Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1903)
- Date
- 1903-03-27
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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V W'vw5* ׳, Ko 13. Jüdische Ruudschau. Seit»!21. Servilität. Weg mit dem Wunsche, sich Fremden anzu- Schmiegen! Rin eigenes stolzes Bewusstsein soll im Qeist eines jeden Juden wohnen, auf dass wir an den Klippen moralisehen Verkommcns glücklich vorbeistcuem! Kommilitonen! Wie bei allen Völkern stets die akademische Jugend sich in den Dienst der nationalen Sache stellte, so dürfen auch wir nicht zurflckstchen! In Königsberg existiert seit dem Sommer־Se* mester 1901 an der Universität der Akademische Verein ״HerzI“. Wir fordern nun die nach Königsberg kommenden jüdischen Studenten auf, sich diesem Verein anzuschliesscn. In! A. V. H. cst dem jüdischen Studenten ein Boden gegeben, die Keime jahrhundertelangen Bestehens eines Volkes, d c r c 1׳ T1 ü g c r wir sind, in Gemeinschaft und Rh re in uns fort״ zupflanzcn. Kr will uns während der Studienzeit erziehen, mit und in dem Volke zu wirken und alle Volksideale zu unseren: Kigcntum zu machen! Daran fcstbaltcnd, dass das volle gesunde Leben nicht nur Cn der Krstarkung des Geistes, sondern auch in der des Körpers besteht, pflegt der Verein neben Vortrags- und Diskussionsunterhaltungen auch sportliche Hebungen, wie Turnen und Fechten. Wir geben sehr gerne über das nfiherc Programm des Vereins und über sonstige Fragen genaue Auskunft. Jüdische Kommilitonen! Der Sinn der Zusammengehörigkeit macht uns fest. Die Festigkeit der jüdischen Jugend ist der grösste Stolz des jüdischen Volkes. Königberg i. Pr., März 1903. Adr.: cand. p!1il. Friedmann, Hintere Vorstadt 18. ׳ידזד^דידץליידדידלדלזרדזדידרדזדידידלדידידרדלדידידזדרזידידידלדדהדיד?■ . , 5 f!! I!* I! )' ’ ’ 1 I f I־ f t f | , ,, , . , נ-ש Rundschau. uj. 5r>3 S-~>3 נ<-ז r~>1!י,« י r .׳,« יי ■י,« וי,« יי 4 f. f .ן » { I, * v, y rv^. w M Ml kä IM M t•*•* W 4.* ״ %• *״,* *S* •י,״ י״״ י,,״ יי,״ *!״ יי," י•־" *>״ י » i i I! י I I I I I M ¥, V e י*, '׳י' V V w - V , V . V V » l«n nationa(jüdischen Turnverein ״Bar - Kochba‘* (Berlin) wurde am 22. d. Mts. in einer Hauptversammlung ein überaus wichtiger und beachtenswerter Beschluss gefasst. Es wurde endgültig die Gründung eines Verbandes jüdischer Turnvereine mit national-jüdischer Tendenz beschlossen, und damit die jüdische Turnbewegung in ein neues und vcrheissungsvollcs Stadium übergeführt. Wenn die Vorarbeiten zur Konstituierung des Verbandes abgeschlossen sein werden, gedenken wir auf diese grade auch von zionistischen Gesichtspunkten aus eminent wichtige Organisation noch ausführlicher einzugehen. Kann ein getaufter Jude christlichen Religionsunterricht erteilen? Um diese Frage handelte es sich am Freitag in der Sitzung der Potsdamer Stadtverordncten-Vorsammlung. Schon bei früheren Gelegenheiten war von dem antisemitischen Stadtverordncteit Kaufmann Ernst Fröhlich zur Sprache gebracht worden, dass in der Gemeindcschule VI der ehemals jüdische Lehrer Silberstein, welcher sich nur deshalb habe taufen lassen, weil er sonst Anstellung erlangen konnte, christlichen Re- Ugionsuntcrrlcht erteile. Vom Magistrat wurde auf diese Angelegenheit nicht weiter eingegangen, weshalb dieselbe nunmehr von dem Stadtverordneten Japel bei der Etatsberatung aufs neue angeschnitten wurde. Vom Magistrat wurde nun geltend gemacht, dass die Beschäftigung des Lehrers von der Schulaufslchtsbchörde kontrolliert werde und dass der Lehrer Silberstein von der königlichen Regierung nicht als ungeeignet zur Erteilüng des Religionsunterrichts erachtet sei. Stadtverordncter Frölich erachtete weite Kreise der christlichen Bevölkerung durch diese Art von Unterrichtserteilung beunruhigt, da Silberstein nicht aus Ueberzcugung Christ geworden sei, sondem nur um eine Anstellung zu finden. Stadtverordneter Geh. Rechnungsrat Hinze hielt Frölich entgegen, dass Silberstein seit 20 Jahren getauft sei, warum, das habe derselbe mit seinem Oott abzumachen, als Lehrer habe er sich stets bewahrt. Die Stadtverordneten Versammlung sei keine Antisemlten-Ver- Sammlung und lasse sich nicht ins Schlepptau nehmen. Der Vorsteher der Stadtverordneten-Versammlung beiteitetc schliesslich der Debatte dadurch ein Ende, dass er erklärte, cs handle sich um Personenfragen, die nicht öffentlich zu erörtern wären, weshalb die Fragesteller bei andrer Gelegenheit wiederkommen mögen. Wenn es nach dem Herrn F r ö I i c h und seinen Gcsinnungsgenossen ginge, so wären getaufte Juden offenbar nur dazu ge• eignet, jüdischen Religionsunterricht zu erteilen. Zum vorliegenden Falle möchten wir aber bemerken, dass die Be• hauptung Frölichs, der Lehrer Silberstein habe sich nicht aus Ueberzcugung taufen lassen, dem Pastor, der ihn getauft hat, ein sehr schlimmes Zeugnis ausstellt. Im Gegenteil aber müsste ein Jude •der sich aus Ueberzcugung hat taufen lassen, ja unendlich viel geeigneter sein, christlichen Religionsunterricht zu erteilen, als ein im Christentum Geborener. Der Mann hat doch wenigstens sein Interesse bewiesen. Man sollte überhaupt die Täuflinge nur noch zu christlichen Reügionslehrcrn machen, nicht zu ordentlichen Professoren und geheimen Regierungsräten. Dann würde der Ausdruck ״Getaufter Jude" viel von seiner Verächtlichkeit verlieren, — freilich würde dann der ge taufte Jude auch durch seine Rarität an Wert gewinnen. mb. Lissa I. P. Könitz mapht Schule. Dem hiesigen ״Tageblatt“ wird unter dem M. d. Mts. aus Jutroschin geschrieben: Ein Ritualmordmärchen setzt seit einigen Tagen unser Städtchen in Aufregung und hat sich mit unheimlicher Geschwindigkeit in der ganzen Umgegend verbreitet. Es geht dahin: der angesehenste und reichste israelitische Kaufmann unserer Stadt, R., habe einen christlichen Schüler in seinen Keller gelockt und dort in eine Kiste oingenagelt. Erst nach drei Tagen wären bei den Nachforschungen, die die Eltern des Knaben anstellen Hessen, die Gendarmen durch schwache Hilferufe der Tat auf die Spur gekommen und hätten,den Knaben halbcrstickt und fast verhungert aufgefunden. — So unglaublich lächerlich diese Erzählung ist, so schlimm ist ihre Wirkung gcwesen: das Haus des Kaufmanns R., dessen Kuidschaft fast ausschliesslich aus der Landbevölkerung besteht, wird vollstän- .1ig boykottiert; ihm wird nichts übrig bleiben, als fortzuziehen. Und auch die Geschäfte der übrigen jüdischen Kaufleutc, welche einen Teil ihrer Waren im Keller aufgespeichert haben, werden ängstlich gemieden. — Mit den böswilligen Urhebern des Gerüchtes, den Mitschülern des betreffenden Knaben, der in Wirkliclikcit einen Tag die Schule geschwänzt hatte, wird sich wohl demnächst das hiesige Gericht zu befassen haben. . Andere Länder geben andere Formen der Blutlüge. In der Sache ist dasselbe, wenn der ״Nowojc Wrcmja“ aus K i s c h i- 11 e w telegraphiert wird, dass die jüdische Bevölkerung der Stadt Dubossary am Dnjestr von Bauern belagert ist. Die Ur- Sache ist das rätselhafte Verschwinden des Bauernknaben Rybalenko, der in dem Laden eines jüdischen Händlers Tabak holen sollte. Anderen Tages wurde seine Leiche in einem Graben mit achtzehn Wunden im Bauch, Hals und am Kopf, die von einem spitzen Werkzeug stammen, gefunden. Die Bauern schieben die Schuld an dem Morde den Juden zu. Man benutzt die Angelegenheit zu einer rituellen Blutbeschutdiguug. Der Mörder wurde bis jetzt nicht gefunden, die Untersuchung ist im Gange. UeberaU ist dasselbe Schauspiel, dass die Juden dazu dienen müssen, für die Verbrecher und Mörder der Nationen, unter denen sie W'olmen, die Sicherheitsventile zu bilden. Die Sage ,,von der andern Rasse“ spielt überhaupt im Judenhass die geringste Rolle. Das kräftigste Zugstück ist heute ׳noch immer die BI u 11 ü g e, wie es ehedem die Beschuldigung war, dass die Juden die Hostien kreuzigen. Der Optimismus der Juden, die vom Reich Gottes-auf Erden predigen, das nahe gekommen zu sein scheint, ist mehr als beneidenswert. Wien. Die Neue Freie Presse begrüsst heute an leitender Stelle die jüngst eingebrachtc Interpellation im österreichischen Parlamente. Sie zitiert die Kundgebungen einer Reihe hervor* *-יןיןוו1»ו!׳ו%י