Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1903)
- Date
- 1903-03-13
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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׳•*/■׳וי1**',״י־ *¥:«#*».־'V!■; V-.';:••״'ג;•?■*: Seite 9&. Jüdische ]Rundschau. "יל׳ יד ^p•!t Sprechsaal. FOr d!e Mitteilungen an dieser Stelle übernimmt die Redak- Uon des Blattes nur die pressgesetilkhe Verantwortlickelt. ■ ׳ : י• י ־ - •In •der Nr. 9 der ״Jüdischen Rundschau“ befindet sich im Sprechsaal eine Mitteilung, wonach eine Anzahl von Männern zusammengetreten sind, um in verschiedenen Stadtgegenden Berlins, darunter auch im Hansa-Viertel, Andachtsstätten nach altem Ritus einzurichten. Herr Eugen Friedtnann und seine Helfer scheinen dem Profekte nicht mil der nötigen Sorgfalt vorzustehen; denn sonst müssten sie wissen, dass im Hansabezirk bereits seit Jahren eine neuerbaute Synagoge in der Lessingstr. Nr. 19 sich bcfindet, in welcher Gottesdienst nach altem Ritus stattfindet. Hochachtungsvoll Der Vorstand des Synagogen- Vereins Moabit M. Hey mann. Allerlei. Vor noch nicht zweihundert Jahren. Es ist auch eine Anzeigung ihrer sonderbahren Freude, dass sie zu solcher Zeit, wanns Purim-Fest ist, spielen; Wer ausführlichen Bericht verlangt, von denen mancherlei- Spielen der alten Juden, wird davon vergnügliche Nachricht finden bey Herrn Wagenseil in der Beschreibung der Stadt Nürnberg. Cap. 22. p. 164 seqq. Heut zu Tage haben die teutschen Juden, sonderlich in Franckfurth, nur zweymal des Jahres zu spielen Erlaubnuss, als aufs Purim-Fest so gegen Ende des Fcbruarii fällt, und aufs Fest Char.uchah, oder der Einweihung des Tempels, L Mach. 4, 52. ss., dessen auch J011. 10, 22. gedacht wird, so allemal den 25. des Monaths Kislev, so mitten in! December (als anno 1713 war es auf Lucian den 13. Decembcr). fällt, da die Juden grosse Freude mit Lichter anzünden haben, und vorgeben, dass damals ein Krüglein heiliges Oehls gefunden worden, so nur einen Tag hätte brennen kannen, durch ein Wunder aber acht Tage gebrannt bis man wieder neu heiliges Oehl verfertigen und herbcyschafien können. Auf •diese Feste spielen sie nun Jedesmal acht Tage, wozu ihre Vorsteher insgemein noch zwey Tage, dass es zehen sind, hinzu setzen, weil in solchen acht Tagen zwey Sabbat!! Täge, au welchem sie nicht spielen dörffen, cinfallcn, würden also nur sechs Spiel-Tüge haben, dahero werden noch zwe.y Tage zugegeben, damit die acht Spiel-Täge voll seyn; sie spielen aber nicht mit Würffeln (als was etwan liederliche Lumpen sind), dahero auch das Bretspiel bey ihnen rar ist, sondern mit der Karte allerley Spiel, als Kauiilabethc, Trischaken, ä kmibre &c. Anno 1711. Nach dem grossen Brand hat die Franckfurter Jüdische Gemeine einen Schluss gemacht, dass ln 14 Jahren solche Spiele, aus Betrübnuss und Busse, sollen unterlassen bleiben, doch dass bey Kranken und Kindbettcrlnnen zur Lust, und ihnen die Zeit zu vertreiben, zu spielen vergönnt und dann das Schach-Spiel, welches das gantze Jahr ihnen erlaubt ist auch Jetzo nach dem Brand, dahero auch einige vermögliche Juden solches Schach-Spiel ihre Kinder lehren und informiren lassen, weil es nicht so gewinnsüchtig, hingegen den Verstand schürftet, und nachdenklich ist. Weil nun aber diese beyde Spiel-Zeiten eben in-die Heilige Zeit der Christen fallen, als das Purim in die Passions- und Chanucha in die Adventszeit gegen Weynächten, $0 sind einige Christliche Lehrer nicht ohne Ursach auf did, Qedancken verfalllen, ob nicht solches mit Fleiss, und zu. Beschimpfung der Christi, heiligen Zeit also von ihnen verlebet worden, wie sie dann der Zeit, wie wir oben Cap. 17 § 20 ein Exempel angeführt sonderliche Üppigkeit treiben. Allein, weil diese Feste von unser!! heutigen Juden nicht erstlieh: erfunden, sondern von Mardochai das Purim- und von Juda Maqhabäo das Chanucha-Fest, da man an unsere Christliehe Feyer-Zeiten noch nicht gedachte, auf diese Zeit verlegt worden sind, auch von Ihnen federzeit mit atlerley Lust Freude und Kurtzweil begangen worden, so wolte ich meines Orts die Juden eben mit solchem Verdacht nicht belegen; halte aber doch indessen dafür, um solch Aergcrniss so solcher heil. Zeit zu verhüten, die Christi. Obrigkeit könne sie mit allem'Fug und Recht anhaltcn, dass sie entweder diese beyden Feste ausser unsern heiligen Tagen auf andere Zeit verlegen, und alsdann nach Gefallen spielen sollten, oder, sie möchten diese Feste •zu solcher Zeit feyern, dabey aber alles üpplgo Spielen und Bosshcit unterlassen. Das erste wäre um so viel leichter, weil es nicht von Gott, sondern von Menschen eingesetzte Feyertägc sind; das andere aber, wo sie Ja zu spielen so grosse Lust hätten, mögten sie sich andere Zeiten darzu bestimmen; müssen sie doch sonsten sich nach unserer Heil. Fasten-Zeit darein richten, dass sie keine Spielleuthe bey ihren Hochzeiten haben döriien, wie wir dessen ein Excempel oben Cap. XVJI. § 20 bcygcbracht haben. Nach hiesiger neuen Stättigkeit ist denen Juden alles Spielen (wie unten im III. Theil p. 169 zu sehen) in Franckfurt verbotten, wie es dann § 41 lautet, auch sollen sic in der Stadt Franckfurt Gebiethen und Termine}* nicht spielen, noch das gestatten oder halten, in gemein und insonderheit in ihren Häusern, bey den Poenen, und in der müssen der Rath sie antrefiende gebotten und gesetzt hat. Sie spielen aber gleichwohl nicht allein für sich, sondern kommen auch wohl Christen zu ihnen, und spielen halbe und ganze Nächte mit ihnen. . Aus: Johann Jacob Schudt: Jüdische Merck- Würdigkeiten. Franckfurt und Leipzig 1714. Buch VI, Cap. 35, § 21, Seite 316-319. Anzahl der Juden im Preussischen Staat.*) Die gegenwärtige Anzahl aller Jüdischen Einwohner des Preussischen Staats lässt sich aui ungefähr 224 500 Seelen berechnen. Sie ist nämlich in den einzelnen Provinzen folgende: In Ostpreussen, wo die Juden nur in einigen Städten geduldet sind, und zwar in! Köiiigsbcrgischen Kammerdepartement etwa 970 im Litthauischen .. 60 zusammen 1 030 In Westpreussen ‘ im Maricnwcrdcrschen Kammcrdepartcment, wo sie ln Elbing und andern Orten statutenmässig nicht wohnen dürfen 4 500 in! Netzdistrikt, wo in 34 Städten solche sind 13 600 zusammen 18100 Bielsk, Mlawa u. a. O. keine In Neu-Ostpreussen, wo in seyn sollen, , im Bialystocker Kammerdepartement 55 500 . im Plocker.. 23500 zusammen 79000 In Südpreussen, welches nur in wenigen Städten keine Juden hat, ־ . im Poscnschen Kammerdepartement 36 600 1 im Kalischer ... 20 700 im Warschauer . 31 200 ,. (wovon in der Stadt Warschau etwa 9700) . zusammen 88 500 *) Aus Küster, Johann Emanuel: Beiträge zur Preussischen Sta'atskunde. Sammlung 1 Berlin: Haude & Spencr 1806. Seite 237-239. - ' ’ - Das Bedeutsame: dieser Statistik- Hegt natürlich in dem Vergleich mit den heutigen Zahlen. Dabei muss man wohl beachten, dass, seitdem Preussen kaum noch dasselbe Land geographisch und ethnologisch ist als •vor den 97 Jahren, wo diese Statistik aufgestellt wurde. Sie datiert aus der Zeit unmittelbar vor dem Zusammenbruch der Preussischen Monarchie infolge der Schlacht bei Jena. *ן»■"".