Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 15-16 (10.4.1903)
- Date
- 1903-04-10
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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״#’*«*» * "«#ו***"«* 4 X Seite 146. Jüdische Hundscliau. No. 15. 200 Mk., mehrere Bne-Berith-Logen und viele Vereine für jüdische Oeschichte und Litteratur sind ebenfalls beigetreten. Die bereits zugesagten Zeichnungen verschiedener Gemeinden und Vereine stehen noch aus. An 200 Privatpersonen haben sich entschlossen — hier steht der Propaganda freilich noch ein weites Feld offen. Atn 21. und 22. April wird der Ausschuss tagen, um nunmehr' die! Tätigkeit. des jungen Vereins zu beginnen., ־.{ ’.• Berlin. Sitzung der Repräsentanten Versammlung am April. Die Sitzung ist durch eine wohibesetzte Galerie vor andern Sitzungen ausgezeichnet. Gleich zu Beginn wird eine Meinung$d:'ft'ere1(Z zwischen Vorstand und Repräsentanten über das Protokoll der Gegenstand ׳einer Debatte. Vor hintritt in die eigentliche Tagesordnung erhält Manhelmer das Wort, der über die beiläufige Bemerkung des Repräsentanten Berlin sich auslässt, die in voriger Sitzung den Anlass zu einer Debatte gegeben hatte. Kr erklärt die Behauptungen, die gegen die Altersversorgung in voriger Sitzung ausgesprochen seien, für Unwahrheit und Lüge. Kr müsse sieh und den treuen Beamten, den angegriffenen Inspektor der Altersversorgung, in Schutz nehmen. Der Inspektor habe die schriftliche KrkHirung ihm abgegeben: ״Ich erkläre auf das bestimmteste, das niennnd dazu gezwungen worden ist. Lieht am Sabbat anzuzünden oder cinzuheizeh.“ Man muss den Beamtem der das erklärt, und der vorher acht Jahr am Krankenhaus assistierend angestellt war und sich bewährt hat, in Schutz nehmen. Warum wird denn kein Name genannt? (Zuruf Berlin: Silberstein!) Aha. das vermutete ich: also es ist gar kein alles Mütterchen, wovon so erbaulich gesprochen und geschrieben wurde, sondern das Fräulein Silberstein, die frühere ״Köchin" des Herrn Joel Mayer! Nun wird mir doch die Sache klar. Die wurde int Dezember aufgenomtnen. und hat unwahre Angaben über ihren Gesundheitszustand gemacht. Wegen ihres Hüitlcidens, das sic uns verheimlicht hat. hätten wir sie nicht aufnehmen dürfen. Und wegen eines Bciaschadens musste ihr taglieh ein׳ Verband gemacht werden. Da habe ich ihr den Rat geg'cben, die Pilege, die ihr in unserer Anstalt doch nicht zuteil werden kann, im Hospital zu suchen. Die Hände hat sie mir immer aus Dankbarkeit geküsst. Aber in das Hospital wollte sie nur gehen, wenn sie dort ein Zimmer fiir sich bekäme. Dann ist sie doch herausgegangei! aus der Anstalt. Berlin erklärt dagegen, dass heute abgeleugnet wird, was vor acht Tagen unumwunden eingestanden wurde. Ich h ä 11 e m e in e Aussage auf Grund meines Gewährsmannes aufrecht. Jetzt erhebe ich als Beschwerde, was ich vor acht Tagen nur beiläufig bemerkte. Inzwischen habe ich in Erfahrung gebracht, dass der Inspektor unschuldig ist, dass die Anordnung von einer Ehrendame der Altersversorgung ausging. Locwenbcrg erklärt, dass in voriger Sitzung Manheimer zugegeben habe, dass Abhilfe geschaffen worden sei. Daraufhin habe er auch die Beschwerde erhoben. Wenn etwas falsch sei, so treffe Manheimer die Schuld, der die Sache fingestanden habe. Manhelmer: Ich habe gesagt: ״Wenn Be - I ׳ schwerden sind, so wird Reme du r eint r eten". Jacob!: Unser Gewährsmann ist Dr. \\ icsciithal. ein ו gewiss strenger Mann. Ich trete ein für Jedes wort, das i er sagt. Er und sämtliche Ehrendamen, von denen viele so ' strenggläubig sind, wie keiner, der hier Anwesenden, haben erklärt, dass ein solcher Fall nicht vorgekommen sei. Solche; Anklagen sind anders zu substäntiiren. Sobald Kollege cistier : hier ist, werden wir eine Untersuchung anstellcn lassen, uiisc 1c Anstalten sollen streng religiös verwaltet und gesetzestreu gehalten •werden. Mannheimer; Ich ׳•hätte; etwas zugegeben, das ist nicht der Kall. Ich habe gesagt: ״W c n n Bes c h w e rden sind, so wird R c m e d u r c i nt r et en.“ Mir war ja die Sache 11 e 11. Blumcnthal: Ich freue mich, dass ein ungünstiges Licht, das auf Herrn Manheimer iallen könnte, so ver- ' schwindet. Aber hören Sic, wie die gewiss liberale und zahme Allgemeine Zeitung des Judentums sich über den Beschwerdeweg und die Verwaltungszustände der Jüdischen Gememde auslässt. (Zitiert den Bericht der A. Z. d. J. über die vorige Sitzung). Wir sind durch Herrn Manheimer zu unserer Stellungnahme veranlasst worden. Uns beet es fern, Herrn Manheimer in ungünstigem Sinne zu kritisieren oder gar zu kiänkcn. Blaschke: Wenn man solche Beschwerde verbringen will, so muss man den Herrn vorher benachrichtigen. Heute ist nicht mehr von dein Beamten, sondern von einer Ehrendame die Rede. War eine Beschwerde schon erhoben worden? Bei einer Untersuchung soll auch geforscht werden, ob nicht Herr Aaron mit oder ohne den Inspektor gefragt'hat, ob die Damen lYt Zimmer am Sabbat heizen Wollen oder nicht. Wann ist l'iäulcin Silberstein aus der Anstalt ausgetreten? Die Erregung wäre nicht nötig gewesen, wenn sich Berlin vorher orientiert hätte. Berlin: W as ich wusste, habe ich meiner Uebcrzeugung’ gern :Iss und nach bestem Wissen und Gewissen vorgebracht‘. D e Stelle war die richtige, cs War der Wahl zur Altersvcr- ,sorgung. Herr Joel Mayer hat sich an Herrn Jacob! gewandt. So unschuldig brauchen die Herren nicht zu tun. Es handelte sich um eine Verwaltungskommission, die von den Gemcindebehörden gewählt wird. Vorstcherjacobl: Herr Joel Mayer hat mir persönlich von der Sache gesprochen, hat aber an ni’cli als Vorsteher keine Beschwerde gelangen lassen. Manhelmer: Ich gehe mein!!eiliges Wort, dass keine Silbe der Beschwerde an mich gelangt ist. Die Silberstein hat das aus Unzufriedenheit ausgeh rächt, weil sie entlassen werden musste. Im Gegenteil sind wir so religiös in der Verwaltung der Anstalt, dass wir <Vc Leute einfach gruppenweise־ zu zehn und zehn zum Gebet antreten und Minjan mache;׳. Lustn, damit die kontraktlichen ״Kaddisch" gesagt werden können. Die Leute sind so wenig fromm, dass ohne Zwang wir nickt einmal Minjan regelmässig haben würden. — Nach Annahme eines Schlussantrages erklärt Loewenberg noch einmal, dass niemand gegen Manheimer etwas persönlich habe sagen wollen. Danach wird erst in die Tagesordnung cingetretcn. Punkt 1 beschäftigt sich mit Festsetzung des Lchrergehaltsdienstaltcrs an den Reügionsschulen. Dann werden zur Vergrösserung der Blutnenhallc auf dem Friedhofe in Weisscnsec S500 Mk., zur Vornahme von Pflastcrungsarbelten ebendort 10 500 Mk. bewilligt. Dem Verein für Arbeitsnachweis oberflächliche Kenntnis der deutschen Kolonien empfängt, und wir würden uns aufs Höchste verwundern, wenn der Insasse der deutschen Kolonien nicht bestrebt wäre, eine genaue Bekanntschaft mit allem, was das Mutterland und sein Leben betrifft, dauernd wach zu erhalten. Wir Juden aber, ja auch wir Zionisten fühlen noch immer nicht normal jüdisch genug, um von der ungeheuren Bedeutung, die Palästina als Land für uns hat, so durchdrungen zu sein, wie es der historische Schwung tmserer Bewegung verlangt. Für uns ist ja Palästina unendlieh viel mehr als bloss ״Kolonie“, mehr noch sogar als nur ״Mutterland“: Es ist ״unser Leben und die Länge unserer Tage und darüber müssen wir sinnen Tag und Nacht“. Das Land, das wir als das Ziel unserer Bewegung postulieren, mit dessen Besitz wir eine neue Epoche der jüdischen Geschichte anheben lassen, kann verlangen, dass wir uns eingehend mit ihm beschäftigen. Man hat einmal das Wort ״Vertiefung im Zionismus“ auf unnütze Grübeleien angewandt und dadurch in Miss» Kredit gebracht. Nun gibt es weise Politiker, die jede Vertiefung des Zionismus für unnötig halten, die auch die Palästinakenntnis für das Vorrecht zionistischer Fachmänner erklären, und allen Bestrebungen, in das zionlstische Publikum Palästinakunde zu tragen, das grosse Wort ״Agitation“ entgegenhalten. Immer mehr aber zeigt es sich, dass für ernste jüdische Kreise, besonders auch Deutschland, grade die Erörterung und Diskussion moderner Palästinafragen eins der wirksamsten Agitationsmittel ist. Die Wichtigkeit des Gegenstandes war den ersten Zionisten, die doch wahrlich ״Agitatoren“ wareu, genügend klar; das sieht man mit Freude, wenn man alte Jahrgänge des ״Zion" durchgeht. Von theoretischen wie von praktischen Gesichtspunkten aus ist cs darum gleich freudig zu begrtissen, dass wir in ״Palästina" eine Zeitschrift haben, die bemüht ist, das einschlägige Material zu sammeln und weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Jede Zeile ist nur verständlich unter dem Gesichtspunkte des Zionismus, und darum wirkt die Zeitschrift in eminent zionistischem Sinne. Doch sie hat sich noch ein weiteres Ziel gesteckt, indem sie sich ״Zeitschrift für die kulturelle und wirtsehaitlichc Erschliessung des Landes“ nennt. Sie־ will die notwendigen theoretischen Vorarbeiten für eine Be- Siedlung Palästinas in grossem Stile leisten, zerstreute Erfahrungen sammeln, Arbeitskräfte konzentrieren. Und wenn man den Inhalt des ersten Jahrganges durchgeht, kann man sagen, dass auch in dieser Riehtung Tüchtiges geleistet worden ist. Ein erheblicher *‘i״?»Wf! *