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Jüdische Rundschau · 1903-02-27 · Heft 9 (27.2.1903) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 9 (27.2.1903)
Date
1903-02-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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JUdisolie Ruudscliau. Seite 78. No. ß die Expedition der Jüdischen Rundschau 1 baldigst ein zu senden. j Hilft( nichts• der Jude wird verbrannt, werden viele Anl!Sngc'r der Feuerbestattung beim Durehlescn des folgenden Rundschreibens denken, das soeben vom Bürcau des Deutsch- Israelitischen Geme'ndebundes •an die Vorstände sämtliche! ״Rahbinergcme:nden“ Deutschlands verschickt wird. Aus schuldiger Rücksicht für die hochverdiente Leitung des D.-l. G.-B. geben wir dieser Umfrage Raum: . l.Öbl. Vörstand! Von einer grösseren jüdischen Gemeinde Deutschlands ist uns die Frage nahe gelegt worden, wie sich die löblichen Ge* mcindebehördcu bezüglich die chrwürd:gen Rabbinatc zu der Angelegenheit der Feuerbestattung stellen? Der Gegenstand ist von so grosser r‘*r1nzipicllcr Wichtigkeit, und auch tatsächlich mehren die Fälle der Feuerbestattung sich derart, dass eine grundsätzliche Fntscheidung sich als wünschenswert, ja, als notwendig herausstcllt. Wir gestatten uns deshalb einen löbl. Vorstand zu bitten: Cr möge uns baldmöglichst über seine, bezw. des dortigen Rabbinats Stellung zu der Frage der Fcue'rbcstattung Auskunft erteilen. j Lassen Sic eine religiöse Feier bei der Feuerbej stattung zu?. j Findet die religiöse Feier vor oder nach der Ver* ] brennung statt? ' Wie und in welcher Form findet Beisetzung der Urne auf Ih'rcm Friedhofe statt? Wir werden das Ergebnis unserer Rundfrage veröffentlichen und damit hoiientlich zur Klärung der bedeutsamen Angelegenheit einen wichtigen Beitrag zu liefern imstande sein. Hochachtungsvoll Der Ausschuss des Deutsch־!sraclit׳sehcn Gemcindebundes. Prof. Dr. M. P11 i Ii p p s o n, gcschäftsführcnddr Vorsitzender. Uns fällt dabei eine Geschichte ein, die in der Börde heimisch ist: Da wurde ein ehrsamer Tischlermeister gefragt, was für ein Sarg vorzuzichen sei, ein hölzerner oder ein Zinnsarg. ״Ja,“ antwortete der Sachkenner. ..das kann ich sc janz jenau sagen. Sonn zinne'rner, der hält se länger, aber sonn helzcrner, der is se jesinder!“ Der D.-I. G.-B. hat sonst schwere Aufgaben genug zu erfüllen, als dass gerade er seine kostbare Arbeitskraft diesem unfruchtbaren Thema zuwendet. Wenn er für die Lebenden genügend sorgt, soll ihm gern verziehen sein, wenn eT die Toten begraben lässt, wie cs ihnen selbst gefällt. Das wäre*.aber ein Thema für den Rabbinertag, wenn ihm nach Beratung der Pensions- und Reliktenkasscnangelcgenheit noch Zeit bleibt. Berlin. Der Vorstand der ״JiUlisch-mi&ikalischen Vero'nigung“ beschloss in seiner jüngsten Vorstandssitztmg die Einrichtung einer Noten-Bibliotlick. Mit der Ausführung dieses Beschlusses wurde Herr Hugo Hirsch beauftragt, welchem es gelang, .innerhalb einer Woche ca. 70 Exemplare von Liedern und Salonstiiekcn aller Instrumente für diese Bibliothek gestiftet zu erhalten; es befinden sich darunter auch eine ganze Anzahl jüdischer Musikstücke. Diese Einrichtung entspricht einem dringenden Bedürfnis der Mitglieder der I. M., V., m.t musikalischer Nahrung versorgt zu werden und ist umsomehr zu begrüssen, als das Notenmaterial jedem Interessenten, also auch Nichtmitgliedc, zur Verfügung stehen soll. Der Katalog über die erste Sammlung, die sich inzwischen verdoppelt haben dürfte, wird in allernächster Zeit herausgegeben we.־- den und steht ebenfalls jedem Interessenten zur Verfügung. hl Verleumderische Angriffe brachten im vorigen Jahre verschiedene jüdische Blätter über die Jüdische Kolonialbank. Nachdem verschiedene dieser Zeitungen vor Gericht gezogen waren, erinnerten sie sich, dass sie falsch berichtet gewesen waren, und brachten die vereinbarten Erklärungen. Jetzt kam unch die Angelegenheit ״Oesterreichischc Wochen- {Schrift״, als letzte an die Reihe. In einem Protokoll vom 10. Februar 1903 erklärt Dr. Josef Bloch, dass &r den Artike! in Nummer 11 seines Blattes vom 4. IV. 1902 dem Mainzer ״Israelit“ entnommen habe, und dass es nicht seine * Absicht gewesen sei, irgend wie die persönliche Ehre der; au der Verwaltung und Leitung beteiligten Persönlichkeiten autasten oder der Gebarung diese זי Bank nahe, t r c t e 11 z u w o 11 e n. Er habe keinen Anlass, an der vollständig Korrekten Gebarung der ״Jüdischen Kolonialbank“ zu zweifeln; er bedauere, wenn die Publikation in seinem Blatte Anlass zu einer andern Aufiassung' gegeben haben sollte und sei ohne weiteres bereit, an leitender Stelle seines Blattes eine unzweideutige Erklärung abzugeben. Nachdeifi in voriger Woche diese Erklärung in der Wochenschrift Dr. Blocks zum Ab- . druck gelangt ist. hat der Anwalt der Kolonialbank die Klage als gegenstandslos geworden zurückgezogen. Es würde dem Judentum gewiss nicht schaden, wenn Dr. Bloch dies als Aulass nehmen würde, auch den Zionismus im allgemeinen und :1! Oesterreich im besonderen loyal zu behandeln, und ihm das sympathische Entgegenkommen zu wahren, das eV früher iür unsere Bewegung zu beweisen geglaubt hat. Jedenfalls wünschen wir, dass ein ehrlicher Friede gehalten wird, wie cs unsererseits geschehen wird. London. Die im März vorigen Jahres eingesetzte Konimission zur Prüfung der aus der unbeschränkten Einwanderung (Royal Alien Immigration-Commission) entstehenden Uebelstände und der Vorschläge zu deren Abhilfe wird in den nächsten Tagen wieder zusammentreten und sie gedenkt ihre Arbeiten so zu beschleunigen, dass sie bald einen Bericht vorlegen zu können hofft. Wenn auch zweiicllos die Ein- Wanderung russischer und rumänischer Juden den Anstoss zur Einsetzung der Kommission gegeben hat, so ist doch — was wir übrigens vorausgesehen und s. Zt. an dieser Stelle in Aussicht gestellt haben — aus der spezifisch jüdischen Einwanderungsfrage eine Einwaiiderungsfrage überhaupt geworden, und wahrscheinlich wird das Ende vom Liede sein, dass nicht die Einwanderung der Juden, sondern anderer viel unliebsamerer Fremden beschränkt wird. Im Schoosse der Kommission ist man bereits zu der Einsicht gelangt, dass die weitaus meisten Prozesse, mit denen die Gerichte durch die eingewanderten Juden . behelligt werden, rein persönliche und Familienange- Icgcnhcitcn betreffen, und wohl lästig, aber nicht ernsthaft sind. Die jüdischen Einwanderer sind von einer förmlichen Prozesswut ergriffen. Die ernstere Wohnungsfrage ist aber keine Frage, die durch allgemeine die Einwanderung bcschrünkeude Gesetze zu lösen ist, sondern ist eine allein London angehende Angelegenheit, die von dem. Londoner Magistrat und von Kapitalisten gelöst werden muss. Selbst die auf eine möglichst radikale Einschränkung der Einwanderung hinarbeitenden Mitglieder der Kommission verlangen jetzt nur, dass 1. die Polizei befugt sein soll, jeden in England sich aufhaltenden Ausländer auszuweisen, der ein Genosse anrüchiger, über beleumundeter Personen, oder ein Verbrecher ist,, oder sich durch das Laster ernähren lässt; 2. dass eine Efrtwanderungsbehörde eingesetzt werde mit; der Machtvollkommenheit, das Landen Kranker oder Paupers ־ zu verhindern, von denen aiuunehmcn ist, dass sie •der öffentliehen Wohltätigkeit zur Last fallen werden; 3. dass Fremde, die sich niederzulassen beabsichtigen, von einem britischen Konsul oder einer Lokalbehörde ein Zeugnis vorlegen sollen. Wie man sieht, haben von diesen Forderungen vielleicht alle anderen Einwanderer jnehr zu fürchten als die Juden, sollen diese Kautelen mehr die vor kurzem an dieser Stelle nach der ״Daily Mail“ geschilderten Westlondoner Fremden als die des Ostlondoner Ghetto fernhalten. Diese Forderungen sind wenig antisemitisch. Wenn die Forderungen jedoch trotzdem noch vielfach Bedenken reregen, so ist der Grund die

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