Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 15-16 (10.4.1903)
- Date
- 1903-04-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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'**1T¥*m t No. 15. -.■׳ ■ך■״—■״. Jüdische lRLundsfolifi.1*. Seit# 141. Danzig. Nachdem Herr Dr. Qronemann am 9. Dez. einen Vortrag Wersclbst gehalten hatte, über den s. Zt berichtet wurde, lud Herr Apotheker Hammer alle Interessenten zum 8. Januar behufs näherer Besprechung ein. Hierzu hatten sich eine grössere Anzahl Herren eingefunden und es wurde eine Ortsgruppe unter der Bezeichnung: Zionistische Vereinigung, Danzig, begründet. Da bisher in unserer Stadt noch gar keine zionistische Agitation getrieben war, galt cs vorerst für Orientierung der Fernstehenden zu sorgen, da Ja bekanntlich der weitaus grösste Teil der Nicht-Zionisten über die Zwecke und Ziele der Bewegung entweder falsch oder ungenügend orientiert ist. Wir veranstalteten deshalb mehrere Vortragsabende, an denen es einige Mitglieder übernommen hatten. Irgend ein Thema׳, das auf den Zionismus Bezug hatte, zu behandeln. Zu diesen Vorträgen erlicsscn wir stets eine grössere Anzahl von Einladungen und wir hatten erfreulicherweise immer eine grosse Beteiligung. Von grösseren Thematcn seien genannt: W. Kowncr; Maxim Gorki und der Zionismus. cand. med. Ziem eis: Physische Regeneration des jüdischen Volkes. H. Wittenberg: Heinrich Heine, ein Nationaljude. E. Nachm an s.ohn: Kritik der Schrift: Dr. Mechanik. Das zionistische Phantom. Ausserdem referierten einzelne Mitglieder über Ereignisse, die hier aus russischen, hebräischen und jüdischdeutschen Zeitungen gesammelt hatten, fcodass wir über alle im zionistischen Lager sich zugetragenen Begebenheiten auf dem Laufenden erhalten wurden. — An jeden Vortrag schloss sich, eine lebhafte Diskussion und wir hatten auch nach fast jeder Sitzung die Freude, einige neue Mitglieder begrussen zu können. Um immer weitere Kreise für den Zionismus zu interessieren, verschickten wir in jüngster Zelt eine grössere Anzahl der neu. erschienenen Broschüre: ״Was will der Zionismus?“ und forderten in einem Begleitschreiben zum Beitritt auf. Mit. dem Resultat unserer Arbeit können wir ganz zufrieden sein, unsere Vereinigung würde aber ohne Zweifel schon grösser sein, wenn wir noch einen öffentlichen Vortrag des weit üher die Qrenzen des zionistischen Lagers hinaus bekannten Herrn Dr. Klee gehabt hätten. Herr Dr. Klee batte auch die dankenswerte Absicht, wurde aber leider durch Unpässlichkeit an der Ausführung gehindert; deshalb müssen wir* uns bis zum nächsten Winter vertrösten. Unsere Ver- Sammlungen finden alle 2ten Donnerstage im Central-Cafö, Langgasse, t. Etage statt und sind uns etwa durchreisende Gcsinnungsgenossen stets gern gesehene Gäste. Hugo Wittenberg. Beutben O.-S. In der hiesigen Gruppe sprach am 31. März Dr., Sandler aus Berlin über ״Jüdische Renaissance.“ Ausgehend von den Ergebnissen der Wissenschaft in der Rassenfrage, betonte 'er die Notwendigkeit des nationalen Gedankens Im Judentum und den Siegcsfcug dieses Oedankens in der letzten Zeit, behandelte dann in glänzender, logisch fein gegliederter Weise den Zionismus als den naturnotwendigen Ausfluss des Nationaiitätsgcdankens vom wirtschaftlichen und kulturellen Standpunkte, wobei er zugleich die ungleich grössere Bedeutung der wirtschaftlichen Fragen für die Gegenwart hervorhob. Er ging vor allem auf das Hauptziel des Zionismus ein, das heute teilweise schon stark entartete jüdische Volk aus seinen ungesunden Lebensverhältnissen auf die kraftspendende Acker• j schölle zu setzen, aus dem Hausierer und Bettler einen Land• mann zu machend der mit dem Boden eng verwachsen, ist und auf dessen starken Schultern das jüdische Volk verjüngt erstehen solle. Nachdem er die praktischen Institutionen bchan• dclt hatte, die dieses Ideal in die Tat umsetzen helfen sollten, ging er. mit zielbewusster Ruhe auf die wiedergekäuten Ein- Wendungen gegen den Zionismus ein, die er alle ebenso leicht als gründlich widerlegte. Von dem absoluten, sozusagen ideellen Zionismus, der dem gesammten jüdischen Volke seine Wiedergeburt in Aussicht stelle, ging er auf den modifizierten.; praktischen Zionismus ein. der, ein Postulat der heutigen | Lebens- und Wirtschaitsverhältnlsse der westeuropäischen Juden, nur für diejenigen, die sich in ihrer Heimat nicht assi- | miiieren wollen oder können, eine ^rechtlich gesicherte Hehn■! Stätte schaffen wolle. Die Juden, die sich in ihrer jetziger! Heimat wohfühltcn, sollten ruhig daselbst bleiben, sie hätten aber die heilige Pflicht, mit ihren ideellen und materiellen Kräften die Bewegung, die der Jndennot für immer ein Ende bereiten wolle, zu fördern. Die Versammlung dankte dem Vortragenden durch anhaltenden Beifall. Der Vorsitzende der Gruppe, Gatte!, eröffnete sodann die Diskussion, in der gegncrischcrseits von Herrn Rabb. Dr. Kopfstein geltend gemacht wurde, der Zionismus schalte das eigentliche Lebcnsmoment des Judentums, die Rcligion, völlig aus. Nachdem seitens des Dr. Sandler, einiger Mitglieder und Gäste diese Behauptung widerlegt und insbe• sondere darauf hingewiesen worden war, dass vom univcrsalistischen Standpunkte der Zionismus und die Religion lediglich als eine der Emanationen der jüdischen Volksseele zu bctrachten sei und dass als das alle Juden umschlingende Baud nur der nationale Gedanke angesehen werden könne, schloss die Versammlung. Dr. L. Das Distriktburcau Strassburg versendet soeben folgenden , Aufruf, indem es zugleich den Empfängern Nordaus ״Zionismus“ ״Vater, Ich möchte dich fragen.“ Erschrocken hält er |nne. . . Freidel vermag sich nicht mehr zu beherrschen. Das Weinen und Schluchzen bricht sich Bahn. Bel Alter! ist auch das Mass voll. Die Schwestern haben schon lange mit ihren Tränen gekämpft. Und plötzlich erfüllt das Wehklagen aller das Gemach. Endlich bricht die Mutter in ein krainphaftes lautes Lachen aus: ״Du musst doch anders fragen, Närrchen.“ Auch Alterl lacht; ״Ich hab’ mich geirrt: ich muss anders fragen.“ Die Schwestern stimmen ein noch lauteres Gelächter an: ״Du musst doch aber ganz anders fragen." Sie lachen alle solange, bis sich ein Hustenanfall Ihrer bemächtigt und sie Ihre Köpfe unter dem Tische bergen. Nur als sie mit dem Lachen äufhörten und sich wieder aufrichteten, bemerkten sie, dass sie alle einander betrogen hatten. Jede von ihnen wollte die .andern täuschen und war getäuscht worden. Ihre roten Augen und feuchten Wangen haben sic verraten. Ende. Die Tafeln. (Aus einem Skizzenzyklus.) Von Lazarus Barth. Und Mose stieg hernieder von dem Berge. Und als sein erdentwöhntes Auge wieder Aus Wolkcnhchn herab die Erde sah, Da hielt er an. — Er neigt* das Haupt und sprach: 0 Herr, ich danke Dir! Du gäbest meiner kleinen Seele Augen, Dich. Unsichtbarer, zu erschau’!!. Und weil Ich diese heil’ge Stund' ertrug, Da ich vernichtet vor dir lag, . Da alle meine Sinn* in dich gedrungen, Du du in mich nur, ich in dich geströmt, ־ Wie dank* ich dafür dir, du Weltenseele! Ich stieg hinan, da hülltest du mich ein . ... In deine Wolken,. Seltsame Gebilde Umgaben mich. •־־... , Das erste gleich der Hand, ... , Die man dem Freund zum Gruss entgegenstreckt. Und eine Stimme rief von oben her: : Wohnt Freundschaft, wohnt die Liebe dir in» Busen? — Und jenes and’re, war cs einst ein Schwert?