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Jüdische Rundschau · 1903-03-13 · Heft 11 (13.3.1903) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 11 (13.3.1903)
Date
1903-03-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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V ,mph*« »וייי*•**^•«! יץ*. z ^»«1■ ,#»*.»• ,ft v!!ÜU.^ .?י:.««• ״ * י . •JUdisclie Rundschau jfeite 63. meine Zurückhaltung zu. Überwinden. Es gibt Angriffe, gegen dicj ein hochgesinnter und stolzer Mann sich nicht verteidigen kann, die aber gleich abge wehrt und gesühnt werden müssen, ׳wenn' das Gerechtigkeitsgefühl nicht allzu schwer beleidigt sein soll. Mein Freund Herz! wird mir deshalb verzeihen, wenn.ich mich mit seinem Kritiker auseinandersctzc. ' Sehen wir;' was Achad-Haam ״Altneula'nd“ vorzuwtrfen hat. ' Es ist unwahrscheinlich, dass die Dinge sich so zutragen werden, wie ״Altnculand“ sic erzählt. Zwanzig Jahre sind ein kurzer Zeitraum für die Vorgänge, die geschildert sind. Es ist nicht der Mühe wert, diesen FJnwand zurückznweisen. Vorhersagungen gegenüber kann jeder Flachkopf überlegen tun. Hcrzl stellt Vorgänge dar, die sich seiner Ansicht nach begeben können, wenn seine Voraussetzungen zutreffen. Achad-Haam weiss es besser. Er kennt die Zukunft ganz genau. Er vermag auf ein Haar anzugeben, was sich in zwan* zig Jahren zutragen wird, was nicht. Wer ihn für einen untrüglichen Propheten hält, mag ihm glauben. Wer dagegen bezweifelt, dass irgend ein Sterblicher sich unfehlbarer Sehergaben erfreut, der wird sich nur über die Dreistigkeit wundem, mit der Achad-Haam im Namen seiner eigenen Voraussicht, die doch wohl mindestens ebenso berechtigte Voraussicht Herzls für falsch erklärt. Es ist nicht möglich, durch rasches Aufkäufen alles käufliehen Landes spekulative Preistreiberei zu verhüten, vielmehr müssen diese plötzlichen und umfassenden Landkäufe selbst die Preise in die Höhe schnellen. Wer die Orfindungsgeschichtc der Trusts kennt, der weiss. dass gleichzeitige, plötzliche diskrete Verhandlungen und AbscTilüsse mit allen in Betracht kommenden Besitzern das bewährte Mittel sind, um Einverständnisse zwischen diesen und masslose Preisforderungen zu verhüten. Aber woher soll Achad-Haam wissen, was ein Trust ist und wie er gemacht wird? ״Es ist nicht ganz klar, wie die Neue Gesellschaft es fertig gebracht hat, hinreichenden Boden für die aus der ganzen Welt zusaqmengeströmten Millionen Juden zu erwerben, wenn das ganze Getreideland, welches früher in den Händen der Araber war, d. h. also der grösste Teil von Palästina überhaupt, auch fernerhin ungeschmälert in den Händen der Araber verblieb.“ Achad-Haam Ist das begreiflicherweise nicht ganz klar. Jedem andern Leser ist es ganz klar. Heute gilt in Palästina als Getreideland nur dasjenige, das den Getreidebau nach arabischen Methoden lohnt. Alles Land», was Bewässcrang, Düngung und Pflügung erfordert, um sich zum Anbau zu eignen, ist nicht urbar für die Araber, die weder bewässern noch düngen, noch pflügen; es ist dies aber für Landwirte, die sich vorgeschrittener Werkzeuge und Methoden bedienen. So können also die Araber ihr Land behalten und die neue Ge- Seilschaft kann doch neben ihnen hinreichenden Boden für die Einwanderer erwerben. Die ZakanftsVision Herzls ist unjüdisch, denn die jüdischen Bürger Palästinas, die sprechend cingeführt werden, sprechen nicht hebräisch, sondern deutsch. Ganz richtig. Aber das ist darum, weil das Buch deutsch geschrieben Ist. Das ist nämlich so der Brauch im ganzen gesitteten Schrifttum: der Dichter legt seinen Personen, welcher Herkunft sie auch sein mögen, seine eigene Sprache in den Mund. In Shakespeares ,.Julius Cäsar" sprechen die Römer nicht lateinisch, sondern englisch. Man würde aber Shakespeare unrecht tun, wenn man unterstellen würde, er‘ habe damit Geringschätzung der lateinischen Sprache ausdriiekeu wollen. Milton hat einen ״Samson", Racine eine ״Athalie“; Otto Ludwig ״Makkabäer", Hebbel eine ״Judith“ geschrieben. In allen diesen Dichtungen kommen echte Juden aus der Zeit der jüdischen Selbständigkeit vor, aber sic sprechen nicht hebräisch, sondern englisch, französisch oder deutsch. Achad* Haatn wird meiner Versicherung nicht glauben wollen. Nu»! gut. Wenn ihm auch Milton. Racine. Otto Ludwig und Hebbel unbekannt sein mögen, die Bibel kennt er hoffentlich. Da kann er denn im I. Buch Mosis, Kapitel 39, •10 und •II. hebräische Reden der sprechend cingeffthrtcn Frau Potiphar, des Mundschcnks, des Bäckers und des Pharao lesen. Diese ägyptischen Persönlichkeiten sprachen aber in Wirklichkeit schwerlich hebräisch, sondern ägyptisch, was eine ganz andere Sprache ist. Herzls Methode ist also dieselbe wie des ersten Buches Mosis; verstehen Sie nun, Achad-Haam? Aus der deutschen Rede der Personen in ״Altneuland" ist nicht zu erkennen, welche Sprache diese Personen sprechen, sondern nur welche Sprache der Verfasser des Buches schreibt. ״Es ist nicht gesagt, dass in den Schulen hebräisch gelehrt wird.“ Nein, das ist nicht gesagt. In den vorgeschrittenen Litteraturen vermeiden die Schriftsteller, das Selbstverständliche zu sagen. Sie lernen das schon in der Schule, mit den Anfangsgründen der Litteratur. ״Aus der ganzen Anlago der jüdischen Akademie geht hervor, dass sie sieb mit der hebräischen Sprache und Litteratur nicht befasst, wie es die Pariser mit der französischen tut." ״Nun aber, lieber Doktor,“ so sprach er vor Rüh- ן rung kaum noch eines Wortes mächtig, ״lassen Sie uns j scheiden. Gott nehme Sic und alle die lieben Ihrigen in! seinen ganz besonderen Schutz!“ Er empfing sein Empfehlungsschreiben und ging. ־; ־ (Schluss folgt.) Litteraturbericht. (Bfldttr der ttaschlüglgen Litteratur, welche der Redaktion zage- Stadt werden, finden eingehende Besprechung.) Wegweiser für den jüdischen Religionsunterricht. Abhandlungen, Entwürfe und Lehrprobcn aus allen Zweigen des jüdischen Religionsunterrichts. Unter Mitwirkung erfahrener Schulmänner herausgegeben von Dr. M. Sp&tvier u. E. Planter. Heft III. 1902. Berlin C. •10 S. KL 8°. Wenn es wahr ist, dass ״wer die Jugend hat, auch die Zukunft hat", so ist damit zugleich dargetan, welche gewaltige Bedeutung der Erziehung unseres Nachwuchses für die Regeherätipn des jüdischen Volkes beizumessen ist. Leider ist aber'dieser eminent wichtigen Frage im zionistischen Lager noch wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden. Umso mehr darf daher wohl jede Anregung auf dem Oebicte der Jugendcrzichung die Beachtung aller einsichtigen Gesinnungsgenossen beanspruchen. t. Der jüdische 1 .ehrerstand der Neuzeit ist in erfreulichem Aufschwünge begriffen. In der richtigen E/kcnntnip, dass gemeinsames Streben und ein Zusammenwirken aller Kräfte wiederum den Einzelnen stärke und zu rüstigem Schaficn anrege, haben die jüdischen Lehrer sich organisiert. Diese Orgv nisation sieht aber ihre Aufgabe nicht sowohl in der Förderung der materiellen Interessen ihrer!Mitglieder, als vielmehr ganz besonders in der beruflichen Fortbildung derselben. Besonders notwendig erweist letztere sich auf dem Gebiete des Religions- Unterrichts, welcher noch bis vor kurzem ein Bild des wüstesten Chaos darbot. in dem die Unmethode veralteten Chedertums das Sceptcr schwang. Nunmehr bereitet sich — durch rege Aussprache und praktische Arbeit in den Vereinen, durch Herausgabe von Lehrbüchern, die den methodischen Anforderungen genügen״), sowie endlich durch eine bereits anschn* liehe Fachpresse — für unsere Volksbezw. Religionsschule schule eine lichtere Zeit vor. Diesem fördernden Zweck dient auch der periodisch erscheinende ״Wegweiser“, dessen 3. Heft uns vorliegt uud m de« folgende« Zeilen gewürdigt werde« möge. Das Heft führt sich recht vorteilhaft mit der gediegenen Arbeit ״Zur Frage des Unterrichts in der jüdischen Religionslehre“ ein. Der Verfasser verbreitet sich zunächst über Wesen und Ziel der Religionslehrc, geht dann zur stofflichen und endlieh zur methodischen Behandlung über, für welche Golde *) Ein Bild von der bislang üblichen ״Methode“ int R.־!U. gibt das in ungezählten Auflagen erscheinende, nicht blos für höhere Schulen bestimmte Buch eines sehr gelehrten .Autors mit nachstehender Definition: ״Den Glauben an Gott mit den Gesinnungen und Handlungen, die diesem Glauben entsprechen und geziemen, nennt man — Religion." (!) '

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