Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 15-16 (10.4.1903)
- Date
- 1903-04-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2651289-2651305--00318-2657101- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
' ׳'*•־*»*׳fc -1 -A* *j«v- * »: V* »,v* 1 ׳ -j# .1 Seite 142. Jlld^ohe Himdscliau« No. 15. beschlossen: Am Sonnabend, dem 2. Mai, dem Vor״ abende des Schekeltages, werden sich die Mitglieder teils in einem noch zu bestimmenden Kaffee im Innern der Stadt, teils in einem Gartenlokal oder Ausflugsort zwanglos zusammenfinden. Zur Erleichterung der Schekclzahlung haben sich bereits mehr als dreissig Mitglieder bereit erklärt,, am Schekeltagc selbst in ihren Wohnungen von 9 Uhr vormittags bis 2 Uhr mittags Schekelgeldcr in Empfang zu nehmen. Am Abend wird dann ein Festkommers stattfinden, mit einer Tendenzrede, Vorträgen aus der jungjüdischen Litteratur und allgemeinen Liedern. Das nähere Programm wird noch bekannt gegeben werden. Das Distriktsbureau gibt hiervon den Ortsgruppen und Vertrauensmännern seines Bezirks Nachricht mit dem Anheimgeben, diese Anregungen zu benutzen, so weit dies nach den örtlichen Verhältnissen zulässig ist. Für manche Ortsgruppen dürften sich Ausflüge als die passende Form empfehlen. Sämtliche Schekelgeldersind bisspäte s t c!1 s am 5. Mai abz 111 i c f e r n. Der nationaljüdische Turnverein ״Jung-Juda“ in Frankfurt a. O. veranstaltete am 29. März ein Schauturneu. Der ״Bar Kochba“ (Berlin) liess es sich nicht nehmen, den jungen Bruderverein hierin kräftig zu unterstützen, und entsandte mehrere seiner Turnwarte, sowie über 20 seiner besten Turner, die an den Vorführungen hervorragenden Anteil nahmen. Nach dem eleganten Aufmarsch und einer kräftigen Ansprache des Vorsitzenden des ״Jung-Juda“, Herrn Schüler, folgten Frei- Übungen, Riegentürnen, Kürturnen, zum Schluss •.noch Reckiibungen. Alles ״klappte“ glänzend, besonders eindrucksvoll war die Disziplin der Turner. Am Abend sprach der Vorsitzende des ״Bar Kochba“, Dr. Ernst Tuch, vor zahlreichen Gästen in interessanter und ziindender Rede über die ״Jüdische Turnbewegung“. Daran schloss sich ein sehr fideler Kommers und ein gemütlicher Tanz, bis morgens die Berliner Gäste wieder heimfuhren. — Dem Frankfurter Turnverein wurde eine ganze Anzahl neuer Mitglieder gewonnen, der Berj liner ״Bar Kochba“ aber hat gezeigt, dass er wohl die; Kraft hat, über die Grenzen seiner Stadt hinauszugrei-! kn, und er wird das in Zukunft noch mehr zeigen. I Lübeck, 2. April. .Die hiesige Ortsgruppe hielt am 31. März im Restaurant Slebel ihre erste Hauptversammlung ab, die von 31 Mitgliedern, Damen und Herren, besucht war. Der Vorsitzende, Dr. Julius J0H begrlisste die Erschienenen mit .einer herzlichen Ansprache und erörterte die .zu beratenden Punkte der Tagesordnung, woräiif der Schriftführer S. Nf Margulies den Jahresbericht erstattete. Der Bericht gibt in knappen Umrissen ein genaues Bild von der Tätigkeit und fortschreitenden Entwickelung der Ortsgruppe, die trotz mancher Versuche der Gegner, die iungc Pflanzung nicht emporkommen zu lassen, ein kräftiges Wachstem! bekundet. Dem kleinen Häuflein von 16 Personen, das die Ortsgruppe gründete, schlossen sich, dank der eifrigen Propaganda, die entfaltet wurde, immer mehr Auhänger an, so dass wir jetzt 79 Mitglieder — für eine kleine Gemeinde wie Lübeck eine fürwahr imposante Zahl ״יaufweisen. Nicht unbeträchtlich ist die Zahl unserer weiblichen Mitglieder, die unsere Sache niit Hand und Herz unterstützen; ׳!■ besonders zeigt sich bei der intelligenten Jugend eiii immer regeres Interesse für unsere Bewegung. — Wie aus dem Berichte hervorgeht, fanden im abgeiaufcne.n Jahre 10 Vcrsaminjungen Staff, und wurden'nachstehende Vorträge und Referategehalten, an die sich gewöhnlich eine lebhafte Diskussion anschloss. Es sprachen: Eduard J0H über die Kolonialbank, stud. jur. Leo Landau über die Juden in Rumänien. S. N. Mar gulies über die hebräische Sprache und Litteratur, Lehrer J. Stic bei, Rundschau über die Lage der Juden,- Dr. E. Kalmus über seine Reise nach Paris und Antwerpen, und von auswärtigen, riihmlichst bekannten Rednern Herr Dr.. A. Klee, Berlin über die Wiedergeburt des jüdischen Volkes. Dr. G r 0 n c m a 11 n, Hannover: Der Zionismus und die dcufscheu Juden. Die von einer Kommission ausgearbeiteten Satzungen wurden nach längerer Beratung mit einigen Al)- änderungen genehmigt, und die Zahl der Vorstandsmitglieder von 4 auf 5 erhöht. Es wurden wiedergcwahlt: Dr. Joel zum 1. Vorsitzenden, Dr. Kalmus zum 2. Vorsitzenden, S. N. Margulies zum 1. Schriftührer und neugcwählt M. Scheurenberg zum 2. Schriftführer und Adolf Goldschmidt zum Schatzmeister. Der bisherige Schatzmeister, Herr Gabriel Jane lehnte nach Erstattung des Kassenberichtes eine Wiederwahl ab. — Die Einnahmen ergaben nach Bestreitung . aller Auslagen einen kleinen Uebersclmss. Für den Nationalfond wurden im Laufe des Jahres bei verschiedenen Gelegenheiten SS Mk. gesammelt. — Mit der Anlegung einer Bibliothek befasst sich Herr Rete-. rendar Meyer, und lässt sich ein guter Erfolg erwarten. Ach, die Augen tun mir weh, sie tränen etwas, klagt sie, noch bevor jemand sich zeigt. Es tritt jedoch niemand näher. Es war ihr doch aber vorgekommen, als wenn jemand die Türe geöffnet hätte. Niemand betritt jedoch das Zimmer, und die frühere Stille tritt ein. Ein kalter Schauer schüttelt ihren Körper. Es waren nämlich ihre drei Mädchen gewesen, welche es für nötig erachtet hatten, vor ihrem Eintritte sich ein wenig vor der Haustiire aufzuhalten. Nun, Gott weiss, was sie dort zu tun hatten. Allein das Zimmer betraten sie plaudernd, fast lachend. ״Es ist draussen windig und staubig,״ klagte die eine, ״die Augen tun mir weh." *•,Auch uns sind sic ganz voll Staub geflogen," erzählen die anderen. Bald darauf tritt Alterl, ein zwölfjähriger Knabe, mit seinem dreijährigen Brüderchen ein. ״Gut, Jontow, Mutter,“ schreit er, während er noch die Türklinke in der Hand hat. Es hat den Anschein, als ob er einer Sache Vorbeugen will, oder sich bemüht, etwas zu überschreien. ״Gut Jontow, Kind,“ erwiderte die Mutter, ״gut Jontow, meine Lieblinge.“ Alterl wirft einen scheuen Blick auf das Hassal Beth. Er wagt nicht recht darauf zu schauen. Er weiss ja schon, dass er heute auf jenem Platz sitzen soll. Verlegen geht er um den Tisch herum. Ihm sind alle Ge• brauche des heutigen Abends geläufig von Kaddösch bis Nirzoh. : \ ־; Und doch vermag er es nicht über das Herz zu bringen, sich dorthin zu setzen.‘ ’ Die Schwestern suchen einander durch erheuchelte Lebhaftigkeit zu überbieten, eine übertrifft immer das Geplauder der andern. Das flösst ihm Mut ein. Er begibt sich an den Tisch. Kaddesch beginnt er. Die i Mutter und die Schwestern nehmen ihre Plätze ein. J Älterl macht Kiddusch, und geht mit dem Urchaz, j Karpas und.Jacheiz wie ein Erwachsener um. j Bei ״Magid und Kehalachmah“ fällt Älterl, der! kleine ״Mann” in seine Kindlichkeit zurück. Er beugt j sich zu der Mutter herab und sagt: ״Mutter dürfen wir ■j dich die vier Kasches fragen?" . j ״Nun gut," ruft sie, sich selbst ermutigend, ״frag j nur.ich werde schon antworten.“? י Sie hüstelt . .. ״Ach der böse Husten plagt mich," verteidigt sie sich. Alterl beginnt'zu^ fragen: ■«