Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1903)
- Date
- 1903-03-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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f Ho. 13. Seite •120• JUdisdie Rundschau. ״Der Schlemihl" vor. Nach Aufhebung der Tafel zerstreute sjch das Publikum ln den woiten Räumen und der Tanz nahm wieder seinen Verlauf, die Oäste noch bis zur frühen Morgen* stunde In fröhlicher Stimmung beisammen haltend. Schöneberg bei Berlin. Am 2. April wird Dr. Munk- Berlin über; ״Die Bedeutung des Zionismus für das moderne Judentum“ hier sprechen. Die Schöneberger Freunde werden auf diesen Vortrag hiermit aufmerksam gemacht. Königsberg. Die Königsberger Zionistische Vereinigung feierte bei überaus starker Beteiligung im ״Artushof‘‘ das Purimtest. Das reichhaltige, aus 13 Nummern bestellende Programm errang in allen seinen Teilen vollen Erfolg, wie der reichlich gespendete Beifall bewies. Ganz besonders haben zum Gelingen des Festes die Damen Rabinowitz, Rattner und Brutzkus beitgetragen, die-sich durch ihr treffliches Spiel in einem zur Aufführung gelangten zionistischen Tendenzstück auszeichneten, sowie Frau Aronsohn, deren Gesangsvortrüge einen wahren Beifallssturm entfesselten. Die Herren A. Sukcnik und H. Bähr, die nie bei unseren Festveranstaltungen fehlen, gaben wieder einmal einige Proben ihrer bewährten Gesangskunst zum Besten, besonders gefielen: ,.Mein Kind“ von H. Lewschnitz und dieWarschawskischen jüdisch-deutschen Lieder: ״Der Becher“, ״Das Lied vom Brot“ u. a. Den heiteren Teil bestritten die Herren H. Vcsscn und S. Berlouitz durch verschiedene humoristische Deklamationsvorträge, von denen besonders die Erzählung von Israel Abrahamsohn: ״Ha'nian und Mordechal in Janow“ grosse Heiterkeitsausbrüche hervorrict. Der kürzlich hier unter Leitung des Herrn A. Sukcnik entstandene ״Jüdische Gesangsverein“ trug sehr schön ein Chor lied von Mozart vor. Die gesamte Klavierbegleitung des gesanglichen Teiles führte Herr Martin Askanazy mit danken»■: werter Hingebung und gutem Verständnis ducli. — Nach Schluss des Festprogramms folgte eine Verlosung zionistischer Bücher, die ein sehr gutes Resultat ergab. Alsdann trat der Tanz in seine Rechte, der die Teilnehmer bis zum frühen Morgen beieinander hielt. Ferner sei noch er- Ofienbarungsglauben des Alten Testaments auscinanderzusetzen. Schliesslich dürfen wir ihn auch erinnern, dass es eine merkwürdige Konsequenz ist, das Judentum aus dem Deutschtum ausschalten zu wollen, weil sein Gott so entsctzüch grausam sei, und dafür zu verlangen, zu den gcrmanischen Heiligtümern zurückzukchren, das Christentum aber zu lassen. Ja, das Christentum ist doch aber nicht germanisch, sondern jüdisch. Germanisch und christlich deckt sich so wenig, dass der historische Heros der Gcrmanen A r m i n i u s kein Christ war und keiner sein konnte. Und die milden Götter Germauicns sind es, die Menschen- Opfer verlangen; — Germanen sind es, die ihren germanischen König Donald den Himmlischen opfern, um den Zorn des Himmels zu sühnen, der sich durch die Missernte zu erkennen gab. Gegen die Tatsachen der Ausgrabungen haben wir um so weniger einzuwenden, als wir keinen Augenblick zweifeln werden, einen Irrtum aufzugeben, wenn er uns als solcher erwiesen wird. In den Folgerungen aus diesen Tatsachen welchen wir von Delitzsch und Wincklcr ab, ebenso wie wir der zunftmässigen Bibclkritik abgeneigt sei:1 müssch, weil sie der wissenschaftlichen Methode, wie sie sonst in den philologischen und historischen Wissenschaften Brauch ist. nicht folgen kann. Aber'wir leben in demselben Zcitalte. ־wle DelHzsch und seine Genossen. Von der Methode, die an Platos offenen Briefen benutzt wird, trennen uns mehr als sechs Jahrhunderte. Plato beruft sich aui die Philosophie. Aber er ist sich offenbar nicht bewusst, dass für die Söhne dos realistischen neunzehnten Jahrhunderts nicht Kant und nicht Hegel die Philosophen sind, sondern Charles Darwin. Darum ist ein Verstehen unmöglich. Bei aller Hochachtung vor der Gesinnung, die aus den offenen Briefen spricht, bc.׳ al(er Schätzung von Charakterfestigkeit, die wir ja aucii beim Gegner ehren, werden wir uns dodi nicht verstehen, so .wenig, wie wir mit jenem ehemaligen Rabbiner uns auch nur verständigen können, der auf der Generalversammlung des Esra darlegte, dass ein Schnorrer der Heiligen ׳Städte für ihn mehr Wert habe, als die ganze zionistische Bewegung, und dabei mehr die Würde des Schnorrers hochheben י wollte, als den Zionismus herabsetzen. Es trennen uns eben mindestens sechs Jahrhunderte. H, Sachse. י wähnt, dass die eingerichtete ״Post“, die zionistische von Na- Monalfondmarken frankierte Ansichtskarten zu befördern hatte, <om Publikum sehr in Anspruch genommen wurde. N. Schönlanke. Die Ortsgruppen Filehne, Schönlankc und >.arnikau halten am Sonntag, dem 29. d. M. in Schönlanke m Saale des Herrn Tobias, nachmittags 6 Uhr eine Bezirksxcntcrcnz ab. Die Tagesordnung ist, wie folgt, festgesetzt: 1. Begrfissung. 2. Konstituierung. 3. Referate: a) der Zionismus, b) lieber die Einrichtung hebräischer Schulen und Volksbibliothekcn, c) Die soziale Steilung der Juden in der Provinz Posen. Im Anschluss an die Konferenz findet abends um 8:׳i Uhr eine öffentliche Volksversammlung statt, zu der Herr Dr. Goldberg -Neuenahr das Referat Dbernonimen hat. Hannover. In einer zahlreich besuchten Versammlung sprach Dr. Moses-Mannheim über ״Jüdische Wohlt ä 11 g k e i t u n d Z i 0 n i s m 11 s“. In glänzender Weise führte Redner aus, wie die alte jüdische Wohltätigkeit notwendig sei, bei momentanem Elend Hilfe zu leisten, wie sic aber garnichts dazu beigetragen habe, die allgemeine Judennot zu lindern. Die Wohltätigkeit habe eine brennende Kluft innerhalb des jüdischen Volkes errichtet, sie habe Gebende und Nehmende scharf getrennt. Die Gebenden kaufen sich 1r.it dem Almosen los von ihren Verpflichtungen gegen ihre Namensbrüder und die Nchmenden werden zu Schnorrern herabgedrückt. Die Kolonisation sei schon ein bedeutender Fortschritt in der Wohltätigkeit, sie gibt nicht nur Almosen, sondern schafft Arbeitsgelegenheit. Jedoch sei sie gegenüber dem grossen Elend unter den Juden völlig ungenügend. Innerhalb 20 Jahren seien 7000 Juden angcsiedelt, während mehr als eine Million gezwungen war, ihr Heimatland zu verlassen. Der Zionismus wolle ein freies Volk, das siel! in Arbeitsfreudigkeit das Fleckchen Land erwerben und bebauen könne, auf dem seine Väter gelebt haben und das der Boden seiner grossen Vergangenheit ist. An der dem Vortrage folgenden Diskussion beteirgten sich die Herren Dr. Salomon Hirsch, Zu ck e rnta n ti, Rechtsanwalt Dr. Cohn und Referendar Groneniann. In seinem Schlusswort wies Dr. Moses nochmals besonders auf die ideelle Seite unserer Bcwegung hin und aut die Erfolge, welche der Zionismus durch die von ihm begründeten Genossenschaften, Spar- und Darlelmshassen, Toynbeehallen ctc. in der kurzen Zeit seiner praktischen Betätigung bereits errungen habe. Die geistvollen Ausfiihruiigen des Vortragenden fanden allseitigen Beifall, so dass die Versammlung von nachhaltigem Erfolge sein dürfte, Aufruf an die jüdischen Studenten Deutschlands. Jüdische Kommilitonen! Es ist verhältnismässig lange her, seitdem die Juden die Mauern des Ghetto gesprengt und sich dem Gange der Kulturweit angeschlossen haben. Als die Juden im Ghetto waren, dachten jüdische forstchreitende Geister, es sei die Abgeschlossenhcit, das Nichtschritthalten der Juden, aus welchen das bösartige Verhalten unserer Missgöimcr zu uns resultiert. Und nicht nur die Juden, auch unsere Missgönner dachten, dass wir ihnen deshalb widerwillig sind, weil wir eine ihnen gegenüber geheimnisvolle Gemeinschaft bilden. So brachte es nun die Zeit mit sich, dass das grosse Rad des Lebens die Juden jus der Einsamkeit in die tätige Welt hinüberrollte! Jetzt sollten doch unsere Feinde schweigen! Aber, es erwies sich, dass sic nicht von einem Zeitgeist beherrscht wurden. Die Verhältnissc wechselten, und der feindselige Geist blieb bestehen! Die Parole ״abgeschlossene Gemeinde“ setzte sich in die Form ״konkurrenzbietende Gemeinde“ um. Es erwies sich, dass der Jude in keiner Form den Feinden gefallen kann, und am wenigsten in der Form, in welcher er ihnen gefallen soll!! Und nun durchzieht ein neuer Lebensodem das jüdische Lager. Die gesammelten Erfahrungen waren unsere guten Lehrer, die uns lehrten, unsere Lage näher zu betrachten: Aus dem modernen jüdischen Geist schallen jetzt die Worte: Weg mit dem Verhalten kriechende!