Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 15-16 (10.4.1903)
- Date
- 1903-04-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2651289-2651305--00320-2657103- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
fe, 1*1 m&t*. *U Seite 144. ^*1.1■■.■ ■11■ 1r IT in .11, JUdSsohe Rundschau« No. 15, und die von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland herausgegebene Broschüre ״Was will der Zionismus?“ überreicht. . Zionistische Vereinigung für Deutschland, Distriktsbureau Strassburg I. E. Unter den Juden Elsass-Lothringcns wird es jetzt Zweifellos. keinen Einzigen ntehr geben, der nicht schon einmal vorn Zionismus gehört hätte, von jener gewaltigen Bewegung, die die Juden des ganzen Erdballs ergriffen hat. Wohl aber dürfte• es auch letzt noch viele geben, die vom Zionismus eine uh• genaue .und vielfach unrichtige Vorstellung haben und daher de:1 Entstellungen der Gegner und Verdächtigungen der Feinde leicht zugänglich sind. Aus diesem Grunde hat cs das untci - zeichnete Komitee für eine Pilicht gehalten, den Juden Eisass- Lothringens über dc;1.Zionismus objektive Auiklfirung zu gebe«! und Ihnen die zwei beifolgenden Broschüren ztizuscnden. welche eine genaue und durchaus walirheitsgemässc Darstellung des Wesens und der Ziele des Zionismus bieten. . Ihr werdet aus diesen Schriften die Lage der Gesamt* judenheit in ihrer wahren Bedeutung kennen lernen. Ihr werdet daraus erfahren, dass die ungelieute Majorität ja fast vier Fünftel - des jüdischen Volkes, die in den Ländern des Ostens zussmmengedrängt ist. in einer entsetzlichen materiellen N’ol ßchniachtct, die den primitivsten Vorstellungen von der ineusch• liehen Würde geradezu Hohn spricht, und dass selbst die geringe Minorität der westeuropäischen Juden, die sich im allgemeinen einer materiell leidlichen Existenz erfreut, dennoch durch die Ungunst einer konfessionell nicht immer vorui teils freien Bevölkerung und die Abneigung einer unfreundlich gesinnten Gesellschaft in ihrem Erwerbs- und Berufsleben geschädigt, in ihrer sozialen Ehre gekränkt und dadurch in eine moralische Not versetzt, wird, die sie ihres Daseins nicht froh weiden lässt. Doch werdet Ihr auch zugleich die Lösung, die der Zionismus vorschlägt, nämlich die Juden auf dem Boden ihrer alten Heimat zu einem selbständigen und glücklichen Volke zu machen, daraus ersehen, eine Lösung, die einzig und allein geeignet ist. der moralischen und materiellen Jucfennot für alle Zejtcn ein Ende zu setzen. Dieses vom Zionismus aufgestellte Ideal hat in allen Ländem, wo Söhne des jüdischen Volkes leben, begeisterten An* klang gefunden. In allen Zonen der bewohnten Erde, von den Grenzen China’s bis an das Westende Europa's und von der Nordspitze Amerika’s bis an die Südspitzc Australiens, - überall schlossen sich die Zionisten zu Vereinen zusammen, um In gemeinsamer Arbeit die Erreichung eines Zieles anzu• streben, welches dem jüdischen Volke eine glückliche Zukunft verheisst. Auch Im Deutschen Reiche hat die zionistische Bewegung ebenso wie in den übrigen Staate» Europas in den letzten Jahren nach allen Seiten hin grosse Fortschritte gemacht und in. gleichem Masse haben die idealen Bestrebungen des Zionismus unter den Juden unserer engeren Heimat _siol1; begeisterte Anhänger erworben. In Strassburg, Mülhausen, | Colmar, Zabern und Hagenau bestehen bereits zionistische Verj eine, und in nächster Zeit steht .die Gründung weiterer Vereine! in den übrigen Städten des Rciehslandes zu erwarten. Wir I sind der festen Ueberz.eugung, dass die Juden Elsnss-Lothrin- J gens, die vor vielen Jahrhunderten bereits eine hervorragende | Rolle im Geistesleben der Judenheit spielten und die auch jetzt! noch sich ihr jüdisches Gefühl in besonders hohem Masse gc- ז wahrt haben, dass auch sie sich voll und ganz unserer Be- 1 wegung anschlicsscn werden, um mit Tat und Kraft an der | Verwirklichung eines Ideals mitzuarbeiten, welches nie aufgehört hat. die Sehnsucht des jüdischen Voike.s zu sein. Zum Schlüsse iiililt sielt das Unterzeichnete Komitee־ noch verpflichtet, gegenüber den Verdächtigungen, der Gegner foigendc Punkte auf das AKcrenlschledenstc zu betonen: 1) Der Zionismus widerspricht in keiner Weise der jüdischen Religion, wird vielmehr von ihr vorausgesetzt und gefordert. Beweis dafür sind die vielen orthodoxen Rabbiner, die ausserordentlich tatkräftig an den Bestrebungen des Zionismus teilnehmen. 2) Der Zionismus widerspricht in keiner Weise dem Pafriotisnnis; er verlangt vielmehr, dass wir treue Bürger desjenigen Landes seien, das uns Schutz und Sicherheit gewährt. Beweis dafür sind die hochgestellten staatlichen Funktionäre, die, wie zum Beispiel Oberst Goldsmith in England, treue Diener ihres Staates und zugleich begeisterte Vertreter der zionistischen Sache sind. 3) Der Zionismus verlangt in keiner Weise, dass alle Juden nach Palästina aus wandern; er freut sich vielmehr derjenigen, die Ursache haben, sich in ihren Wohnsitzen wohlzuhihlen. Wohl aber verlangt er von allen, und ganz besonders von den besser Situierten, dass sic tatkräftig mitarbeiten an dem Schaffen einer Heimstätte für diejenigen, die sich itt den Ländern ihres Wohnsitzes nicht wohlfühlen können. So stellt sich der Zionismus als eine Erscheinung dar. die keinem Juden zum Schaden, allen Juden aber zum höchsten Nutzen gereicht. Wer sich durch die beifolgenden Schriften von der Not- Wendigkeit und Richtigkeit der zionistischen Idee überzeugt hat, wird hierdurch gebeten, sich mit Benutzung des beiliegen- Und eine Stimme rief von oben her: Hast du die Kraft, dem Feind das Schwert zu weisen? - Dann sanken Wolken nieder . . . Und Erde, Himmel, was die Augen sonst Erblicken, war entschwunden mein Sohn. Doch was dem Aug’ unsichtbar, ward mir klar. So sank ich schauernd vor dir nieder. So lag ich vor dir. Waren’s Tage, Jahre? Ich weiss es nicht. In meinem Herzen war G Nicht meine Seele mehr, die Menschheit lebte In mir, und eine grosse Sehnsucht stieg In meinem Busen auf und wuchs und wuchs / Bis sic das ganze Wcltcuall umspannte ■ Und Millionen Seluisuditskeimc spiossten In meinem Herzen, als ich vor dir lag. Die Sonne tönte dir zum Preis ein Lied, Und Mond und Sterne stimmten jubelnd ein. Und jenes Heilig, dreimal heilig! klang Durch alle Hit״״״cl, tönte in die Weiten, Bis es verk!?ng in der Unendlichkeit. Du sprachst zu mir Von jenem Volk, das du dir auserwählt. Von jenem Stamm, den du aas Skla'venkctten Zu deinen Dienern hast befreit. Doch jetzt erst ganz befreit durch dein Gesetz. In diese Tafeln hast du es gegraben, Die Tafeln, die die Hände miiltlos tragen, Und die das ganze Weltall doch umspannen. Jetzt seh ich dich, 0 Israel, inein Volk. Geht dir ein heilig Schaudern durch die Brust? Fühlst du auf Adlcrfittig dich emporgehoben? Fühlst du, dass dir die Welt zu Füssen liegt? Weh mir wärst du nicht reif für Gottes Gabe! Weh mir, wenn dir, dem freien Volke, noch Der Geist in Sehnsucht nach Mizrajim blickt Weh dir und mir! - Doch nein, das kann nicht sein. Denn als mir Gott auf hohem Bergesgipfel Die ew’gen Tafeln gab, da fleht' ich also; Zeig mir in diesem Augenblick mein Voll«! Und plötzlich stand es da vor meinem Blick r ln heil'ger Glut, wie damals, als Mizrajims Dreifach geschloss'nc Pforten sich geöffnet Und Israel das Joch gesprengt — so drang es Zu Aliron, seinem Priester. TJnd sie rissen Die Ringe ab, der Ketten gold'ne Würde, Und reichten sic ihm hin. — Und dann o Herr, gabst du mir dein Gesetz. r׳~ ־