Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1903)
- Date
- 1903-05-08
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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?י¬ ■,V^Py^wwrf! *‘~*1 ~י» *.'«I 4 *ןי/«• ״*■? Seite 1S2. JUdisclie ]HUindscIiau. No. 19. Nur mit seiner letzten Behauptung, dass die Wohlhaben־ heit der Juden abgenommen habe, kann ich mich nicht cinver- 'standen erklären. Ziffermnässigc Beweise werden hier nicht zu erbringen sein. Doch glaube ich sicher, dass sich die Öko- * nnmischcn Verhältnisse der deutschen Juden in dc'n ״letzten SO Jahren in demselben Masse gebessert haben, wie jene Vcr- . haltnisse in Deutschland überhaupt. Der Mittelstand wird nicht nur bei;den Juden schwächer. Trotzdem kann kein Zweifei darüber bestehen, dass sich das Niveau der ganzen Lebenshaltung in Deutschland während der /.weiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts bedeutend gehoben hat. Berlin, I. Mai 1903. B. Blau. G—-- OCl Kleine Chronik. | C.. .1- ——,.»-...■...?סיי Am 21. und 23. April fand im Bureau des Deutsch-Israelitischen Gcmcindchimdes die Ausschusssitzung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums statt. Die Versammlung war recht zahlreich besucht und die Verbandlungcn. die zwei Tage hindurch je firni Stunden gedauert, haben, wie man wohl hoffen darf, ein erfreuliches Resultat ergeben. Am ersten Tage wurde zunächst der Bericht über die bisherigeu Ergebnisse der Propaganda von dem Vorsitzenden, Prof. Philippson-Bcrlin erstattet. Diese Ergebnisse kann matt wohl als sehr günstige bezeichnen, da die Jahresbeiträge schon heute, wo die Propaganda erst in ihrem Anfang steht, sich auf ca. 9000 Mk. beziffern. Es ist zu honen, dass, wenn samtliehe Ausschussmitglieder und alle Freunde und Förderer der Wissenschaft des Judentums in den deutschen Gemeinden sien der Sache warm aimehmeii, die Zahl der Jahresbeiträge au! mehr als das Doppelte steigen wird. Das ist aber auch uttbedingt notig angesichts der grossen und schweren Aufgabe, die die Gesellschaft durchzutiihren beabsichtigt. Zu Punkt 2 der Tagesordnung, die Zeitschrift betreffend, wurde beschlossen, mit dem Herausgeber der altbewährten ״Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Herrn Dr. Braun in Breslau, in Verbindung zu treten behufs L'ebcrnahme dieser Zeitschrift und cvcutl. Vcrgrösserung und Erweiterung. Da die Verhandlungen darüber noch i!n Gange sind, erscheint cs nicht angebracht, etwas weiteres darüber mitzuteilen. Nach Abschluss dieser Verhandlungen wird natürlich alles Nähere der Ocifentlichkeit unterbreitet werden. Von besonderer Bedeutung w׳arcu die sehr eingehenden und gründlichen Vcr- Handlungen zu Punkt 3, der das eigentliche Arbeitsgebiet der Gesellschaft umfasst. Es wurde beschlossen, Atisschreibeu hetreffend die Einreichung von Manuskripten zur Veroffcntlichung aus folgenden Gebieten zu erlassen: ״Geschichte der Juden. 2. Littcratur und Religionsgeschichte. 3. Ethik und 1 systematische Religionsphilosopliie. 1־. Bibclexegese. 5. Hebrüj isclte Sprachwissenschaft. 0. Talmud und Codices. 7. Apologetik; und Pädagogik, ln Verbindung damit stand ein von Karpclcs- J Berlin eingebrachter weitgehender Antrag, der nach reiflicher j Erwägung von der Versammlung einstimmig angenommen I wurde. Er betrifft die Herausgabe eines gross angelegten! Werkes, dass den Titel führen soll: Grundriss der 1 W i s s c n s c h a f t des Judentums, und das in selbst- I ständiger Bearbeitung von tüchtigen jüdischen Gelehrten fol- «ende Bände, von denen Je der für sich abgeschlossen sein f wird, umfassen soll: 1. Einleitung in die Bibel. 2. Die Bibeliiber-! Setzungen. 3. Die hebräische Sprachlehre. 4• Die aramänischc J Sprachlehre. 5. Geschichte der hebräischen Sprachwissenschalt. 6. Systematische Theologie, Ethik, Religionsphilosopliie j des Judentums. '7. Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie j 8. Einleitung in die Taltuude. 9. Einleitung itt die Midrasch- : littcratur. 10. Die hellenistische Littcratur. II. Die Apokryphen; und Pseudepigraphen. 12. Judentum und Christentum. 13. , Judentum und Islam. M. Die rebbiuisclie Littcratur. 15. Religionsgcschichtc. 16. Geschichte der jüdischen Sekten. 17. Biblische und tahnudische Archäologie. 18. Mosaisches und . talmudisches Recht. 19. Grundriss der jüdischen Littcratur- I geschiehtc. 20. Geschichte der Juden in vier Abteilungen. 21. Geschichte des Synagogcn-Kultus. 22. Apologetik. 23. | Praktische Theologie. 24. Homiletik. 25. Pädagogik. Selbst- ' verständlich ist dieser Plan nicht vollständig, und es werden | wahrscheinlich noch einige Nebenfächer dazu kommen. Die i Hauptsache bleibt aber, dass der Beschluss einstimmig gefasst wurde.״ das W'crk ernstlich in Angriff zu nehmen, und, wenn möglich, in jedem Jahr einen Band herauszugeben. Zur Aus- I arbeitung des Planes wurde eine grössere Kommission cingcsetzt, die sofort in Wirksamkeit treten soll. Der Zweck der einzelnen Wctkc dieses Grundrisses soll der sein, Jedem, der über die Wissenschaft des Judentums sich unterrichten will, vor allem aber Religionslehrern, Studenten und Gelehrten das zum Verständnis der einzelnen Disziplinen Wissenswerte in systematischer W'eise vorzuftihrui. möglichst knapp dabei aber klar und lesbar. Einige andere Anträge von Bloch-Posen, einen Gelehrten nach Rom zur Erforschung der päpstlichen Archive zu schicken und von Kayscrling-Budapest, der das Gleiche für Madrid hinsichtlich der spanischen Inquisitionsaktcii wünscht, wurden vorläufig zurückgcstcllt.ן Ein Antrag Ziemlich-Niirnberg, die Apologetik besonders z.n betreiben, .war durch den vorhergehenden Antrag in zustimmeiidem Sinne erledigt. Hierauf gelangte mau zu Punkt 1־ der Tagesordnung: Bildung der Fachkommissionen, bestellend aus den hervorragendsten jüdischen Gelehrten gebildet. Alle Wissenschaftliehen Angelegenheiten, die an den Verein licrantretcn (Beurtciluug einzelner Manuskripte. Anfragen. Auswahl der Stipeadiaten usw.). müssen diesen Fachkommissionen unterbreitet werden. Ein Antrag von Cohen-Marburg: Errichtung von Lehrstiililcii für Ethik und systematische Religionsphilosopliie an den jüdisch-theologischen Lehranstalten, wurde vorläufig zuriickgestellt. Die Referate der Herren Cohen-Marburg und Mayhaum-Bcrlin über Religionsphilosopliie und Pädagogik wurde״ für die nächste Vollversammlung der Mitglieder der Gesellschaft reserviert, der auch die Anträge von Klausner- Berlin auf AcnJenmg der Statuten vorgdegi werden sollen. Mit der Erledigung einiger formaler Anträge wurde die Sitzung des Ausschusses am Mittwoch nachmittag um •1 Uhr geschlossen. Das Organ des Bundes der Landwirte, die ״Deutsche Tageszeitung“ schreibt mit der ihm eigenen Wahrheitsliebe. Unter H i n t c r I a s s u 11 g v o n 80 000 Mark Schulden flüchtig geworden ist der jüdische Kaufmann A Iber t Moritz, der am Spandauer Schiüahrtskanal im Hause Hochtnutli einen Pctrokumgrosshande! und ein Restaurant betrieb. Moritz, der am 19. Januar 1S62 in Jariscliau geboren ist, lebte seit mehreren Jahren in Cliarlottenburg und hat es verstanden, sieh den Anschein eines vermögenden Mannes zu geben, etc. etc. Der ״Jude M o r i t z" ist ein christlicher ״Astpraisse*‘ von derselben echt-arischen Rasse wie Graf Pücklcr. Prof. Moritz, der bekannte Orientalist, gehört derselben Familie an. Jeden arischen Lumpen machen sie zum Juden; und alles bei uns, was nichts wert ist, wird Christ. Frankfurt, 6. April Zwei bemerkenswerte ministerielle Erlasse, der eine vom Handclsminister, der andere vom Kultusminister werden soeben bekannt gegeben. Der Erlass des Haiuklsministers ordnet an. dass jüdische Fortbildungsschüler an jüdischen Feiertagen auf Verlangen ihrer Eltern, Vormünder oder Lehrlierrn dem Schulunterricht fernbleiben dürfen. Anlass zu dieser Entscheidung gab die durch alle Instanzen bestätigte Bestrafung eines jüdischen Fortbildungssehülers. der an einem jüdischen Fcierfage dem Fortbildungsschuhmtcrricht icmblicb Manchen bösen Artikel gegen den Zionismus hat Rabbine*׳ Dr. Ehr mann in Baden (Schweiz.) auf dem Gewissen. Jetzt hat er sein Amt nach löjöhrigcr W irksamkeit niedergelegt. Er war der Vertreter der extremsten Orthodoxie• Das Resultat seiner Wirksamkeit ist der völlige Zusammenbruch der Orthodoxie in den Schweizer Gemeinden, in denen er gewirkt hat. und die siegreiche Ausbreitung des Zionismus über die ganze Schweizer Jmlenschaft. fm Interesse der Verbreitung unserer Bewegung ist der Rücktritt Ehrmanns sehr zu bedauern, da er uns durch seine Feindschaft so manchen clüliehen und treuen Anhänger zugeführt hat. Holland, das Landl der Freiheit, hat auch seine Antisemiten. Bezeichnenderweise sind es aber nicht die Niederländer, sondem ausschliesslich die eingewanderten Deutschen, die ihn pflegen. So schreibt die ״Deutsche W'ochenzcitung in den Niederlanden״ iu ihrer Nummer vom 28. April 1903: ״Antisemitismus? — Vor dem Krieg vermochte mau unter den Buren keine Spur von offen bekanntem Antisemitismus zu entdecken. Nunmehr veröffentlicht ״Land eu Volk“ an Marico folgende Korrespondenz.: ״Die alten Läden sind wieder eröffnet und neue werden noch errichtet• Die Geschäftsleute scheinen zu denken, dass die Buren reich oder bereichert aus dem Krieg zurückgekehrt sind. Es ist nur zu hoffen, dass das GesciüFt einen mehr nationalen Charakter annimrnt und wir allmählich von dem nach Gold dürstenden Juden erlöst werden. Einigen der ״alten Nation" sind wir begegnet, die cs mit dem Bur wirklich gut meinen, aber die grosse Masse frisst wie eh! Krebsschaden am gesellschaftlichen Lehen des Bürgers. Was aus dein Bur herausz.uprcsscu ist das weiss der Jude auch zu kriegen." Die ״Deutsche Wochenzeitung" lügt ausdrücklich hinzu: ״Der Judenfrage muss die Regierung ihre