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Jüdische Rundschau · 1903-03-27 · Heft 13 (27.3.1903) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 13 (27.3.1903)
Date
1903-03-27
Page
– (sequence 15)
Language
German
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ן *tu* * . יי*י*י§3*£ ■ ' .!-. ..... •flo. 13. Schriftführer, Frau Dr. Frankl, steflv. Schriftführerin, Herrn Stadtverordneten H. WUkawski, Schatzmeister, Herrn Julius Oliven, stellv. Schatzmeister, Herrn Rechtsanwalt Dr. Arthur Oerson, Frau Herminc Rathenau, Herrn Geh. Mediz.-Rat Prof. Dr. Senator, Herrn Sanitätsrat Dr. Julius Stern und Frau Mathilde Weigert geb. Meyer. Der Verein kann auf eine ausserordentliche erfolgreiche Wirksamkeit zuruckblickcn und verfügt# z. Z. über 42 Schwestern und 15 Schülerinnen, welche teils in Kranken- Anstalten tätig sind, andcrnteils Privatpflcgc ausüben. Besonders erfreulich ist die grosse Zahl de! Meldungen von Schülerinnen, wodurch die vakanten Stellen auf Monate bereits vorgemerkt sind. Anmeldungen nimmt der Vorstand und die Oberin F r I. Rose Blau. A u g u s t s t r. J7, entgegen, woselbst auch Jede Auskunit gern erteilt wird. Eine Audienz beim Reichskanzler in Sachen der rumänlschen Juden hatten vor einiger Zeit die Vorstandsmitglieder des Hilfsvereins deutscher Juden, Dr. Paul Nathan und James x ‘ Simon. Sie schilderten dein Kanzler die traurige Lage der rumänischen Juden und die sich daraus ergebende Rück- Wirkung auf Deutschland. Lieber die Entgegnung des Grafen Biilow und (len Erfolg der Audienz spricht sich der Bericht wie folgt aus: ״Wir haben alle Veranlassung, dem Hcrri: Reichskanzler für sein Entgegenkommen dankbar zu sein.*‘ — Was haben sie erreicht??— I Unter der Überschrift ״Arischer Edelmut“ wird uns aus unser!!! Leserkreise iolgende merkwürdige Geschichte aus dem .,Neuen Wiener Tagblatt“ eingesandt: Ein Wiener Fabrikant - - der Na!nc sei aus begreiflicher Diskretion nicht genannt hatte vor einigen Jahren eine reizende Künstlerin geheiratet und jebte mit ihr in glücklichster, von zwei Kindern gesegneter Ehe. Die junge Frau fühlte sich allerdings von ihrem Gatten, der sich seinen Berufspfücliten mit strengem Eiter hingab, etwas vernachlässigt, und so kam cs, dass sie sich, als sic einen Kurort aufsuchte und sich dort recht einsam fühlte, von einen! jungen Oii;zier den Hoi machet! Hess. Man sah sie mit dem Oifizier wiederholt in den Parkanlagen zusammentreifen und an seiner Seite promenieren. — Lines Tages erscheint in dem Komtor des Fabrikanten ein diesem unbekannter Herr mit• dem Ersuchen um eine vertrauliche Unterredung. Nach einigen Höflichkcitsplirasen sagte der Fremde: ״Mein Herr, Ihre Frau betrügt sie!“ — Der Fabrikant fahrt zurück: ״Nein, das glaube ich nicht. Wie kommen Sie dazu, mir dies zu sagen?“ — Fremder: *Ich habe Beweise dafür!“ — Fabrikant: ״Welches Interesse haben Sic, mir dieses zu beweisen?“ — Fremder: ״Was werden* Sic tun, wenn ich Ihnen Beweise biete?“ —־ Fabrikant: ״Wenn es wahr ist, lasse ich mich augenblicklich scheiden!“ — Fremder: ״Das können Sie nur, wenn Sic Beweise haben! Und mein Interesse ist, offen gesagt, ein ganz prosaisches. Für tausend Kronen schaffe ich Ihnen den Beweis.“ — Fabrikant: ״Auf tausend Kronen kommt cs mir nicht an. Ich will nur wissen, ob cs wahr ist!“ — Freinder: ״Es ist wahr. Wenn Sic die tausend Kronen bei einem Advokaten deponieren, wird derjenige, mit dem Ihre Frau Sie betrogen hat, als Zeuge auitreten!“ Der Fabrikant wurde * nun von dem Fremden mit dem jungen Offizier bekannt gemacht, der ihm die Andeutungen seines •Vermittlers bestätigte. Die tausend Kronen wurden in einer hiesigen Advokaturskanzlei hloterlegt und eine Erklärung aufgenommen, dass dieser Betrag nach abgegebener Zeugenaussage vor Gericht in das Eigentum des Offiziers übergehe, ferner, dass gegen diesen keine Klage wegen Ehebruches erhoben werde. — Der Fabrikant klagte nun gegen seine Frau auf Scheidung aus deren Verschulden. Es kam zur Verhandlung vor dein Zivillandesgcrichte und als Kronzeuge erschien der Offizier, der genau Ort und Stunde seiner zärtlichen Zusammenkünfte mit der Beklagten und Personen nannte, die dies bestätigen können. Der Anwalt der Frau brachte zur Sprache, dass der Offizier sich einen Lohn für den dem Kläger geleisteten Dienst bedungen habe, und der Zeuge bestritt dies nicht. — Der Gerichtshof erkannte nach der Sachlage auf Scheidung der Ehe aus dem Verschulacn der Frau. Doch war die Indignation der Mitglieder des Senats über die merkwürdige Rolle, die der Offizier in diesem Prozesse gespielt batte, so gross, dass der Gerichtshof bcschloss, den Akt den Militärbehörden •abzutreten. Die Folge war, dass ein ehrenrätliclies Verfahren cingeleifet und der Offizier Infam kassiert wurde. — Mittlerweile waren aber den! Fabrikanten Skrupel aufgestiegen; er willigte ln eine von den Angehörigen der Frau herbeigeführte Zusammenkunft mit ihr, und als sie ihn! nun offen und unter Tränen — alles erzählte und beteuerte, es habe nichts als ein ״Flirt" stattgefunden, der Offizier habe aus Rache, weil sic ihn nicht erhörte und vielleicht, weil er — Geld brauchte, sic verleumdet, erfolgte eine Versöhnung. Mann und Frau erschienen bei dem Vorsitzenden des Senats, der Ihre Ehe geschieden hatte; da aber das Urteil nicht aufgehoben werden konnte,, jedoch auch noch *§oifi 123. nicht in Rechtskraft erwachsen war, kam ein gerichtlicher Vergleich zu stände, wonach der Kläger auf die Rechtsfolge!! des Urteils Verzicht leistete. Dies ist elfter Inhibierung der Scheidung gleichzuachten, die auch tatsächlich nicht erfolgte. Das versöhnte Paar Ist wieder Mann und Frau — der Zeuge aber-״Gott, wie . . . arisch!“ — Schade, werden manche. der ״Edelklassc angchörigc Edclmcnschcn“ seufzen, dass der Offizier kein Jud’ war. Die Freunde der Wahrheit in der Staatsbürgerzeituug werden sich leichter zu helfen wissen: sic werden nicht anstehen, den Offizier zum Judcnturii zu bckehren. Sie machen eben für das Judentum Prosclyten. Eine Tatarennachricht entnimmt die ״Tägliche Rundschau“ der Warschauer Aütisemitenzcitung ״Warschawski Dncwnik“: Die zionistische Bewegung in Russisch-Polen hat — wie schon der letzte Kongress bewies — bereits einen Umfang angenommen, der den Heiligen Svnod vcranlasstc, Gegenmassregeln in Erwägung zu ziehen. Von der Regsamkeit der zi >- nistischen Propaganda spricht deutlich das folgende Beispiel: Ein'Warschauer und ein Odessacr jüdischer Kapitalist haben je 10 00G Rubel und 70 jüdische Arbeiter je lüu Rubel zusanunengeworfui!• um in Odessa eine Papyrosfabrik unter dem Namen ״Zion" zu gründen. Nach dem ״Warschawsl.i Dncwnik" sollen 5■ v. 11. der Einnahmen der Fabrik der zi;>-!!!stischen Bewegung zugute kommen. Natürlich ist der ganzen Geschichte nicht eher Glauben be׳zumcsset1, als bis sie aus einwandfreierer Quelle kommt. In zionistischen Kreisen ist absolut nichts von der Zigarettenfabrik bekannt. Der Gewährsmann der ״Täglichen Rundschau" hat obcncin noch die polnischen (russischen) Zigaretten in ,.Papyros" verwandelt. Dass niciit nur die Regierung die Juden bedrückt, sondern dass der Judenhass tief Im russischen Volke steckt zci״t wie* der einmal eine merkwürdige Verhandlung in der Stadt- Verwaltung von Kursk, über die die ״Petersburger Zeitung“ berichtet: Mehrere Stadtverordnete hatten den Antrag auf Begründung einer Börse gestellt, wobei darauf hingewiesen wurde, dass gegenwärtig die Geschäfte in den Kneipen oder auf der Strasse ahgewickclt werden, wobei zudem weder die Käufer noch die Verkäufer die Möglichkeit haben, sich über die Marktpreise zu orientieren. Das Stadtamt befiirwortcte. das Projekt; nur ein Mitglied des Stadtamts, der Kauimann Ssapunow, beantragte den Pimkt des Projekts zu ändern, durch welchen Personen aller Glaubensbekenntnisse der Besuch der Bör.se gestattet wird. Hierbei betonte Ssarjunow, dass Juden unter allen Umständen der Besuch der Börse ■zu verbieten sei. Hiergegen protestierte ein Stadtverordneter und erklärte, dass eine Börse ohne Juden undenkbar sei. Ein anderer Stadtverordneter erinnerte daran, dass, nachdem der Gouverneur den Juden den Besuch des Jahrmarktes verboten hatte, der Jahrmarkt mit seinen vordem so grossen Umsätzen bald vollständig cingegangcn sei. Hieraus zog der Redner den Schluss, dass Juden zur Börse zngelasscn werden müssten, weil sie in Handelsgeschäftcn erfahren und geeignet wären, Leben in die Börse zu bringen! — durch die Nichtzulassung der Juden könne die Börse nur verlieren. Das Stadthaupt legte nun das Proiekt zur Abstimmung vor; von 37 anwesenden Stadtverordneten spraeben sich nur zwei für das Projekt aus, 35 Stadtverordnete stimmten gegen das Projekt, weil sie gegen die Juden waren. Riga Im Anslediungsrayon der Juden betitelt sich eine nicht gekennzeichnete Korrespondenz der ,,Nowoje Wremja". Dieser gehässige Artikel erhält erst die richtige Beleuchtung, wenn man folgende Mitteilungen des ״Vorwärts" dagegen hält: ״Man schreibt uns aus Riga, 8. Mär;:. In keiner Stadt in Russland werden in letzter Zeit so oft Haussuchungcn!11 der Nacht abgehalten (oblawy genannt) wie־ in Riga. Und zwar sucht die Polizei nicht nur nach verbotenen Schriften und Menschen mit verbotenen Ideen (im gelobten Auslände ״Sozialdemokraten“ genannt), sondern auch nach solchen Menschen, die vielleicht gar •keine Idee von Ideen haben, die aber nicht das ״Aufcnthaltsrccht“ in Riga besitzen, weil sie — Juden sind. Nun muss ich aber zur Rechtfertigung unserer Polizcibcamten gleich bemerken, dass sie durchaus nichts Gcmcinschaftlichcs mit der Judcnfrasserci eines Pücklcr haben, vielmehr tun sie ihre ״Pilicht" aus ganz andern Gründen. Die Ursache ihres Eifers liegt, wie immer und überall, in dem bckannten chcrchez , . . Ic rouble. Im Gegensatz zu ihren Kollegen in Moskau und Petersburg die anreisende Juden sehr oft auf den Bahnhöfen bei Ankunft des Zuges verhaften lassen und sie sofort zuriicktränsporticrc״). — sehen die Rigaschcn Polizeibeamten einen Juden sehr gern ankommen . . ., sie wollen nur ihre paar Rubel Lapöwka (Bc- Stockung) eniheimsen. In letzter Zelt werden im Namen der Gesetzlichkeit einigemal wöchentlich in vielen (manchmal hundert und mehr) jfldisehen Häusern nächtliche Visiten von der Polizei abgestattet Jlidiscli© Rundschau. *׳**״sä *

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