Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1903)
- Date
- 1903-05-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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% No. 19. __I I Jüdische Rundschau. Seite 179. die Juden ganz bezeichnender Weise vergessen wurden und gerade um diese Zeit war das Elend der rumänischen Juden auf den Höhepunkt gestiegen. Nach seiner etwa eine Stunde währenden Rede, endete er unter grossem Beifall der Zuhörer. An der sich anschliessenden Diskussion beteiligten sich nur wenige, doch war sie sehr lebhaft und trug dazu bei, den Abend interessant und anregend zn machen. Wir danken dem Redner auch hier hcrzlichst dafür. — ZOD. hw. Danzig. Die hiesige Gruppe veranstaltete zur Vorfeier des Schckeltagcs am 2• Mai in den Co!!e״rdia-Sälen einen Uittcrhaitungsabcnd. der sehr zahlreich von Güsten und Mit.־ gliedern besucht war. Eingelcitet wurde der Abend mit einer Ansprache, in weicher Redner auf die Bedeutung des Schckei* tages aufmerksam machte. Die Ansprache kiang in ein begeistert aufgenommenes Modi auf Dr. Theodor Herzl aus. Dieser Ansprache folgten nach einem PH>!og, Deklamationen, rctlioriselic Vorträge und jüdische Gesänge. Zum Schluss wurde von einem Mitglicdc angeregt, eine Sammlung für unsere Stammesgenosseu in Kisehinew zu veranstalten. Der Anregung wurde von ■allen Seiten Folge geleistet und die Sammli'itg ergab ca. 2<0י Mk. Mit dem gemeinsamen Gesänge des ״Hatikwah“ fänden die Vorträge ihren Abschluss. Berlin. Die zionistische Verbindung liasmonaca eröffnet iiir Semester am Donnerstag, dem 12. Mai. durch einen Antrittskommers, der aber natürlich in Anbetracht der entsetzlichen Vorgänge in Süd-Russland einen durchaus ernsten Charakter tragen wird• Beginn 9 Uhr. Hotel König vor! Portugal. Burgstr. 12. Jüdische Akademiker herzlich willkommen! R. * 4 \ 4 %'* % 0 **« V« .11 I‘ J t tc—' י•' י•׳'1' v י% י,׳ י,• י,׳ י,׳ י,׳ י.׳ י,« V י!׳ י»י י«׳ י.׳' ׳ י■• י«׳ י•׳ י!׳ ין׳ 1 ■: •<r . ן 1 1 ן ן ן!■ ו׳ 1 1! j ן. י 1 , . . ו 7?</. t mkium^.y my y yuy w.!4y •4y y m,.,1 u!wi Rundschau. ׳,» mmm», 1 י * ü ¬ר ני > t * 0 %, % 9 * * יי• * . I V;7 * « V uf v‘J «kJ hm «M- . Paris, den 30. April 1903. Am 29. April fand im Saale der Zivilingcnieure die Generalversammlung der Alliance Israclite Universelle statt, zu welcher Mitglieder des Zentralkomitees aus Deutschland, Holland, Belgien und Dänemark sich cingefunden hatten. Unter anderen Gästen war auch Anatole Lcroy- Bcauiicu erschienen. Der Präsident Narcissc LcVen gab einen Bericht über die Lage der Juden seit Begründung der Allianz. Es seien zwei Perioden deuJich erkennbar, die eine bis zum Berliner Vertrag von 1S78. in welcher die Ideen der französischen Revolution in Europa mehr und mehr zur Atterkemtung gelangt sind, die zweite, in welcher nationaler und konfessioneller Hass um sich griff, unter welchem die Juden zu leiden hatten- Er besprach die Ausnahmegesetze gegen die Juden in Russland und Rumänien, die Entstehung des Anti scmitismns •In Deutschland und seiner Verbreitung nach Russland, Oesterreich und schliesslich Frankreich, wo er in die Drcyfuss-Afiärc nuslicf. Mit dem Beginn des neuen Jahr* hunderts scheine wieder eine Wendung zum Besseren ciiizutreten, wofür namentlich das Zirkular des Staatssekretär Hay ein erfreuliches Zeichen sei. Der Generalsekretär erstattete sodann Bericht über die Wirksamkeit der Allianz, seit 1895. Sie habe jetzt 3»י (KO Schüler in den Elementarschulen und 1001? Zöglinge in Werkstätten. 25(1 in Ackcrbauscbulen, 120 Mädchen und junge Leute, welche für das Lehramt ausgebildet werden, endlich ein Rabhincrseminar in Konstautinopcl für den Orient und Nordafrika. — Er betonte mit besonderem Nachdruck, dass die Allianz es als ihre hauptsächliche Aufgabe betrachte, für die religiöse Erziehung zu sorgen, es sei deshalb erfordetlicit geworden, att Orten, an welclten es an guten (nicht jiidi* schert) Schulen nicht ichlc, Schulen oder Rcligionskursc einzurichten. Dies sei namentlich in Egypten und Algier der Eali gewesen. - Ein Briet des Direktors der Schule in Ecz (eines türkischen Juden), der sielt geweigert hat. einer an alle Euro• piier zugegangenen Aufforderung c*£r europäischen Konsuln zum Verlassen der Stadt zu folgen und erklärt hat. seine Glaubensgenossen in der Stunde der Gefahr nicht verlasset! zu wollen, galt ihm Gelegenheit der aufopfernden Tätigkeit des Lchrpersonais der Allianz die Anerkennung der Allianz atiszuspreciten. Sodann erstattete der Kassierer Bericht über Einnahmen und Ausgaben. Er beklagte, dass die Zahl der Mitglieder einen erheblichen Rückgang, namentlich auch in Paris aufweise und dass cs erforderlich sei. die Propaganda, die in den fetzten Jahrca vollständig vernachlässigt worden sei, wieder aufzunehmen. Der Oberrabbincr von Frankreich. Mer: Zadoe Kahn, dankte den von auswärts erschienenen Mitglie* dem für das bewiesene Interesse; das Erscheinen der ausländischen Mitglieder sei ein Beweis, dass die Allianz ihrem Programm, keiner einzelnen Nation anzugehören, sondern universeil zu sein, treu geblieben ist. Zum Schluss gaben von den auswärtigen Mitgliedern des Zentralkomitees in deutscher Sprache die Herren Dr. Heinrich Meyer Colm-Berlin, Prof. Simoiiscn-Kopcnhagcn und Rabbiner Dr. Salvendi-Dtirklieim ihren Wünschen für die weitere Entwickelung der Allianz Ausdruck, für welche öffentliche Versammlungen wie die General- Versammlung und eine energische Propaganda erforderlich seien. Wo an Strasscnccken eine Fontaine — tscheschme ist ein viel gehörtes türkisches Wort — hinter einer Säulen- ן cinfassung sprudelt, da sitzen diese Herren des Orients ן und lassen ihren ruhigen Blick behaglich über das 1 Hasten und Drängen der Raiahvölker gleiten. Wenn j man den Türken im Gegensätze zu seinen Umwohnern j kennzeichnen will, so lmtss man die vornehme Ruhe j hervorheben, die ein Erbteil jener türkischen Welten- Stürmer ist, die das Ostnanischc Reich bis vor zwei I Jahrhunderten zur grössten Militärmacht der zivilij sierten Welt machten. Diese Gemütsruhe des Türken, j die vielfach für Trägheit angesehen wild, ist dem Araber ן nicht eigentümlich, sondern ein Ausfluss des angeborenen j osnianischen Stammcscharakters. Er fand die theorctisehe Begründung im Koran.. Der gleiche Stamm hätte, wenn er christlich wäre, wohl noch leichter seine Gründe im Neuen Testamente gefunden. Denn die Religion vermag den Nationalcharakter nur zu modifizieren, nicht wesentlich zu ändern. Wohl aber ist es die Stammcseigcntümlichkeit, die sich in der Religionsatischnuung Geltung verschafft. Es ist das geborene Hcrrcnvolk, das deshalb eine überlegene Ruhe und eine weitgehende Toleranz mit politischer Klugheit und diplomatischer Unduldsamkeit verbindet. De ״Chateaubriand spricht ein herbes Urteil über die türkische Bevölkerung aus, wenn er sagt: ״Je 11* aitne ä vlsiter que Ics lieu cnibellis par Ies verius ou par!es arts, et je ne trouvais dans cette patric des Phoeas et des Bajazct ni les unes ni les autres.“ Dieses Urteil ist nicht nur herb, cs ist auch ungerecht. Wie konnte ein Mann, der ausser seinen französischen Konsulatsbeamten italienischer Nationalitat nur seine griechischen Dragomans kannte, ein Urteil, geschweige denn ein gerechtes Urteil über die Tugenden der Osmanen fällen, mit denen er nicht einmal zu sprechen vermochte. Und den Kunstsinn der Türken hat er gewiss unterschätzt. Und gerade jener Bajazid II. war es, dem wir ein Kunstwerk verdanken, das in gleicher Weise von dem Kunstsinn dieses grossen Sultans und dem milden Herzen dieses wilden Eroberers Zeugnis ablegt. Es verkohnt sich einige Worte darüber zu verlieren. Wenn man vom Dschemberli Taseh, der grossen Porphyrsäule des Kaisers Konstantinus am Bazar vorbei zu der Stelle kommt, wo sich einst auf dem Forum Tauri das silberne Standbild des Thcodosius hoch zu Ross auf einer Säule erhob, so steht man vor einer Moschee, deren Aeusseres den künstlerischen Ge-