Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1903)
- Date
- 1903-05-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 162. י,• ־ \' Jüdische Rundsclmu. No. 18. eine Kolonialbank gegründet, die sieb die wirtschaftliche Hebung Palästinas zur Aufgabe gestellt hat. Ferner wurde zum Zwecke des Ankaufs von Land in Palästina die ׳Nationalfond-Institution ins Leben gerufen. Durch uns entstanden Vereine zur körperlichen Hebung, Lese- und: Toynbec-Hallen, Vereine für Statistik, Spar- und Leihkassen. Auch wurden Schulen gegründet, deren Aufgabe in erster Linie die Pilegc der nationalen Güter ist,'wie die Pflege und Förderung unserer Littcratur, unserer Sprache, unserer Geschichte, verbunden mit dent Studium der allgemeinen Wissenschaften. So kam ein frischer, lebendiger Geist in die Reihen unserer Brüder, die alte Hoffnung auf Erlösung von dem drückenden* Joch lebt wieder in den Herzen der Verzweifelten auf; vom Judentum fast Abgcfallenc kehren wieder zurück. Liebe zu unserem Volke und Achtung seiner Heiligtümer nehmen wieder zu. Das Selbstbewusstseiit, das im Sinken war. kehrt wieder, und tinserc nationale Ehre, welche heftige Angriffe von aussen verhöhnen und in den Staub ziehen, wird wieder hergestellt. Brüder und Schwestern! Wir weisen auf den einzigen Weg, auf w elchem cs möglich ist, der Gefahr vorzubeugen, die der Judenheit und dem Judentume droht. Wir rufen Euch zu: .,Wer für sein Volk und für sein Judentum ist, komme zu uns!“ Schauet mit klaren Augen die Gefahr, die uns umgibt: prüft eingehend unsere Sache, ohne Vorurteil. Der Zionismus stellt weder allzugrosse Anforderungen an den Einzelnen. In ihm sind alle rein jüdischen Bestrebungen vereinigt, und er vermag es. alle Richtungen in sich auizutiehmen. Erwachet Brüder, denn die Zeit zum Handeln ist gekommen und ״wenn wir nicht für uns, wer sonst für uns“ ״und wenn nicht heute, wann?“ ״Ost und West“. Von Sam in y Grone in a 11 n. (Schluss.)*) Selbstverständlich widerspricht ein imbeengter offener Meinungsaustausch in keiner Weise dem Prinzip der Partcidiszipliu. im Gegenteil bietet gerade erst die straffe Aufrechterlialtung dieses Prinzipes die Gewähr dafür, dass jede Anschauung frei vorgetragen und ruhig angehört werden kann, ohne dass dadurch vitale Interessen der Partei gefährdet werden. Gegen das Prinzip der Disziplin verstossen nun eine Reihe der in den letzten Wochen veröffentlichten Artikel in der gröblichsten Weise. Zwar schrieb schon im August 1902 einer der eifrigsten Arbeiter unserer Sache das böse Wort, Parteidisziplin und noch Schlimmeres (Palästina 3. u. 4. Heft S. 1560). aber erst jetzt gelangt in weiteren Kreisen eine höchst gefährliche Anschauung zum Durchbruch. Vielleicht ist das auch schon zu viel gesagt; im Wesentlichen liegt es wohl nur so, dass von einzelnen Unzufriedenen unter geschickter Benutzung äusserlicher Vorkommnisse gewisse in weiten Schichten unseres Volkes anhaftende Eigenschaften zum Gegen- Stande der Spekulation gemacht w erden. Ich gehe nicht so weit, ein Komplott anzunehmen, ״- ich unterstelle *) Von sehr geschätzter Seite werde ich darauf hingewiesen, dass ein Passus meines ersten Artikels dahin gedeutet werden konnte als ob ich meinte• Achad Haam sei gegen' das Buch Herzls und nicht gegen das Basel׳ r Programm auf- 1״ treten um sich nicht bei seinen Jüngern missliebig zu machen. Solche Unterstellung lag mir fern: zitiere ich doch weiterhin eine Stelle, aus der sich Achad Haams Beurteilung des Konjrrcsscs ergibt. Sein diesmaliger Peldzng erfolgte mir unter besseren Auspizien. S. Gr. auch nirgends ein unlauteres Motiv, aber ich behaupte, dass der notorische Mangel an politischer und parlatncntarischcr Schulung, an welcher ohne eigenes Verschulden der grösste Teil unseres Volkes leidet, unseren ״Freiheitsaposteln“ einen so starken Resonanzboden verschafft und bei ihnen selbst eine falsche Vorstellung über die Stärke ihres Rückhaltes hervorruft. Sehr charakteristisch für die Kampfesart der tinbcrufenen VolksanwüHc ist der im Aprilheft von ״Ost und West“ erschienene Artikel ״Die Juden von Gestern“. Es ist notwendig, dieses ungezogene und anmassende Dokument einer scharfen Kritik zu unterziehen, schon dcsshalb, um der Leitung des uns iiebgewordenen Blattes eine ernsthafte Warnung zu geben, an leitender Stelle ihrer Monatsschrift solchen von Gehässigkeit und Kurzsichtigkcit erfüllten, den vornehmen Ton eines kirnstlerischen Interessen dienenden Blattes gänzlich verlassenden Artikel zu bringen und ihm so den Charakter einer Kundgebung der Redaktion zn verleihen. Zunächst enthält der Artikel, welcher eine Er• widerung auf Nordaus Antikritik sein soll, vom ersten Satze an eine Fülle von Angriffen gegen T11. Herzl. welche mit der Materie in absolut keinem Zusammenhange stellen; diese Angriffe werden lediglich in der Form von ironischen Beiwörtern und kränkenden Ncbenbeincrkungcii vcrgebracht. Es kommt dem unbekannten Verfasser eben nicht daraui an, der Oeffentlichkcit begründete Beschwerden vorzutragen, sondern er wellte in diesen Bemerkungen lediglich einer ge-!lässigen Gesinnung Ausdruck geben. Gerade darin aber liegt die Gefahr: der Fernstehende muss annehmen, dass eine Begründung überflüssig ist, dass der Autor allgemein verbreitete Anschauungen vertritt, dass es etwa in zionistischen Kreisen üblich wäre, mit ironischcm Lächeln von den ״Unfehlbaren“, von ״Majestät“ u. s. w. zu sprechen. Dass der Artikel gegen N'ordau in der Form auch wieder alle Grenzen überschreitet, mag hingelien, da auch Nordau nicht eben zu sänftiglich vorgeht; intercssnnt ist nun die Verurteilung der Tätigkeit Nordaus in Bausch und Bogen. Der Verfasser wird es verzeihen, wenn ich hier, um das Sachliche seiner Argumente iicraiiszuselüilen. einfach ein Zitat aus seines Abgotts Achad Haam eigener Gegenschrift liierhersetze, da hier das, was er sagen will, mit schöneren Worten gesagt ist; ״M an ist nicht g e w o 11111, auf Nordaus Beschimpfungen zu antworten; jeder weiss, dass, seit Nordau angefangen hat zu Schriftstellern, d. h. zu schimpfen, er noch nicht vermocht hat, jemande 111 auch n 11 r ei!1 Haar zu kr ii m in c n. Nordaus W a i f e erzeugt 11 u f Knall und Ranch, aber sie enthält keine T o d e s k 11 g e I“. Also schreibt Herr, Giinzburg im Jahre 1903 und also schreibt sein Verehrer gleichzeitig in Ost und West. Und nun werden uns einige frühere Aeussserungen eben dieses Achad Haam über eben diesen Nordau gezeigt: ״N o r d a u a r b e i t c t bei seiner literarisch e n Kritik nicht mit seiner Waffe, um die E11 re jemandes zu erniedrigen, sondern seine Waffe ist wirklich und mit Recht entnommen den wissenschaftlichen Beg r ü n d u n g c 11 der Psychologie und P s y ־ chiatrie.“ (Haschiloach III S. 186.) — Wie ist’s also nun mit Nordaus Waffe? Der Manu ״mit der tmerschiitterliclien Festigkeit“, der ״Selbstlosigkeit" und der ״unerschütterlichen Objektivität“ hat, bevor sich Nordaus Waffe gegen ihn richtete, anders über diese Waffe geurteilt als nachher. — Aber weiter; Nordaus Urteil über Fragen des Judentums ist lächerlich, — ihm