Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1903)
- Date
- 1903-03-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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V »U 80, Jlidiiselie Ründ^cliaü. No. M hiermit leistet der Bar-Rochba ein Kulturwerk ersten Ranges! M. D. u. H.! Drei Ziele sind es, die wir verfolgen: Eine edle Körperpflege, die Erziehung zur Disziplin und die Kräftigung unseres Zusanimengehörigkeitsbewusstseins. Könnte nun auch zur Not das eigentliche Turnen, die Gymnastik in nicht-jüdischen Turnvereinen betrieben werden, so können wir die Disziplin, deren wir bedürfen, nur in jüdischen Turnvereinen lernen. Fast als eine ununistössliche Wahrheit galt es bisher in unseren eigenen Reihen: Ein Jude kann nie dem andern freiwilligen Gehorsam leisten. Der jüdische Turnverein hat diese ״Wahrheit“ Lügen gestraft. Ich glaube, Sie alle haben durch das Ihnen bisher vorgehihrte erkannt, dass bei j uns eine strenge und zielbewusste Disziplin herrscht. Von wie unendlichem Segen eine derartige Gewährung der Unterwerfung des eigenen Willens unter einen iremden zwecks Erreichung eines gemeinsamen Zieles für die schweren Kämpfe, die wir Juden in Zukunft zu bestehen haben werden, sein wird, braucht hier nicht ausführlicher erörtert zu werden. Und endlich unser letztes und höchstes Ziel, für welches die andern nur Mittel zum Zweck sind, das ist das jüdische Zusammengehörigkeitsbewusstsein, oder, i wie wir es nennen, das jüdische Nationalbewusstsein. Wir stehen auf dein Standpunkt, dass die Juden aller Orten zusammengehören, dass sie ein geschlossenes j Ganzes bilden, und immerinehr von diesem Gefühl der Zusammengehörigkeit sich leiten lassen müssen. Wir glauben an eine Zukunft unseres Stammes, und wer bei uns mitturnt, der ist ein Mitarbeiter an der'! günstigen Gestaltung dieser Zukunft. Andere Vereine suchen unsere Zusammengehörigkeit zu beweisen, durch die Vergangenheit, durch die Geschichte, wir dokuinen־ tieren sie unmittelbar in der Gegenwart, ein freudiger Kreis itigendücher, jugendfroher Streiter und Streiterinnen. Was wir wollen, wonach wir streben, das ist die Heranbildung körperlich starker, sehniger, elastischer selbstbewusster Juden und Jüdinnen, die es verstehen, sich freiwillig unterzuordnen zur Erreichung des einen grossen Zieles: der Hebung und Stärkung unseres herrliehen jüdischen Stammes. Wer mitarbeiten will an diesem Werk, der trete bei uns ein. — teilt hatte, dass ich in Smorgon mich heimisch machen wollte und ihn bat, mir einen zuverlässigen Fuhrmann zu empfehlen, meinte er: eines Fuhrmanns wegen brauchen Sic keine Sorge zu tragen. Jetzt ist gerade die Zeit, da die russischen Holzkamleutc ihre Reise nach Memel antreten, um daselbst ihre grossen Holzläger abzusetzen. Diese Kaufleute sind lauter reiche und angcschene Männer, von denen ein jeder sich ein Verdienst und Vergnügen daraus macht, Sie bis Smorgon, das auf ihrem Wege und gar nicht so sehr weit entfernt liegt, vnHzunchmcn. Ich werde Sie einem Matme empfehlen, der Sie dorthin bringt und gewiss nicht eher verlassen wird, als bis er Sie'gut versorgt zu haben glaubt.“ Anderen Tages kam denn auch der Grosskaufmann S. H . . . tz, einer der reichsten und angesehenstell der Stadt, was in einer jüdischen Gemeinde von -40 000 bis 50000 Seelen schon etwas besagen will, zu mir, um mir anzuzeigen, dass er* am nächsten Sonntag die Reise nach Memel anzutreten gedenke und mich bis Smorgon mUnelraeii wolle. Er brachte mich denn auch glücklieh dort hin und überlieferte mich der Fürsorge des dortigen Ortsrabbiners, eines in ganz Russland bekannten und angesehenen Mannes, und refste wieder ab. Neue Forschungen über Rasse und Degeneration. Was den Zionismus von der Wohltätigkeit und von den Förderern lediglich praktischer Kolonisation schcidet, ist das Ergreifen der ganzen Persönlichkeit. ’ Das gesamte Geistesleben wird beeinflusst, dem Denken und Fühlen eine neue Richtung gegeben und so entstehen nationale Kunstwerke, Statistiken und Dichtungen. Nun hat der zionistische Gedanke eine wissenschaftliche Arbeit gezeitigt, die möglicherweise geeignet ist, der anthropologischen Forschung neue Bahnen in ungeahntem Umfange zu weisen.*) Dr. Alfred Waldenburg in Berlin hat sich bemüht, in exakt wissenschaftlicher Form die Frage der jüdischen Rassenreinheit, der Folgen der Inzucht und der angebliehen körperlichen Decadence unseres Stammes zu untersuchen und ist dabei zu sehr merkwürdigen Resultaten gelangt. Waldenburg ist mit wahrem Biencnflciss zu Werke gegangen. Es genüge zu wissen, dass er mit dem Kejphalometer zahlreiche Messungen an Juden in Berlin und Schleswig-Holstein vorgenommen und zwecks Be- Stimmung der Form des rein germanischen Schädels volle 7 Monate auf den winzigen Haliiginseln in der Nordsee zubrachte, wo sich die germanische Rasse vermutlich in ihrer reinsten Form erhalten hat. Dort fand er das unvermutete Ergebnis, dass unter den Halligfrieseil der germanische Langschädel völlig ausgestorben ist. Dagegen findet sich ein sehr hoher Prozentsatz von Extrembrachykephalen und in Nieblum auf Föhr sind sogar 13,4 pCt. aller gemessenen Kinder isokep 11a 1**), also völlig anomal und zur Geisteskrankheit bezw. Taubstummheit veranlagt. Der Alkohol, so meint Waldenburg, trägt daran die Schuld. Er *) Von den Forschungen des Verfassers, die demnächst in Buchform veröffentlicht werden,bisher ein kurzer Bruchteil unter dem Titel: ״Das isocephale blonde Rassenelcmeut unter Halügfriescn und Jüdischen Taubstummen" bei Calvarv in Berlin erschienen. “) Isokephal nennt W. diejenigen Schädel, die so ex * tremkurzköpiig sind, dass ihre Breite beinahe der Länge* gleich kommt. F.r unterscheidet scharf die Brachykephälen von den Isokphalen im bewussten Gegensatz zu der landläufigen Schulmeimiiig der Anthropologen. Meine Anverwandten, Vettern, die dort lebten, waren anfangs nicht sehr erbaut über meine Ankunft. Als sic aber sahen, dass ich ihrer nicht bedürfe und über beträchtliche Geldmittel verfüge, die sic. wie das so gewöhnlich geschieht, weit höher veranschlagten als ihr wirklicher Bestand war: da wurden sie plötzlich die zärtlichsten Anverwandten. Nur ganz kurze Zeit genoss ich ihre Gastfreundschaft, dann mietete ich mir ein Privat- Logic mit Verköstigung und begann ein sehr glaubenseifriges Leben zu führen. Den grössten Teil des Tages hielt ich mich im Beth-llaimdrasch auf, woselbst einer der Tahnudjüngcr, den ich vollständig unterhielt und daneben noch gut bezahlte, mit mir talmudisehe Studien trieb. So lernte ich im Laufe der Zeit die Mischna und daneben die heilige Schrift und die liturgischen Gebete vollständig auswendig; auch dem Gcmarah-Vortrag konnte ich mit vollem Verständnis folgen. (Fortsetzung folgt).