Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1903)
- Date
- 1903-03-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seil! .B4. ־ , . •י . r , . ' » , ״ \ * Jlidinohe Rundscliau. Ko. io. sehen Kolonialbank, des Nationalfonds sowie auf deren Entwickelung und Tätigkeit, bis auf den heutigen Tag mit grosser Sachlichkeit hin. Im Anschluss hieran kam Herr Dr. Gronemann j auf die verschiedenen Arten unserer Hauptgegner zu ^sprechen. Die irrige Anschauung, der zionistische Gedanke sei unpatrio.tisch. wies der Redner mit Entschiedenheit zurück und berief sich dabei u. a. auf. die Sympathieen eines der edelsten deutschen Fürsten, des überall beliebten Grossherzogs von Baden. In vorzüglicher Weise wurde der Vortragende n.it den Protestrabbinern fertig. Schliessend mit einem warmen Apoll an dajS Publikum,• die zionistische Bewegung als eine moderne und zeitgemüssc zu betrachten oder sic wenigstens Vorurteilslos und objektiv zu beurteilen, endete Dr. Gronemann seine vortrefflichen Ausführungen, die allerseits tiefstes Interesse und lebhaftesten Beifall fanden. Mit grosser Spannung sah man der Diskussion entgegen, an der sich hauptsächlich der Rabbiner der Gemeinde. Herr Dr. Seligkowitz, beteiligte. Vielfach wurde, da es an stichhaltigen Argumenten gegen den Zionismus mangelte, zu sarkastischen Aeusserungcn gegriffen. Allen diesen Anfein- *Jungen stand Dr. Gronemann mit einer bewundernswerten Ruhe und Sicherheit gegenüber, und cs war ihm ein Leichtes, n'.it «schlagenden Worten die Ausführung der Gegner in sach- .lieber Weise zu widerlegen. Zum Schlüsse trugen sich mehrere Mitglieder in die ausgelegtc Liste ein. gh. Bernburg in Anhalt. Auch hier, wo derZionismus bis dahin meist nur aus dem ״Berliner Tageblatte“ bekannt war, hielt Dr. Gronemann am 23. Februar in dem Verein ״Brüder“ •einen Vortrag über die historische Entwickelung des Zionismus. In bekannt gediegener und sehr ansprechender Weise behaudelte Redner, der als einer der tatkräftigsten Führer bekannt ist, das Thema. Von tosenden! Beifall begleitet, schloss der Referent seinen glänzenden Vortrag. Ausser seinem Bedenken gegen die geringe Ausdehnung des heiligen Landes, bezeugte Dr. Flaschner, Rqbblner der Gemeinde, seine vollen Sympathieen dem Zionismus, als einer Bewegung, welche die Unterstützung aller Juden verdient. Der Erfolg wurde durch überaus zahlreiche Beitrittsanmeldungen tatkräftig bewiesen. Dr. Gronemann sei noch an dieser Stelle für seine klaren, vorzüglichen Ausführungen, wodurch Jeder Vorurteilsfreie nur Sympathie für den Zionismus gewinnen musste, der herzlichste Dank ausgesprochen. ^1 ,i %'rJ/«V1V ,1,*/ X ,i 1i ,11i ,1 tl •l ,1 «t4V »i J* Jg J« 4,1*2 ,i Jg J, ,V '■ נ<~: ני«־: נ<~: Rundschau. Wie kräftig und gelenkig die Glieder jüdischer Turner und Turnerinnen sind, davon legte das Schauturnen des Jüdischnationalen Turnvereins Bar-Kochba j in Berlin am Sonntag, dem 1. Mürz, in der Turnhalle des Dorotheenstädtischen Realgymnasiums, vor einem etwa tausendköpfigen Publikum vollgiltigen Beweis ab. Wo nur ein Plätzchen war, hatten sich Zuschauer und Zuschaueritmcn postiert, um den Blick auf die vorzüglichen ן Leistungen zu richten, die sich ihnen darboten. Und ob- . wohl das Publikum den weiten Raum dichtgedrängt in j jeder Weise ausnutzte, so reichte der Platz so wenig,! dass die Turnstangen und Leitern den jungen Freunden I desVereins dazu dienen mussten, aus derVogelperspektive j unseren strammen Turnern und Turnerinnen ztizu-! schauen. Es war ein packend komischer Anblick und! doch ungemein charakteristisch für das grosse Interesse,! dessen sich die Bestrebungen des Turnvereins Bar- Kodiba zu erfreuen haben, dass em Herr, der von unten aus nicht genügend den Scuaupiatz , zu übersehen vermochte, dem ganzen Turnen von den : Querbalken an der Decke der Halle aus stehend uiiver- י wandt zuschaute. Und die Leisturrger! waren verzagliehe. Die Lehrlingsabteilung turnte 2uerst stramnr unter der Leitung des cand. art. Julius Cohn. Sie fand reichliehen Beifall, der aber noch übertroffen wurde, durch die stürmische Begeisterung, die das Turnen der ersten und zweiten Erauen-Abteilung unter der Leitung־ der Turnlehrcrinnen Frl. Fracnkc! und Frl. Schoyer auslösten. Der Reigen der ersten Frauenabteilung, mit dem dieser Teil abschloss, ־war eine Musterleistung. Nach einem sehr gelungenen Aufmarsch der ersten Märmerabteilung hielt unter dem lebhaften Beifall der gewaltigen Menge Dr. Ernst Tuch als 1. Vorsitzender die in laufender Nummer gedruckte Rede, die keinen Zweifel über die Bestrebungen des Turnvereins übrig Hess. Nach den darauf erfolgten Freiübungen und musterhaft zu nennendem Gerätturnen, sowie einem Kürturnen mit glänzenden Darbietungen erfolgte der Ausmarsch. Zum Schluss bewies noch die Fechtriege, die ebenso wie die Männcrabteilung unter der vortrefflieben Leitung des Herrn Theobald Scholcm sich zeigte,״ dass sic ebenso elastisch wie kräftig drcinzuschlagcn verstünde. Der beste Beweis für den im Publikum hinteriassenen Eindruck ist der Umstand, dass sich noch während des Schauturnens nicht weniger als 32 neue .Mitglieder zum Beitritt meldeten. Am Abend fand dann in der Thcerbuschschen Ressource ein zwangloser Gesellschaftsabend statt, der ebenfalls von dem regen jüdischen Geiste im Verein beredtes Zeugnis ablegte. Die Gesamträtime des grossen Lokals boten kaum genügend Platz iür die Zahl der Festtcilnchmcr. Bei dem Kommers wurden jüdische Lieder gesungen, unter denen besonders לא אנדה Y> und ״Dort wo die Zeder“ reichen Beitall ernteten. Ausser der Begriissung durch Dr. Tuch verdient die kurze Anspräche des Herrn Gostinsky und die launig beginnende und bald ernst werdende Rede des Dr. Heinrich Locwc erwähnt zu werden. Dr. Loewe hielt es für seine Pflicht, besonders dem eitrigen Kassenwart des Vereins, Herrn Arthur Hirsch, den schuldigen Tribut des Dankes zu zollen, dann aber die jüngeren Mitglieder zu malmen, sich mit der Person Bar-Kochbas vertraut zu machen. Die Altc-Herrenricgc, als deren. Angehöriger er sprach, sei unbedingt von besonderer Wichtigkeit, da das Turnen und die Pilegc des Körpers in keinem Alter zu vernachlässigen sei, besonders aber müsse der Jugend Gelegenheit zur turnerischen Ausbildung gegeben und von ihr benutzt werden. In jüdischem Geiste solle geturnt werden, mit dem grossen nationalen Ziele vor Augen, das uns alle begeistert. Unter grossem Bciiall schloss er mit einem kräftigen Hoch auf die Jugendriegen, auf die Lehrlings- und Mädcheiiabtcihing. Erst am frühen Morgen gingen die Festteilnehmer auseinander. Wir wünschen der jungjüdischen Turnhewegung in cchtnationalem Sinne weiter guten Fortgang und besonders dem rührigen Turnverein Bar-Kochba, dass er weiter das nachahmenswerte Muster der ganzen Turnhewegung bleiben und sich günstig weiter entwickeln möge. Berlin. Die Repräscntantenvcrsammlung am letzten Sonntag (1. Mürz) war weniger lebendig. Die Versammlung wurde in Verhinderung der Vorsitzenden Löwenherg und Konmierzienrat Fricdlündcr, von B t u m e n 111 a 1 geleitet. Die Vcrsammlung genehmigte vorbehaltlich der behördlichen Bestätigung die Annahme eines Legates der Frau Kommerzienrat Adolf! ne Simon, geh. Heilhorn, in Höhe von 20 000 Mark, Dieses Legat ist dazu bestimmt, besonders verschämten Armen in grösseren Beträgen zugute zu körnmen, und zwar speziell zur Hilfe aus materieller Notlage. Es soll kleine Existenzen grinden und erhalten helfen. Das Legat ist daher von grosser sozialer Bedeutung, und es kann nur gewünscht werden, dass diese Art von Vermächtnissen Nachahmung findet. Es folgte