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Jüdische Rundschau · 1903-03-20 · Heft 12 (20.3.1903) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 12 (20.3.1903)
Date
1903-03-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite!03. ^0־ Ä Jüdische Huadgcliau. Afcjo lassen wir Rabbiner Reines selbst zum Wort kommen und sehen wir. was er über den Zionismus im allgemeinen und die Orthodoxie in ihm im besonderen schreibt: ״Ihr Wunsch, dass der Zionismus im Geiste unserer heili* gen Thora geleitet werde, ist zugleich der Wunsch aller orthoüoxen Zionisten, die sich unter der Fahne des ״M i.srach i" zusammengeschart haben. Die feststehende Geschäftsordnung des Zionismus, die bestimmt, da^s bei allen Fragen die Majorität entscheidet, und dem Gange der Verhandlungen ihr Oepräge gibt, und unsere feste Ucberzeugung. dass die Mehrzahl der Juden aus orthodoxen Leuten besteht, bieten uns; eine sichere Bürgschaft dafür, dass die Orthodoxen, sobald sic sämtlich oder zum grössten Teil den Zionismus unterstützen, diesen nach ihrem Wünschen und Wollen werden leiten können. Cs hängt dies einzig und allein von uns Orthodoxen ab, und es gibt keinerlei Vorwar.d, der uns hindern könnte, der zionistischen Organisation beizutreten. Ich bin seit dem Bestehen des Zionismus ein flcissigei Mitarbeiter dieser Bewegung, ich habe an den Kongressen und vielen Versammlungen teilgenommen, und die gesamte' Leitung des Zionismus ist mir zur Genüge bekannt. Aber ich habe bei alledem niclits gefunden, von dem man behaupten könne, dass es gegen unsere heilige Lehre oder gegen den Geist derselben verstosse. Schon seit langem ist es uns allen wohlbekannt und wiederholt klar geworden, dass der Zionismus keineswegs danach trachtet, auch nur im geringsten etwas von den Fundamenten anzutasten, auf denen der Geist unserer heiligen Thora beruht. Alle Rabbiner, die letzt unter der Fahne des Misrachi stehen, — und sie zählen bereits nach Hunderten ״- haben bis jetzt nichts der heiligen Lehre Widersprechendes in der zionistischen Bewegung entdecken können. Um wie viel weniger könnten derartige Befürchtungen laut werden, wenn sich alle Orthodoxen Zusammenschlüssen wollten, um vereint daran zu arbeiten, die Bewegung zu kräi* tigen und zu ihrem Ziele zu führen, nnd um wieviel weniger würde oder dürfte dann etwas aus zionistischer Initiative ge- . schehen, das gegen unsere heilige Lehre verstossen könnte. Wenn es wirklich Tatsache Ist — und die lässt sich nicht bestreiten ״•i dass Anhänger des Zionismus diesen nur vom nationalen Gesichtspunkt aus begründen, so dürfen wir dennoch keineswegs unsere Hände von dieser Bewegung abziehen. Cs genüge uns, dass diese Leute der Assimilation entzogen werden, dass sie aufhören, nach dem Verschwinden und dem restlosen Aufgelien der jüdischen Nation in die sie umgebenden Nationen zu trachten, dass sic sich nicht mehr schämen Ihres jüdischen Namens und Ihres Jüdischen Typus, sondern dass sie für das jüdische Volk zu arbeiten beginnen. Und wir wollen hoffen, dass sic uns, nachdem sie auf diese Welse einmal angefangen haben, sich uns zu nähern, immer näher und näher kommen werden, bis sie schliesslich uns gleich sein werden, denn ״wer sich reinigen will, den sollst du unterstützen" schreiben unsere Weisen vor. Nach und nach •werden sic oder ihre Nachkommen von einer besseren Erkenntnis beseelt werden, nach und nach werden sic vollzählig zu uns zurückkehren, und treue Söhne des Ewigen und seines Volkes werden. Nachdem somit heute eine Zentrale für die orthodoxen Zionisten besteht, nämlich der Misrachi. dessen Bestrebungen sich auf die lautere Reinheit unserer heiligen Lehre stützen, und der sich nach allen Einzelheiten des göttlichen Gesetzes richtet, darf sich kein einziger Jude mehr we-gern,; teilzunehmen an der heMigen Arbeit, an der Arbeit für unsere Lehre, unser Volk und unser Land, er darf nicht länger mehr, den Zionismus kritisierend, abseits stehen. Jeder, dem sein Lernen wirklich zur inneren Ucberzeugung geworden ist. jeder, dessen Herz mitfühlt mit unserem Volk, muss in die Reihen der zionistischen Scharen eintreten, auf dass auch er zu den Baumeistern gehöre, die dem Volke Israel ein neues Haus bauen wollen: und wirklich, (seit dem Tage, an dem der Misrachi gegründet wurde, eilten tausende von orthodoxen Juden, zu denen sich ständig neue sammeln, dieser Fraktion zu, liehen ihm ihre Kraft und schwuren zu seiner Fahne. Unterrichtskurse wurden in vielen Orten eingerichtet, viele andere Institutionen ins Leben gerufen, und welch bedeutenden Einfluss der Misrachi schon heute gewonnen hat, zeigte der Minsker Kongress, der unlängst in Russ• land stattfand. Wir haben den innigen Wunsch, dass von der Tribüne des Kongresses her der Satz angenommen, und dass er an die Spitze eines jeden zionistischen Status gestellt werde: ״Es ist verboten, irgend etwas zu •unternehmen, jetzt oder in Zukunft, das den Gesetzen des Scbulchan Aruch widerspricht". Wie sehr hätten wir uns gefreut, wenn wir dieses Ziel schon heute erreicht hätten. Aber noch ist das menschliche Ge• schlecht nicht reif dazu. ״Erstrebst du alles auf einmal, so erreichst du gar nichts", diese Worte unserer Weisen müssen wir beherzigen. Würden wir die obige Forderung schon jetzt aufsteilen, so würde Zwiespalt und Streit entstehen, der Frieden unseres Volkes würde gestört, der göttliche Name würde entweiht werden. Und wozu sollten wir den Streit heraufbeschwören? Vorläufig müssen wir uns mit dem schon Um Leben, Schonung so gefleht ein Mensch, Wie um den Tod fleht Ahasver. Umsonst! Umsonst! . . . Ewig umsonst! — In tiefer Nacht, Beim blassen Lampenschimmer ־ J ־ ׳•־ Las ich, — und plötzlich steht vor mir Der Schatten einer; bleich, zerschunden, Bedeckt mit Narben, Rissen, Wunden, Unruhigen, unsteten Blicks, Ein beissend, ätzend Lachen um den Mund, Trat zu mir her ein hoher Greis: ״Nein! Nein!“ so rief er aus, und blitzschnell legte Er auf der Sage altes Buch Die abgemagert dürre Hand: ״Nein! Höre! ’s ist nicht wahr!“ Und Schrecken Ergriff mein eiserstarrtes Herz, Solch Wort musst ich vom bleichen Greis vernehmen: ״Nein! Nicht den Tod; nein! nicht das Grab — Das Leben suche ich, das Leben, Nach Licht und Leben lechze ich. ־ Zu Fried’ und Freiheit mich zu heben. Ich — nein! nicht ich! Die andern alle Be! Feuer, Schwert und Wassersnot, Bei Ketten, Kerker und bei Gilt Erdächten mir zehnfachen Tod. Nein, nicht zum Tod, nein vor ihm'her Flog ich in fieberglühender Hast; Mein Herz, das sich in Blut ergoss, Trug keiner Hölle schwarze Last. Helles Gedankenparadies, Ein Regenbogentraum voll'Müllen Dürft’ in der trauernden Seele sich Entknospen, duften, prunken, blühen. . יז. י ' , ' Nein! nicht Gespenster und nicht Schatten, Nein schlimmer als die Brut von Wolf und Schlangen, Die.Menschen jagten, eine tolle Schar. Die sieche Seele mir zu fangen. % * ־ ־ Schau, — wenn du kannst aus Wunden lesen, — Wirst lesen, was ich laut dir klage Was mir an Gram und Qual gewesen Des tiefsten Leides Unglückssage. ' : ... ד! * . 1 <: * ז .*** * ' - . ־ * % nU * * ־ ־ . * *׳«**«}*•’י*. y

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