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Jüdische Rundschau · 1903-04-24 · Heft 17 (24.4.1903) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 17 (24.4.1903)
Date
1903-04-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Seite 153. Jiidisolie Rundschau No. 17 sogar auf den Hauptgebieten menschlicher Fortschritte als Kulturerreger bahnbrechend vorgegangen sei! und noch immer weiter vorgehe, erst dann wird der Antisemitismus zu einem Extrakt von Irrenhäuslcrei und Delinquententum zusammenschrumpfen. Die Uebcrwindung des Antisemitismus — es ist hier natürlich nicht die Partei, sondern die Bewegung ge« meint — ist nur durch eine Stärkung des Nationalbewusstseins im Judentum möglich. Aus diesem Grunde muss auch der Kern der zionistischen Bewegung von jedem rechtlich denkenden Menschen als eine nicht nur gesunde, sondern geradezu fortschrittlich wirkende Erscheinung begrfisst werden. Aus demselben Grunde aber müssen auch die Ansätze einer reinjüdisch-nationalen Bewegung auf sozialdemokratischer Basis, wie der ״yiddische Arbeiterbund“ in Polen als ein Zeichen nicht nur sozialer, sondern auch nationaler Gesundung angesehen werden. Bedarf es wirklich noch eines Beweises, wie jiidisches Nationalbewusstsein, das sich losgelöst hat von den atavistischen Resten jüdischer Aengstlichkeit, auf vorher nicht einmal vorurteilslose Massen wirkt? Was j riefen die Baseler ״Arier“ gelegentlich des Zionisten- Kongresses in ihrer Stadt?-״Es leben die Juden! Heil den Juden!“ Der nationale Zusammenschluss ist die erste Grundbedingung zur Erzielung höherer sozialer Ziele. — Dr. Robert Michels. Nordau und Achad-Haam. Während der Zionismus sich eben anschickt, seine prak- .tische Tätigkeit in erhöhtem Masse aufzunchmen, Ist in seinem Lager ein Streit zum Ausbruch gekommen, der weniger vielleicht in verschiedenen Richtungen und Anschauungen als vielj mehr in der Verschiedenheit der Charaktere seien Grund hat. i Wir behalten uns vor, in kurzer Zeit einen Artikel zu bringen, der vom allgemeinen zionistischen Standpunkte aus das Wesen des Streites beleuchten soll. Einstweilen geben wir aus der Fülle der uns eingesandten Artikel unser!! Lesern drei, die drei ganz verschiedene Standpunkte einnehnien. Vielleicht wäre es nicht nötig gewesen, in so weitem Messe auf die litterarische Fehde einzugehen, die so weit sie persönlich ist, Judentum und Zionismus nichts angeht, una so weit sic sachlich ist, durch das Hereintragen persönlicher Momente nur verlieren kann, aber der Streit gegen Nordau wird von dritter Seite dazu benutzt, gegen den Zionismus sebari und Stimmung zu machen. ״Ost und West“ fährt mit seinem breit geblähten Segel im Sturm einher gegen den Zionismus. Kein feiner Ton ist es, der von Galizien her gegen Nordau sich vernehmen lässt, wobei auf Nordau geschlagen wird, um den Zionismus zu treffen; — da halten wir es doppelt für angebracht jeden ehrliche n Standpunkt zu Worte kommen zu lassen, und ohne die Debatte ins Uferlose zu führen, das Für und Wider ruhig zu hören und unparteiisch, aber mit Liebe zum Judentum, zu urteilen. Unnötige Entrüstung?! Eine Replik. Ich war ungemein erstaunt, vor! Herrn L. Esterinam!, dessen einsichtiges Urteil ich in früheren Jahren öfters zu schätzen Gc• legenheit hatte, eine Beurteilung der Affäre Nordau—Achad־־ Haam zu lesen, die mir in jeder Beziehung unzutreffend er• scheint. Die Entrüstung, die dem Nordauschen Angriff folgte , und die sich in öffentlichen Kundgebungen Luft zu machen sucht, sollte ״unnötig‘.‘ sein? Ich möchte Herrn Esterniam! bitten, mir einen litterarische!! Fall »•',sihait zu machen, bei den! die Entrüstung mehr an! Platze wät "bei dem sie psychologisch verständlicher und sachlich begründeter wäre, als in dem Falle, der uns jetzt beschäftigt? Wäre der Nordausche Artikel nicht gegen Achad-Haam, dessen Namen manche als ״den Einzigen in dem Volke“ deuten, sondern gegen irgend eine beliebige gänzlich unbekannte und unbedeutende Person, gegen ״Eine n aus dem Volke“ gerichtet gewesen, — auch dann müssten alle denkenden und einsichtigen Zionisten mit aller Entschiedenheit gegen den Verbuch protestieren, in unsere Bewegung einen Ton einzuführen, dessen nähere Qualifizierung nur auf Kosten einer Verbalinjurie geschehen könnte. Um wieviel schwerer und iiiiverantwortlicher aber muss uns der Norda'u'sche Angriff einem Manne gegenüber erscheinen, in dem sehr viele tatsächlich ״den geistigen Repräsentanten unseres Volkes im Osten“ erblicken, der, — das wird auch Herr Estermann nicht leugnen wollen, — in weiten Kreisen der russischen Judenheit in gleicher Weise als Mensch wie als Schriftsteller eint ״cradczu schwärmerische Verehrung geniesst und der selbst seinen erbittertsten Gegnern, deren er durch seine rücksichtslose Wahrheitsliebe nicht wenige hat, Gefühle der Hochachtung abzwingt. Und wenn begleitende Umstände geeignet sind, eine an sich schon bedauerliche Handhabung noch bedauerlicher erscheinen zu lassen, so ist es ebenfalls bei unserer Affäre der Lall. Die unglaubliche Seltsamkeit der dem Achad-Haam zugemuteten Anschauungen, die jeder, der die Weltanschauung dieses Denkers auch nur cinigermassen kennt, beinahe humo• ristisch stimmen und die lediglich durch die Annahme verstündlich erscheinen, dass sie auf unzuverlässige oder gar böswillige Informationen zurückgehen; die wenig gesehmack• volle Geschäftigkeit, mit der der Artikel im Korrekturabzug allen deutsch-jüdischen Zeitungen und merkwürdiger Weise auch den hebräischen Blättern in Russland angeboten wurde, und vor allem, — ich dar! cs aussprechen, ohne als נו גע בר verdächtigt zu werden,— die protzige und verächtliche Art. mit der in dem Artikel der ״Europäer“ gegen den ״Pollack“ ausgespielt wird, — alle diese Umstände zusammengenommen machen eine entschiedene Abwehr unsererseits zu einer unabweisbaren Pflicht des einfachsten Anstandes, und wir wären wirklich die ״wilden Asiaten“, als die uns Max Nordau verschreien möchte, würden wir, bios mit Rücksicht auf die Führerrolle Nordau's, auf seine unerhörte Provokation hin •n sklavischer Unterwürfigkeit das Haupt beugen. Die Apologie, die Herr Esterniam! Max Nordau widerfahren lassen will, erscheint mir sehr hinkend. Zunächst ist es durchaus falsch und entspricht in keiner Weise den Tatsachen, dass Achad- Haam ״in verletzender, ja geradezu feindseliger Weise“ Dr. Hcrzl entgegengetreten wäre. Ich fordere Herrn Estermann auf, aus der Kritik Achad-Haan‘s über ״Altneüland", oder aus seinen sonstigen Artikeln gegen den politischen Zionismus auch nur eine einzige Stelle zu zitieren, die die von ihm auigestellte Behauptung rechtfertigt. Derjenige, der Achad- Haam kennt. - und Herr Estermann kennt ihn — der weiss, dass einer der Hauptgründe für die seltene Wertschätzung, der sich Achad-Haam erfreut, gerade in seiner wunderbaren Fähigkeit liegt, selbst die brennendsteil Togcsfragen von allen persönlichen Accidenzien zu befreien und sie von einer höheren Warte, als von der Zinne der Partei zu beleuchten. Und wenn Herr Estermann als mildernden Umstand auf das Nordau’sche Temperament hinweist, so macht uns dieser Hinweis dic.Nordau’sche Handlungsweise nur verständlich, aber keineswegs verzeihlich. Nicht nur dass auch wir gewöhnliche Sterblichen so respektwidrig sind, Blut in unseren Adern zu besitzen; nein, gerade die Erkenntnis, dass wir es nicht mit einer vorübergehende!. Stimmung, sondern mit einer tief eingewurzelten Anlage zu tun haben, deren negative Wirkungen sich schon mehrfad! äusserten, ohne allerdings denselben Widerspruch zu erfahren, weil sie sich bis jetzt auf ganze Kategorien verteilten, — gc• rade diese Erkenntnis legt uns die Pflicht auf, uns, sow׳eit cs in unserer Macht liegt, dagegen_zu w'ebren. Es w'iindert mich "זיייי־5יימ5» י^י*5^"*|^|»1י«;,ן׳־'יייי!־וייIPV* * ״״r*tr —ty»

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