Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1903)
- Date
- 1903-05-08
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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•Tifdiftolie Rundschan. No. 19. t ״ r. Seite 183.; ‘י ־‘ ־ ־; Aufmerksamkeit schenken. Uns würde versichert, dass nach dem Frieda! mehr als 1000 Juden nach Afrika gereist sind. Ein Teil derselben wird sicherlich versuchen, den Bur fernerhin zu cxploiticren. Es würde im Interesse des Landes sein, einen grossen Teil solcher Einwanderer als ungewünschtc Persona: nicht Ins Land zu lassen.“ — Mit dem Siege der Engländer hat der Antisemitismus seinen Einzug in Südafrika gehalten. Es wäre das nicht minder geschehen, wenn die Buren gesiegt hätten. Wie es auch immer ist: ,Judaeos ad leonein!“ Das Grosskreuz des Roten Acüerordens hat Sc. Majestät der deutsche Kaiser dem italienischen Kriegsminister General 0 11 o 1 e n g h i verliehen. Ottolcnghi ist der erste Jude, dem diese Auszeichnung zuteil wird. Im Deutschen Reich kann ein Jude de facto nicht einmal Fähnrich werden! Ein Nichts genügt, um eine Blutbcschuldlgung zu erheben. Das ist uns nichts neues, wird aber mit fortschreitender ..Kultur und humaner Gesinnung“ durch immer neue ׳Fälle bestätigt. So erhält die ..Neue F'reie Presse" aus Humpolctz in Böhmer, folgende Mitteilung: ״Am Sonnabend, dem 25. April, kam zum Kantor von Humpolctz, Herrn P., eine (icrichtskommissinn, bcstehend aus dem Untersuchungsrichter Dr. Valentin. Bürgermeistcr und Reichs rats-Abgcordneten Beczvar. dem GendarmeriQ-Wachtmeister etc., um eine Hausdurchsuchung vor-?!!nehmen. Die vierzehnjährige Tochter des Vorstehers in Bystra hei Humpolctz hatte die Anzeige erstattet, dass sic dieser Tage, als sie bei P. Tauben zum Verkaufe anbot, einen christlichen Knaben hängen sah und ausserdem bemerkte, wie drei bärtige Juden sich mit dem Knaben zu schaficn machten. F^s wurde nun eine gründliche Hausdurchsuchung vorgenommen, ohne dass etwas Verdächtiges vorgefunden wurde. Herr P• klärte aber die Kommission auf. Er hat in der Tür einen Turn apparat und konnte sich erinnern, dass das Mädchen gerade ins Zimmer trat, als sei.1 Sohn turnte. Jedenfalls herrschte in der Stadt grosse Aufregung; jetzt ist wieder Ruhe cingetreten." — Wir wissen nicht, obs Czechcn oder Deutsche waren. Bleibt sich auch gleich. Sic sind dem Juden beide gleich feindlich! Die klerikale deutsche ״Znaitner Sonntagspost“ schreibt wörtlich: ״Gegen die Gefahr der Einwanderung rumänischer Juden. Die immer stärker wachsende Einwanderung ausländischer Juden nach Galizien flösst nun sogar auch den Elementen der polnischen Gesellschaft, die eher des sentimentalen Philosemitisnms als des Antisemitismus geziehen werden könnten, gewichtige Bedenken ein. Jetzt steht für Galizien die Geiahr der Masseneinwanderung rumänischer Juden bevor. Der kotiservative ״Przeglond“ lenkt die Aufmerksamkeit der leitenden Kreise atti diese Gefahr hin und schreibt, man müsse durchaus gewisse prophylaktische Massnahmen gegen diese Kalamität ergreifen, da Galizien ohnehin durch die Juden überflutet ist. Binnen einer verhältnismässig kurzen Spanne Zeit hat sich die Anzahl der Juden in Galizien beinahe verdoppelt. Die Aus- Wanderung aus Russland alLln bescherte uns, nach der Bert-chmmg des jüdischen Blattes ״Hamclle“, weit über 300 000 neue Hebräer, jetzt sollen wir noch solche rumänischer Provenienz. bekommen. Deshalb fordert das Blatt den Polenklub und die Regierung auf, diese neue ״Segnung“ von Galizien tcinzuhallen“ in folgender Meldung kund, die durch den deutschen Blätterwatd rauscht: ., ״Die polnische fsraelitcn-Ocmeindc iit Bukarest weihte gestern ihre neue Synagoge ein. Bei der Feier wies Bürgermeistcr Robcsco in einer Ansprache darauf hin, dass die rumänischen Behörden allen Bewohnern des Landes die gleiche Fürsorge angedeihen lassen und dass sich unter der Regierung des Königs Kami die Juden Rumäniens der gleichen Freiheiten erfreuen, wie in atlcn zivilisierten Ländern. Der Vorsitzende der Gemeinde sprach dem Redner den wärmsten Dank aus. Dan Gottesdienste im israelitischen Tempel anlässlich des Jahrestages der Erwählung des Königs wohnten ein Adjutant des Königs und Bürgermeister Robesco bei.“ Die ״Deutsche Tageszeitung" leitet diese Nachricht mit der fettgedruckten Bemerkung ein: ... Z u r .U 111 e r d (r ii c k u11 g der J u d c n **. Die ״Deutsche Tageszeitung“ hat insofern ganz recht, als in Rumänien die Juden das gleiche Recht, wie in Kischinew haben, sich dafür totschlagcti zu lassen, dass sie sich nicht zur Religion der Liebe bekennen. Aul Wunsch des Grossrabbiners von Koustantinopel verbot der türkische Zensor die Aufführung von Shakespeares ״Kautmann von Venedig." So bedauerlich es ist. dass des grossen Dichters Kunstwerk ob der Furcht eines verfolgten Volkes vetboten werden muss, so ist cs doch auch interessant zu sehe.:, welche Rücksicht dieser nichtchristliche Staat auf seine jüdische•!. Untcraucn nimmt. Er ist eben in der ״Kultur" zurück. Die ״Täglich c R 1111 d s c h a u ", das Blatt der tcutschesten Teutschen schreibt: ״Ein Held“. Bekanntlich haben aut Seite der Buren auch manche Juden .1 der ersten Hälfte des Krieges mit gelochten. Und die Ehrlichkeit gebietet, zuzugebeii, dass manche von ihnen sich tapfer geschlagen haben. Eine köstliche Anekdote ei zählt Chrde We! in seinen Kriegserinnerungen von einem jüdischen Mitkämpfer, in der deutschen Ucbcrsetzung ist diese Anekdote weggelassen. Wir tragen sie deshalb hier nach: Es war vor Lady smith am 30. Oktober 1*99. der Zwartbooiskop. später ״Klein-Amajuba“ genannt, wurde bestürmt. Die Eng-!ander wurden nach einem scharfen Feuergefecht aus ihrer ersten Stellung nach dem Südrand des Berges zunickgedrangt. und die Buren, die bisher fast ohne Deckung hatten kämpfen müssen, vergruben sich schleunigst hinter den eroberten Positionen. —וי von hier aus die starken Stellungen im Süden erst e'ne zeit lang unter Feuer zu nehmen, ehe man weiterrückte. An einer Stelle, wo die Felsblöcke.so selten waren, dass kaum auf jeden Mann einer trat' und dieser eine nicht immer ohne Lebensgefahr zu erreichen war, schlängelte sich langsam Jung Israel an einen Bur heran, der in guter Deckung lag: ״Verkauf' mir deinen Platz, ich zahle dir eine halbe Krone (= 10 Mk.) dafür.” ״Mach, dass du weitcrkonmist,“ rief der Bur dagegen, ״ich b'n froh, dass ich selbst hier Platz habe.“ ״leb will dir geben 15 Schilling (15 M.). wenn du 111er verkaufst deinen Platz," fuhr der hartnäckige Bieter in der Angst tun sein bedrohtes Leben weiter. Er wäre sicher auch vor Ende des Gefechte,s nicht mehr aus seinem Versteck herausgekommen. Natürlich ist das eine einfache — nein eine doppelte ־- und grobe Lüge. Es ist weder wahr, dass eine auch nur nennenswerte Einwanderung russischer luden in Galizien stattgefunden hat. noch dass der ״Hamcliz" etw׳as derartiges gc• schrieben hat. Aber wenn es gilt, über die Juden Unwahrbeiten zu verbreiten, linden sich Deutsche und Polen briiderlieh zusammen. Wir müssen diesen antisemitischen Vertretern der arischen Edelrasse zugestehen, dass sie das Lügen meistcrhaft verstehen. Der russische Freund der Menschen und des Zionismus, Maxim Gorki, hat sein Stück ״Der Jude“ vollendet. 111 der niiclisten Saison wird es in Moskau zur Aufführung kommen. Dass in Prcussen der Zufall so merkwürdig spielt, dass ganz sachte immer weniger Juden zu Geschworenen gekürt werden, finJet ein merkwürdiges Scitaistiick in folgendem Vorfall, der sich im Laudesgericht zu Tiraspol in! heiligen russischen Reiche abspielte: ״Zwei Tartaren standen vor Gericht unter der Anklage des Vatcrniordes• Die Geschworenen wählten zu ihrem Ohmann den Juden Dr. Igcr. Der Vorsitzende anuilierte aber diese Wahl mit der Begründung, dass Juden zu Obmännern \en Gesellworr*wn nach den Bestimmungen des neuen russisehen Strafgesetzes nicht gewählt werden dürfen. Das Wiener ״Deutsche Volksblatt“ iiigt hinzu: ״Wann werden wir in Oesterreich einmal so weit sein?“ . . . Rumänische Ehrlichkeit, die den deutschnational sich gönnenden Blättern recht nach den! Herzen ist, gibt• sich Aber es war kein Geschäft zu machen. ״Der Bur hatte vielleicht noch etwas besessen, das so rasch im Werte gestiegen war," schlicsst de Wct, ״aber in diesem Augenblick gelüstete es ihn auch nach dem vorteilhaiten Handel nicht, und so musste der hartnäckige Käufer 1111verrichteter Sache weiter.“ —- Man hat am Schluss dieser schönen Auseinandersetzung ganz vergessen, dass am Anfänge der Satz steht: ״Und die Eh rIic 11 ke 11 gebietet, zuzugeben, dass manche von ihnen sich tapfer geschlagen haben.“ Diese Ehrlichkeit ist eine sonderbare, wie sic bei den Juden nicht im Schwange ist. Das i.si wohl Ehrlichkeit der höher veranlagten Rasse? Wir halten aber wenigstens de Wet nicht für so dumm, dass er eine so lächerliche Anekdote seinen Lesern aufbindet. Des Rätsels Lesung liegt wohl in dem famosen Zusatz, dass in der deutsehen Ausgabe der Absatz fortgelassen sei. Es verlohnt sich die Mühe, die ״Ehrlichkeit“ der ״Täglichen Rundschau" am Original nachzuprüfen.