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Jüdische Rundschau · 1903-04-10 · Heft 15-16 (10.4.1903) · page 16

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 15-16 (10.4.1903)
Date
1903-04-10
Page
– (sequence 16)
Language
German
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I i Seite 148. «Jitdisolie IlutidScljau. No. J5. Unterschriften‘״eifrigst“ tätig zu sein. Besagte Adresse hat ׳.'fügenden Wortlaut: . . , ■; .'־■׳; ■׳ Hochverehrter Herr! , ־ , . U '■ ׳ , Der unerhört heftige Angriff Max Norda«^ aus Anlass * •Ihrer Besprechung ״Altneuland’s*־ hat uns mit ^Schmerz und tiefster' Entrüstung erfüllt, und wir betrachten cs als unsere Ehrenpflicht, die Ihnen zugefügte Kränkung mit dein, öifentliehen Ausdruck unserer aufrichtigen Sympathie und Verehningj für Sic zu beantworten. •־׳■ Wie sollten wir nicht diese Gefühle einem Manne gegenüber kun״«׳eben, der uns als ״׳־istiger Repräsentant unseres Volkes im Osten erscheint, anem Manne gegenüber, in dem der nationale Oedanke, das nationale Erbe, in ununterbroebenem geistig'1-’ Kampfe, im Ringen um eine moderne Form, in lebendigster Weise lauter und charnktei voll sicli äussert. Wenn vou allen den Honmingen, die wir im Stillen hegen oder laut werden lassen, eine als der Erfüllung nahe bczeichnet werden darf, so ist cs die, dass wir berufen sind, als Volk ins volle geschichtliche Leben wieder cinzutrcten. Nun unter denen, welche diese Hoffnung geweckt, genährt, und der Verwirklichung nahe gebracht haben, sehen wir Sic, hochverehrter Mann, vor Allen. Nie und nimtner hätten wir eine nationale Bewegung, wenn ihr nicht die stille, aber rastlose Arbeit von Männern voraus״cgangen wäre, wie Sie einer, sind. Mit umso grösserem Befremden stehen wir vor der 'latsacltc dieses Angriffs, und cs drängt uns bei diesem Anlasse unsere tiefste Verehrung für Sie laut werden zu lassen. ■ Weit entfernt in Urnen ״den schlimmsten Feind" unserer natkmaleu Bewegung zu sehen, erkennen wir in Ihnen den tapfersten Vorkämpfer für unsere Sache, den besten Freund unseres Volkes! Bei aller Sjunpathie, die ich für Achad-Haam seit jeher gehegt habe, sah ich mich nicht veranlasst, diese Sympathie- und Fntrüstutigskund.gel'ung mitzumacheu und ich hoffe, dass auch die anderen nach Deutschland gesandten Exemplare in gleicher Weise ihren Zweck verfehlt haben werden. Wenn ich auch nicht wie die Verfasser der Adresse in Achad-Haam ״den geistigen Repräsentanten unseres Volkes ini Osten" erblicken kenn, so würde ich ihm doch das billige Vergnügen, von einigen hundert meist wohl in jeder Bedeutung des Wortes unbekannten Herren Sympathie-Adressen zu erhalten, gewiss nicht missgönnen. Aber ich gaube, dass es diesen! im Grunde seines Herzens friedfertigen Manne keineswegs ein Vergnügen bereiten wird, seinen Kamen zu einem Kampfgeschrei erheben zu sehen. Auch sollte, wer Achad- Ha»״• kennt, eigentlich wissen, dass er nicht zu denjenigen gehört, welche literarische, kulturelle und politische Melnungsdifferenzeu mit Hilfe eines Majoritätsvotums zur Ent- Scheidung bringen möchten. Ich will gerne zugeben, dass Nordau in seiner Polemik einem Manne wie Achad-Haam gegenüber seine Feder etwas zu scharf gespitzt hat. Das ist einmal so die Nordau’sche Art, die ihm ja bereits manche schwere Anfeindung eingetragen hat. Aber war vielleicht Achad-Haam in seiner Kritik von Herzl’s ״Altneuland" so ganz objektiv und frei von jeder perfrage arbeitet, wird sich fortan mit Dricsmans abfinden müssen, eben»! mit der vorliegenden Schrift als mit ‘seinen sonstigen Arbeiten. Wenn wir so im grossen den Wert und die Bedeutung des Buches unumschränkt im allgemeinen anerkennen, so dürfen wir doch nicht verhehlen, dass er der Abstammung gegenüber die Bedeutung des Milieus viel zu gering ansetzt. Schliesslich Ist doch alles Rässenhaftige aus dem Milieu hervorgegangen. Qcwlss kann niemand den Wert der Abstammung leugnen, aber schliesslich Ist doch die Rasse nichts anderes ats die Summe der durch ein Milieu erworbenen und vererbten F.igenschaftcn, wenn man nicht den Bcgriii der Rasse so ganz dogmatisch in der Luft schweben lassen will. Das Verhältnis von Vererbung und Neuerwerbung aber schar! zu begrenzen, ist auch Dricsmans noch nicht gelungen, weil erstlich das kephalometrische Materia), auf das er sich wie seine Vorgänger stützt, in keiner Welse zu der Rassenbestimmung ausreicht. Daher hat alles, was an Rassenbestimmung existiert etwas dilettantenhaft-dogmatischcs an sich, das nicht so sehr die Schuld des jeweiligen Forschers ist, als es vielmehr die Unzulänglichkeit unserer Forschung mit den bisherigen Mitteln erweist. Dogmatisch und nicht wisscnsch^tbch, darum aber nicht minder interessant sind die ganzen Ausführungen Dricsmans’ über die Entstehung der europäischen, nüttelländischen, mongolisönliclien Spitze? Diese Empfindung wird nicht Jeder gehabt haben. Bei Norclau handvlt-cs sich bereits .um: eine Anti* kritik, um die Abwehr eines schweren, wenn auch dem verschiedenartigen Temperament entsprechend nicht mit Nordau'- scher Wucht geführten Angriffs. Da ist der gereizte Ton bcgicitlich, wenn auch nicht ־immer zu billigen. . Achad-Haaui aber trifft der schwerere Vorwurf, einem Manne \vic‘ Herzl, der doch ־- sagen wir meinctwfcgcn — auch gewisse Vcrdlenste um unser Volk hat ohne. jede .Veranlassung in verletzender, ja geradezu feindseliger Weise entgegengetreten zu sein. Dass Achad-Haam, der aus einem anderen Kulturnivcäii hervorgegangen ist und in einem anderen Kulturnivcau lebt, als Herzl. in sehr vielen Punkten anders denkt und empfindet als er, ist nur zu begreiflich^ Es wird ihm auch .niemand das Recht bestreiten, an Herzfschen Anschauungen und Hand• hingen von‘seinem Standpunkte aus Kritik zti üben. Aber die in der Diskussion unter Gesinnungsgenossen wünschenswerte Form hat er Herzl gegenüber ebensowenig gewahrt, als jetzt Nordau (wenn man die Temperaments Verschiedenheit berückrichtig!) ihm gegenüber. Er dürfte daher - ich glaube seinen Charakter ziemlich gut zu kennen — durch die heftige Ent-;־cgming Nordau's weniger überrascht gewusen sein, als durch den jetzt zu :(,;inen Gunsten veranstalteten Entriisfungsrutnmel! Was soll überhaupt durch dieses demagogische Mitte! der Sympathie- und Entrüstungskund<:e!nmgc11 eigentlich erreicht werden? Oh Achad-Haam oder Nordau Recht hat; können wir durch die Bekundung von Sympathie ־für dun einen oder von Entrüstung für den anderen nicht zur Entscheidung bringen. Sollen wir etwa Achad-Haam unser Beileid darüber ausdrücken, dass er von Nordau so hart mitgenommen' wurde? Das dürfte er sich, wie ich ihn kenne, ganz entschieden verbitten, denn er betrachtet sich sicherlich keineswegs als geschlagen und fühlt sich stark genug, die Hiebe Nordnus selbst und mit stärkeren Waffen als den Sympathiekundgebungen .seiner Anhänger zu parieren. Woher kommt übrigens gerade Herr Buber dazu (die beiden anderen Herren kenne ich nicht), sich so für Achad- Haam beinahe bis zur Taktlosigkeit zu begeistern? Er, der Mann, der ״neuen Gemeinschaft", der gute Europäer, den von Achad-Haam mindestens ein ganzer Erdteil trennt? Man gewinnt beinahe den Eindruck, dass cs sich bei •ihm weniger tun א״בת סרדב als um ״״נאת הסן•'handelt. Oder .sollte Vielleicht gar wirklich, wie ich verschiedentlich munkeln hörte, die Altäre Achad-Haam bloss die Einleitung zu eitler ״grösseren" Akt ion bilden mit dem Endziele, Nordau vom nächste!’ Kongiess wegzuekeln und dadurch indirekt auch Herzl einen Hieb zu versetzen? Zur Ehre der Herren Buber, Hausmann und Tag nehme ich an, dass ihnen derartige Absichten fern liegen. Als einer, den das Geschick bereits seit Jahren auf einen vereinsamten Posten gestellt hat und der fern von allem Parteigetriebe bemüht war, sicli ein nach jeder Seite hin objcktives Urteil zu bilden, erhebe ich meine warnende Stimme gegen jeden Versuch, aus Gründen, die für unser Volk und unsere Bestrebungen ■ganz belanglos sind, neuen Zündstoff sehen, arischen, /semitischen u. a. Rassen und über ihre vorhistorischen Beziehungen •zu einander. Diese Darlegungen machen seiner Phantasie alle Ehre, aber Anspruch auf bcsonnene Wissenschaft dürfen sie ebensowenig erheben; wie seine Behauptung, dass die arischen Völker nirgends die unterworfenen Stämme zu knechten, bis aufs Blut auszusaugen oder hinzuschlachten pflegten. Das widerspricht den Tatsachen der Geschichte, wenn anders sich indogermanischer; Sprachstamm und arische Rasse eimgennassen decken sollen. Dann, aller ist es auch ebenso gegen alle historische Wahrheit, dass wir nirgends bei den Ariern Menschcnschläcbtcreicn und Menschenopfer finden. Griechen, Lateiner und Germanen sind doch gewiss Vertreter arischer Rasse. In der Schlacht bei Salamis aber opferten die Griechen auf Befehl des Aristides die ihnen in die Hände gefallenen persichcn Prinzen und Prinzessinnen (Sandauka), ebenso wie die Römer Im gallischen Kriege, der durch den Königsnamen Brennus bezeichnet wird, opfermässig Kriegsgefangene lebendig begruben, als Sühne für die Unterirdischen. Und waren die Schweden, die ihren König Donald opferten, um der Hungersnot ein Ende zu machen, keine Arier? Was heisst, überhaupt Arier? —•Wenn der’ indogermanische Sprachstamm mit der arischen Rasse identisch. sein soll, so ist uns ־ noch immer Johannes Schmidts Theorie von deren Urheimat plausibler ak die.aul unbewiesenem Voraussetzungen י״י־ ״«■£%•*♦«■

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