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Jüdische Rundschau · 1903-03-27 · Heft 13 (27.3.1903) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 13 (27.3.1903)
Date
1903-03-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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% 1 I f No._ 13. 1^ JUdische RuiüdBclia.11• Seite 115ז R a u c lj e n s, im Publikum viel zu wenig bekannt und werden auch von manchen Aerzten noch unterschätzt. •Dies erklärt sich daraus, dass das Rauchen langsamer seine Wirkungen entfaltet, al» der Atkoholgenuss, und dass die darnach auftretenden Erscheinungen weniger augenfällig und weniger stürmisch verlaufen. Darum werden die im Gefoige übermassigen Rauchens allmählich, bei dem Einen früher, bei dein Andern später, sich erstellenden Symptome Übersehen oder nicht beachtet, oder falsch gedeutet, d. h. andern Ursachen zugeschrieben. Zu diesen Symptomen gehören Störungen der* verschiedensten Organe, so von Seiten des Herzens: Herzklopfen. Beklcmmungsgctuhlc, unregelmässiger und aussetzender Puls, von Seiten der Verdauungsorga 11c: Trockenheit im Mund und Rachen mit Kratzen und Schiuckbesclnvcrden (der bekannte ״Raucherkatarrli“) Appetitlosigkeit, Unregelmässigkeit der Stulilentlecrung. von Seiten des Nerven- Systems: Eingenommenheit aes Kopfes, Schwindelgehihl, Ohrensausen. Schlaflosigkeit, Störung der Geschlcchtsfunktion u. a. m. Alle diese Erscheinungen können, wenn das Rauchen rechtzeitig eingestellt oder wenigstens erheblich eingeschränkt wird, wieder verschwinden, ohne dauernden Schaden zu hinterlassen. Andernfalls aker bilden sich, wenn auch erst im Verlauf von Jahren, bleibende Veränderungen und (Störungen) Schädigungen der Organe aus, die nicht weniger verderblich sind, als die durch Alkoholmissbrauch hervorgerufenen Krankheitszustände. — . Vor Allem sind es die Blutgeiässc,• welche bei fortgesetztem Tabakmissbrauch mit der Zeit erkranken. Es kommt zu Verkalkung der Schlag-Pulsadern und je nach dem angegriffenen Aderbezirk zur Erkrankung des Herz e n s , oder des Gehirns , oder der Nieren, oder aller dieser Organe zusammen. In anderen Fällen sind es wieder mehr die Nerven, welche geschädigt werden, so dass die verschiedensten Formen der Nervosität oder Neurasthenie. Unlust und Unfähigkeit zu ernster Tätigkeit, Verstimmung und Reizbarkeit, Abnahme der geistigen und körperlichen Energie, Impotenz u. s. w. entstehen, mit einem Worte ein vorzeitiges Greisentum. Mir sind Im Laufe der Jahre grade aus Russland, wo bcsonders viel Missbrauch mit Zigaretten getrieben wird, eine grosse Anzahl .von Personen (darunter auch besonders Aerzte und Advokaten) vorgckonitnen, die mit 50 Jahren ergraut waren, und den Eindruck von Greisen machten, hauptsächlich Infolge übermässigen Tabakrauchens, wenn auch andere Momente, (Entbehrungen, Sorge, frühere Ausschweifungen) häufig mit Im Spiele waren.; . Wie es scheint, wirkt übermässiges Rauchen von Zigaretten schädlicher, als von Zigarren oder von Pfeifen, vielleicht, weil zu jenen ein anderer, stärkerer Tabak verwandt wird, vielleicht sind auch die Dämpfe des mit verbrennenden Papiers, oder andere, mir nicht bekannte Umstände von Bedeuiung. — Die Gründe, warum grade unter den Jüdischen, zumal russischen Studenten das Rauchen so ausserordentlich verbreitet ist, liegen auf der Hand. Die grösste Mehrzahl derselben ist mit'dcm. was man ״Glficksgntcr“ nennt, nicht übermässig gesegnet, und muss auf mancherlei Vergnügungen und Zerstreuungen, die ihre besser gestellten Alters- und Standesgenossen sich verschaffen können, mehr oder weniger verzichtcn, darunter namentlich auf das wüste Kneipenleben, dass auch wohl Ihren Gewohnheiten und Neigungen wenig zusagt. Dafür bieten ihnen die zugleich weniger kostspieligcn Zigarren oder Zigaretten einigen Ersatz. Wenn sie die ersten Unannehmlichkeiten, die der Neuling im Rauchen durchzuniachcn hat. überwunden haben, ist ihnen das Rauchen Genuss, Zerstreuung und Trost, die ihnen über mancherlei Bitternisse des Lebens hinweghelfen. Ja. Vielen wird durch das Rauchen die geistige Arbeit erleichtert. Darum ist gegen einen massigen Genuss des Tabaks nichts einzuwenden, namentlich wenn schwere importierte Zigarren vermieden werden. Und diese werden wohl von den wenig begitterten Studenten nicht geniissbraucht werden. Schädlich ist hier, wie überall, dass Uebemiass. Da die individuelle Toleranz sehr verschieden ist, d. 11. Einer mehr verträgt, als ein Anderer, so lässt sich ein bestimmtes, von Jedem stets einzuhaltendes Mass für das Tabakrauchen so wenig, wie für andere Genüsse fcstsctzcn. Ganz irn Allgemeinen aber dürften 3 bis höchstens 5 leichte Zigarren mittleren Kalibers oder 8 bis 21 Zigaretten diejenige tägliche Menge da'rstdien, welch.e bei länger fortgesetztem Rauchen nicht, oder allenfalls nur in ganz seltenen Ausnahmefällen überschritten werden sollten. Vor dem IS. oder 20. Lebensjahre sollte überhaupt mit Rauchen nicht begonnen werden. Dass endlich bei gewissen Krankheitszuständen oder Krankheitsanlagcn das Rauchen ganz zu unterbleiben hat, ist eigentlich selbstverständlich, wird aber im jugendlichen Leichtsinn gar zu oft vergessen. — Haare passten sehr gut zu seinem gutmütigen Gesicht, — man sah ihm das Elend an, und er beklagte sich über die strengen Massregeln der Polizei, auch über den kargen Lohn. Ich besuchte einige Landsleute, an welche ich Briefe und .Grüssc zu übermitteln hatte. — Das Erste, was ich zu hören bekam, — ob ich das Wohnrecht habe — ich bejahte die Frage selbstverständlich, weil es mir gesagt worden war, dass Maler bevorzugt w'erden, und es durch Protektion und Mühe leicht wäre, das Wohnrecht zu erw׳erben. * Ich konnte nicht angemeldet w׳erden, da ich kein Zeugnis vorrätig hatte, dass Ich niemals bestraft sei. Ein solches Zeugnis wird nur vom Polizeimeister ausgestellt. Bevor ich abreiste, versicherte mir der Polizeimeister, dass ein Zeugnis nicht notwendig seif erstens, um die paar Minuten Arbeit zu sparen, dann aber machte er cs sich auch zum Prinzip, niemanden von den Bürgern der Stadt ein solches auszustellen. — Er wrar viel zu phlegmatisch, um sich in die Lage eines Menschen hineinzudenken. — Er war der Sohn eines Bauern aus Kleinrussland, und nur durch Zufall hatte er mit Hilfe eines reichen Verwandten ein paar Klassen des Gymnasiums absolviert. Nach seinem Militärdienst w׳ar er durch Protektion eines höheren Beamten im Bureau des Gouverneurs als i Sekretär angestellt worden, und durch unermüdlichen Fieiss und Genauigkeit avanzierte er allmählich bis zum Polizeimeister; jedoch blieb er im Charakter ein roher Bauer. Inzw ischen hatte ich einen Schulkameraden aufgesucht, welcher als Zahnarzt in der Residenzstadt an der New׳a praktizierte. Er erklärte mir, er stehe mit den Polizeibeamten seines Bezirkes in guter Beziehung und bemühte sich, mich auzumeldcn. Durch gute Worte und ״Taten“ gelang ihm dies. — ־ ■ Meine Dokumente, welche aus einem russischen Bürgerpass und verschiedenen Berufszeugnissen bestanden, gingen mit der Randbemerkung, dass in einigen Tagen das noch fehlende Dokument einlaufen müsse, an das Bureau des General-Gouverneurs. Ich w׳ar auf Schwierigkeiten gefasst, und ich hatte mir von einem berühmten Schlachtenmaler eine Empfehlung an Herrn Baron von N., Flügel-Adjutant des General-Gouverneurs iu Petersburg, verschafft. Nachdem meine Bekannten mir jede Hoffnung ge- •״*ג*,־’ *j***g« *ויןןי£»# P «ן '

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