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Jüdische Rundschau · 1903-05-01 · Heft 18 (1.5.1903) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 18 (1.5.1903)
Date
1903-05-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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I 'קו?יי»י*ד?,*ה^מ^ו^ Seite 168, JUdisclie Himdscliau. No. 18. •3. Wesen und Geschichte des Antisemitismus. 4. Sind die Juden eine religiöse oder nationale Gemein• Schaft? Was folgt für sie daraus? 5. Mission des Judentums, Kosmopolitismus. 6. Das Verhältnis der deutschen Juden zum Deutschen Staate, zum deutschen Volke, zur deutschen Kultur. 7. Dje grossen Organisationen im Judentum und ihre Arbeit. 8. Gibt der Sozialismus eine Lösung der Judeufragc. 9. Was ist das prinzipiell Neue im Zionismus? Wie sind seine Aussichten? 10. Partcidisziplin. I Rundschau. fsj f^hMM^WYTYTTTYTTTTVTTVTVVTTTTTTVTTYTT־ Die Repräsentantcnversaniinlung der Jüdischen Gemeinde erfieute sich am Sonntag eines recht zahlreichen Galeriebesuches. Zum Geschäftlichen wird der Verzicht des Herrn Berlin aui seine Steile in der Gemeinde verlesen, woran sich eine lebhafte Debatte knüpft. Die Liberalen behandelten ihn als den toten Löwen, woran sich auch Herr Manheimcr beteiiigte. den» es am wenigsten anstand. Bei der Debatte über diesen Pnnk< offenbarte sich wieder einmal recht eklatant die Unfähigkeit der Konservativen, die so ungeschickt vorgingen, dass es scliien, als ob die Blamage, die eigentlich auf liberaler Seite war, den Konservativen zukämc. Gescliäftskenntuis kann niemand bei ihnen auch nur vermuten. Nicht einmal der Protest bri-ef, den Joel Mayer an eine jüdische Zeitung in Berlin gcrichtet hatte, konnte verlesen werden, weil auch der konseivative Vorsitzende der Versammlung nicht wusste, dass er nur dann zur Sache selbst das Wort nehmen kann, wenn er den Vorsitz in andere Hände übergeben hat. Daher konnte der einzige junge Mann der Konservativen, der alte Herr Oppenheim, nur das eine tun. zu konstatieren, dass eine Debatte unnötig sei. wo mau vor der Tatsache stehe, dass Herr Berlin sein Amt nicdergelegt habe. Von der Vorgesetzten Behörde war dem Hinspruch, den Redakteur Klausner gegen die Vorstandswahl vom 7. Dezember 1902 erhoben hat, stattgegeben, und der Vorstand ersuchte die Versammlung, anstelle der damals Gewählten nicht nur drei Vorsteher und drei Stellvertreter zu wählen, sondern, um allen Schwierigkeiten für später aus dem Wege zu gehen, legte der Vorstand fn corpore seine Aemter nieder, um in einzelnen Wahlgängen per Zettel wieder gewählt zu werden. Diese Komödie dauerte etwa dreiviertel Stunde. Hin Legat der . Rentier Kaiser’schen Hhelcutc zur Errichtung j einer ,,Friedman» und Mathilde Kaiser-Stiftung“ in Höhe von. 15 060 M. wurde mit den üblichen Klauseln (Tafel, Jahrzcit, I Giabstein und Grabpflege) genehmigt. Bei der Abrechnung über die festgottesdienstlichen Veranstaltungen im Jahre 1902 wurde festgestellt, dass 10 Betsäle und 5 Jugendgottesdienste an den hohen Feiertagen eingerichtet gewesen wären. Bei einem Budget’von 35 000 M. waren 38 290,97 M. verausgabt »md 1232 Freiplätze bewilligt worden. Blaschke wünscht die Hinrichtung eines weiteren Jugendgottesdienstes zwischen Zentrum und Norden und auf Anregung Martin Simons wird eine solche dahingehende Resolution gefasst, nachdem er konstatiert hatte, dass beim Reichenlieimschcn Waisciihausc Schwierigkeiten gemacht worden seien, dessen Aula dazu herzugeben. Hin Antrag des Vorstandes, betreffend die Herab- Setzung der Preise für die Plätze in der Synagoge Li1uknstras.se, j wird angenommen. Aber man denke ja nicht, dass das gcschcj hen sei, um den kleinen Leuten und dem Mittelstand den Synaj gogenbesuch an den Hohen Feiertagen möglich zu machen. Nur | die Plätze der ersten Reihe, die bisher f»0 Mark kosteten, wur- den auf 50 Mark herabgesetzt. Diese Herabsetzung wurde daj mit begründet, dass diese guten Plätze seit der Erbauung der! Synagoge in der Lützowstrasse schwer zu verkaufen seien.! Jedenfalls hal wohl noch niemand daran gedacht, weder von den Liberalen noch von den Konservativen, dass auch der jüdische Mittelstand und die kleinen l.ente ein Bedürfnis haben, an den hohen Feiertagen in die Synagoge zu gehen. In den Schul- und Talmud - Torahvorstand, wurde anstelle des ausgeschiedenen Herrn Lehrer Hauff. Rabbiner Dr. Weisse gewählt. Der Altersversorgung, dem Religiousverciu Ahawas Scholaum und der Kinderlieilstätte Limburg au der Lahn wurden Subventionen gewährt. Hs folgte eine geheime Sitzung. ' ־ Lemberg, 23. April. Heute drei Uhr morgens, brach im galizischen Orte Ulmow eine grosse Feuersbrunst durch Brandlegung aus. Bis zehn Uhr waren vierzig Häuser verbrannt. Die Bevölkerung vermutete in den Urhebern Juden, weil das Feuer in dem Schuppen des getauften Juden Ische! Klein ausgebrochen war. Die Menge stürmte die Judenhäuscr und warf alle Fenster ein. Noch während der Brand wütete, nahmen •1! 4 ן I 1 t 1 1 1 » i i Verlag ..Jüdische Volksstimme“. 1903. Preis 20 h. (7 S.) gr. S. Nicht in systematischer Darstellung, sondern in feuriger Rede gibt der Verfasser ein Bild von der inneren Macht des Zionismus und se׳ncr Bedeutung in der jüdischen Geschichte. Es ist die Arbeit des jüdischen Volkes.an seinem Wiederaufbau. Die Rede ist in edlem Stile gehalten und wird nicht nur als gesprocltcncs, sondern auch als gedrucktes Wort jedem Freude und ׳Erhebung bringen. ca. (Anon.D Israel am Scheidewege. Zürich, Caesar Schmidt. 1903. (16 S.) ff. Es ist schade, dass Name und Adresse des Verfassers nicht genannt sind; man könnte ihm so manche einfache historische oder rcligionsgeschichtliclie Tatsache erzählen, die ihm interessant und unlvekannt wäre. Ec will ׳/.eigen, dass der Zionismus nicht die ,nutnriiehe Lösung“ der Judenfrage ist und dass er auf falscher Grundlage stellt. Denn ־ eine neue Wahrheit — das Judentum ist mir eine Rcligionsgeitossenschurt. cs fehlen ihm die Kennzeichen des Volkstums: Sprache und Land. Den wichtigen Faktor der gemeinsamen Abstammung, der bei den Juden besonders wichtig ist, erwähnt Verf. garniclit; er wird ihn doch nicht etwa leugnen wollen? Von dem Werden und der Entwickelung dieser reinen Religionsgemeinschaft gibt er nun im weiteren ein Bild, wie es sich in seinem Kopfe malt Nachdem die Propheten und Lehrer Israels von Moses bis Jesus die jüdische Moralreligion aufgebaut haben, hätte Israel die.Aufgabe gehabt, hei seiner Zerstreuung diesen idealisierten Monotheismus zu verbreiten, aber cs wählte durch eine ״tragische Schicksalsfügung“ die ״materielle Orthodoxie des Priestertums.“ Warum cs diese Wahl trat, diese einfache Fiage legt sich der Verfasser garniclit vor und doch hätte sic ihm alles deuten Minnen. Die Antwort lautet, hören Sic, Herr Autor; Weil das jüdische Volk (damals gab es auch nach Ihrer Meinung eins mit dem ׳geläuterten Monotheismus aiietti alsbald durch Auflösung unter dt» Völkern spurlos vom Erdboden verschwunden wäre, wie die Urchristeu verschwunden sind, die auch Juden waren: und das jüdische Volk wollte noch nicht verschwinden. Der Autor folgert ganz konsequent, dass mit der Lossagung vom traditionellen Judentum und der Annähme des ״ethischen“ Judentums auch die Scheidewand fallen und eine natürliche Assimilierung piatzgreifeu würde. . Das stimmt Unsere Reformgemeinden sind dieses Ideal des Veriassers. hier fällt die Scheidewand und - die Austritte aus dem Judentum sind massenhaft. Denn eine andere Assimilation ver- Fudern unsere unverkennbaren körperlichen Stammes- Charaktere. Aber auch heute will das jüdische Volk noch nicht verschwinden trotz mancher einzelner, und darum, Herr Autor, legen wir Ihre wohlgemeinten Ratschläge zu den Akten.. Welche Form der jüdischen Religion im zionistischen Staate gelten wird? Lassen wir doch das Sorge der Zukunft sein! Für die Lösung der Judeufragc ist ja der ganie Streit zwischen Taimudiudentum und reformiertem Judentum so furchtbar gleichgültig! .Noch eins: Der Verfasser lehrt eben, dass die Juden uui eine Religionsgemeinschaft sind und zitiert gleich darauf als iloc Leuchten — den ansgetretenen Benedictus Spinoza und den getauften Heinrich Heine. Das ist merkwürdig unlogisch, oder soll ich annchmen, dass Sic unbewusst die Juden doch *?v ״ י t'mn'irJi

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