Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1903)
- Date
- 1903-03-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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.82• ו,.*י' י ־ *.• *־ ״ .■ Jiid sche Rundschau. No. io. :;׳l v kleiner geworden sein. Gerade das Gegenteil ist der Fall. — , ' Von anderer Seite w§d die geringe Kriminalität der Juden mit der günstigen wirtschaftlichen und sozialen Lage der Juden in Zusammenhang gebracht. Dem widerspricht die Tatsache, dass mit der Besserung dieser Lage auch die Kriminalität gestiegen ist; nach Jener Regel müsste sie geringer geworden sein. Dann aber sehe man sich die Lage unserer östlichen Brüder an und behaupte, sie seien in sozialer und wirtschaftlicher Beziehung besser situiert als ihre ungastlichen Wirtsvölker! Und doch delinquicren sie bei weitem weniger als diese. Beide Argumente, die gegen die letzterwähnte Erklärung angeführt wurden, gelten auch gegenüber der Ansicht, dass die geringe Judenkriminalität durch die günstigen Schulverhältnisse bedingt sei. Sind doch die Juden in Russland teilweise von der Volksschule überhaupt ausgeschlossen! Meines Erachtens erklärt sich die verhältnismässig geringe Beteiligung der Juden am Verbrechen sehr einfach, nämlich aus dem Jüdischen Stammescharakter. Die-; ser wird als Kriminalitätsfaktor im letzten Grunde sicher ausschlaggebend sein, wenn naturgemäss auch manche anderen Faktoren mitwirken, die aber stets sekundärer Natur sein dürften. Ist dies richtig, dann wissen wir auch, warum die Kriminalität der deutschen Juden in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat — eine Tatsache, welche, wie gezeigt, gegen alle anderen Erklärungsversuche spricht. Wir haben cs hier mit einer Wirkung der Assimilation zu tun: je mehr die Juden ihre Stammeseigentümlichkeiten aufgeben, desto mehr assimilieren sie sich auch bezüglich der Kriminalität. -Jetzt wird unsere Freundschaft fester Und noch täglich nimmt sie zu; Denn ich selbst begann zu rasen Und ich werde fast wie Du! (Heine.) t Aus der Bewegung. ו? Da die mit voriger Nummer erfolgte wesentliche Vergrösserung unserer Zeitung erheblich höhere Anforderungen an Geschäftsführung und Schriftleitung stellt, so ist es um so mehr die Pflicht unserer Freunde und Gesinnuugsgenosscu durch Werben von neuen Abonnenten und rege Propaganda für unser Parteiblatt.tätig zu sein. Köln. Die Delcgiertentagskommission wird Sonntag, am 8. d. M. in Hamburg zu einer Sitzung zusammentreten. Anregungen und Wünsche sind Herrn Dr. Kalmus, Lübeck, Staatsirrenanstalt, zu übermitteln. Das Distriktsbureau Berlin ersucht dringend alle Ortsgruppen, Vertrauensmänner und alle sonstigen Besitzer von Schekelblocks in seinem Bezirke um Ein- Sendung der bisher gesammelten Schckclgelder und Landcsorgamsationsbeiträge, sowie bereits gefüllten Schekelblocks. Andere Blocks sind bis zur Schlussabrechnung über das laufende Jahr zurückzubehalten. Berlin. Die Jüdischnationale Frauen- Vereinigung feiert am Sonnabend, dein 7. März 1903, abends 8^ Uhr, im Hotel König von Portugal, Burgstrasse 12, ihr viertes Stiftungsfest mit darauf folgendem Ball. Biiiets ä 1 Mk., sowie Familienkarten (4 Personen) ä 3 Mk. sind bei der Vorsitzenden, Fräulein Lina Tauber, Neue Königstiv 14/15 und an der Abendkassc zu haben. Berlin. In einer Mitgliederversammlung der Berliner Zionistischen Vereinigung sprach Davis Trietsch über die Gründling einer jüdischen Kolonisationsgenosscnschaft für den Orient. Der sachlich sehr interessante Vortrag hatxe den Zweck, zu einer baldigen praktischen Tätigkeit im Orient die Anregung zu gehen. Die sehr lebhafte Diskussion bewegte sich um die Fragen der nationalen Idee in der Kolonisation und um das System der Kolonisation im allgemeinen. Erst lange nach Mitternacht endete die Debatte, die überaus anregend sich gestaltete. Es wäre wünschenswert, dass wieder recht viele Mitgliederversammlungen stattfünden. um einzelne Themata des zionistischen Fragekomplexes eingehend zu erörtern. Berlin. Generalversammlung der zionistischen Akadcmlker. Die Akademische Gruppe beschloss das Wintersemester, das erste Semester ihrer eigentlichen Arbeit, mit einer Generalversammlung atu 28. Februar. Der Vorsitzende, cand. med. Elias Auerbach, erstattete zunächst den Bericht über die Organisation und Tätigkeit der Gruppe im allgemeinen. Unter ungeheuren Schwierigkeiten is: die Gruppe ins Leben gerufen worden; der passive Widerstand der in organisatorischer Beziehung vernachlässigten Studenten, das von der fiülieren schlaffen AkaUemikergnippe in zionistischen Kreisen hervorgerufene Misstrauen, das Fehlen jeder moralischen Unterstützung seitens der allgemeinen Organisation erschwerten ihre Entwickelung, das Fernbleiben zahlreicher Arbeitskräfte, die hergebrachte Unpünktlichkeit im Kommen und Zahlen verhinderte die Ausführung manches guten Gedankens. Trotz aller unvermeidlichen Kinderkrankheiten aber hat sich die Idee des Ganzen, die wir Eugen T ä u b 1 e r zum grössten Teile verdanken, so glänzend bewährt, dass in diesem einen Semester von uns erheblich mehr gearbeitet worden ist, als in der ganzen Zeit vorher. Neben ausgcdehnter Propagandatätigkeit wurde vor allem an der innern Durchbildung der Mitglieder im Zionismus gearbeitet, und die Notwendigkeit dieser Arbeit wurde von allen Seiten an erkannt, die. die grosse Gefahr der Unwissenheit und Verflachung der jungen Zionisten begreifen. Nicht nebelhafte Schwärmerei, sondern praktische Vertiefung ist der Grundgedanke des Ganzen. Unter diesen Gesichtspunkten erscheint uns die akademische Gruppe nicht nur als Vorbild ähnlicher Organisationen a'n anderen Orten, sondern als wichtige Etappe in der zionistischen Organisation überhaupt. — Die Abteilung für Palästinakunde arbeitete unter der Leitung von D. Trietsch vorzüglich; ,sie hat den Teilnehmern aussero»deutliche Bereicherung gebracht. Die Referate sind, cigänzt durch das Ergebnis der Besprechungen; in Protokollen fixiert. — Die Schul- und Diskussionsgruppc unter der Leitung von Dr. Klee, hat in der ersten Hälfte des Semesters sehr unregelmässig, erst in der zweiten regelmässig gearbeitet. Seit Mitte Januar wurde der Leiter durch Dr. Heinrich L o c w c vertreten. — Gegen Ende des Semesters wurde eine weitere Abteilung zum Studium der Lebensvcrhältnisse der Juden eröffnet; sic hat bereits mit der Arbeit begonnen. — Der Vorsitzende der Propagandakomniission, catid. phil. M. Baum, gab den Bericht über die Propagandatätigkeit. Es wurde besonders in der bisher ganz unbearbeiteten Provinz Posen agitiert und in zahlreichen Orten, meist durch Vorträge in den Litteraturvereinen, ein guter Untergrund für weitere Arbeit geschaffen. Der Boden hat sich als geeignet erwiesen. Ferner wurde Fühlung mit Berliner Gymnasiasten genommen, eine schwierige, aber wichtige und fruchtbringende Aufgabe, eine öffentliche Akademikervdrsammlung veranstaltet etc. Auch in dieser Richtung ist al,so weit mehr geschehen, als nach der bisherigen Verwertung der akademischen Organisation erwartet wurde. ~ Die Kasse zeigt trotz der vielen Säumigen nach energischem Eintreiben der Gelder ein Plus, ein unter zionistischen Studenten wobt unerhörtes Vorkommnis. — Als zweiter Punkt der Tagesordnung wurde die Einteilung der Ferienarbeit vorgenommen. — In der nun sich 1 anschliessenden Diskussion entspann sich eine sehr erregte -j■** *י' ־׳״* .־*«*«■׳*, -ל■*!*■'׳'“-'