Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1903)
- Date
- 1903-05-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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% •. I ~ י%ל ilftn! No. 18. Jüdische Rimdschau. Seite 165. tischen und praktischen Unterricht gleichzeitig. Als Kuriosum wollen wir die Ställe erwähnen, über deren Toren Inschriften prangen, wie ״Je mehr der Ochse frisst, desto mehr arbeitet er“, usw. Man sieht, die Sprüche Salomons enthalten praktisches Judentum. Die Bahn nach Jerusalem geht zunächst durch die Ebene Saron. Das Land ist meist gut angebaut und der Boden bewundernswert fruchtbar. Alles gedeiht üppig, obwohl der arabische Bauer in uralt primitiver Weise mit dem Hakenpflug den Boden anfreisst und sich bei der Arbeit ungern übernimmt. Vor den Pflügen sieht man die merkwürdigsten Gespanne; Ochsen und Esel, Pferde und Kamele ziehen am selben Joch. Hinter Lydda wird der Boden steinig. Das Gebirge Juda beginnt. Der Zug windet sich langsam durch enge Täler, in deren Sohle mächtige Zisternen Regenwasser sammeln. Der Boden ist mit Felstrünnucrn bedeckt und, wo der Fels frei liegt, gewahrt man mächtige •Lagerungen von Kalkschiefcr. Die Bergkuppen sind baumlos und mit ärmlichen Gesträuch bestanden. Aber auch hier kann der Boden nicht schlecht sein. Z. B. haben Fellachen bei Bittir, mitten im Hochland die Abhänge terrassiert und in aegyptischer Manier bewässert, indem sic das Land in winzige Quadrate teilen, die durch 20 cm hohe Erdwälle geschieden sind. Der Bauer reguliert die Bewässcrung, indem er durch einen Fusstriti den kleinen Erddämm öffnet oder schliesst. Hier wächst sofort alles in grosser Ueppigkeit. Kinder brachten Radieschen von märchenhafter Grösse an die Bahn und Otivenbäume sind in Menge vorhanden. Hier müsste man durch Auiforstung Wasser schaffen, dann könnte der Boden viele Tausende ernähren. Der Bevölkerungstyp ist sichtlich semitisch. Die Fellachen und Beduinen sind schlank und kräftig. Kinder und Frauen oft von grosser Schönheit. Ein kleiner Kerl von etwa 10 Jahren schleppte stolz einen Säbel mit sich herum, der so gross war. wie er selbst. Andere suchten, weniger hoheitsvoll, durch Anerbieten von allerlei Handreichungen Backscliisch zu erhalten. Zu den Verkaufsgegenständen zählte auch ein lebender Storch, der ein kleiner Strolch an den Flügeln herumscblcpptc. Tierquälereien wider liebster Art sind hier leider an der Tagesordnung. Gegen 6 Uhr abends erreicht die Bahn das Hochplateau. Vorbei gcht's an der Ebene Rcphaim, wo einst die Enakssöhne wohnten, am Horizont taucht ein blauer Gebirgszug auf, das Gebirge Moab, und vor uns hebt sich ein Hügel mit uralten Mauern und Türmen. Das ist der Berg Zion mit der ״Davidsburg“. Alte Tore, durch die sich Scharen von Pilgern drängen, enge überdachte Strassen, mit üblen Gerüchen angefüllt, Kirchen aller Nationen, Hospize, Hospitäler und fromme Anstalten — das ist Jerusalem, die Stadt, um deren Besitz so oft Ströme von Blut geflossen sind, nach der die Sehnsucht von Millionen geht. Die Grabeskirchc konnte man eben nicht besuchen. Armenische und griechische Mönche lieferten sich eine Schlacht. Militär musste die Balgerei schlichten. (Fortsetzung folgt.) , Dr. Adolf Friede mann. rjer MM Aus der Bewegung. ■2C. Da für die Ortsgruppen die Waiden zum Delegiertentag und zum Kongresse bevorstehen, bringen wir die sich * *aui die Wahlen beziehenden Bestimmungen hiermit in Erinnerung. Deleglertentag. § 4. Der Dclcgicrtentag tagt alljährlich mindestens einind an einem vom Zentralkomitee zu bestimmenden Orte. § 5. Die Aufgaben des Delcgiertentages sind: c) Entgegennahme und Prüfung des Rechenschaftsberichtes des Zentralkomitees ' b) Feststellung des Programms und Etats der nächsten VerwaUungsperiodc, c) Entgegennahme und Beratung von Petitionen und Anträgen, d) Wahl des Zentralkomitees für die nächste Verwaltung- Periode. § 6. An den Verhandlungen können nur die von den Ortsgitippen gewählten Delegierten teilnchmcn. Jede Ortsgruppe wählt einen Delegierten. Ortsgruppen von mehr als 50 Schekel- Zahlern zwei Delegierte, Ortsgruppen von mehr als 100 einen für jedes weitere Hundert § 7. Jeder Delegierte verfügt über nur eine Stimme. Die Delegierten sind an Aufträge und Instruktionen nicht gebunden. Kongress. § S. Der Zionistenkongrcss tagt jedes zweite Jahr au einem vom grossen A.-K. zu bestimmenden Orte. Eine frühere Einberufung des Kongresses bestimmt das grosse A.-K. § 9. Aufgaben des Kongresses sind: a) Entgegennahme und Prüfung des Rechenschaftsberichts des Aktionskomitees (A.-K.) sehen verschwanden, oder wo die Gesandten fremder Staaten hier widerwillig gastliche Aufnahme fanden, bis sich nach Schluss des Krieges die Pforte des Kerkers wieder auftat. Der mit allem Zubehör moderner Einrichtungen ansgestattete Bahnhof, wo Zoll- und Passrevision mit grösster Höflichkeit und Zuvorkommenheit von tiirkisehen Beamten vorgenommen werden, und noch mehr der dem aschkenasischcn Ghetto entstammte Dragoman reissen mich wider Willen aus den historischen Erinnerungen heraus, die von allen Seiten auf un*> einströmen. Ohne danach zu fragen, erfahren wir bald, dass unser Führer ״zu gebildet“ ist, um nicht jeden Ideales bar zu sein. Zwar kann er kaum lesen und schreiben, und im Ghetto galt sicher die Bezeichnung *עם האד ihm mehr als jedem andern; jedoch spricht er aus langjähriger Uebung etwa 13 Sprachen flicssend falsch, und hat damit die Weisheit aller Zeiten intus. Er erzählt uns, dass ein venetianischcr Ritter Enrico Dandolo, der in der Aja Sofia beerdigt sei, seinen Freund den Kaiser Könstantinos zum Christentum bekehrt und mit ihm die grosse Sopliicnkirche erbaut habe. Sein christlicher Kollege, ein Grieche aus Kreta, der ihn in jeder Beziehung noch übertrumpft, ist empört, dass diese Darstellung der Geschichte des berühmten Dogen mich zum Lachen reizt. Doch wer im Orient reist, muss diese Nachkommen eines alten Hellas und des ehrwürdigen Judaea samt ihrer Afterweisheit getrost mit in den Kauf nehmen. Armer Dandolo, wie oh musst Du diese Geschichten in deinem stillen Grabe in der Aja Sofia mit anhören! Aber vielleicht ist das die Strafe dafür, dass er־ den schwersten Schlag gegen Konstantinopel führte, der es je getroffen hat. Wie weit die Geschichte der Menschheit an diesem Punkte zu rück reicht, wo seit Jahrtausenden ein Mittelpunkt der Weltgeschichte liegt, wird sich nimmermehr ergründen lassen. Semitische Phönizier hebräischer Zunge waren die ersten, welche sich an dieser Piorte aussiedeltcn. W'ie überall, so hatten sie auch hier mit feinem Blicke die örtliche Sicherheit der Lage und zugleich die meerbe&ierrschcndc Stellung begriffen. Sie hatten mit Dardanern von jenseits des Marmaraineercs ' hier kolonisiert, und sind sicher nicht freiwillig von hier gewichen. Der Ansiedler hatte ja hier auch nicht mit der harten Not des Lebens wie anderswo zu kämpfen. Die Strömung selbst trieb die gewaltigen pontischen Fischzügc aus dem Sunde in die schmale, tiefe Meerzunge des Goldenen Hornes. Alle Vorteile einer