Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1903)
- Date
- 1903-04-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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«j י#4ג3״£ ■יי%ך«״,ן r; *t**, ן^«*י*#*י) N°• 17- JUdisclie Hundsohau; Seite 155. 1 falt einer Flut von Schimpfwörtern, die In der ״Gesellschaft europäischer Schriftsteller“, In die sich ״lootsen zu lassen“ Nordau Achad-Haam ,.gegönnt“ hatte, nun doch wohl nirgends und In keinem’Falle üblich sind und fast sämtlich in die Klasse der schweren Ehrefibeleidigungfcn rangieren. Achad-Haam kritisiert ein Buch, Nordau verunglimpft einen Menschen. Das Schlimmste, was Achad-Haam dem Buche Altneuland nach- Zusagen weiss, ist, dass cs nicht jüdisch, sondern allgemein menschlich sei; das Beste, was Nordau über den Menschen Achad-Haam zu sagen hat, ist, dass er in ״fliessendem Hebräisch“ lauter beschränktes, albernes, blödsinniges und zugleich böswilliges, tückisches, nichtswürdiges Gefasel vortrage. Das ist die ,.Tcmpcramcntsverscliicdenhcit“. So waren die Tatsachen beschaffen, die einige Zionisten zu einer Protesterklärung und einer Adresse veranlasst haben. Und hier muss ich denn doch mit ein paar Worten audeuten. wer Achad-Haam ist. Ich wende mich, da ich mich nicht damit begnügen mag, persönliche Meinung zu üussern, an diejenigen Leser, die das geistige Leben des östlichen Juden tums kennen. Sie mögen bezeugen, dass zu einer Zeit, als Nordau noch die tiefe Berechtigung der Nationalität und die historischen Grundlagen des Judentums negierte, von Aclnd- Haam eine Fülle nationaler und echt jüdischer Anregung ausging, dass ein Buch ״AI praschat drachiin“ (Am Scheidewege) das bedeutendste Ideenwerk der neuhebräischen Litteratur ist und dass er mit Wort und Tat vor allen Anderen dazu beigetragen hat, die Geister der denkenden Juden Russlands zu revolutionieren und so das intellektuelle Gepräge des östliehen Nationaljudentun.s zu schaffen. Dieser Mann nun wurde in dieser Weise von einem Führer der zionistischen Partei angegriffen. F.r, der als einer der Ersten die Idee der Erlösung gedanklich ausgebaut hatte, wurde ״zu den schlimmsten Feinden des Zionismus“ geworfen. Er, der mit ebensolcher eherner Konsequenz an seinem zionistischem Progratnm festgchaltcn hat wie Her/1 an dein seinen, wurde ״etn weltlicher Protestrabblner“ genannt. Die grosse hebräische Odfentlichkeit, die seine Schriften mit enthusiastischer Verchrung aufnahm, wurde als ein dunkler Winkel bezeichnet. Die Werke selbst, das stärkste Erzeugnis des modernen jüdisehen Gedankens in jüdischer Sprache, wurden als ein ״Ge• fosel, dessen anspruchsvolle Nichtigkeit mit keinem Worte zu kennzeichnen ist“, cingcschätzt. Und da hätten wir schwelgen sollen! Wir, nicht die Gemeinde“ Achad-Haatns, sondern unbefangene Zionisten, die alles Grosse und Schöne Im neuen Judentum ehren und nicht dulden können, dass cs von Zionisten, von zionistischen Führern in den Staub gezerrt werde. Nein, nicht unser ״Beileid ausdrücken“ wollten wir Achad- Haam. sondern ihm — und zugleich der jüdischen Oeffcntlichkeit, die nicht von uns zuerst angerufen worden ist - sagen, dass dieser Leitartikel des offiziellen Parfeibhttes nicht das Geringste mit der Meinung der Partei zu tun hat. da^s er die Acusscrung eines Einzelnen ist, die erst durch die organisierte Versendung an die Blätter zu einer Art von Kundgebung der Parteileitung erhoben wurde, und dass wl! diese Acusscrung für ungerecht und für tiefbedauerlich halten. Das nennt Herr Estermann ״unnötige Entrüstung". Und an dieser Begeisterung, die alles Bewusstsein von 'Recht und Wahrheit nicht in der Partcidisziplin ertrinken Jasscn will und die Herr Estermann so ,.taktlos" findet, ärgert ihn am meisten, dass Ich daran teilnehme. ״Woher kommt gerade Herr Bubcr dazu?“ Ja, woher komme Ich dazu? Nun, ich will Herrn Estcrniann die Aufklärung auch darüber nicht schuldig bleiben. Zunächst möchte ich ihn aber fragen, woher er dazu kommt, mich den ״Mann der Neuen Gemein- Schaft" zu nennen. Was würde Herr Estermann dazu sagen, wenn ich Nordau den Mann der Vossischcn Zeitung nennen möchte? — Es ist mir unerfindlich. w*»s niehi Eintreten für Achad-Haam mit der Neuen Gemeinschaft zu tun hat. Diese Kampfeswcise .scheint mir Herr Esterinann denn doch einem gewissen in Mainz erscheinenden Blättchen abgcguckt zu haben, das nur seinerzeit auch mit der Neuen Gemeinschaft kam, das Ich Jedoch keiner Erwiderung gewürdigt habe. Wie ich dazu komme, mich für Achad-Haam zu begei-, Stern? Ich habe es kürzlich in einem Aufsätze gesagt: Die Schaffenden sind d«c heimlichen Könige des Volkep. Darum begeistere ich mich für Achad-Haam. Aber Herr Estermann will zu verstehen geben, diese Begeisterang datiere von gestern. Nein, Herr Estermann, diesen Gefallen kann ich Ihnen nicht tun. Ich bitte •Sic vielmehr, und die Leser ebenfalls, sich Nr. 38 des 5. Jahrgangs der ״Welt" vom 20. September 1901' herauszuholcn und näher anzuschcn. Ich muss nebenbei bemerken, dass ich zu Jener Zeit Chefredakteur der ״Welt“ war. In jener Nummer also befindet «ich die IJcbertragung eines Essays von Achad-Haam und unmittelbar vorher eine grossgedruckte ״Vorbemerkung der Redaktion“, die — wie ich auch nebenbei bemerken muss -- von mir geschrieben wurde. Aus dieser ״Vorbemerkung“ sei angeführt, dass Achad-Haam darin ״eine geistige und sittliehe Macht“ genannt wird, ״die nicht bloss unser Interesse, sondern auch unsere Sympathie erwecken kann", dass darin von ihm gesprochen wird als von dem ״gedankenkühnen, tiefsichtigen, aufrechten Sohn des Volkes, das wir lieben.“ Seit diese Worte geschrieben wurden, habe ich Achad-Haatns Werk, wie cs in seinen Schrillen und Taten niedergelegt ist, näher kennen gelernt und meine Begeisterung für ihn ist gewachsen. So weit könnte man sich leidlich verständigen. Aber Her! Estcrniann lässt cs sich nicht nehmen, zuletzt noch eine gc« hcitnnisvolle Andeutung fallen zu lassen, ״die Affairt Achad- Haam sei bloss die Einleitung zu einer ״grösseren Aktien“ mit dem Endziele, Nordau vom nächsten Kongress wegzuckeln und dadurch indirekt auch Herzl einen Hieb zu versetzen.“ Allerdings erklärt Herr Estermann, zu meiner Ehren anzunchmcn, dass mir derartige Absichten fernliegen. Und ich nehme zu Ihrer Ehre an, Herr Estermann, dass Sie das ehrlich meinen und dass Sie, wenn ich Ihnen sage, dass das ״Gcmunkcltc'* ein verleumderischer Verhjetzungsvcrsuch voll ״destruktiver Tendenz“ ist. künftighin cs unterlassen werden, solchen Tratsch in die Oeffentiichkeit zu tragen. Wien. Martin Buber. ״Ost und West“. Von Sammy Gronemann. ״Streitet Euch nicht auf dem Wege•‘ 1. Buch M. Kap. 45. Das Land der Dich t e r und Denker hat auch manche־! gezeugt, der ״zugleich ein Sänger und ein Held" war. Sc!- teuer ist die Vereinigung des Dichters, des Denkers und des Mannes der Tat in einer Person. Nur den Begnadetsten hat sicli diese heilige Dreiheit des in höchster Vollendung harino• »lisch entwickelten Geistes offenbart, die den Begnadeten bcfähigt, mit stets gleicher Schaffensfreude dem Intellekt, dem Gefühl oder dem Willen zu• folgen. — Viele von uns glauben, einen solchen Mann in Theodor Herzl zu sehen, der mit gleiche» Kraft und Freude gestern als Organisator den Grundriss des jüdischen Zukunftsbaues entwarf, heute als Repräsentant jödisehea VolkswUlens in das Rad der Geschichte eiligreift, morgen auf den Flügeln der Phantasie uns in das ersehnte goldene Zukunftsland vorauseilt. Wir glauben, dass es ihm vergönnt ist. mit seltenem Scharfblick einen den Stempel höchster Persönlichkeit tragenden Entwurf fertigzustellen und dann neidlos unter Verleugnung seiner subjektiven Anschauung an der Vcrwirklichung des von dem seinen vielleicht im Einzelnen abweichenden Volkswillens zu arbeiten und dabei doch nicht die Fähigkeit zu verlieren, jederzeit als Poet' sich von den Fesseln politischer Unverantwortlichkeit seelisch lösen und so oft e! will im Himmel des Olympiers weilen zu können, dort wo die Erde verteilt wird. — Er schrieb den ״Judenstaat" wie der Architekt den Entwurf eines Monumentalbaues zeichnet, — er wirkte als Obmann unseres Aktionskomitees als erster an der