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Jüdische Rundschau · 1903-04-10 · Heft 15-16 (10.4.1903) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 15-16 (10.4.1903)
Date
1903-04-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 15 ׳. Jüdische Hundschaii* Seite Hl. ,1 Sehr geehrter Herr Berlin! . Leider verhält sich die bewusste Angelegenheit nach ׳ einer eingehenden Aussprache mit der S. doch ganz anders, * als ich nach der Aussage,- die sic sowohl meinem Jungen . Manne wie mir gemacht, annehmen musste, und ich bedauere : von ganzem Herzen. Sie mit einer Angelegenheit behelligt zu |1abe:1. die uns beiden Verdruss bereitet. . Freundlichst griissend hochachtend Berlin, 5. 4. 03. gez. Joel Mayer. Im Vollbewusstsein meiner Verantwortung habe ich am Freitag und dann nochmals am Sonnabend Herrn Joel Mayer befragt und die wiederholte nachdrückliche Versicherung erhalten, dass seine mir gemachten Mitteilungen unbedingt zuverlässig seien. In dieser Annahme musste' ich durch die Erklärung des Herrn Mayer bestärkt werden, dass er bereits vor mehreren W׳ dem Herrn Sanitätsrat Dr. Wiesenthal von dem Vorkommnis Kenntnis gegeben, dass dieser ihm erwidert hat:1א תגערו אש בכל כשגתיגס בעם השגת*und dass daraufhin Rctncdur geschaffen worden sei, ferner dass er (Herr Mayer) auch dem Herrn Vorsitzenden des Oerncindevorstandes von dem Vorfälle Mitteilung gemacht habe. Zudem hat ja auch Herr Moritz Manheimer die Tatsache selbst in der vorletzten Sitzung merkwürdigerweise zugegeben. Hätte er sofort widersprochen• so würden auch die nachioigenden Redner ihre ,'״״*mentierung unterlassen haben. Endlich war mir von berufener Seite herichtet worden, dass die Angelegenheit im Kreise des Gemeindevorstandes erörtert worden ist. Somit kann ich der beruhtgcuden Gewissheit sein, dass ich es an der erforderlichen Vorsicht nicht habe fehlen lassen, sondern optima 1'ide gehandelt habe. Zu meinem aufrichtigen Bedauern erkenne ich jetzt, dass ich das Opfer einer Täuschung geworden bin. und dass somit alle von mir an das angebliche Geschehnis geknüpften Schlussfolgerungen hinfällig sind. Wenngleich ich mich von dem Vorwurfe •leichtfertigen' Vorgehens freifühle, glaube ich dennoch, die Konsequenzen ziehen und auf mein Amt als Rcpräsentant verzichten zu müssen. Indem ich Sie bitte, dem Köllegimn von dieser meiner Resignation Kenntnis zu geben, verharre ich etc.“ Es ist auf das Tiefste zu bedauern, dass Herr Berlin diese. Konsequenz zieht,' die besser in diesem Falle auf liberaler Seite zu ziehen gewesen wäre. Freilich können wir cs ihm nachfühlen, dass er von seinem Gewährsmann in Stich gelassen, nicht anders handelte. Dadurch wird aber nichts aufgeklärt. Jedenfalls stellen wir deshalb fest, dass der Versuch, dass Fräulein Silberstein in besagter Weise zu zwingen, gemacht worden ist. Herr Manheimer hat voll Entrüstung in der Vcrärztlichen Untersuchung bei der Aufnahme, der ein so schweres Leiden verheimlicht werden, konnte,־ das einen täglichen neuen Verband erfordert? Nun, wir wünschen gewiss d|en ohnehin schwer zu erreichenden Eintritt unbemittelter alter Personen nicht noch erschwert zu sehen, da wir wohl wissen, dass sehr viel Protektion nötig ist, um aufgenommen zu werden, und dass die am wenigsten hlneinkommen können, die es am nötigsten hätten, aber hat denn derselbe Dr. Wiesenthal, auf den sich der Vorstand beruft, nicht von früher her zur Genüge das Leiden des Frl. Silberstein gekannt? — Verwunderlich ist auch die Tatsache, dass die Hospitaiiten sich selbst den Ofen heizen müssen, t- und jedenfalls müssen sie ja alle doch auch am Sabbat das Zimmer heizen! Wir haben gewiss nichts gegen volle Gewissensfreiheit, und wünschen, dass jedem über lassen sei, in seinem Zimmer zu tun, was er für recht und billig hält, aber das ist etwas ganz anderes als in einem Institut der jüdischen Gemeinde am Sabbat Hausarbeit von den Insassen zu verlangen. Dafür Hilfskräfte einzustellen, müssen die Mittel vorhanden sein. Herrn Manheimer wird aber folgende Oeschichte interessieren: ״Erstens habe ich mir überhaupt keinen Topf geborgt, zweitens hatte er schon , einen Sprung, als ich ihn bekam, und drittens habe ich ihn ganz abgegeben.“ Aus der Bewegung. Sammlung ausgerufen: Es war gar kein altes Mütterchen, die Köchin des Herrn Joel Mayer war cs. Ist eine Köchin minder wertig? War sie ferner so fung, dass sic nicht in die Alters- Versorgung gehörte, wie kam sie dann hinein? War sie alt. worüber klagt Herr Manheimer? Und wie steht cs mit der Zionistische Vereinigung für1 Dculschfand. Das Zentralkomitee teilt hierdurch den Ortsgruppen und Vertrauensmannern mit. dass der Schekeltng der Deutschen Zionisten in diesem Jahr auf Somuag, den 3. Mai festgesetzt worden ist. Die Inhaber der Schekclbucher werden aufgefordert, zu diesem Tage die Schekelgelder einzuziehen und die Schekelbücher samt den Beträgen an ihr Distriktsburean abzuführen. Das Zentralkomitee erwartet, dass die Ortsgruppen den Schckcltag feierlieh begehen und durch geeignete Veranstaltungen alle Parteigenossen zur Zahlung des Schekels veranlassen werden. Distriktsbureau Berlin. In Ausführung der Be- Schlüsse des Zentralkomitees über die Feier des Schekeltages hat die Berliner Zionistische Vereinigung folgendes Na, na, sucht sic ihn zu beschwichtigen. Es fällt ihr nicht schwer, die vier Fragen zu stellen, denn als Kind war sic gewöhnt, den Vater die vier Kasches zu fragen, bis sich diese Pflicht auf ihren heranwachsenden, jüngeren Bruder übertrug. Sie beherrschte sie noch von damals vollkommen auswendig. Er hat sie auf sein Knie gehoben. Sic gewährte damals tatsächlich den Anblick eines Kindes. Und sic begann: * ״Vater, ich möchte dich fragen.“ Er brach in Lachen aus, und sie stimmte fröhlich ein: ״Vater, ich möchte dich fragen.“ Sie wollte nochmals beginnen, aber es entspann sich ein kleines Wortgefecht zwischen ihnen. Sie wollte sagen: ״Mein •Mann, ich möchte dich fragen “ und ihm genügte das nicht.' Was heisst das nur, ״mein Mann“. Wenigstens etwas Zärtliches, wie etwa ״mein Teurer“, ״mein Lieber“. Aber wie kann ich denn alles, was ich für dich empfinde, aussprechen!“ Und plötzlich, Gott, was ficht ihn an, legte er seinen Arm um sie, ohne sich selbst vor dem Lichte zu schämen. Und in ihr stieg der Gedanke auf, dass man sich doch : nicht zu schämen braucht, denn das Licht leuchtet ia j nur jenem, .und .nicht, sich selbst. Und!.vor ,Gott?.Nun,.! der allgütige Gott kann doch nimmer böse sein, wenn Mann und Weib einander lieb haben. In einem glücklichen Augenblick ist es damals über mich gekommen, und habe ich vom Allbarmherzigen erfleht, dass es uns vergönnt sein möge, jedes Pessachfest so fröhlich zu verleben. Dieser Wunsch ist uns erfüllt worden; denn im letzten Jahre ging cs bei uns zu, wie im ersten Jahre nach •unserer Hochzeit. Ich scheine damals den Verstand verloren zu haben. Warum habe ich nicht lieber ein langes Leben für ihn erfleht? ׳ Erst vergangenes Jahr — . . . ach, du meine Zeit . . Sie vermag sich nicht zurückzuhalten und bricht in Tränen aus. Tränen auf Tränen entströmen ihren Augen. Rings um sie herrscht Totenstille. Mitleidsvoll scheint alles sie anzublicken. Nur halberstickte Seufzer, das Stöhnen und angstvolle Ringen einer verzweifelten, in einen Winkel verstossenen Seele, welches abzielt, immer weniger Platz im Leben einzunehmen, •sind vernehmbar. Jenseits der Türe sind Schritte zu hören. Schnell ergreift sie einen Schürzenzipfel, .um ihre Tränen zu trocknen. ,Sie will ihre Kinder nichts merken lassen, und ihnen nicht die Festesfreude vergällen. דז.'1

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