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Jüdische Rundschau · 1903-04-24 · Heft 17 (24.4.1903) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 17 (24.4.1903)
Date
1903-04-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite 151. Seit/g 154. JHdinclie lR1tndsscl1n.il. aller Fehler, die sie gemacht, geleistet hat, und die Allianz sollte lernen, dass sie wieder im Volke Wurzel fassen muss, und dass sie das am‘ besten kann, wenn sie die Ideale der nationaljiidischen Jugend nicht antastet. Sic sollte begreifen, dass die hebräische Sprache anstelle der französischen im Orient zu setzen ist, und ihren grossen Einfluss auf das jüdische Volk in nationalem Sinne nutzen. Vor allem aber sollte die Allianz nicht nach dem ersten Schritte stehen bleiben, den sic soeben gemacht hat, sondern fortfahren, für sich selbst tätig zu sein. Denn sie hat die Pflicht, dahin zu wirken, dass jeder Jude, der dazu imstande ist, ihr Mitglied wird. Pilicht der Zionisten ist es, durch ihren Eintritt in die Allianz das nationale Moment in ihr ־zu *stärken und ihr das frische Blut zu geben, dessen sie dringend bedarf. Jedenfalls freuen wir uns, dass die Allianz nicht mehr schläft, sondern dass sie sich doch wieder regt und bewegt. H c i n r i c h L o'c w c. Judentum und öffentliche Achtung. ״Die polnischen Frankisten, die vor mehr als vier Menschenaltcrn Katholiken wurden, haben bis heute ihre semitische Senderphysiognoniie gewahrt und kein Nationalpolc verwechselt sie mit Sarmaten“.*) Dieser Satz, der von einem der geistreichsten Vertreter des Vollblutjudentums der Moderne'herstammt, könnte als das Mene- Tekel für alle diejenigen Angehörigen der jüdischen Rasse gelten, welche, durch einen ungesunden, weil zumeist nicht einmal erfolgreichen Egoismus getrieben, sich ihrem Stamme entziehen, tim in dem grossen Meer des sie umgebenden Christentums unterzugehen. Wohlgemerkt, des Christentums, nicht aber des sogenannten Ariertnms, denn, wie Max Nordau an dein obenerwähnten Beispiel klarstens bewiesen hat, auch die Flüchtlinge aus Israel ״bewahren ihre Sonderphysiognomie“. Es ist ein naiver Aberglaube, der nur dadurch einigermassen erklärlieh wird, wenn man bedenkt, bei wie vielen Menschen lediglich ein bestimmter Wunsch bei all ihren Ansichten, ja, oft seibst bei ihrer ganzen Weltanschauung Vaterstelle vertritt, dass die Mehrzahl der jü- *) Max Nordau: ״Der Zionismus und seine Gegner Köln, p. 8. 4» dischen Deserteure mit der simplicistischen V e r 1 e u g - nung ihrer Stammesangehörigkerit zugleich auch ihre angeborenen Stammeseigen heit e n verleugnen zu können glauben. Dass diese kindliche Anschauung oft selbst von Wissenschaftlern geteilt wird, beweist nichts anderes, als dass die Flucht, welche diese Wissenschaftler aus dem nationalen Judentum heraus unternommenn haben, so über Hals und Kopf geschah, dass dabei selbst die eigene Wissenschaftlichkeit mit über den Hauien gerannt wurde. Ethnisch-anthropologische Metamorphosen von heute auf morgen, ja, selbst von heute auf fünfzig oder sechzig Jahre gicht es nicht. Es ist hier mit der ״Judenfrage“ ebenso, wie mit der ״Fraucnfräge“. Das berühmte Problem, ob der Jude moralisch oder intellektuell mehr wertiger oder minderwertiger sei. als der Nichtjude — das Wort ״Jude“ natürlich stets im ethnologischen, nicht im konfessionellen Sinne genommen — muss meines Er• achtens mit derselben Antwort enträtselt werden, welche auch der Frage der Mehr- oder Minderwertigkeit des Weibes dem Manne gegenüber allein am Platze ist: sie haben beide kollektiv gleich viel Wert, trotzdem iitr Wert — und darauf kommt es hier an — auf verschiedenen Gebieten des moralischen Seins oder der intellektuellen Befähigung liegt, weil ihre ganze anthropologische Struktur eben nicht die gleiche ist. Darum kann eben auch der Stammesjude seine Rasse mit Wort und Tat nicht nur verdammen — das ist ebenso wohlfeil als menschlich niedrig — sondern auch verleugnen, so viel er will, er kann, wie er früher seine Kinder beschneiden Hess, nun seinen eigenen Namen bcschneiden hissen, um den blöden Verdacht zu erwecken, er sei mitten im Teutoburger Wald geboren, es wird ihm doch alles nicht dazu verhelfen, die Kennzeichen seiner Völkerrasse auch nur um ei» einziges zu vermindern. Und das nicht nur fiusserlfcii! . .. Einer der feinsinnigsten Sociologcn des modernen ״italienischen“ Italiens, Gugliclmo Ferrero, hat in seiner bekannten unter dem Namen ״L’Italia Giovtyic“ veröffentlichten Studie das Wesen des Semitismus einer ebenso originelle״ als in ihren Hauptzügen zweifellos richtigen Analyse unterzogen. Nachdem er die ethische Weltverbessenmgssucht, den revolutionären Drang, den , Hang zur Kritik, das selbstlose Aufopfern fiir höhere 1 selbstgebildete Ideale und schliesslich eine in einem seit- Litteraturbericht. (B&cl>cr 4er einschlägigen Utteratvr. welche der Redaktion *ag©- sandt werden, finden eingehende Besprechung.) Dr. S. N. Kutna: Sollen wir unsere Knäbleln beschneiden? Robfnsohn &. B c g I ü c k te t , P r 7. c in y s 1 1903. 108 S. gr. 8°. Die Schrift von Kutna unterscheidet sich vorteilhaft von vielen Arbeiten aus der nachgerade fast unübersehbaren Litteratur über die Frage der Beschneidung. Sie hat vor allen! den Vorzug, dass der Untersuchung nicht die aufdringliche Tendenz der Apologetik oder des Angriffs auf die Stirn gc schrieben ist; cs ist vielmehr die systematische Arbeit eines geschulten wissenschaftlichen Arbeiters, dein es nur um die historische Wahrheit zu tun ist. Und weil eben die meisten bisher aufgestcllten Hypothesen tendenziös gefärbt sind, ist ihre kritische Widerlegung an der Hand des vorliegenden Ma• tenials nicht ailzuseliwer. Der kritische Teil der vorliegenden Arbeit ist interessant und meistens auch schlagend. Die symbolischen‘, ethischen und religiösen Deutungen der Besclmeklung erklären nichts und berücksichtigen nur die Bcsclmciduiig bei den Juden. Am schwächsten ist die Polemik K.’s ״egen die Aunassuug der Beschneidung als eines humanen Ersatzes für das Menschenopfer und gegen die damit vetwandte Auffassung als eines Vcrschnungsopfers an die Gottheit analog den zahlreichen bei fast allen Naturvölkern vor- . kommenden Selbstverstümmelungen. Die Widerlegung diese! mit den Tatsachen gut vereinbaren Anschauung will mir nicht geglückt erscheinen. fm positiven Teil der Arbeit stellt Kutna die lltcse auf. dass die Beschneidung der Vorhaut eingeführt worden sei, weil die Vorhaut nicht selten ein ernstliches Hindernis für die Fort- Pflanzung Hldet. Zur Bekräftigung dieser Ansicht führt c! etliche Argumente ins Feld: ln wärmeren Gegenden — und nur in diesen ist die Beschneidung zu Hause — ist die Vorhaut häufiger als in unseren Breiten gewuchert und verengt. Das mussten auch Naturvölker im Urzustände als Hindernis erkamen können, zumal sie zuweilen durch lebenbedrohende Komniikatioucn zu der Operation gezwungen waren. Speziell für die Juden, bei denen die Beschneidung eine so grosse Rolle spielt, sucht Verfasser aus dem Texte der Schrift seine Ansicht als die richtige zu erweisen. Die ganze Theorie ist geistreich und elegant du rehgeführt. Trotzdem lassen sich wohl mehrere Bedenken gegen sie erheben. Sic zeigt — trotz der Gegenteilen Ausführungen des Verfassers — nicht, warum die Beschneidung für das ganze Volk obligatorisch ist und nicht nur den trifft, der ihrer bedarf: Verfasser ist vielmehr in Gefahr, hierbei wieder in die ..hvgienische“ Theorie zu verfallen. Er zeigt auch nicht, warum die Beschneidung bei den Juden das Zeichen des religiöscit Bundes ist. wenn auch ihr enger Zusammenhang mit dem religiösen Bunde zwischen Gott und Abraham zugegeben vürde. Wie konnte weiterhin eine soeinfache und für alle Zeiten zutreffende Bedeutung der B. hei den Juden — schon des Talmuds! — und den übrigen Völkern so in Vergessenheit geraten, dass Gelehrte sic erst wieder ausgraben müssen t Ferner noch eins, was mir wichtig erscheint: Von den ca. %

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