Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1903)
- Date
- 1903-03-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1 No. «3■ I _ t — JUdköhe JE&uiixl&el 1*111. Seite H9. dcutsclfen Angelegenheiten befassenden Landsmannschafts־ Sitzung in Basel. 2. Die Herren Dr. Munk und Dr. Locwc werden beauftragt, namentlich für die deutsche Presse eine Korrespondenz, die kurze Entrefilets und Notizen Aber wichtige zionistische, üjdischkolonisatorische u. s. w. Angelegenheiten enthalten soll, hcratiszugeben, die diesbezüglichen Zuschriften sind an Dr. W. Munk, Berlin W., Beudlcrstr. 17 zu richten. 3. Die Zentrale soll ersucht werden, den Schekcltag auf Sonntag, den 3. Mal anzusetzen, das Distriktsbureau: wird den Ortsgruppen ein Miistcrprogramm für die Begehung des Schekcltages aiisarbciicti und übersenden. Anfragen diesbezüglich sind •an Dr. Hantkc zu richten. Die ״Rundschau“ wird Freitag, den 1. Mai eine zur Schekclagitation geeignete ״Schckeltagsnunimer“ in verstärkter Auflage hcrausgebcti. Bestellungen an Dr. Hantkc erbeten. -Es wurde dann über die Finanzlage Bericht erstattet, der mit Befriedigung zur Kenntnis genommen wurde. Berlin. B u r c a u Berlin. Zur Vereinfachung, Vcrbiltigung und Beschleunigung des Geschäftsganges, wird das Bureau Berlin in Zukunft häufiger die schon fetzt vereinzelt geübte Methode anwenden. Briefe den Biireauinitglicdern und anderen Gesinnungsgenossen: ...Urschriftlich“ mit entsprechenden Vermerken zuziisendcn. Es liegt das auch im Interesse der Empfänger, die in gleicher gcschüftsinässigcr Form auf demselben Bogen antworten sollen und so Zeit und Geld und Miihc sparen werden. Berlin. Die zionistische freie Verbindung .,llastnonrea“ hat nun das Semester ihres Bestandes vollendet. fm November wurde das Semester durch einen grossen Antrittskomnicrs eröffnet, über dessen Verlauf seiner Zeit in diesen Blättern berichtet wurde. Wir hatten an dem Abend Gelegenheit zu erfahren, wie grossen Sympatliicen unsere Gründung begegnet und anderseits in massgebenden Kreisen über unsere Bewegung Aufklärung zu schaffen. Die Verbindung entfaltete im Semester eine rege Tätigkeit. Es wurden eine Reihe von Vorträgen, teils im internen Kreise, teils vor zahl״ reichen Gästen gehalten. Wir erwähnen nur Vorträge resp. Referate über: ״Leroy Bcaulieu — Israel unter den Nationen.“ ״Zur Frage einer Revision des Zionismus.“ ״Zionistische Entwickliingsphasen eines österreichischen Studenten.“ ״Der Finfluss des Zionismus auf die jüdische Religion.“ ״De Emigrationsfragc." ״Zur Anthropologie des Zionismus." ״Die Organisation des Zionismus.“ An diese Vorträge schlossen sich regelmässig Diskussionen. Ferner wurde ein hebräischer Sprachkursus abgehalten. An den Arbeiten der akademischen Gruppe, sowie an anderen zionisti* sehen Veranstaltungen haben sich die Mitglieder der Verbindung rege beteiligt, die Beteiligung au der Schulgruppe, die Dr. Klee leitete, sowie an der Palästina-Gruppe *war obligatorisch. Innerhalb der Berliner zionistischen Organisation hatten wir uns für eine Reihe organisatorischer und agitatorischer Arbeiten, unserer Bestimmung innerhalb der grossen zionistischen Organisation entsprechend, zur Verfügung gestellt. Das Semester wurde am 7. d. Mts. mit einer Schlusskneipc geschlossen. Zu Auskünften über die Verbindung ist der Unterzeichnete gern bereit, zugleich bittet er die Vertrauensmänner der zionistischen Vereinigung für Deutschland, ihm Adressen von ftingcn Studenten zukomtreu zu lassen, die..Hasm1״nca" vreeignet sind, resp. dieselben an seine Adresse zu verweisen. stud. pltil. Egon Rose 11b erg, Berlin W. R a 11 k e s t r. 2 9 11. Berlin. Dienstag, den 31. Mürz, findet bei Dräscl eine Mitgliederversammlung der Berliner Zionistischen Vereinigung lind der Untergruppen statt, in der Dr. Theodor Z I o c i s t i über ״das Projekt einer jüdischen Hochschul c“ sprechen wird. Gäste herzlich willkommen. * Am Sonntag, dem 15. März veranstalteten die ״Berliner Zionistische Vereinigung" und die ״Jüdisch-nationale Frauen- Vereinigung“ gemeinsam ein Purim-Kostümfest in den Räumer, des Hotels ״Zu der, Vier Jahreszeiten". Das Fest nahm ei.ien glänzenden Verlauf. Es waren ca. 500 Personen anwesend, die meisten in farbenprächtigen, orientalischen Kostümen, teils biblische Personen, oder sonstige Gestalten aus der jüdischen Geschichte darstellend. Auch die Säle waren mit jüdischnationalen Emblemen dekoriert. Musikalische und humoristische Vorträge und andere belustigende Veranstaltungen wie z. B. eine Schnellpost unter Anwendung von Nationalfondsmarken trugen viel zur Unterhaltung der Anwesende!! bei. Während der Kaffeetafel hielt Herr Dr. Klee eine kurze Ansprache. In der er in markigen Worten den zahlreich crschieneuen neuen Gästen, soweit sie mit dem Programm der Zionisten unbekannt waren, das Wesen des Zionismus auseinandersetzte. Darauf trug Dr. Zlocisti einige Proben aus der eben erschienenen ersten Nummer der satyrischcn Zeitschrift .׳« I ׳ f von Dr. Immanuel Plato ln Hamburg. Als Manuskript 1 gedruckt. Hamburg (19n3): Vcrlangsanstalt . . . vorm. J. S. Richter, f-18 S.) 8 °. ' Es ist c:nc alte Bemerkung, dass der Inhalt der Bücher umgekehrt proportional sein soll zur Länge ‘der Titel. Wenn das nicht inmb.r zutriiit. so kann mau getrost in diesem Falle das Mass von der Giite aus der Länge des Titels abnehmen. Es ist für den unbefangenen Kritiker eine ganz wundersarn anmutende Tatsache, von einem Manne, der im Besitze des deutschen Doktortitels aus des zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts;st. ein Sendschreiben zu lesen, das im dreizehnten nachchristlichen Jahrhundert hätte Sensation erregen können. Es kann dabei selbstverständlich unsere Absicht nicht sein, in irgend welche religiöse I ehrmcimingen uns hineinzumengen. Aber der Standpunkt, der uns hier als jüdisch-religiöser eutgegengebracht wird, ist eben nicht der jüdisch-religiöse, wenn auch der Autor gewiss der Meinung ist dass er und nur er ganz im Geiste und Sinne des Talmuds und vielleicht gar der Bibel das echte Judentum repräsentiert Demi die Form, in der Plato seine Anschauungen vertritt, ist keine andere als die der mittelalterlichen Scholastik, wenn er auch gewiss der Uebcrzeugung lebt, auf der Höhe der modernen Wissenschaft zu stehen. So wie er seine ..Beweise“ gegen ״Bibel und Babe!“ vor» Friedrich Delitzsch richtet, hätte er mit noch besserem Rechte folgenden Einwand erheben können: ״Die Juden zählen augenblicklich das Jahr 5663. Die ältesten Denkmale, die m;»n in Babylonien und Acevptcn ausgegrahen hat, sind unzweifelhaft älter als diese 5663 Jahre: folglich ist durch die biblische Wahrheit . die Lügenhaftigkeit und Unwahrheit der alt-orientalischen Denkmäler erwiesen." Plato muss konsequentermassen wie se!nc katholischen Gesinnungsgenossen aus den Zeiten des Kolumbus. Galileis und Giordano Brunos behaupten, dass die Sonne sich bewegt und die F.rdc still steht. Wir müssen ihm diese Anschauung lassen, können auch nicht mit ihm rechten, wenn er sich durch allegorische Deutungen mit den bandgrciflichstei! Fortschritten der MatliemaVk und Astronomie in einigermassen friedlichen Verkehr zu setzen bemüht und glaubt, dass er ein geistiger Solu! des zwanzigsten Jahrhunderts sein könne. Aber wir begreifen es. wenn Delitzsch den offenen Brief mit dem gleichen Erstaunen lesen wird, das er haben würde, wenn der selige Thomas von Aquino ganz persönlich einen offenen Brief über seine Ketzerei •an ihn richtete. Wir dürfen auch mit dem Aufor von ״Bibel und Babel“ keineswegs deswegen rechten, dass er gegen die Buchstabenglüuhigkeit aufgetreten ist. dass er die Offenbarung leugnet. das muss er mit s׳'ch abmachen. wie wir so etwas mit uns abmachen; wir haben auch nichts dagegen, wenn er seine Wissenschaft und ihre Resultate vorzeitig auf den Markt trägt und nicht in sons♦ bei deutschen Gelehrten so anmuteiidei Weise d>c Wahrheit nur um der Wahrheit willen sucht, das ist schicsslich doch Sache des Temperaments. Wir müssen nur darüber unsere Verwunderung cussprechcn. dass Delitzsch glaubt, den Erfoderunissen der Wissenschaft genügen zu können, wenn er mit dem Offcnbartingsglaubeii aiifrmimcn will, aber sorgfältig an der Schwelle des Christentums umkehrt. Da erinnern wir ihn eben, dass er erst vor der eigenen Tür kehren soll und es uns selbst überlassen, uns dem V•*־;