Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1903)
- Date
- 1903-04-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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I '"־ * י•*- *# fr- *•‘.י••־ * * ■i.:i;,w*1y111M ■ו*««(*« ו W־. נ ./ ־ ־ ‘* StnJe 126. Jlldisdie Hundscliau. No. 14. die so der Angelegenheit seitens der deutschen Regierung zuteil geworden ist. Wir können unmöglich dem Hilfsvercin Deutscher Juden einen Vorwurf daraus machen, dass 'er einen Misserfolg zu verzeichnen hat, können ihm unmöglich in tadelndem Sinne es anrechnen, dass die nicht unter seiner verantwortlichen Redaktion an den Reichskanzler gerichtete Anfrage der Abgeordneten Bernstein und Schräder unbeantwortet geblieben ist, denn ״in bonis voluisse sat est“ oder, wie es in der schönen Sprache unseres Volkes heisst :ה^דושכ׳ה מצרה כהשבת טובה למעשה Aber wir müssen uns dagegen wenden, dass infolge der durch hunderte von Zeitungen verbreiteten Nachricht der Anschein erweckt würde, als ob man beim Deutsehen Reichskanzler irgend etwas zu Gunsten der in brutalster Weise unterdrückten rumänischen Juden erreicht habe. Kanzler und Regierung haben sich ausgeschwiegen. Das i s t i h r c Antwort. Wir haben keine Veranlassung, vom Deutschen Reiche auch nur das Geringste für die rumänischen Juden zu erhoffen. Heinrich Sach sc. Wie sie die Judenfrage lösen. Von Dr. Sandler. Wer an den gewaltigen Kulturarbeiten mitschaffen will, die zahllose Geschlechter leisten müssen, um ein Problem der Wirtschaftslehre, der Politik, der Geistes- und Naturwissenschaften seiner Lösung näher zu bringen, wird nur dann einen Erfolg seiner Arbeit sehen und Befriedigung in sich selbst finden, wenn er sich nicht weitschweifigen und zwecklosen Grübeleien überlässt, wenn er sich nicht mit den tausend Schwierigkeiten des Augenblicks herumschlägt, sondern wenn er zuvörderst den grossen Gesichtspunkt zu gewinnen strebt, unter dem ihm dann die geringfügigste Kleinarbeit als lohnend und nützlich erscheint. Prinzipienreiterei und Eklektizismus, grüblerische Verträumtheit und unüberlegtes Draufloswirtschaften — das sind die sichersten Methoden, sein Ziel zu verfehlen. Der Politiker betrachtet die Einzelfragen, die an ihn hcrantreten, vom Stand- Punkt des von seiner politischen Weltanschauung diktierten Programms, der Volkswirtschaftler nach dem von ihm zu Recht erkannten System. Der Volkswirtschaftlcr, der sich mit dem Studium der komplizierten Einzeivorgänge beschäftigen wollte, würde eine Fülle von unzusanimenhängendem, unübersichtlichem Material anhäufen, aus dem er nichts anderes herausiesen könnte, ais was er von Anfang an herausgcfühlt hat; sein St re ben war eitel Mühe. Unter dem Gesichtswinkel der grossen Ideen, des Entwickelungsgesetzes, der Zellentlticoric, der Lehre von der Erhaltung der Kraft, wird dagegen die geringste Erkenntnis zu einem gewaltigen Schritte vorwärts, und das analytische Studium eines kleinsten Teilchens lebender Materie hebt ihn mit bcfreienden Schwingen der fernen, unerreichbaren Sonne entgegen. Das sind nicht die kurzlebigen Funke״, die verglimmenden Spälmchcn mehr, von denen Ereytag spricht, das sind die kleinen Reiser zum.grossen Brande der Wissenschaft. Der Grübler und der eifrige Kleinkrämer — sie mühen sich und mühen sich, und kommen beide nicht um einen Schritt vorwärts. Dem Philister fehlt der grosse befreiende Gedanke zur Verwertung seiner Kleinarbeit, dem ״Philosophen“ fehlt das durch. Kleinarbeit gesammelte Material zur Gewinnung des grossen Gedankens. Aus den Resultaten zahlloser, mit klarem, nüchternem Verstände angestcliter Beobachtungen und Untersuchungen ist die Entwickclungsidee geboren worden. Wenn der ״geniale Philosoph“ die Probleme nicht hier an ihren feinsten Ausläufern fasst, sondern ihnen da entgegentritt, wo sie am finstersten und grimmigsten und unnahbarsten erscheinen, wenn der Grübler das Lied von den riieroglyphcmniitzen in die Weilen!nurmelt — ״ein Narr wartet auf Antwort“. Hier ist die Kehrseite jenes in Scliuiauisätzen und Littcraturvorträgen zu Tode gehetzten ״faustischen Strebens“, jener Art, wie man die Probleme anzufassen pflegte, als die Nation, wie Scherer sagt, noch übergeistig war. Daun aber kamen die Jungen, und einer von denen, die das ganze Material von tausend Einzelarbeiten mit weit überschauendem Blicke zu jenen grossen Sätzen zusammenzufassen suchten, unter denen die kleinliche Tagesarbeit plötzlich fruchtbringend erscheint, Du Bois-Reymond, fasste diesen Gegensatz zwischen den Alten und den Jungen in die drastischen Worte: ״Statt sich in Auerbachs Keller herumzutreiben und Gretchen zu verführen und verträumte Reden in; den Mond zu deklamieren, hätte Faust fürs Erste die! Magdeburger Halbkugeln oder die Luftpumpe erfinden; sollen.“ So etwa heisst es dem Sinne nach in seiner Rede ״Goethe und kein Ende“. -"־־ *■•-». -;.-•י■ ■.tl■'.'™. Feuilleton. & j*»*t*i 4 ־ ־« *4׳■ Kulturelle Streifzüge im Jüdischen Grient. .1 . ' . .׳ ׳; Von Berlin nach Stambul. Es ist keine dankbare Aufgabe, eine Reise nach dem Heiligen Lande zu beschreiben. Wer nur einmal im Gefolge einer Reiseagentur auf acht Tage nach Palästina hineingerochen hat, hält es für seine Pflicht, seine Reise ״zu beschreiben“ und sein Urteil über Land und Leute vernehmen zu lassen. Das ist der Grund, warum ich in der Schilderung• meiner letzten Reise zum Heiligen Lande gern von der gewöhnlichen Weise der Reisenden abweiche. Ich hoffe trotzdem, dass der eine oder der andere meinen kulturellen Streifzügen in und durch den jüdischen Orient nicht ganz ungern folgen wird; — führe ich ihn doch zu unsern Brüdern und zu den Stätten, wo unser Stamm geboren und zu einem Voike erwachsen ist. Er wird mich gern im Zuge und auf dem Schifte, zu Ross und zu Esel begleiten und hören, wie ich unser Land und unsere Brüder getroften habe. Die glühende Sehnsucht, die uns treibt, das Heilige Land zu schauen, lässt uns auf dem Wege Betrachtungen anstellen, die uns sonst ferngelegen hätten. Unwillkürlieh fühlen wir uns veranlasst, Vergleiche anzustellen, die nicht immer zu Gunsten der Gegenwart ausfallen. Wir durchqueren mit der Bahn Länder, wo der Judenstamm in grosser Zahl lebt, und wo ihm vom Gesetze die Gleichberechtigung mit seinen Umwohnern gewährleistet ist Darum ist er aber doch nicht frei! Wir finden in Wien ein Volk, das kaum dem Ghetto entwachsen, 1 i י 1 i 1 I .» % «י**" , * ,■ -M *■*. *iff* *־*•"«* * ^ttp ■1/ f A i*