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Jüdische Rundschau · 1903-03-20 · Heft 12 (20.3.1903) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 12 (20.3.1903)
Date
1903-03-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 104 י« Jüdische Kiindsciiau. No. ,12. längst uns gegebenen und Immer wieder erneuten Versprechen begnügen, dass der offizielle Zionismus niemals auch nur hn geringsten das heilige Oottesgesetz antasten wird, — wie er dies auch in der Tat zur Ausführung gebracht hat, und müssen ruhig auf Qott vertrauen, bis der richtige Zeitpunkt zur Verwiridichung unseres Wunsches gekommen sein wird. Unterdessen werden auch die auf einem anderen religiösen Boden Stehenden unser Volk und unsere Lehre kennen lernen, und wenn der innere Zusammenhang zwischen ihnen und uns stärker geworden ist, werden auch sie unserem Leitsatz freudigen Herzens zustimmen. Doch bis dahin müssen wir uns ge* dulden, wir müssen sie alle mit offenen Armen aufnehmen, mit liebevollen Banden sie zu uns hinüberziehen, und sie mit ewig unzcrrcissbaren Fesseln an unser jüdisches Bruderherz knUpfen. Wir haben jetzt einen eifrigen, einen scharfen Aufseher, den Misrachi: er zählt hunderte von Rabbinern, tausende von orthodoxen Juden zu seinen Anhängern: er will alles auf den Boden der Oottcslchre stellen. Jeder, in dessen Adern jüdisches Blut fliesst, jeder, in dessen Brust ein jüdisch empfindendes Herz klopft, und den echt-jüdischer Geist beseelt, er mu5js eintreten in die Reihen des Zionismus und des Misrachi, und muss arbeiten für unser Volk.“ — Es hiesse den Eindruck dieser wahren, goldenen Worte abschwächen, wollten wir ihnen etwas hinzufügen. Und sofern die orthodoxen Juden durch religiöse Einwände abgehalten worden sind, dem Zionismus beizutreten, so mögen sie die Bewegung jetzt dadurch unterstützen, da,ss sic sich der Misrachi-Partei anschHessen. Der Ausweg für den Zwiespalt, in dem sich mancher orthodoxe Jude heiunden hat, er ist gehoben: treten Sie dieser Fraktion innerhalb des Zionismus bei, die es uns gestattet, unseren orthodoxen Standpunkt zur vollsten Geltung zu bringen, und gleichzeitig mitzuschaffen an dem schönen Werk der Fürsorge für unsere Brüder in der Verbannung. A. J. W i n t e r. Nachbemerkung der Redaktion. Wir haben unsern Stand- Punkt gegenüber der Demokratisch-zionistischen Fraktion da״hin klargelegt, dass wir grundsätzlich die Fraktionierung des Zionismus bedauern. Wir halten sie für verfrüht. Aber wir können die Tatsache durch unser Bedauern nicht aus der Welt schaffen, dass sich Fraktionen gebildet haben, erst der orthodoxe Misrachi und dann die Demokratisch-zionistische Fraktion, welche letztere auf das nationale Moment den allerschärfstcn Nachdruck legt. Unsere Leser wissen, äuf welcher Seite unsere eigenen Wieviel Jahrhunderte erstarben?- ׳ Wieviel? — Ist gleich; was gilt die Zahl! ״Hier diese Wunden, diese Narben!“ Frag’ längst ich schon in meiner Qual. f Und doch muss ich sic weiter tragen, So lang’ ich in der Menschen Kreis jFür meines Herzens stille Klagen Nicht Rast, nicht Ruh’ zu finden weiss. Aus .Sklavenelend mich zu heben, Wann endlich wird mir solch Geschick? Mein Stöhnen, Schreien: ״Leben! Leben!“ •Wird still nicht einen Augenblick!“ -א: Bilder aus dem russischen Reichsghetto. Sundei der Rossarzt. Von Dr. J. R ü 1 f - Bonn. (Schluss.) Geschick und Geschichte des schwergeprüften Mannes hatten auch mich mächtig ergriffen und gar oft noch gedachte jeh seiner. Erkundigte, mich auch noch Sympathien sind und welche Anschauungen uns beseelen, wenn wir Uns auch stets sorgsam gemüht haben, unsern eigenen Sonderstandpunkt hinter dem gemeinsamen Interesse der Zionistischen Partei, das das AHgemeininteressc des gesamten Jüdischen Volkes ist, zurückzustelicn. Jedenfalls kann die Tatsache der Existenz von Fraktionen nicht aus der Welt geschafft werden, und es kann nur als ein weiterer Beweis der Lebenskraft unserer Partei und unseres Stammes bctrach* tet werden, •lass die Parteien nicht zu Parteiungen führen, und dass cs möglich wurde, im Zionismus ausgesprochene Sonderanschauungen zu pflegen, ohne dass die Einheit der Gesamtpartei auch nur im geringsten F.inbusse erlitten hat. Und wenn selbst religiöse Strömungen nicht imstande sind, das Band zu sprengen, das uns alle einmütig umschliesst, so ist der Beweis der Ailcinheit des Zionismus J schlagend geliefert. Wie wir der demokratisch-zionistischen ן Fraktion das Wort in unscrni Blatte gegeben haben, erachten wir cs für eine Pflicht ausgleichender Gerechtigkeit, auch die andere Fraktion, den ..Misrachi", zu Worte kommen zu lassen Als freiheitlich gesinnte Zionisten halten wir es eben für unsere Pflicht, den Standpunkt des andern Flügels unserer Bewegung n'cht zu verschweigen: und wo wir ihn nicht teilen, können wir ihm doch die Hochachtung für seine ehrliche Gesinnung und ihre redliche Betätigung nicht versagen. Wir marschieren auf verschiedenen Wegen, hoffen aber, dass uns beide Wege zum besten unseres Stammes in Zion zusammenführen werden «י . ..... m1— — « »״■1 ״ « •*. . 1־v*n i.m «r^^ww.ajutBjrMrr^aiMr1יי׳•*•״ '־ יי—w *» ״׳—י Heinrich Loewe. » ־־ * *׳ * * * "**•־** ־ *■"־״** ן Islam und Zionismus. ו Sonntag, den 20. Fcbr. I. .1. fand in Manchester eine grosse zionistische Versammlung statt, die hauptsächlich für Ar- | heiter bestimmt war. Redner waren Herr Abdullah Quilliam Effcndi und Mr. S. Lennox Loewe. Sic erklärten die Tendenzen des Zionismus und setzten auseinander, dass cs eine Notwendigkeit für jeden Juden sei, Zionist zu sein und in der Bewegung mitzuarbeiten. Abduliah Quilliam Effcndi ist bekanntlich der Schcikh-ül- Islam der englischen Inseln und selbstverständlich ein eifriger Mohammedaner. Er zeichnet sich durch seine Menschenfreundlichkeit. seine Toleranz und durch seinen grossen politischen Blick aus. Er ist ein überzeugter Philozionist. Dies bewies er wieder durch die Rede, die er in Manchester gehalten hat, in der er ־— ein Mohammedaner — vor einer nach Jahren bei diesem und jenem über den Verbleib des Mannes, konnte aber nie das Geringste über ihn erfahren, bis durch einen gar merkwürdigen Zufall Ich eine Kunde von seines Lebens Ende erhielt, welche den späteren Verlauf dieses Lebens, wenn nicht klar erkennen, so doch ahnen lässt. Ich war nach R u s s berufen worden, um dort eine Trauung zu vollziehen. Russ ist der grösste und bedeutendste Ort des Ostprcussischcn Kreises Heydekrug und der Vorort für den Memcler Holzhandel. Der Ort ist dazu, als von den beiden Armen des Memelstromes umfangen, sehr günstig gelegen. Unter den Hochzeitsgästen befand sich auch der Holzhändler K... ch, sowie dessen zu Besuch bei ihm weilender älterer Bruder, der schon seit vielen Jahren seinen Wohnsitz in Jerusalern hat. Der Mann sprach mit grosser Begeisterung von der heiligen Stadt und betrachtete die beginnende Kolonisation des heiligen Landes als ein grosses nationales Werk, das möglicherweise die Erlösung des jüdischen Volkes im Gefolge haben könne. In der Unterhaltung über die I Zustände des heiligen Landes berichtete er mir: ״Denken j Sie sich, neulich ist mir auch Ihr Name unter einem I Schriftstück zu Gesicht gekommen, bei einer Gelegen-

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