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Jüdische Rundschau · 1903-05-01 · Heft 18 (1.5.1903) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 18 (1.5.1903)
Date
1903-05-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Wenn wir uns an euch wenden, finden wir keine bessere Anrede als die obige, denn Brüder sind wir infolge unserer Abstammung, Brüder durch unsere glor-; reiche Geschichte, Brüder durch unsere Jahrtausende * alte Kultur, die in unserer heiligen Sprache niedergelegt I ist, Brüder endlich infolge der Schicksale in dem Exil : und infolge des Verhaltens der Völker zu uns. i Und so sprechen wir denn‘zu euch, wie Brüder zu . Brüdern, die wir alle gemeinsam das W 0 h I des; Judentums und der J u d e 11 h c i t als unser hoch- | stes Ziel anstreben. Nichts neues steht in unserem Pro-! gramm; nur das Altbewährte, seit Jahrtausenden von * Geschlecht zu Geschlecht Ueberlieferte, jedoch durch; unglückliche Verhältnisse in Vergessenheit Geratene wieder ins Gedächtnis zurüekzurufen, darin erblicken wir unsere Aufgabe. Es ist die Pflege des jüd i s c h e n V o I k s b e w 1! s s t s c i n s. Die Beredttigung einer solchen Auigabe ergibt sich von selbst, und bedarf unseres Erachtens gerade in unseren Tagen, die von nationalen Ideen durchdrungen sind, keiner beson- ן deren Beweise. Jedoch wird leider das, was bei anj deren Nationen als selbstverständlich und natürlich gilt, von dem jüdischen Volke verkannt und sogar als höchst sonderbar dahin gestellt. Man behauptet, die nationale Idee stehe im Widerspruch zur. religiösen, obgleich doch! gerade im Judentum diese beiden eng mit einander ver-! wachsen sind und viele Gesetze einen rein nationalen | Charakter tragen. Ein anderer Einwand macht geltend, ן die Betätigung der nationalen Ideen bedeute einen J Rückschritt. Ein Hinweis auf die Kulturvölker genügt, | um das Hinfällige und Grundlose eines solchen Einwandcs * darzutun. Diejenigen, die fürchten, dass der nationale ן ' Gedanke nicht im Einklang zu bringen sei mit unseren t Pflichten, die wir den Völkern, in deren Mitte wir leben. | schuldig sind, weisen wir auf die Angehörigen anderer f Völker und Staaten hin, die auch inmitten anderer Natio-! neu leben! Ebenso wie die Deutschen in Amerika gute 1 amerikanische Bürger und gleichzeitig treue Söhne des 1 angestammten Volkes sind, so können auch wir gute ' Juden und treue Bürger unseres Landes sein. — Wir alle wissen, dass die Lage unseres Volkes eine ן unsichere ist. Es gibt Länder, in welchen die Juden den I stärksten Bedrückungen ausgesetzt sind und gar keine [ Bürgerrechte besitzen, und auch in denjenigen, wo ihnen solche nach den landesüblichen Gesetzen zukommen, erfreuen sic sich derselben nicht in vollem Umfange. D i c Judenfrage istakutge worden, auch in den humansten Länder n. Auf den allgemeinen Fortschritt der Menschheit können wir crfahrtingsgemäss nicht rechnen, und auf die Gnade der Völker.! Wehe dem Volke, das sich auf Gnade verlässt! Unsere Vorfahren litten still, da sie zur Verbesserung ihrer Lage nichts unternehmen konnten; unsere Hände aber sind nicht gefesselt; wir können handeln, wenn wir wollen! Und die Möglichkeit zu diesem Handeln ist gegeben. Denn nicht .allzuschwer ist die Ausführung dessen, was wir beabsichtigen. Wir wollen ein jüdischcs Zentrum für das jüdische Volk im j ti d i sc h e 11 Lande! Materiell sowie ideell! Materiell diene dieses Zentrum als Zufluchtsstätte für die Bcdrückten unseres Volkes, welchen man den Aufenthalt in ihren bisherigen Wohnsitzen verleidet hat. Ideell, indem dort ein geistiges Zentrum errichtet werde, von wo aus sich jüdische Kultur entwickeln und verbreiten möge über die ganze Diaspora, von wo aus jüdische Lehre und jüdischer Geist leuchten möge über alle Zerstreuten Israels. Zur Errichtung eines solchen Zentrums ist unseres Erachtens das Land Israels am geeignetsten; dort stand die Wiege des jüdischen Volkes, dort entwickelte sich und gedieh das jüdische Geistesleben und die jüdische Kultur. Dorthin, nach dem Lande, mit welchem cs so heilige Bande verknüpfen, war das Herzcnsschncn des jüdischen Volkes gerichtet bis auf den heutigen Tag. Ferner eignet sich ein bisher wenig kultiviertes Land, in welchem Raum und Gelegenheit zur Entfaltung aller Kräfte geboten ist, zur Erreichung unseres Zieles besser, als ein anderes, in dem alle Erwerbszweige bereits in den Händen anderer sind. In allererster Linie jedoch bedürfen wir zur Ausliihrung unserer hohen Idee der Einigkeit und einer feste 11 Organisation; darin liegt unscrc Kraft! In der kurzen Spanne Zeit, seitdem der Zionismus besteht, hat es derselbe verstanden, mit vereinten Kräften, trotz vieler Bekämpfung und Anfeindung, grosse Fortschritte zu machen und Positives zu leisten. Auf unseren Ruf kamen zum ersten Male seit nahezu 2 Jahrtausenden Brüder der gesamten Diaspora zusammen. um öffentlich, vor den Augen der ganzen Welt, über die Lage unseres Volkes zii beraten. Durch »ins wurde r **■*£• י t3* ״ff?" Kf * ־••יי• י יי־ fir >

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