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Jüdische Rundschau · 1903-02-27 · Heft 9 (27.2.1903) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 9 (27.2.1903)
Date
1903-02-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
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sä* Ti •JiidifÄiolie Hundsclmu, Ko. 9. bekannte englische Scheu, der Polizei allzugrosse und in ihrer Anwendung schwer zu kontrollierende Machtmittel anzuvertrauen.. - Aber man darf doch nicht darüber übersehen, dass gerade für diejenigen die der Auswanderung am meisten bedürfen. England und Amerika schon letzt sozusagen verschlossen sind. Qeradc die ״Paupers“ sind die Unglücklichen, denen geholfen werden muss, und vor denen ist das gastfreie Amerika längst verschlossen, und verschlicsst sich letzt das gastfreiere England. BUUger Kredit ist es, woran es den jüdischen Kolonisten in Palästina am meisten mangelt und wodurch man der Kolonisation den grössten Amschwung geben könnte. Ep ist landesßblich zu Zinsen von IS—24 Prozent bei Armeniern und Griechen zu leihen — es gibt abe’r auch einige jüdische Wucherer, — obgleich nach türkischem Gesetz Zinsen über 9 Prozent als Wucher zu bestrafen seien. Da bckantnlich nach dem Ausspruch eines der klügsten Könige aller Zeiten ein goldbeladener Esel feste Städte einnehmen kann ur.d die orienta- 1!sehen Wucherer zwar Gold genug besitzen, aber sonst gar keine Esel zu sein pflegen, so erinnern wir uns keines Falls, wo ein Wucherer seiner Strafe anheim gefallen wäre. So haben diese Wucherer manchen ehrlichen Mann in der Schlinge. Genug, es ist eine erlösende Tat, dass die J. C. A. den Orangeriebesitzern in Petach-Thikwah 60000 Franken als ein in 25 Jahren rückzahlbares Darlehen gegeben hat. Zwar sind gerade sie es, welche die Hülfe am wenigsten dringend bedürfen und sind die, welche für die• Entwickelung •jüdischer Arbeit die geringste Bedeutung besitzen. Aber im Zusammenhange mit dem Umstande, dass sie auch den Weinbauern 50 Prozent Vorschuss gegen 3 Prozent Zinsen gegeben hat, scheint es ein Symptom zu sein, dass die J.C.A. endlich ihre schroffe Haltung gegenüber den Kolonisten aufgeben und für die günstige Fortentwickelung der Kolonisten, sich interessieren wird. Für die jüdischen Landarbeiter (Tagelöhner) in Palästina hat die Witwe des verstorbenen Sch. J. Sachs, Mitglieds des grossen Aktionskomitees und des Bankausscbusses, in Ausfüh’mng des Testaments ihres Gatten 1000 Rubel an das Odessaer Komitee übergeben. Aus Grodno wurden ebenfalls zur Vergrösserung des gleichen Fonds 300 Rubel gespendet. frist von einem der Herren Repräsentanten abgegeben. Dem gegenüber habe ich durch Nachfrage festgestellt, dass die Abgaben der Fleischwarenhändler an die Jüdische Gemeinde so erhebliche sind, dass der Betrieb von Filialen trotz hoher Preise nicht lohnt. Weshalb wird nun immer wieder betont, dass die Aufsicht unentgeltlich ist, wofür erhebt die Gemeinde diese Steuer, wenn nicht für die Aufsicht, und wodurch rechtfertigt sich diese den.ritueil lebenden Juden auferlcgte Steuer? Vielleicht sieht sich die Jüdische Gemeinde hierdurch veranlasst, Remedur zu schaffen, oder die ״Erklärung“ des Rabbinats zu erklären. Ergebenst D r. L e s z y 11 s k y. Im Siidwesten Berlns s!nJ einige Männer, zu denen auch meine Wenigkeit gehört, zusanuncngetrcte!׳ m't d.r Absie'ii. das Projekt einer auf streng orthodoxem Standen.da: neu־.- den neu zu begründenden Tempelgemcinde zu fördern und in der Gegend zwischen Spittelmarkt und Haliesches resp. Potsdamer Tor, einen Saal zur Abhaltung eines ständigen, würdigen Gottesdienstes zu mieten und mit diesem auch eine Religionsschule und möglichst auch eine jüdische Lesehalle zu verbinden. Wir haben bereits Zusagen, sich uns anzuschliessen. erhalten von etlichen in genannter Gegend wohnenden wohlhabenden Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde, welche vorläufig noch den Tempel in der Lindenstrasse aufsuchen, aber einen Gottesdienst nach altem Ritus vorziehen. Demnächst sollen Zirkulare an die in Betracht kommenden Personen versandt werden, um diese zur Besprechung über die Beschallung der Mittel, sowie zur konstituierenden Ver- Sammlung ciuzuladen. Sobald diese Angelegenheit erledigt ist, soll versucht werden, auch in?11de.e!1 1 ••••* »* d 1 u. 7. B. rahe Kantstr., Bülowstrasse u.id Hansaplatz möglichst für die Gründung neuer orthodoxer Tempelgenieinden zu agitieren. , Hochachtungsvoll und ergebenst Eugen Friedmann. Allerlei. Das durch Davis Trietsch ״entdeckte“ Wadl-el-Arlsch wird fetzt von einer von offizieller zionistischer Seite ausgehenden Expedition wissenschaftlich und wirtschaftlich erforscht, wenn man einer uns zugehenden Meldung aus Port- Said Glauben schenken darf. Der Expedition soll sich Dr. fiillcl J o f 6-Jaffa angeschlossen haben. Man muss gestehen, dass dieses Gebiet eher zu 'einem Grcatcr Palestine, wie Trietsch es plant, hinzugezogen werden sollte, als das entlegene Cypern. Wir wären einstweilen auch mit dem Little Palestine zufrieden. Sprechsaal. Fflr die Mitteilungen an dieser Stelle übernimmt die Redak* tion des Blattes nur die pressgesetz lche Verantwortlickcit. Löbl. Redaktion! Vor kurzem ging eine ״Erklärung“ des Rabbiners der Jüdischen Gemeinde betreffend Schcchita durch die jüdischen Zeitungen. Auch die Jüdische Rundschau brachte die Erklärung. Darin befand sich auch der Satz: ״Die Kosten für diese Ueberwachung werden von der Jüdischen Gemeinde getragen und eine Steigerung des Preises desKoscherfieischestrittdurchsie nicht ein.*‘ ,Eine ähnliche Erklärung wurde vor etwa Jahres¬ Yor tausend Jahren. In seinem berühmten Buche Kitäb al aqidim erzählt der mittelalterliche arabische Geograph Schaich Abü-fshäq al-Färsl al-Istachrl, im Anschluss an die Karte des Kaspischen Meeres auch von den Cha zaren. Einiges daraus ist interessant und wir wollen cs unsern Lesern nicht vorenthalten: ״Chazar Ist der Name eines Landes, dessen Hauptstadt Atel heisst; auch der Fluss, welcher aus dem Lande der Russen und der Bulgaren dorthin fliesst, heisst Atel (Wolga׳. Die Stadt Atel besteht aus 2 Teilen, wovon der eine aui der •t Westseite des Flusses Atel liegt; dies ist der grössere Teil; ' der andere liegt auf der Ostscite. •Der König wohnt in dem westlichen Teile und heisst in ihrer Sprache Balk. auch Bak. (Vielleicht das türkische Beg?) Die Länge dieses Teds beträgt ungefähr eine Parasange und er ist mit Mauern' um• .gürtet. Die Wohnungen liegen zerstreut und sind aus Filz, nur wenige sind aus Lehm. Die Stadt hat Märkte .und Bäder und cs halten sich viele Muhammedaner hier auf; es sollen über 10 000 sein und sie haben an 30 Moscheen. Das Schloss des Königs liegt von dem Ufer entfernt, und ist aus Ziegelsteinen erbaut: es ist ausser diesem kein anderes Gebäude aus Backsteinen, weil der König cs niemandem erlaubt. In den Mauern sind 4 Tore, welche nach dem Flusse und der Ebene führen. König ist ein Jude; er soll eine Leibgarde von ungefähr 4000 Mann zu Fuss haben. Die Chazaren sind Christen, Muhammedaner, Juden und Heiden; die Juden sind die wenigsten, Muhammedaner und Christen die meisten: allein der König und sein Hof sind Juden: das gemeine Volk besteht fast nur aus Heiden, die verschiedene Kulte haben. Ihre Riehter befolgen alte Gesetze, welche von denen der rriuhammedanischen. christlichen und jüd'schcn Religion verschieden J sind. Der König hat ein Gesamtheer von 12 000 •Mann. . . . | Er hat 9 Richter unter den Juden. Christen, Muhammedanern . und Heiden. An sie wendet man sich in einem Rechtsstreite und nicht an den König. Wenn sie zu Gerichte sitzen, so ist

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