Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1903)
- Date
- 1903-03-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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0t Seite 122. jlldisclie Kundschatt.__No• W. ragender Persönlichkeiten» insbesondere des englischen Parlamentes, welche öffentlich gegen die systematischen grausamen Judenverfolgungen protestieren. Sic. ,verweist auf die grosse Schädigung des Landes, auf die lächerliche Demonstration, mit welcher, vor kurzem Rumänien durch die Naturalisation zweier Juden seine Toleranz bekunden wollte, und rekapituliert, dass die jüdische Bevölkerung durch die Praxis der rumänischcn Regierung zur Auswanderung gedrängt werde. ".מ ד-־ 4*״יוי Wissenschaft und Kunst. Proi. Hllprecht, der bekannter ist durch seine Vcröncnt- Hebungen von der amerikanischen Babelexpedition als durch die Angriffe der jüngeren Berliner Assyrio'.ogenschtile, veröffentlich( soeben ein Buch, das eine l'elvrsicht über die Aus״ grabungen im Orient gibt, die bei dem Interesse, das gerade jetzt für die damit im Zusammenhang stehenden!׳ragen vorhauden ist, in ihren Hauptpunkten wiedergegeben sein möge. Die Forschungen auf den Schauplätzen der biblischen Oeschichte beginnen auf das Leben der Bibelhinder zur biblischen Zeit ein neues Licht zu werfen. Palästina. Assyrien. Babel. Niniveh und Egypten sind durch die Ausgrabungen des letzten Jahrhunderts unserer Kenntnis bedeutend näher gebracht warden. Die Forschungen begannen nicht vor dem Ende des 18. Jahrhunderts, und erst ISO? fand iiroteienJ den Schlüssel zu« Keilschrift. Rawlinson begründete die assyrische Forschung, und Botta fand 18-1? den Palast König Sa rg<ms. 1854 entdeckte man die Ruinen des Tempels des Mondgottes Sin und die alte Stadt Ur, auf die Abrahams Ursprung zurftckzuweisen schcii’.t. 1878 wurde die grosse alte Stadt Sippar und eines der schönsten Bilder, die Anbetung des Sonnengottes Scbamasch durch dett König, und weiter eine der ältesten babylonischen Städte gefunden. Amerika hat sein Untersuchimgsfeld auf ein einzigts grosses Unternehmen beschränkt. Dr. William Hayes Ward leitete 1SS4 eine Becbachtuugsexpedition und wies bet seiner Rückkehr auf Kippur hin. Die erste mit Unterstützung der Universität Pennsylvania ausgesandtc Expedition, 1SS8/89, stiess auf grosse Schwierigkeiten, aber das Werk wurde bis jetzt fortgesetzt. Prozessor Hiiprecht berichtet nun zum ersten Mal vollständig über die sich über 14 Jahre erstreckenden Expeditionen. Der Anfang war wegen des Klimas und dci feindlichen Beduinen nicht ermutigend, sodass man die Forschlingen in Nippur eigentlich schon aufgeben wollte. Während der ersten beiden Expeditionen fand man mit Ausnahme von 200 Täfelchen und vieler Bruchstücke nicht viel, dann aber Stiess Pr. J. H. Haynes auf die Bibliothek der Könige von Nippur. Die Ausgrabungen in Nippur haben Aufschlüsse über die •Architektur, das Leben und die ZiviHsation der ersten Babylonier gebracht. Viele Inschriften sollen 6000 bis 7000 Jahre alt sein. Aus den 700 Täfelchen der Bankfirma Muräsclm und Söhne, die 464 v. Chr. lebten, kann man sich ein Bild des Lebens machen, das in den Strassen der berühmten Stadt Bels pulsierte. Diese grosse Firma, deren Geschäftsakten unter dem Titel ״Busincss-Docunicnts of Murashu u. Sons" von Hiiprecht vor 4 Jahren veröffentlicht wurden, bildet ein würdiges Scitcnstiick zu den grössten Handelshäusern dei Neuen Welt im Jahre 1903. Andere Täfelchen zeigen die Anbetung des Gottes Bel und seiner Braut Beltis. Schalen mit hebräischen Schriftzcichen beweisen, dass Hebräer in Nippur lebten und viele von den in Babylon herrschenden Bräuchen übten. Freilich muss man bedenken, dass der Begriff ״Hebräer“ ein viel weiterer ist als Juda uni Israel. Denn dei Sprache und Sclirift nach gehören Moabiter» Amnionitcr, Edo« rnlter jund vor allem Phönizier (und Punier) zu den Hebräern. Grosse Tonsärge in PantoiieHorin, in die die Leichen gelegt und verbrannt wurden, kamen zu Tage. Auch eine Kochniaschinc, die aus Abrahams Zeit stammt, ist gefunden worden. Sic ist aus Ziegeln, 13 Euss lang, 7 Fuss breit und 4 Fuss hoch und besteht ans sieben Bogen; der senkrechte Rauchfang stieg in einen gewölbten Feuerraum hinab, der den Ofen entlang lief. Die Kochtöpfc wurden auf die Ocffnungcn zwischen den einzelnen Bogen gesetzt, und wenn sie den ganzen Raum nicht bedeckten, schlossen Ziegel die Ocffnungcn. In Nippur hat man die Zivilisation vieler Zeitalter, eine Schicht unter dei andern gefunden, von den römischen und griechischen Ucberresten bis zu den parthise^en Gräbern, und noch tiefer darunter babylonische Ucbcrrcstc. In dem Werke Hilprechts bc richtet weiter Dr. J. Benzinger über die archäologische Arbeit ln Palästina. Die Ausgrabungen dort sind nur bcschränkt, die beste Arbeit wurde von Petrie in Lachisch odei TeÜ-EI-Hcsy geleitet. Hier fand man neun Städte übereinander, deren Geschichte Dr. LI iss, der die Arbeit vollendete, in einem interessanten Buch erzählte. Von grossem Wert wu auch das Aufiiiidcn der Siloah-Inschrift und des Mescha-Steins von Dibon; auch an den Mauern Jerusalems sind einige Forschlingen angesteüt worden. Die Forschungen in Palästina Stilist aber sind durchaus ärmlich! Ucber die seit Napoleon 1. gemachten Forschungen in Egypten berichtet Prof. Georg Steindorff. Die Geheimnisse der Pyramiden und Grübe! wurden besonders von De Morgan und Petrie enthüllt. Auch die Statue des ״Pharaos des Auszugs" haben die Aus• grabungen zu Tage gefördert, wenn anders Mesncphtah diese! Pharao wirklich ist. Alles, was sich im Pentateuch am Egypten bezieht, soll durch die Ausgrabungen als mit den Tat- Sachen gut übereinstimmend erwiesen sein. Von grosser Bc• dcutimg sind auch die Tnntäfelclieu von Tcl-cl-Amnrin, die Briefe befreundeter und tributärer Herrscher Wcstaslens an die Pharaouen Amciihntcp Hl. lind IV., die im 15. Jahrhundert v. Chr. in Egypten herrschten. Danach war zur Zeit des Moses Babylonisch die IXplomatenspnche. Diese Tafelchen werten ein interessantes Licht auf Entdeckungen in anderer. Zentren alter asiatischer Zivilisation. Man sicht, dass dis mosaische Judentum nicht in der WilJho't und Barbarei entstand, sondern aus einer materiell und littcrarisch sehr hochstehenden Kultur geboren wurde. Man erwartet,• in Lachisch noch viele Teile der ״Bibel", die von den Propheten auf Ton geschrieben seien, in den Ruinen zu finden. Ein!4 Zoll hoher, sechseckiger Tonzyünder beschreibt den Krieg S'uiheribs gegen die Kinder Israels, wie er im 2. Buch der Könige. Kapitel is geschildert ist: aber die (lesdrehte der Vernichtung seines Heeres verschweigt er. Ucber die borselmiigcn in Arabien berichtet Prof. Fritz H o in m e 1, lind über das alte Voll, der Hethiter Prof. P. J c n s e n. Allerlei. *<v. i'Z.’J&XSKm t ווו.ו-■■' ו Anschliessend an die Notiz in der vorigen Nummer, die wir unter dem Schlagwort Ein interessanter Tag der ״Breslauer Zeitung" cmnomiiien haben, schreibt uns unser lieber zionistischer Kalendermacher, der «auch das Kalendarium des Jüdischen Altnanachs bearbeitet hat, folgendes: Im Jahre 1338 fiel “22 auf den 5. April und Ostern auf den 12. April, also nicht auf einen Tag, dagegen fielen Ostern und Pessach zusammen im Jahre 1609 auf den 1. April. J805 3 ״ ״. H 1S25 ״ .14 ״ ״ dann folgt 1903 mit dem 13. April. In den nächsten 300 Jahren wird Ostern mit Pessach auch wiederhol! auf einen Tag fallen und zwar: 1923 auf den 1. April. 1927 9» 9t 17. H 19S l »t י9 19. 9t 2123 99 9t 11. 9t 2143 »9 9t 31. März 2150 99 9t 12. April 2170 99 tt I. H 2201 19 9♦ 19. 99 die Breslauer ׳ Zeitung" im Irrtum. -־־Ir^- —Oü Kleine Chronik. In der am Sonntag, dem 15. März 1903 stattgehabten sehr zahlreich besuchten Generalversammlung des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen zu Berlin wurden die? Herren Julius Oliven, Louis Sachs, H. Witkowski, Frau Julie Cicrson- Liebermann und Frau Hermine Rathenau wieder- und Herr Sariitfitsrat Dr. JLulius Stern, Koclistr. 19, neu gewählt. Der Vortsand besteht nunmehr aus: Herrn Stadtvcrordncten Louis Sachs, Vorsitzender, Fiau Kommerzienrat Julie Gcrson-Liebcrmann, stellv. Vorsitzende, Herrn Richard Sachs, j י J i 1 I ♦ I 1 4 I ׳״ ipsr» fמ*. j