Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1903)
- Date
- 1903-03-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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־■«*^ץ״ו***»־***•».» ־!%״ * ‘►ז«;■ •#*׳ן,י׳ N‘. 10. . «Jüclisclte Rundschau. Seite 79. fassung niedergelegt hat, kennt entweder nicht die Oe- ן an den Verein zu ermöglichen. Sie zählt bereits heute setze tjammurabis oder nicht die Moses. Die unend- 40 ן Mitglieder und ist in stetem Wachstum begriffen, liehe Schar der Phrasendrescher in den Zeitungen, die ן Es steht zu hoffen, dass in immer rascherem Tempo ein das Volk ״aufklären“, kennt natürlich beide nicht. | Distrikt Berlins nach dem andern von uns erobert Für heute gehen wir nicht auf die wissenschaftliche Seite der Frage ein, denn wir wollten nur konstatieren, dass der* Männerstolz vor Königsthronen sich im modernen Preussen nur auf das Alte Testament erstreckt, nicht aber auf das Neue. Rede des Herrn Dr. Ernst Tuch beim Schauturnen des jüdischen Turnvereins Bar—Kochba. Meine verehrten Damen und Herren! Im Aufträge des Jüdischen Turnvereins Bar- Kochba begriisse ich Sie aufs Herzlichste und spreche Ihnen unsern verbindlichsten Dank für Ihr liebenswürdiges Erscheinen aus. Die grosse Zahl unserer Gäste beweist uns, dass unsere Bestrebungen immer mehr Interesse und Sympathie innerhalb der jüdischen Bevölkerung Berlins gewinnen. Diese steigende Anerkcnnttng und Würdigung hält Schritt mit der wachsenden Erkenntnis, dass es für uns Juden bei weitem nicht so sehr auf die Abwehr äusserer Anfeindungen ankommt, als vielmehr auf die innere Arbeit an unserer eigenen Gemeinschaft. - Als ich im vorigen Jahre die Ehre hatte, von dieser Stelle aus, die Gäste zu begriissen, konnte ich mitteilen, dass der Verein 220 Mitglieder hätte, heute zählt er bereits 420, es hat sich ,mithin die Mitgliederzahl des Vereins in diesem Jahre nahezu verdoppelt. Wir wollen hoffen, dass der Redner des nächsten Jahres in der Lage sein wird, von S00 jüdischen Turnern und Turnerinnen in Berlin zu sprechen. Drei neue Abteilungen gründeten wir während des verflossenen Jahres: eine II. Frauen-, eine Mädchen- und eine II. Männerabteilung. — Eine jede dieser Abteilungen symbolisiert gewisser-!nassen eine andere Richtung, nach welcher der Verein sich aiisdehnte. Die II. Frauenabteilung stellt das geographische Wachstum des Vereins dar; sie wurde im Westen Berlins begründet — ihre Turnhalle befindet sich an! Schleswigcr Ufer —, um den dort wohnenden jüdischen jungen Mädchen und Frauen den Anschluss; werden wird. — Anders verhält cs sich mit der Mädchen-Abteilung. Sie ist der Beweis dafür, dass der Bar-Kochba rührig, fortarbeitet, und bestrebt ist die Altersgrenze seiner Mitglieder nach oben wie nach unten hin zu erweitern. Können wir Jieute schon auf ein recht erfreuliches Waclistlnn unserer ״Alten-Herren-Riege“ hinweisen, so haben wir durch die Gründung der Mädchen-Abteilung | -das Alter unserer weiblichen Mitglieder von 16 auf 10 j Jahre hinaufgeschraubt. Wir legen grade dieser Abteilung besondere Bedeutung bei, denn in je jüngerem Alter ן das rationelle Turnen gepflegt ״wird, desto grösseren | Einfluss gewinnt es. naturgemäss auf die gesamte Gestaitung des Körpers. Ich möchte daher nicht versaumen, bei dieser Gelegenheit den hier anwesenden Eltern zu empfehlen, ihre Töchter unserem Vereine anzuvertrauen. Hoffentlich werden wir in nicht zu langer Zeit in der Lage sein, unserer Lehrlings-Abteilung, die Ihnen vorhin ihre Leistungen vorführen durfte, eine entsprechendc ״Knabcn-Abtcilung“ anzugliederii. Zuletzt gründeten wir eine II. Männer-Abteilung. Sie setzt sich zum grössten Teil aus nicht-deutschen Juden zusammen. Mit ihr hat das Bar-Kochba die Grenzen des deutschen Staates überschritten und in ekiatanter Weise dargetan, dass es für ihn keinen Unterschied des Standes, der Klasse, der Geburt gibt, dass er unterscliiedslos allen Juden, welche die Bedeutung des Turnens für unsere Stammesgeuossen erkannt haben, in seine Reihen aufnimmt. Nachdem einmal diese Abteilung errichtet war, strömten ihr die jungen Leute zu, sic hat bereits über 70 Mitglieder in der kurzen Zeit ihres Bestehens geworben. Welch' ein herrlicher Beweis für den unbezwingbaren Drang unserer östlichen Stammesgenossen, es in der Stählung ihres Körpers uns westlichen Juden gleich zu tun! Alle diese jungen jüdischen Männer, die durch die Ungunst der Verhältnisse ihrer Heimat bisher nie haben turnen können, sie werden nunmehr bei ׳ ausgebildet. Später werden sie dann als Vorkämpfer unserer Bewegung in ihre Heimat zurückkehren und den in trostloser Not dahinlcbenden Juden des Ostens die Segnungen des rationellen Turnens bringen. Wahrlich wenden, welchen Ort als dauernden Aufenthalt erj wählen? ' | Aus meiner Kindheit her entsann ich mich, dass mein j Vater ein Eingewanderter aus einem anderen Orte und zwar aus Smorgon, nicht allzuweit von Wilna entfernt, gewesen war. Dort lebten gewiss noch Anver- .wandte der Familie, bei welchen ich eine gute Aufnähme zu finden hoffen dürfte. ״Dieser Ort gefällt mir, meinte mein Fuhrmann, denn da sind Sie ganz unter den Unsrigen, da die Bevölkerung dieses Ortes eine rein jüdische ist. Auch ist Wilna, das abendländische Jeruschalajim, nicht weit entlegen; sollte es Ihnen in Smorgon nicht behagen, nun, so gehen Sic nach Wilna.“ Nach einem Rasttage begaben wir uns wieder auf die Reise und nach vier angestrengten Tagereisen kamen wir gegen Abend nach der grossen Stadt Minsk. Hier wollte ich einige Tage Aufenthalt nehmen und erst meine Person in jüdischer Weise umformen, d. h. meine Uniform, die ich als Militärbeamter, wenn auch nicht mehr Im aktiven Dienst, nicht nur zu tragen berechtigt, sondern sogar verpflichtet war, ablegen und die heimisch-jüdische Tracht anlegen. Ein jüdischer Schneider, andere gibt’s dort gar nicht, wurde bestellt, der mir in einigen Tagen einen sehr guten und anständigen• Anzug anfertigte. Auch eine geheime Tasche sollte der bis fast zu den Knöcheln reichende schwarze Ueberrock enthalten, welche der bessere jüdische Schneider in dortiger Gegend so geschickt anzulcgen versteht, dass sie nur der Kundige und Findige erkennen kann; darin wollte ich meinen Reservefonds, bestehend aus 20 wohlgezählten Hundertrubelscheinen, aufbewahren. Mein Fuhrmann konnte mich nicht weiter begleiten, er musste wieder zurück, suchte und fand auch bald gute Passagiere, welche die passende Gelegenheit, um nach einem weit entfernten Ort zu gelangen, gerne benutzten, und nachdem er mich dem dortigen Krönrabbiner warm empfohlen hatte, reiste er ab, nahm auch meine Uniform, welche er mit samt dem Wagen meiner Frau abliefern sollte, wieder mit nach Hause. Er hat alles auf das beste besorgt und ich hatte ihn mit hundert Rubel abgelohnt, eine Summe Geldes, die für ihn ein ganzes Vermögen ausmachte. Noch selbigen Tages besuchte mich der Kronrabbiner Cha-s — das ist jene offizielle Persönlichkeit, welche die jüdische Gemeinde den Behörden gegenüber vertritt — ein sehr wohlwollender und wissenschaftlich gebildeter Mann. Als ich ihm meinen Entschluss mitge-;vgr?^#T^.r