Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1903)
- Date
- 1903-03-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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In seinem Schluss* wort bekannte darauf der Vortragende, dass nichts ihn hindere, die Forderungen des Baseler Programms als vollberechtigt anzuerkennen und verlieh ferner seiner besonderen Genugtuung darüber Ausdruck, dass ihm Zustimmung von Männern käme, denen wie den Zionisten die Eigenschaften der Würde und Selbstachtung zweifellos ziikänien! Er gab sodann zu, dass mit Rücksicht auf die vielhtmdertjührigen gemeinsamen Schick• sale der Juden auch von einer Nationalität, derselben wohl iti gewissem Sinne gesprochen werden könne. •,‘ Eür unsere Pr״- paganda, welche hier bislang völlig geruht hat. würde es cudlieh an der Zeit sein, ciuzugrciien. hoficntlich bleibt trotz det im Allgemeinen 1mge״\ öhnlich grossen Tcilnahmiosigkcit gegenüber jüdischen Dingen in hiesiger Gemeinde ein angemessener Erfolg nunmehr nicht aus. I Wissenschaft und Kunst. ״ €1 ■ O Z>5GOC׳ CC £-£• 2GÖ$©e0 2C־C ßC-&SG COO Dieser Tage hielt die Gesellschaft zur Erlorschung jüdischer Kunstdenkmaic.r ihre Generalversammlung unter dem Vorsitz von Ch. Hallgarten ab. Den Geschäftsbericht ‘erstattete Direktor Fraubergcr-Düsseldorf. Die Schwicrigkciteil, die sich der vor einigen Jahren gegründeten Gesellschaft in den Weg stellten, waren gross, da brauchbare Photographien alter Synagogen und Kultusgeräte nicht vorhanden waren, bei der Aufnahme der oft versteckt liegenden Synagogen ,sich allerhand ünzuträglichkeiten ergaben, Eraubcrgcr des Hebrö-!selten nicht kundig ist und nur in seinen freien Stunden sich mit der Sache beschäftigen konnte. Trotzdem ist mit den bc- . scheidenen zur Verfügung stehenden Mitteln Ausscrordentliches geschehen. Erauberger besuchte die jüdischen Aus-, Stellungen in London, Paris und Wien, die altertümlichen Syuagogen in Worms und Prag, besichtigte Eürtlt und Amsterdam, bereiste dann auf Kosten des Herrn Haligartcn in Begleitung eines Künstlers und stellenweise eines Antiquitätenhändlers, ganz Italien, wo aber nur Gegenstände aus dein späten Mittelalter und der Renaissance gefunden wurden. In der Zeit ihres Bestehens hat die Gesellschaft 29 750 Mk. ausgegeben, u. a. für Restaurierung des Bades in Eriedberg 1500 Mk. Frauberger hielt 15 Vorträge in verschiedenen Städten Deutschlands. Von Publikationen erschienen 2 Hefte und 1 Notizblatt; Heft 3, Notizblatt 2 und 3, möglicherweise auch 4, werden im Laufe des Jahres erscheinen. Mitgeteilt wurde, daSsS an Stelle des verstorbenen ög. Speyer Wilh. B. Bonn die Kassafiihruiig übernommen hat und Rabbiner Dr. Selignuum in den Vorstand kooptiert worden ist. Ein jüdisches Altertum das Judenbad 111 Friedberg (in Hessen) wird fetzt auf öffentliche Kosten erneuert. Auf Ersuchen des Vorstandes der ״Israelitischen Religionsgemeindc“ und des die Reiiovitrungsarbeiten leitenden Architekten, Kirchenbaumeister Kratz, wird nach einem soeben cingegangeneii Berichte vom Grosshcrzogl. Ministerium, Herr (ich. Baurat hoffmaim, aus Parmstadt, mit Vertretern des Frankfurter jiidischeu Altertumsvereins, unter anderen Herrn Charles Hall- ״arten, eine Besichtigung des althistorischen Judenbades vornehmen, zwecks Bewilligung eines weiteren Zuschusses fiir Kostenaufwendungen, da wegen Geldmangel die Rcnovjcrungsarbeiten seit einiger Zeit ruhen müssen. Der über dem Judenbade in Angriff genommene Neubau ist frngegen bis zum erste:! Stockwerke gediehen und w׳ird in aller Kürze fertiggestellt wer-. . den können. ־ Ein hebräischer Papyrus. Die grossen Papyrusfunde. welche in der letzten Zeit in Egypten gemacht worden sind kommen in der Hauptsache dem griechischen und egyptischen Sprachgebiete zu gute, beträchtliche Textniasscn bereicherten auch die lateinische und die arabische Sprache. Daneben sind aber auch nicht wenige hebräische Papyri gefunden *vordem ’ .* .ו!‘*. Während jedoch alles, w׳as bis jetzt an solchen Texten bekannt ״wurde, Urkunden des täglichen Lebens oder theologische Stücke von geringerer Bedeutung betraf, ist nun auch ein alttestamentlichcr Papyrus ans Licht gezogen worden. In der bekannten englischen ״Society of the biblical archeölogy״ wurde kürzlich berichtet, dass ein Engländer namens W. L. Nasch ein aus Egypten stammendes Papyrusblatt erworben hat, das die zehn Gebote und den Anfang des sogenannten Schema in hebräischer .Sprache biete. Die zehn Gebote erscheinen in etwas veränderter Ordnung, und auch sonst bietet des kleine Blatt manch wichtige Neuigkeit. Es ist eiwa im 6. Jahrhundert n. Chr. geschrieben worden. Im Anschluss an diese Nachricht sei mitgctcilt. dass die umfangreichen Septuaginta-Bruchstückc der Heidelberger Universitätsbibliothek nun bald der Oeffentlichkcit übergeben werden. Vor Wenigen Jahren hatte die bezeichnete Bibliothek das Glück, voll einem Papyrushändler in Wien umfangreiche Reste einer aus Egypten stammenden Septuaginta-Handschrift zu erwerben. Sie wurden dem Heidelberger Professor A. Deissmann zur Bearbeitung überwiesen, der mm in kurzer Zeit die Ausgabe der Ocffcntlichkeit übergeben wird, zugleich mit einer sorgfältigen Wieder gäbe der neu gewonnenen Ucbcrlieterung. Von Septuagintastücken sind bis jetzt schon manche Papyri in Egypten gefunden worden, «'»her immer mir sehr kleinen Umfangs, während erst die Heidelberger Blätter cs gestatten, über den in Egypten im Umlauf gewesenen Septuagintatext neue, wichtige Vermutuu gen aufzustelicn. (״Reichsbotc“). In dem Königsberger ״Verein für jüdische Geschichte und Littcratur“ hielt Dr. fR ii h I einen Vortrag über den jüdischen Historiker Justus von Tiberla«. Der Vortragende charakterisier’e zunächst die politischen Zustände in Judäa während der letzten Jahrzehnte des zweiten Staats, um dann auf sein eigentliches Thema überzugehen. Justus von Tiberias ist der *'erfasscr eines grösseren Chronik Werks über die jüdischen Könige, das noch Photiiis Vorgelegen hat, und hat eine Dar- Stellung des grossen Krieges mit den Römern gegeben, den er ebenso wie Flavins Josephus als beteiligter Augenzeuge mit- ״(.macht hat. Sein W erk wäre daher eine unschätzbare hist״- rische Quelle, ist aber leider verloren gegangen, und was wir davon wissen, verdanken wir Jen! berühmten Zeitgenossen us d Gegner des Justus, eben dem Geschichtsschreiber Elavius Josenhus, dessen jüngste Schriit, die Autobiographie, einen tendenziösen!Rechtfertigungsversuch gegenüber den Angriffen des Justus darstellt. Begreiflicherweise kann diese polemisch» Schrift nur mit grosser Vorsicht als geschichtliches Zeugnis über Justus verwertet werden, und es bedarf tief cindringcndcr Kritik, um ein richtiges Bild von der viel umstrittenen Personlichkeit des Justus zu gewinnen. Wie die meisten neueren Historiker, namentlich H. Graetz, sprach ihm der Vortragende unbedingt höhere Glaubwürdigkeit vor Josephus zu, gab aber Seiner Ansicht über dieses Historikers politische Stellung da׳ hin Ausdruck, dass Justus wcJer auf jüdischer! noch auf römischer Seite gestanden, sondern lediglich die Politik seines Herrn, des galizischen Königs A g r i p p a!!., unterstützt habe. Aus der Zelt Ludwig dies Frommen. Jahr.839. Um diese Zeit verbreitete sich die Kunde eines, btweinmswerten und von der gesammten Christenheit zu beklagenden Ereignisses. Ein Diakon Bodo nämlich, von alcnnut'ischcr Herkunit, der fast von den Windeln her in die Christliehe Religion und durch den Unterricht am Hofe in göttliche und menschliche Wissenschaft eingeweiht war, auch noch im vorhergehenden Jahre von dem Kaiser paar die Erlaubnis er-; beten batte, nach Rom zu gehen, um dort zu beten, und dazu von ihnen reichlich mit Geschenken ausgestattet worden war, tiat jetzt, von dem Feind des Menschengeschlechts verführt, vom Christentum zur jüdischen Religion״) über. Und zwar scheute er sich nicht, indem er mit den Juden übe^ seinen'Vorrat und niehtswürdigeti Eidbruch Verabredung traf, den Vcrkauf derjenigen, welche er mit sich genommen hatte, an die Heiden listig ins Werk zu setzen; als er sich nun dieser entledigt *) Die christliche Religion heisst im mittelalterlichen Latein ״lides christiana", d. i. christliche Treue, während die Religion der Juden hier wie überall ״perfidia Judaeorum“ also ״Treulosigkeit: der Juden'•* genannt wird.