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Jüdische Rundschau · 1903-04-10 · Heft 15-16 (10.4.1903) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 15-16 (10.4.1903)
Date
1903-04-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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No. 15. Seite 140. JiidiRolie Rundschau. trennt betrachten müssen, wollen jedoch einiges allgemeine vorausschicken. Palästina kennt nicht vier, sondern wie die tropische!• Lände! nur zwei Jahreszeiten, Sommer und Winter. Für Früh• Img ur.d Herbst hat die Bibel keine eigenen Namen. Aber auch Sommer und Winter bedeuten etwas anderes als bei uns. Für unsere Breiten ist der Sommer die Zeit der Platzregen und der Gewitter, der-Winter die Zeit des Schnees und Eises; i!1 Palüstina unterscheidet man nur regenlose, heisse Zeit (Sommer) und nasse, aber doch relativ warme Zeit (Winter). Schnee ist ein ziemlich unbekannter Begriff; er fällt wohl nachts zuweilen im Bcrgland in dünner Lage, aber er bleibt nie liegen, und so sind die weissen Spitzen des Hcrtnon ־־־ der ewigen Schnee hat — den Kindern ein erstaunlicher und unbegreiflicher Anblick. Von Mai bis Oktober gehört Regen zu den grössten Seltenhüten. Ende Oktober beginnt mit kurzem Uebcrgang (Frühregen) die Regenzeit. Da in der Zwischenzeit kein Wölkchen an! klaren blauen Himmel steht, so lechzt altes nach dem ersten Regen, sein Ausbleiben ist ein unübersehbares Unglück, sein Eintreffen eine Erlösung. Es ist kein Zufall, dass an dieser Wende des Jahres ein Freudenfest liegt, und noch in der Zer- Streuung beten die Juden, zähe am Brauche ihres Landes ha!- tend, alljährlich an diesem Feste um den Winterregen. Die erste Feuchtigkeit hat den Boden soweit aufgelockert, dass man mit dem Pflügen und Einlegen der Saat beginnen kann. Vom Dezember bis zum Februar gehen die Dauerregen des Winters nieder. Nach kurzer Pause kommen dann im März und April die letzten Regenschauer; der Spätregen, von un• schätzbarem Werte für die Körncrrcitc, wieder begriisst durch ein Freudenfest. Nach ihm beginnt wieder der regenlose Sommer. r- Von hohem Interesse sind jEc Temperaturverhältnisse des Landes, die der Laie gar zu leicht für das ״Klima‘* im ganzen setzt. Die Temperatur ist natürlich nicht einfach von da Jahreszeit abhängig, sondern sehr stark von der Bodcngc• staUung und den Winden beeinflusst. Hier sind die drei Laib d.cstcile streng geschieden. Im Bergland, als Beispiel sei Jerusalem gewählt, haben wir ein Klima ähnlich wie bei uns hier; ein Binncnlandsklima. Berlin hat im Jahresdurchschnitt eine Temperatur von 9,8°. Jciusalcm von 17,2°. Die Differenz ist noch erheblicher, wen:! man bedenkt, dass Jerusalem 800 m über dem Meeresspiegel liegt. Der Unterschied rührt vor allem von dem Fehlen der tiefen Wintertemperaturen her, da auch die ״Winter"monatc noch eine Durchschnitts-Temperatur von 8—9״ C. zeigen. Der Sommer dagegen ist nicht übermässig heiss, der Durchschnitt von Mai bis Oktober ist etwa 22°. Die höchsten Temperaturen pflegt der August zu zeigen (36״), die tiefsten der Februar i (+ 1°). Den tiefsten bisher beobachteten Stand —* aber noch recht erträglich — zeigte in Jerusalem das Thermometer im Jahre 1864 mit —4״ C., den höchsten 1884 mit +44,4° C. Aber nicht die Extreme, sondern der Durchschnitt ist das Wescnt- I liehe; er entspricht etwa der Temperatur Siziliens, | (Ein zweiter Artikel folgt.) i _! Kein altes Mütterchen. | Der Fall, der in Nummer 14 unseres Blattes unter der Auf-! sciirift: ״Ist der Mann noch im Amt?“ besprochen wurde, hat 1 auch in dieser Woche, wie aus unserm Bericht über die Rcpräj sentantenversammlung zu ersehen ist, zu einer erregteren Bc- < sprechung des Falles in der Versammlung unserer Gemeindeboten geführt. Wir bemerken ausdrücklich, dass wir unsern Artikel in voriger Nummer nicht auf die Gewähr des Herrn | Berlin hin geschrieben haben, so sehr wir die Wahrheitsliebe | dieses Mannes anerkennen müssen. Durch die nicht j abzulcugncnde Aeusserung des Herrn Manh c i m e r, der ausdrücklich erklärte, dass Rcmcdur eingetreten sei, sobald der Vorstand Kenntnis erhalten habe, und durch die Bestimmung, die er im gleichen Sinne seitens des Vorstandes aus dem Munde des Herrn Jacobi erhielt, sind wir ausschliesslich veranlasst worden, die Tatsache in der angegebenen Form für richtig anzunchnicn und unsern Artikel zu schreiben. So lange daher nicht die genannten | Herren erklären, dass ihre Aeusscrungen in der vergangeinen Sitzung falsch waren, können wir unsern Artikel nicht 1 zuiücknehtnen. Man zwingt uns anzunchmcn, dass mehr an , der Sache ist, als cingcstanden wird. Inzwischen hören wir. | dass der Inspektor freilich unschuldig sein soll. Dagegen ■ wird uns der Name einer Ehrendamc genannt, von der die Vcr- J fflgung ausgeht. Die beteiligten Personen werden nicht schwel- 1 gen dürfen.! Soeben geht uns ein Schreiben zu, das Herr Berlin an den j Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung gerichtet hat: | Berlin, 6. April, j An den Herrn Vorsitzenden der Repräsentantenversanunluug.; hicrsclbst. j In Bezug auf die gestrige Erörterung in der Repräsentan- ten-Versammliing über ein angebliches Vorkommnis in der; dritten Altcrvi rsorgungsanstalt geht mir von meinem Gcwährs-! mann, Herrn Joel Mayer, Königin Augustastrasse 24, nach- 1 stehendes Schreiben zu: Ueberall still.licht.nur. Ein bleiernes Gefühl lastet auf ihrem Herzen und teilt sich den übrigen Gliedmassen mit. Sie vermag nicht zu vergessen.Es ist der erste Pcssach! Es liegt nicht in ihrer Natur, zu vergessen. Sie hat noch nicht einmal jenes ersten Passahfestes vergessen, seit welchem bereits fünfzehn Jahre verstrichen sind.; Ach was! Jahre. ' . Ihr scheint es erst gestern gewesen zu sein. Zehnmal hat sie das Hassab-Beth*) hingestellt und zehnmal hat sie es wieder weggenommen. Es schien Ihr noch immer kein ihres David würdiger Sitz zu sein. Beim elften Mal kam ihr der glückliche Einfall, an das Kopfende das Kissen zu legen, auf welchem sie sass, als man sic zur Chuppah besang. Da endlich sagte ihr das Hassab-Beth voll und ganz zu. Die Stunden schienen sich ihr bis ins Endlose zu dehnen. ״Die Männer sind wohl in der Synagoge verforen.gegangen,“ murmelt sie mit erheucheltem Aerger. Es litt sie nicht mehr in dem engen Stübchen. Sie *) Lehnsessel des Hausherrn am Sederabend. eilte ein wenig au! die Strasse, wo sie nur Aug’ und Ohr’ für die Schul’ zu haben schien, bis sie sich endlich den verdricsslichen Ruf entfahren liess: ״Sie kommen noch immer nicht.“ Endlich war ihrem Warten ein Ziel gesetzt. Inmitten aller andern Juden hat sie ״ihn“ entdeckt, und eng an einander geschmiegt eilten sie heimwärts. Auch damals hatte der Himmel ein so trauriges Gesicht gezeigt, so dass sie beide um so inniger das Bcdürfnis empfunden hatten, ihr trauliches Heim zu errbichen. Und darnach, ach du meine Zeit. . Darnach fing eine Geschichte mit den vier ״Kasches“ an. Er hatte den launigen Einfall, dass sie ihn die vier Kasches fragen sollte. Sie erfüllte mit ihrem kindlichen Gelächter das ganze Zimmer und er fiel belustigt ein. Doch sagte er endlich mit komisch-feierlichem Ernst: ״Das Gesetz bestimmt also: ״Wenn keine; Kinder vorhanden sind, dann muss die Frau die vier Kasches fragen," ach ja! damals! Wenn der Allgütige, uns segnen wird, dann wird schon iemand anders die vier Kasches fragen. Sie errötet und fühlt ihr Herz erbeben. . •״י'׳?*« יי**;«׳, ff, ,,י״•«׳*‘■

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