. Da ist vor allem der alte Krebsschaden de Chaluka. (lewiss gibt’s hier viele arme und bedürftige Lcuu und niemand wird ihnen den Empfang milder (iabca verübeln. Alier einige Verneint könnte bei der Verteilung doch obwaltet:, und die Berufs>c!1:t״rrer könnte man zu giutsten der wirklich armen aussehücssen! Die ärmsten, die Jemeniten und Marrokkuner erhalten fast nichts, die!kutschen dagegen יה• Pranken pro Kopf und Vicrteliahr. der Säugling wie der Greis. Und dann diese Verwaltung! Weshalb lässt mau Schlank, der selbst Chalukah nimmt, das Geld verteilen? Das ist unerhört! Coronet. Abraham. Sachs. Chaiim Mausdorf sind mindestens. recht wohl situierte Leute, aber sie nehmen C! 1,,ז # tWÜ.% sh. Haus• dort’ ist dabei sogar der Apotheker des Arztes des Schaare Zcdck Hospitals! Unter den russischen A1 m os eu empia:1 g;־rbefindet sieh Jacob Blumenthal, der notorisch an Häuser- Spekulationen hier ca. *Jüoa< Frauken verdient hat. Das sind Zustände, die nach Abhilfe iörmlieh schreien! Warum sorget die Chalukahkomhces nicht vor allem dafür, dass Beamte das Geld verteilen? Wir werden nicht auihörcii. gegen diese Missbrauche z.u schreiben, bis endlich Ordnung geschaffen ist. Wer arbeiten kann, soll arbeiten. Und den wirklich Bedürftigen soll man Geld geben, nicht umgekehrt. Ich bitte die Chalukah- Komitees mir nachzuweisen. dass die obigen Daten falsch sind! Wenn sie das nicht vermögen, so sollen sie vorsichtiger mit ihrem Geld umgehen, das mehr schadet als 11üt/.i! Ein anderes Beispiel hiesigen ״Geisteslebens“ liefert toigende Angelegenheit, die eben die ganze Stadt in Aufregung bringt. Eine Anzahl wohlwollender Männer Ifcatte beschlossen, einen hebräischen Kindergarten zu gründen. Bei dem grossen Elend hier wäre die Ausführung des Plans für die Kinder von .T-6 Jahren eine wahre Wohltat gewesen. Und was tuen die berufenen Schützer des Judentums? Die ״grossen Rabbiner -י• und die beiden Gerichtshöfe” der Aschkenasitn erlassen eint Proklamation, in der jedem, der seine Kinder der Anstalt übergibt, der Chcrem (Bann) angedroht wird, ln dem Dokument von unserer Zeiten Schande stellt tatsächlich zu lesen, dass man. ״zwar nicht wisse, was der Kindergarten wolle“ (das geht über die Eassungsgabe der ehrenwerten Männer), dass er aber jedenfalls die JOnder' (von 3-6 Jahren!) der Thora entfremden werde. Das sei ganz sicher, sonst butte man vorher die Rabbiner um Erlaubnis geiragt. Kommentar übertU'Ssig. Wir wollen aber doch nicht vergessen, wenigstens den ersten Uiitcizciclincr dieses schmählichen Pamphlets zu nennen: Cliajim Jacob aus Kowno ist er benamset. Mau muss d*s jämmerliche Dasein der niederen Klassen hier kennen, um zu begreifen, welche Infamie zu derartiger Handlung gehört. Ehrliche und verständige Männer, wie der treffliche Dr. Grünhut. die Leiter der Läninielschule. u. s. w\, sind da ganz machtlos. Die Leute verstehen nur eins: Man darf ihnen kein Geld mehr schicken. Ins sie anders handeln. Nach all' der Heuchelei war es eine wahre Erquickung, einmal wirkliches Gefühl zn sehen. Im Grabe der Propheten Chaggai und Maleaclii trafen wir ein paar alte polnische Frauen, die kläglich weinten 11r׳J 4

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