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Jüdische Rundschau · 1903-05-01 · Heft 18 (1.5.1903) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 18 (1.5.1903)
Date
1903-05-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 164. •TliHiRohe R «indfüolifMi. No. 18. Eintretens!für Achad Haam die Ehre der Führer un:d die Organisation untergraben. 1 Das mag genügen, um die Mandatsanntassung des Mitarbeiters von Ost und West zu kennzeichnen. Es existiert kein innerlich gegründeter Zwiespalt ,zwischen Ost und West;:es existiert auch kein irgend verbreitetes Misstrauen gegen unsere Führer. Nur unsere Partei^ disziplin ist noch nicht überall gleich gefestigt und wer immer an der Schwächung derselben arbeitet, ist der gefährlichste Feind unserer Sache. Ost u n d West muss unsere Parole sein, und nicht Ost gegen West; die Juden des Ostens und des Westens aber werden ihre Augen öffnen und Ausschau halten, wer ihre mühsam errungene Einigkeit zu untergraben versucht. Palästinischer Brief.ף׳ Wenn man nach Erez Israel reist, muss man mit der Ansicht brechen, dass man nur Billete zu nehmen brauche, tun dann sein Reiseziel sicher zu erreichen. Wie viele Klippen inan hier zu überwinden hat, das haben wir reichlich erfahren! Der von Port Said nach Jaffa gehende Lloyddampfer war kein Schnellschiff. Der Lloyd hatte, weil 4 Tage Quarantainc in Sicht waren, ein altes Kaffeeschiff, die Electra. eingestellt, die mit hochstens 8 Knoten Geschwindigkeit fuhr. Bereits nach wenigen Stunden hatten wir Maschinenschaden und mussten.still liegen. Wir waren nicht böse darüber, denn 4 Tage von aller Welt geschieden im Hafen liegen ist kein Vergnügen — da war es fast besser, die Fahrt zu verzögern, die verlängerte Reisezeit wird in die Qnarantaine einbezogen. Endlich langten wir in Beyrouth an, erledigten alle Formalitäten und segelten nun nach Jaffa zurück. Es war früher Morgen, als wir uns der Stadt näherten und die flache Küste Palästinas aus dem Meere aufstieg. Im Morgennebef verschwand hinten am Horizoht das Gebirge Juda und die Sonnenstrahlen vergoldeten die altertümlichen Hafenbefestigungen. Der Morgen war prächtig, das Meer spiegelglatt und tief- *) Obiger Artikel ist der erste einer Reihe von Berichten ׳ von der Palüstinareisc die (lg. Dr. Friede 111 a n n augcnblickj lieh mit unserm Freunde Hermann Struck macht. 1 blau und an Bord alles in feierlicher Stimmung. Näher und näher schwebte das Land und die alte Heimat sandte uns ihre Griisse weit ins Meer entgegen — bereits & Meile vor Jaffa umflutetcn uns Wellen von durchdringendem Orangenduft, der vom Lande herüberwehte. Der Empfang durch die Alenschen war weniger gastlich. Die Bootsleute waren nach orientalischer Sitte sich schlagend und stossend an Bord gestürzt, bevor das Schiff die Landungserlaubnis erhalten hatte und der Hafenkapitän machte sich das Vergnügen, sie zur Strafe eine Stunde in glühender Sonne vor dem Riff, das den Hafen umgibt, kreuzen zu lassen, bevor sie und wir mit ihnen landen durften. Auf meine Beschwerde erhob der deutsche Konsul sofort eindringliche Vorstellungen — hoffentlich nützt es wenigstens denen, die nach uns kommen. Wir besuchten zunächst Sarona 1!nd Mikwe Israel. Der Weg zu beiden Kolonien führt durch wundervoll duftende Orangengärten, die Arabern gehören. Die deutsche Kolonie bestellt seit 28 Jahren, beherbergt 35 Familien und macht einen vorzüglichen Eindruck. Wohlbestellte Felder, Weingärten, alles musterhaft sauber. Die Rinder sind meist kleiner arabischer' Rasse, aber wohlgepilcgt. Man führte uns in die Weinkeller und wir fanden den Wein vorzüglich. Der Keller gehört einer von den Bauern gegründeten Genossenschaft m. b. H.. die auch den Vertrieb der Weine besorgt, meist nach Deutschland und Aegypten. Die Leute berichteten mit Stolz, ilir Wein werde so geschätzt, dass sie im letzten Jahre 10000 Ltr. von der jüdischen Kolonie Durrahn hätten kaufen müssen. Und welche Schwierigkeiten haben unsere Kolonisten mit dem Weinverkauf. Die Juden scheinen überall gute Kaufleute zu sein, ausser in Palästina. Mikweh Israel liegt etwa T! Stunden landeinwärts. Die Schule, die z. Zi. SO Schüler aus allen Weltgegcnden beherbergt, ist in jeder Beziehung musterhaft eingerichtet. Die Schüler werden in 5 Jahrgängen ausgebildet und die Direktion lobt ihren Fleiss. Leider bereitet es später grosse Schwierigkeiten, die entlassenen Zöglinge unterzubringen. Auch hier ist der Wein ausgezeichnet, besonders der weissc Muskatwein, der ein eigentümliclics Parfüm hat. Die Keller sind in den Felsen gesprengt imd sehr geräumig, wenn auch nicht so gross wie in Rischou le Zion. Ackerbau, Weinbau und Seidenzuclit werden gepflegt. Die Schüler erhalten theore- Halbkultur in die Zivilisation zurückversetzt sind. Während der Zug rangiert, trinken wir unsern tiirkisehen Kaffee und haben dabei zum ersten Male Gelegenheit, die Liebenswürdigkeit türkischer Offiziere und Effendis zu würdigen. Dass wir uns auf türkischem Gebiete befinden, beweist uns auch ein junger Mann, der hier von seiner Familie zur Balm begleitet wird. Es ist das ein spagnolischer Jude, der mit uns nach Adrianopel fährt. Es ist das kein Salontürke, der etwa aUsabbathlicIi in der Zirkusgasse sich erinnert, dass es ausser dem Teppicligeschäit auch noch ein Judentum gibt. Nein, es ist ein echter Jude, ein Abkömmling aus dem Galuth-Sefarad, der mit Stolz den Namen ״Jude“ trägt. Mit inniger und herzlicher Freude erzählt er in seinem schönen spagnolischen Judenidiom, dass am Tage zuvor eine Anzahl von Familien aus Philippope! und Tatarbazardschik sich in Konstantinopel eingeschifft haben, um in Har-tobh (Artuf) auf dem Abhänge des Gebirges Jehudah in nationalem jüdischem Sinne Kolonisation zu treiben. Mit aufrichtigem Bedauern sehe ich den für sein Volkstum begeisterten Jüngling auf dem lichterhellten Balmhofe von Adrianopel von uns sehe:- den und in der bunten orientalischen Menge verschwinden. Noch vor Sonnenaufgang mehren sich die Zeichen, dass man sich unaiiflialtsani der Hauptstadt nähert. Bei San Stefano öffnet sich mit einem Male ein herrliclicr Blick auf die Propontis, die in der bergiiberragten Bucht von Nikomcdicn verschwindet, durchzogen wie von einer Bergkette durch die .idyllischen Prinzeninseln. — Pulverfabrik, Bammvollenspinnerci, ein Hospiz, kurz alle Anzeichen einer grossen Hauptstadt. Schon vorher sieht man fern eine gewaltige Säule, die sich später als der Seraskierturm des Sultans Mahmud ff. darstclit\ Kuppeln und Minarcts. Die Eisenbahn, die nunmehr dem Mccresstrandc folgt und links die Stadt und rechts die Stadtmauer lässt, erreicht das Weichbild beim Heptapyrgon und der Chryse Pyle. Das goldene Tor, auf dessen Pfeilern noch heute das Labarum zu sehen ist, trug einst eine schwer vergoldete Viktoria des Kaisers Thcodosius. Es war das Triumphtor für die eingebildeten Siege der byzantinischen Kaiser, die von hier in Festgepränge in die Stadt einzogen. Das fünfeckige Schloss der sieben Türme daneben diente als Staatsgefängnis. Es ist die geheimnisvolle Bastille des Tiirkisclien Reichs, die son keiner wütenden Volksmenge geschleift wurde. Und doch ist die Zeit vorüber, wo hier Vizire und Grosse des Reiches atif Nimmerwieder-

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