Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1903)
- Date
- 1903-03-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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No. )2. Seu'e 102. Jlidisclie Hundschau. wollte; als endlich aber der dritte seinen beiden Christ( jüdischen Glaubensgenossen, sagt, dass er ״aus Ucberzeugung“ tibergetreten sei,־ da lachen ihin die beiden andern ins'Gesfcht mit den Worten: ״Das müsst du dem Goi sagen, liicfit uns!“• Man glaubt eben nicht an die Aufrichtigkeit der Ueberzeugung bei Juden, die sich‘ taufen lassen. Soche Leute, wie Paulus Cassel und Domprediger Veit sind so selten, dass sie gar nicht gemeint sein können, wenn von getauften Juden die Rede ist. Nein, ein getaufter Jude ist durchaus ein Mann, der in der Gesellschaft oder als Beamter oder als Gelehrter fortkommen will und deshalb gerade zu einem Zeitpunkte sein christliches Herz entdeckt, wo ihm seine Zugehörigkeit zum Judentum Hindernisse in den Weg legt. Mit Recht bringt die öffentliche Meinung dieses ״ante hoc“ mit einem ״Imins causa“ in ursächlichen Zusammenhang und konstatiert, dass es sehr viele ordentliche Profcssoren jüdischer Abstammung in Berlin gibt, aber eben nur solche, die durch ihre chemischen,medizinischen, juristischen oder mathematischen Studien im Judentum zum Atheisten und nachher ein gläubiger Christ wurden. Es ist also vollkommen richtig, dass der Staat in diesem Falle nicht die religiöse oder stammestümlichc Oe• s I n n u n g bei ־ der Anstellung seiner Beamten in Betracht zieht, im Gegenteil, er zieht nur ihre Gesin: nungslosigkeit in Rechnung. Nach unsenn Dafürhalten kommt das Taufbekennt־ nis einer Eidesformel zum mindesten an Heiligkeit gleich. Es hat überhaupt den Charakter eines Eides und noch dazu eines besonders feierlichen Schwures. Wie aber kommt es dann, dass der Staat es für an gebracht hält, aus dem Judenstamme in erster Linie solche Personen in seinen Beamtenstab aufzunehmen, die ihre bevorzugte Befähigung hierzu andern Juden gegenüber nur dadurch beweisen, dass sie im gegründeten Verdacht stehen, einen notorischen Meineid begangen zu haben. Denn wer sich taufen lässt, um Karriere zu machen, ohne von der Wahrheit des christlichen Heilsgedankens durchdrungen zu sein, entweiht nicht nur die christlichen Sakramente durch diese Handlung, sondern er begeht zugleich eine Tat, die ihn in den Augen jedes charaktervollen Menschen als bedenklich minderwertig erscheinen lässt. Anstatt dass der Staat die getauften Juden bevorzugt, sollte er nicht eher einen solchen Neu- Christen anstellen, als bis er aus guten Gründen die ׳ י / Ueberzeugung gewonnen hat, dass es sich nicht um eine Karriörentaufe, sondern ausnahmsweise einmal um echte religiöse Ueberzeugung handelte. Denn sonst leistet der Staat der Heuchelei und Gesinnungslosigkeit derartig bedenklichen Vorschub, dass, er gerade die. ehrlichen Elemente, das gesunde jüdische Volk zu der Ucberzeugung bringt, dass der Staat die Heuchelei wolle, und dass er die Lügenhaftigkeit und den Meineid wünsche. Nein, es gibt keine Parität bei der Anstellung von Beamten im preussischen Staate, wie die Worte des Abgeordneten von Zedlitz schlossen lassen möchtcn. Mag sonst die Parität gewahrt sein, den Juden gegenüber ist sie es nicht, und wir können nur konstatieren, dass'entgegen der Verfassung bei Juden gerade Abstammung, Religion und Gesinnung eine gewaltige Rolle spielen, und dass der Staat dem Juden umso geringere Schwierigkeiten in den Weg legt, als dieser.durch die Tat beweist, dass ihm nichts heilig ist, und dass ihm die Karriere mehr ist, als das ehrliche Ausharren bei den von allen Seiten angcriffcncn Brüdern. H. Sachs c. filisrachi. Es ist eine leider nicht abzuleugnende Tatsache, dass der Zionismus von dem orthodoxen Judentum heute noch auf das schärfste bekämpft wird, obwohl einerseits die Mehrheit der Judenhcit orthodox, ist, und cs somit ein leichtes für die Orthodoxie wäre, die Eiihrerrollc im Zionismus zu überiiehmen, und so ihren Ideen Geltung zu verschaffen, und obwohl auf der anderen Seite eine grosse Anzahl orthodoxer Juden, und wahrlich nicht die schlechtesten ־ die Sache des Zionismus zu ihrer eigenen gemacht haben, und mitfühlende, mitschaffendc Arbeiter dieser idealen und machtvollen Bewegung geworden sind, die täglich an Umfang zunimmt. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, in einem Zeitungsartikel das Wesen der orthodoxen Gegnerschaft hinreichend zu beleuchten: dies hiesse den Raum der Presse zu weit in Anspruch nehmen. Es dürfte aber die Leser der Jüdischen Rundschau ganz besonders interessieren, die Ansicht des Mannes über den Zionismus zu vernehmen, der als strenger Orthodoxer und eifriger Verfechter des orthodoxen Judentums es sich zur Lebensaufgabe gestellt hat, der Bewegung des Zionismus Vorschub zu leisten, und sie mit aller Kraft zu unterstützen. Es ist das R a b b i n e r R.!.Reines i n L i d a. 3 S§h M m . Der Ewige Jude. Von S. F r u g. Aus dem Russischen ins Deutsche übertragen von H. L o e w e. Las in dem vergilbten Buche Bei dem bleichen Lampenschimmer Eine tausendjährige Sage: Von Land zu Land, von Ort zu Ort Wallt arm und elend er hinfort, Nicht Ruhe findet er noch Rast, So geht es. fort in ewiger Hast. Muss leben, leben, — ach, umsonst ’ . ׳ Sucht er den Tod: des Feuers Flamme Umwindet den gequälten Leib, Sie brennt ihn nicht, sie sengt ihn nicht. Des Meeres Brandung schlägt ln Trümmer Das hundertmastige Riesenschiff, Verschlingt der Leben Tausende im Augenblick Und doch vor ihm verschlicsst cs ewig Die todesschwangeren Umarmungen; Mit Murren und mit dumpfem Brausen Wirft’s unversehrt ans Uferland Das unwillkommene Opfer. — Der siebenfach geglühte Stahl Bringt sonst den Tod mit einem Schlag, Doch auf der dürren, schwachen Brust Des Alten, wie vom Dcmantstcin Prallt spurlos gleitend ab das Schwert. ״Den Tod! den Tod!“ fleht er. Umsonst, ’s gibt keinen Tod! O niemals, niemals Hat unter’m Beil des Henkerknechts ה .* ■*״־״ v/״ *;ץ«.>**•*־•ty ־־*<׳*,׳־״-* י * '**־ ׳• %