Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1903)
- Date
- 1903-03-27
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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\ ־ ־ ■׳ ־■ י" י■ >;1ן*.;י,ו1י4. ״*־V■ Z,» ׳וי •"יי.%»^#,*^4^־ד 1 ׳• -T *V*;־ «'*'׳, 8e1te 124« JUdische lRnndschf1.tt. No. 13. jo. rdie reine Menschenjagd. Vor einigen Wochen Überfiel eine ־ PoHzcihorde eines dieser Häuser; mit einem Höllenlärm bestic* gen .die Asiaten die Treppen, stürzten in die Wohnung hinein und rissen die Schlafzimmertür auf die. Tochter des Hausberrn, ein Junges, schwächliches Mädchen, wurde beim Anblick der Bestien wahnsinnig vor Schreck. Zur selben Zeit kam ein lebensgefährlich kranker Jude zu einem hiesigen Chirurgen, um sich in dessen Klinik einer Opcration zu unterwerfen. Der Mann hatte nicht das ״Wohn‘*־ recht in Riga. Auf Grund des Gesetzes hat man den alten Mann festcrenoinmen und zurücktransportiert nach seinen! Heimatstödtchen, wo angenommen er bald verstarb. ־ ־ Ein anderes Bild: Ein Schwerkranker, wurde hier in einem iiospiiä‘ abgeliefert, in welchem er kurz darauf unter dem Messer der Chirurgen verschied. Als seine Freunde Tags darauf beim allgewaltigen Rcvicraufseher tun einen Totenschein und eine Bestattungs-Erlaubnis nachsuehten, brüllte er sic wild an: ״Ich gebe keine Papiere! Wie so hat der Matm gewagt, hierher zu kommen und hier zu sterben, er hat kein Wohnrecht hier!"... Und nur mH grosser Mühe gelang cs, den Zorn des Rcvict- Alleinherrschers zu beschwichtigen und die nötigen Papiere zu bekommen. Natürlich leidet hauptsächlich unter dieser ״Gesetzlich• kelt" der jüdische Proletarier; der bemittelte Jude erkauft sich das Aufcnthaltsrecht durch Bestechung der Polizcibcamten. Die Bestechung ist hier zur normalen Erscheinung geworden, sie ist Lebensbedingung tausender Familien in Riga. Audi für die- ]enigen, die das ״\Vohn‘*recht besitzen, ist cs fast unmöglich, ohne Lapöwka auszukommen. Viele jüdische Familien zahlen der Polizei regelmässig eine Art ״Aufentlialtssteuer*‘, um von nächtlichen Uebcriäliet! befreit zu werden.“ — Das Deutsche ״Rigaer Tageblatt“ schreibt darüber in Anlehnung an die oben erwähnte Zuschrift der ״Nowojc Wremja“: ״Der Korrespondent zitiert das bekannte, aus jüdisehen Kreisen stammende Gerücht, nach welchem das Mini stcrium des Innern die Frage angeregt habe, Ssmolensk, die kurländischen Städte und Riga in den Bannkreis der jüdischen Ansässigkeit zu versetzen, worauf er seinerseits bemerkt, dass in Bezug auf Riga allerdings ein Schrittwechsel mit den üvländischen Gouvernements-Institutionen stattgefunden habe, dass aber die Aeusserungcn des Stadtamts, des Börsenkomitees, wie namentlich auch die Ansicht der örtlichen Administrativbehörden über die in Rede stehende Frage streng geheim gehalten würden. Indessen glaubt der Gewährsmann der ״Now. Wrem.“.aus verschiedenen Wahrnehmungen schlossen zu dürfcn. dass die Majorität der Ansichten zu gunsten des Niederlassungsredhts der Juden in Riga neige. Riga sei ohnehin schon von Juden, die hier gar kein Ansässigkeitsrecht besässen, überfüllt Warum nicht lieber legalisieren, was aut unerlaubte Weise ohnehin bestehe. Freilich werde esin Rigadannalsbald von Schnorrern wimmeln und vor Schmutz starren (aber tut nichts — der Jude wird Rigenser).“ : Es ist eine besondere Eigenschaft der ״Deutschen im Auslande“, dass sie Ihr Deutschtum aufrecht erhalten weifen, und alle Staatsbürgerrechte des ausländischen Staates in Anspruch nehmen, dagegen selbst im Auslande, wo sic doch auch nur ״Gäste“ sind, den Juden kaum Gastrechtc gönnen. .;.- Wien, Datum des Poststempels. Werte Gesinnungsgenossen! Einem vielfach geäusserten Wunsche entsprechend, tritt die Organisation dW jüdischen jugendlichen Arbeiter mit der Monatsschrift ״Arbeitende Jüdische Jugend“ hiermit vor die OeffentUchkeit Nicht ein politisches Blatt soll geschaffen werden, nein, diese Zeitschrift soll nichts anderes verfolgen, als ein treuer Berater der arbeitenden Jugend unseres Volkes sowohl in geistigen als wirtschaftlichen Fragen zu sein. Umfassende Berichte über die Lage der jugendlichen Arbeiter aus allen Orten sowie belehrende Aufsätze Uber Juden sollen gebracht werden, und soll denen, die unserer Bewegung ferne stehen, ein genaues Bild derselben bieten. Die ״Arbeitende jüdische Jugend“ soll ihr Hauptaugenmerk auch der nationalen Erziehung zuwenden. Die neuesten geistigen Errungenschaften unseres Volkes sollen eingehend gewürdigt werden. Die ״Arbeitende Jüdische Jugend“ wird in Jeder Nummer sich mit wirtschaftlichen Fragen befassen. Die Regelung des Lehrlingswesens, Stellenvermittlung, die Organ!- sation der jugendlichen Arbeiter etc. bietet ein reiches und zum Bebauen dankbares Feld! ־ - ' ' Auch die körperliche Hebung der Jugend wird durch diesbezügliche Artikel berücksichtigt werden. ln Jedem Hefte werden Berichte des Verines jüdischer t 1. jugendlicher Arbeiter in Wien. und . seiner Zweigvereine in dar Provinz erscheinen. - Wohl sind wir uns der Schwierigkeiten bewusst, die sich der Durchführung cntgegenstcflcn werden, aber wir rechnen mit Zuversicht au( die Opfcrwüügkcit unserer Kollegen sowie aller Freunde der arbeitenden jüdischen Jugend, die auch dieses Untcrnchnicn nach Kräften unterstützen werden. Es gilt auf diese Weise für unser ganzes Volk zu arbeiten. Denn durch die Macht der Presse wird die Organisation gewiss bedeutend gefördert. Beherzigen wir den Spruch: ״Wer die Jugend hat, dein gehört die Zukunft." Nach dieser kurzen Darlegung unserer Bestrebungen, riehie:1 w׳r an Sic das höfliche und dringende Ersuchen, für das am 15. April erscheinende Organ mhrigst zu agitieren und durch gefällige Zusendung von Notizen und Artikeln und von ־״ wenn auch geringen — Geldbeträgen den Bestand des Blattes mo• ralisch und materiell zu sichern. In dieser Erwartung zeichnen wir, im Vorhinein für Ihre Liebenswürdigkeit bestens dankend Hochachtungsvoll Das Presskomitee ־ des Vereins jüdischer jugendlicher Arbeiter in Wien II, Stcphaniest.rassc b. Geldbeträge sind zu senden an unsern Kassierer: Arthur Stefansky, Wien II. Niekelgassc 1. Die Namen der Spender und die Beträge werden veröffcntlicht. Nationalfond. Gesammelt durch Dr. Goldberg, Bad Neuenahr — Berlin:. . S. G. . . . . * 0,01/ Alk. Gustav Heilborn , . ... . . ... . ... 0,50 ״ Bertha Grodzin . . . . . . . . . , . 0,50 ., Ludwig Heilborn . ... . . . ... . 1,—־ Isidor Becker ... . . . . 1,— ״ Stammtisch Schu.be rt (Neuer Markt) . . . 2,50 ״ ״H e r r N a ti o na I f ond“ F. Jacobsohn ״ —,1 . .״ Herr Alfred Löwi . 0,50 ״ Insgesamt durch Dr. Ooldherg . . . . 7,50 ״ 1'L.) Anstatt eines Telegramms zur Hochzeit des Fräulein Valeska P e r 1 i t z durch Ernst Baschw i t z .. . —,50 ״ E. H. B. H. (Frl. Rosa R. für eine strittige Musikstunde bei Frl. Ski.) ... 1,— .. Aus Genugtuung . . . betr. Postkarten u. s. w. 3,— M. Hör. im Cafe Monopol ges.5,75 Jüdischer Turnverein Bar Kocliba durch Frl. A m 0 1 s k i gesammelt . ... . 29,50 Herr A. S e s s l e-Königsberg beim Kartenspiel gesammelt.5,50 Herr Joseph S a l z m a n n־Königsberg. Honorierte Geselligkeit, gesammelt . ... 1,00 Herr.Jakob Salzmann־Königsberg .... . 0,25 Herr Ooldberg Kassel, statt Telegramm zur Hochzeit B. Elias.Hirschland . . . . 0,50 Sammlung durch Königsberger Zlonistische Vereinigung anlässlich Hochzeit J. G1 ü c k s o h n-Danzig mit Frl. Nadja j* * 5 o m c r a n z-Wien. Hellerstein, Reism a n n, Z i nt c 1 s. Familien Kuttncr, Garfein, Lipschitz, Felsenstein, Nachmansohn, Sambursky, Salzmann, Schlossberg, Warschau׳zig, abzüglieh geincinschiftiicher Depesche ..7.20 Mk. Gesammtsmmno 61,70 Mk. Berichtigung. In Nummer II Ist ln dem Artikel unseres Freundes Ibtt-Asrak ״W oh ln mit den Jude n", der Schlusssatz dadurch entsteht worden, dass eine Zeile herausgefallen ist. Der Schlussabsatz muss lauten: ״Die neuesten Vorgänge lehren deutlich, erschreckend deutlich, dass eine Auswanderung und Kolonisation der Juden nur rationell sein kann, wenn sie auf sicheren rechtlichen Grundlagen beruht. Diese will der Zionismus schaffen, er will den Juden eiise Heimstätte geben, welche nach jeder Richtung hin öffentlich-rechtlich gesichert ist. Wo dies geschehen kann, soll später dargelegt werden.“ Verantwortlicher Redakteur: Dr. H e f u r i 01TL oowe, Berlin NW. 40, Cehrterstr. 14/15. Verlag Jüdische Rundschau, f& 0: mb. H. Berlin C. 22. Aviguitetr. 49a, Druck: F. Lern & Corap., O. m. b. H. Berlin O. 27, Holzmarktstr. 4.