Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1903)
- Date
- 1903-03-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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'S *1;!j 11^*.« ׳♦-י־*Iwüf») ׳ 1 ^O.'li. jüdische Rundschau. tt ••־•- •. SKfo 97. ־ ״ » . * i .' . * * , * ״ .״ * . ־* . ‘ Kelfc ais etwas Unmögliches, ia Gefährliches hlnzustelien. Der Redner konnte sich in beiläufigen Andeutungen einige Ausfälle gegen angeblich vorhandene“ Berufs- und Geschäftszio• nisten” nicht versagen. Mit Recht .durfte ein Diskussionsredner feststellcn, dass der antizionistische Vortrag nur die zionistische Ueberzeugung unserer Anhänger gefestigt und uns ,sogar die Aussicht auf den Erwerb neuer Mitglieder eröffnet habe. Dieser ungewollte Erfolg des Abends ist ln erster Linie der klaren, überzeugenden Kritik zu danken, die unser Dr. Kalmus an den Ausführungen des Redners iibte. Dr. Kalnius wies nämlich dem Vortragenden zahlreiche Irrtiimer nach und bewies unter lebhaftem Beifall, dass Herr Klaussner ein Zerrbild der zionistischen Idee entworfen und sich in der Rolle der Kassandra gefallen habe. Als man den Vortragenden endlich vor die Frage stellte, welches Mittel zur Hebung der Judennot er anstelle des zionistischen Programms vorzuschla• gen habe, gab er die bündige Antwort: ״Ich weiss kein Mittel.“ An der Diskussion beteiligten sich noch, abgesehen von Herrn Rabbiner Dr. Carlebäch, dessen Standpunkt eine allseitige Konzilianz verbirgt, ein Gegner und fünf Freunde des Zionismus. . ‘ ״ J. Mannheim. Die Agitationsvorträge des Herrn Assessor Frlcdemann-Wiesbaden führten in Heidelberg z1׳ einer Kräftigung der strebsamen Ortsgruppe, in Karlsruhe ,zu einer neuen Gruppengründung. In Frankfurt sprachen Dr. Moses- Mannheim über ״Die Entwickelung zum Zionismus“ und Dr. K u r r e i n - Teplitz. In H e i 1 b r o n n fanJ ein Vortrag des Dr. Farbstein־ Zürich itn Verein für jü* dische Geschichte und Literatur statt. Der Erfolg war gering. In M a n rih e im hielt Dr. Moses im jüdischen Diskussionsverein einen Vortrag über ״Die Entwickelung der Zionistischen Bewegung“. Aus Mainz wird über stetes Wachstum der Gruppe berichtet An innerer Vertiefungsarbeit übertrifft wohl die Heidelberger Gruppe die übrigen unseres Distrikts. Allwöchentlich fänden gediegene wissenschaftliche Referate und Diskussionen statt. Die Ortsgruppe in Regensburg plant für 22. März eine Schekelfeier. Herr Dr. Klee musste aus gesundheitlichen Rücksichten seine Vortragstournöe verschieben. Die Herren D. Trietsch -Berlin und Dr. Ede 1 stein- Bonn haben sich zu Vorträgen in den süddeutschen Gruppen bereit erklärt. 'Alt-Breisach, 8.' März. Das war ein lebhafter Abend, welchen uns die zionistische Ortsgruppe Freiburg veranstaltete. Die Wirtsräume des Gasthauses zum goldenen Adler waren dicht־ gefüllt von den jüdischen Einwohnern, welche den an der Synagogentür angekündigten zionistischen Vortrag erwarteten.. Um Vj8 Uhr eröffnete Herr Greils a m e r - Breisach die Versandung und übergab den Vorsitz dem Vorsteher der Freiburger Ortsgruppe, Herrn prakt. Arzt Kaufmann, welcher in einer kurzen Ansprache die allgemeine Bedeutung des Zionismus hervorhob. Dann erstattete Herr Dr. D a n n e n b er g‘-Strassburg ein glänzendes Referat über Wesen und• Ziele des Zionismus. Es war herzerfreuend zu sehen, mit welchem Verständnis die Hörer dem Redner folgten und seine Worte mit Beifall begleiteten. 30 der Anwesenden trugen sich sofort in die ausgclcgtcn Listen ein, und weitere Beitritte sind zu erwarten. Die neuen Mitglieder werden sich zunächst der Freiburger Ortsgruppe anschliesscn, uni dann später eine, eigene Ortsgruppe zu bilden. Herr Dr. Dahnenberg hat sich durch seinen Vortrag ein grosses Ver* dienst •um; dje zionistische Sache erworben. Berlin. Der füdlschnatlonale Turnverein Berkachba feiert Purim durch ein Kostümlest im Dresdener Casino, Dresdener- Strasse 96, am Sonnabend, dem 14. März 1903, abends 9 Uhr. Billets sind an der Abendkasse k 1,50 Mk. 1,50 Mk. sowie Ith Vorverkauf Familienkartcn <4 Personen) k 5 Mk. zu haben. Die Freunde und Verehrer des verstorbenen Professor Ha|im Steinthal werden mit Interesse erfahren, dass Hermann Struck, der bekannte Maler und Radierer, ein Portrait I des genannten Gelehrten in Radierung hergestellt hat. Das Blatt, welches vorliegt, kann pls eines der besten Portraits des Künstlers betrachtet werden .und soll eine Serie von Bildnissen jüdischer Gelehrten cinleiten; von welcher die nächstfolgenden noch im Laufe dieses Jahres erwartet werden könneu. Rcmarquc-Druckc’ des Portraits von Professor Stcinthal, welche in 50 Exemplaren hergestellt, numeriert und vom Künstler eigenhändig unterzeichnet sind, sind zum Preise von 35 Mark, (au! Japan-Papier unter Passe-Partout, Grösse des Blattes 36 * 4$) Schriftdruckc auf China-Papier zu 10 Mark im Kommissionsverlage des ״Jüdischen Verlag cs“, Berlin SAV., Grossbeerer.str. 75, zu haben. Justizrat Siegmund Meyer. Am 8. März 1903 ist Justizrat. Meyer in seinem 73..Lebensjahrc gestorben. Mit ihm sinkt ein Vorkämpfer jener alten stolzen Garde des Judcnliberalismus ins Grab, die den Reichtum ihrer Gaben auf das Judentum ausscliütteten. Ein Stück Judenpolitik von der Mitte des vorige:! Jahrhunderts geht mit ihm von hinnen: Seine Arbeit war der Ausbau der Gemeinde zu einem Verwaltungskörpcr, der die gesteigertesten Ansprüche der Regierung erfüllt. Ith Innern gewaltsames Zersetzen der alten Werke unseres Strirr.mcs und ei trotzte und durch die Herrschaft der hohen Machtmittel der Gemeinde zu gesicherten Institutionen umgewandelte Reformen. In der Familie der Meyer war die Tyrannis über d:e Bcrliner Jüdische Gemeinde erblich. Schon der Vater Kommerzienrat Joel Wolf Meyer war erster Vorsitzender. Der Sohn der Meyerei,, wie man in Berlin die vielverzweigte Familie der alle Gemeindeämter besitzenden Klasse nannte, übernahm nach des Vaters Tode Würde und Bürde, die er fünfundzwanzig Jahr mit ungewöhnlicher Arbeitswilligkeit und nie ermattender Opferfreudigkeit getragen.־ Man muss ihm das Ehrenzeugnis ausstellen, dass er ein ungewöhnliches, organisatorisches Geschick besass, das dem mächtigen Anschwellen der Berliner jüdischen Gemeinde vollauf gewachsen war. Denn man darf nicht vergessen, dass die Berliner Gemeinde sich unter seiner Herrschaft um das fünffache vergrössert hatte und dass sich allmählich durch den grösseren Pfliclitenkreis Aufgaben von schwerwiegender Bedeutung einstellten, die menst über den Rahmen der Berliner Gemeinde hinausgingen. Leider muss man zugeben, dass seine starke Befähigung, sein hoher sittlicher Ernst, seine diplomatische Gewandtheit und seine sichere Verwaltungstechnik dem tausendfültig gegliederten Bau der Gemeinde mir 4m bureautechnischcn Sinne zugute kam. Wo es sich aber um die Erzeugütig jüdischen Lebens handelte, um die Wiedererweckung eines kräftigen Judentums, da stand er hemmend im Wege. Unter seinem Regime ist. die jüdische Gemeinde zu diesem Bollwerk der Assimilation geworden, wie die jüdische Finanz- Aristokratie sie brauchte. Er war ein Liberaler vom alten Schlage ohne Jedes tiefere soziale Empfinden. Das Distanzbcwusstscin zwischen Reich und Amt war bei ihm ausserordentlich gediegen entwickelt. Wie typisch war es für ihn, als der Antrag, die Synagogen iür jederman offen zu halten, cingebracht wurde, dass er sich mit aller Macht dagegen stemmte und als höchsten Trumpf ausrief: ״Wer kann von uns verlangen,-dass wir mit jedem Schnorrer zusammen irn Untteshausc sitzen?" — Sein Geist geht auch heute noch stark um in der Verwaltung. Denn er war einer, der gearbeitet hat. während die Konservativen nur mit dröhnenden Phrasen «egen den festgefügten Assimilationsbau ankämpften. — An seinem frischen Grabe kommt uns, indem wir Meyers Leben, das Mühe, Arbeit, Energie und Zielbewusstsein gewesen, überschauen, das Bedauern, das sein reiner Idealismus und seine mit der Grösse der Arbeit wachsende Schaffensfreudigkeit nicht auch einem innerlichen Erstarken des Judcniums zugute gekommen sind. Jonas W o 1 f s 0 h n. «*«*|)W* -״ rf*rv ייד״ז