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Jüdische Rundschau · 1903-03-20 · Heft 12 (20.3.1903) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 12 (20.3.1903)
Date
1903-03-20
Page
– (sequence 15)
Language
German
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üiflklB^ly■»- *?**י No. & «Tlldigche 1^113»€l»el1a»1l*._ ***• Lange sah. der Pharao ihm nach in tiefem Schweigen. Dann rief er seinen Sklaven und befahl: ״Sag* den Vögten, dass von morgen ab die Israeliten sich selbst die Stoppeln vom Felde zusammenlesen, dass ihre Arbeit verdoppelt werde.“- Und wieder sann der Pharao über Mose. — - ־־3G ס¬¬¬ Kleine Chronik. 3e_ פ_ Die erste ordentliche Mitgliederversammlung des ״Vereins Jüdischer Arbeltcrkclonfe und Asyl״ hat am Sonntag, e. 15. März vorm. 11 Uhr unter dem Vorsitz des Maurermeisters Adler im Biircau des Dcutseh-israclitisthcn Gemeindeburidcs, Stcglitzcrstr. 85, stattgciiinden. Der Vorsitzende widmete zunächst den um die Schöptutig des sich so segensreich entwickelnden Instituts wohlverdienten heimgegangenen Herren: liugett Rosenstiel und Oberamtmann Ludwig Meyer warnte Gedächtnisworte. Au! die Vorlesung des im Druck vorlicgen• den eingehenden Rechenschaftsberichts wurde verzichtet. Zur Genugtuung der Anwesenden konnte iestgestellt werden, dass die anfänglich sehr beträchtlichen Schwierigkeiten der Arbeitsbcschaffung überwunden sind und dass die Kolonisten sich über Erwarten anstellig, arbeitsfreudig lind auch hinsichtlich der Disziplin mit verschwindenden Ausnahmen musterhaft bewics.cn. Diesem Umstande ist wohl auch die von der Po- Iizeibehördc bewiesene Rücksichtnahme zu verdanken. Auc der Debatte, an der sich die Herren Blumenfeld, Ber, Fernbach. Lustig und Berge! beteiligten, sind besonders die Ausführungen des Letztgenannten hervorzuheben, der darauf huw׳ies, dass die Juden in Russland, Oesterreich und England weit schwerer unter der wirtschaftlichen Last eines einheim:־ sehen oder ziigcwandcrten jüdischen Proletariats zu leiden haben, als wir in Deutschand, und dass wir daher mit der durch Unterstützung der J. C. A. gelungenen Schaffung der Arbeiterkolonie nur eine Pflicht erfüllt haben, die wir schon unserer historischen Stellung und unserem Ansehen schulden. Zum stellvertretenden Schatzmeister wurde Herr Ilia Bcr, zu Revisoren die Herren Blumcnfeld. Hirschberg und Lqszynsky, zu ihtem Stellvertreter Herr Fernbach gewählt. Als Illustration des nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in ethischer Beziehung erziehlich wirkenden Anstaltsaufcnhalts wurden Zu- Schriften früherer Insassen an den Arbeitsinspektor Herrn Behrendt verlesen, die ein rührendes Zeugnis von Anhänglichkeit und Dankbarkeit ablegen, und in denen das Verständnis für die sozialen Intentionen des Vorstandes einen überraschenden Ausdruck findet. Ein Kolonist schreibt von Paris aus, dass er hofft, dort die in der Anstalt erlangte technische Pertigkeit für sich und seine früheren Leidensgenossen verwenden zu können. Mit Recht erblickt er eine Hauptaufgabe de: Wcissensecer Anstalt darin, das bei den Juden zu wenig verbreitete Verständnis für technische Herstellung der von ihnen nieist nur händlerisch behandelten Fabrikate zu wecken und zu üben. — Dafür, dass das Institut schon jetzt gutes Ansehen geniesst, liegen wichtige Anzeichen vor. — In 10L! Monaten sind 10 23S Verpflcgungstage; dafür sind 5724,83 Mk. ausgegeben. Es sind einmalige Zuwendungen 20 276,73 Mk., Mit gliederbeiträge 10 609,20 Mk., Arbeitslöhne 4094,60 Mk. vercinnahmt und 17 732,14 Mark verausgabt worden. Der innere Betrieb, Verpflegung, Löhne, Feuerung, Wasserverbrauch c forderte nur 12000 Mk. Die Zahl der Insassen betrug 158. von denen bis 31. Dezember 02. 128 entlassen wurden, do dass am 1. Januar 1903. 60 sich in der Anstalt befanden. Nur ein ein ziger wurde w׳egen Arbeitsscheu, nur 3 wegen Uebertretung der Hausordnung entlassen: 62 haben Stellung erhalten, 6 haben sich In der Heimat in den! erlernten Handwerk etabliert. Von den anwesenden Kolonisten sind 20 aus Galizien, 12 aus dem Deutschen Reich, 8 aus Ungarn, 5 aus Böhmen, je 4 aus Russland und der Bukowina, 2 aus Deutsch-Oesterreich, je 1 aus Sfavonicn, Mähren, Türkei. Bulgarien und Rumänien. Schliesslich w׳urdc dringend gebeten, der Anstalt zu We-issensee, Wörthstr. 20, Telephon-Amt Weisscnsee, 192 getragene Wüsche und Kleidungsstücke* zu überweisen. Diese letzte Bitte veranlasste kürzlich die antisemitischen Blätter 2a den spöttischen Fragen, was damit geschähe, ob damit ein Handel mit alten Hosen durch die Insassen der Anstalt eingerichtet werden solle. Der Grund ist wohl ein anderer. Da die Insassen der Anstalt-selbstverständlich lauter reiche Juden sind, so soll damit offenbar nur für antisemitische Redakteure Stoff zu Artikeln und Hosen besorgt werden. Jedenfalls ist es charakteristisch für die Redakteure gewisser Blfittcx. dass sic ihre Nase ln jede alte Hose stecken müssen. Die Gründung jüdischer Ktodcrhorte.wiei in de* ״Deutsch* israelitischen Gemeinde in Hamburg geplant.!7fr׳ Erfahrung.,, dass es von vielen mlnderbegiitrrten Eltern als ein dringende* Bedürfnis empfunden wird, ihre Kinder solchen Horten anzuvertrauen, hat mehrere Vereine, wie den Israclitisch-Mumanitären Frauen-Vercin. die Henry Jones-Loge U. O. B. B., sowie eine Anzahl von Lehrern und Lehrerinnen veranlasst, die Errichtung von Kinderhorten herbeizuffihren. Dort soll unter Leitung von bewährten Lehrkräften und unter der Mitwirkung von Freunden und Freundinnen der Sache, die sich zahlreich finden w׳crden, in den Nachm-ttagsstunden und zwar in räumlich getrennten Knaben- und Mädchen-Horten den Kindern ein Heim geboten werden: w0׳ s'c unter Aufsicht in guter Luft und bei gutem Lieht ihre Schularbeiten erledigen und ihren Spielen sich hingeben können. Es wird nur ein geringes Entgelt erhoben werden. Die Erötirung des ersten Kinderhortes soll bereits zu Pcssach erfolgen. In Frankfurt am M a i n ex .stiert ein solcher Verein schon längere Zeit. 11er ״Verein Kindergarten für Israeliten*• hatte im abgelaufcncn Geschäftsjahre wie der in der kürzlich stattgefundenen Generalversammlung erteilte Jahresbericht bcsagt. 60 Zöglinge. Die Einnahmen betrugen 12 072 Mk., die Ausgaben 9471 Mark. Bd einer Inspektion durch den Schul- Inspektor Herbor und den Kreisarzt Geh. Sanitätsrat Dr. Crniidhomme wurden die hygienischen Einrichtungen des Vereins geloht. Ein eigenes Heim konnte trotz aller Mühe bis jetzt noch nicht errichtet werden. Goldene Zelten für die •Juden haben zwar auch in Breslau noch nicht begonnen aber wenigstens im ’׳riegerverein" sind sie ausnahmsweise gleichberechtigt. Die goldene Hochzeit feierte nämlich der ir ft he re Schneidermeister Moritz Zoll- 1!cr. Vormittag wurde das Jubelpaar in der Synagoge des Eränkel'schcn Zufluchthauses cingescgnet. Der Jubilar ist seit Jahren Hauptmann int Breslauer Kriegerverein. Bei der Feier wurde ihm die Bestallung zum Major des Kriegervcreins überreicht. Und da beklagen sich die Juden noch, dass kein einziger von ihnen Ofhzier wird. Wie können nur Leute so unzuirieden sein? Verbandstag der ostpreusslschen Synagogen-Genteinden. Der Verband der Synagogen-Gctneinden Ostpreussens hielt am 23. Februar er. seine 19. ordentliche Generalversammlung in Osterode ab. Die Verhandlungen am 23. begannen mit einer Sondersitzung der Pensionskasse für jiid. I2e!igtou$lchrer und Kultus.beamtc in Ostprcussen, die als Gründung des Gemeindeverbandes ihre Generalversammlung .diesmal in Verbindung mit diesem abhielt. Der Kasse gehören 35 Gemeinden der Provinz mit 38 Beamten als Mitglieder an. Trotz ihres kurzen Be- Standes erhalten bereits zwei Beamtenwitwen aus ihr Pensione.1. Die Kasse gewährt ausserdem aus den ihr zufliessendcn Wohltütigkeitsmittcln an. neun arme Gemeinden Subventionen zur Versicherung ihrer Beamten. Der Abschluss des Jahres ergab eine Erhöhung des Kassenvcrmögcns aut 15300 Mark. Der Kasse waren im vergangenen Jahre viele Spenden zugewendet worden. Im Anschluss an diese Sitzung cröffnete dam! der Vorsitzende des Verbandsausschusses, Herr Stadtrat J. Eiel1elbau.m-fnstcrbutg, die Generalversammlung des ostprcussischcn Synagogenverbandes. Die folgende Wald des Biircaus ergab: Stadtrat J. Eiclielbauin-Insterburg, Vorsitzender, Rechtsanwalt Schcy-Allenstein, stellvertretender Vorsitzender, Waisenhausinspcktor Peritz-Königsbcrg, Schriftiührer, Jacoby-Ostcrodc, Dr. Ritterband-Osterode, Obersekretäi Klein-Königsberg und Dr. Kanmitzer-Allcnstein Beisitzer. Im Anschluss daran empfahl Herr Obersekretär viein- Königsberg die Unterstützung des Hilfsvereins deutscher Juden und des Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, die, wie er meinte, den Allgemcininteressen der deutschen Juden sehr fördcrlich seien. Den Bericht über die Schuliuspefcfeon erstattete der Vorsitzende der Sclsulinspektion, Herr Rabb. Dr. VogcJstein-Königsberg, der ein ausführliches Bild der Schulvcrhültnissc 31t Östpreusscn gab. Eine ausgedehnte Debatte schloss sieb an diesen Bericht. -- Nach kurzer Frühstückspause bcgaiiuen dann die Verhandlungen über den Hauptpunkt der diesjährigen Tagung: die Beratung über die Einrichtung von Grcnzbürcaus behufs Verhinderung der Wanderbettelei. Das Referat darüber hatte der Herr Verbandsvorsitzende Stadtrat Eichelbaum selbst übernommen. Nach ausgedehnter fast zweiständiger Debatte wurde schliesslich der Antrag des Verbandsausschtisses, der in ausführlicher Begründung die praktische Unmöglichkeit und allgemeine Gefährlichkeit solcher ״Komitee- Installierung*‘ nachwies, mit grosser Majorität angenommen und die Einrichtung von Grenzhf^eaus demnach abgeiehnt. Dagegen wurde auf Antrag des Herrn Dr. Ritterband-Osterode beschlossen, den Vcrbandsgemcinden allgemein die Einrichtung von Zcntral-Armenkassen innerhalb ihrer Gemeinden zur Bescirigung der Hausbettelcl zur Empfehlung zu bringen. — Es folgte die Beratung des Etats, pro 1903/04. — Bei Erörterung von Gemeindeinteressen wurde besonders auf die Nützlichkeit

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